Akut drohende Zwangspensionierung

  • P.S.: Die finanzielle Sondersituation kommt übrigens dadurch zustande, dass bei Pensionierung ab 62 mehr abgezogen würde als bei Frühpensionierung

    Kannst du das weiter ausführen? Weil das stimmt so eigentlich nicht.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • In Hessen wird bei Pension zur Antragsgrenze pro Jahr bis 67 abgezogen. Bei Dienstunfähigkeit wird maximal 10,8 % abgezogen. Das ist bei meinem Mann ein geringerer Versorgungsabschlag. Offizielle Amtsauskunft.

  • In Hessen wird bei Pension zur Antragsgrenze pro Jahr bis 67 abgezogen. Bei Dienstunfähigkeit wird maximal 10,8 % abgezogen. Das ist bei meinem Mann ein geringerer Versorgungsabschlag. Offizielle Amtsauskunft.

    Wie soll denn die Pension vor 62 höher sein? Die 10,8% werden bei jedem abgezogen, der die Altersgrenze nicht erreicht.

    Man fällt nur nicht unter die mindest Versorgung.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Bei Frühpension wird ein Zuschlag gezahlt. Aber das führt von meinem Anliegen gerade weg. Offizielle Auskunft der Behörde. Mein Vater wurde auch frühpensioniert. Da wird ein Zuschlag gerechnet.

  • Früher war alles anders. Ein befreundeter Lehrer, der jetzt aber schon Ende 80 ist, ging mit 61 ohne Abschläge in den Ruhestand. Also er sagt, er hätte keine Abschläge. Er wäre etwas länger krank gewesen, musste dann zur Amtsärztin, hätte wirres Zeug geredet und sei daraufhin ohne Abschläge pensioniert worden. Wie das nun genau vor fast 30 Jahren ablief, weiß wohl niemand mehr.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Früher war alles anders. Ein befreundeter Lehrer, der jetzt aber schon Ende 80 ist, ging mit 61 ohne Abschläge in den Ruhestand. Also er sagt, er hätte keine Abschläge. Er wäre etwas länger krank gewesen, musste dann zur Amtsärztin, hätte wirres Zeug geredet und sei daraufhin ohne Abschläge pensioniert worden. Wie das nun genau vor fast 30 Jahren ablief, weiß wohl niemand mehr.

    Aus heutiger Sicht überraschend, dass lange Zeit nicht kritisch hinterfragt wurde, ob es sinnvoll ist, dass jemand geschätzte 27 Jahre lang abschlagsfrei Pension aus Steuermitteln erhält. Das, was dieser Lehrer fast 3 Jahrzehnte lang erhält, muss an anderer Stelle erst einmal erwirtschaftet werden. Klar ist, dass bis auf sehr wenige Ausnahmsweisen niemand bis spät ins Alter (durchgehend) arbeiten kann. Dennoch ist es vergleichsweise unwahrscheinlich, dass jemand vergleichsweise früh arbeitsunfähig wird und danach trotzdem noch deutlich über 20 Jahre lebt. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber zumeist deutet ein hohes Lebensalter darauf an, dass die Person auch relativ lange (theoretisch) arbeitsfähig war.

    Vermutlich war der befreundete Lehrer (nur) 40% seines Lebens in einer Art von Beschäftigung tätig und 60% können den Phasen der Erziehung, Bildung und Pension zugeordnet werden, was in diesen Relationen zum Einen selten ist und zum Anderen aus staatlicher Sicht vergleichsweise teuer.

  • Dennoch ist es vergleichsweise unwahrscheinlich, dass jemand vergleichsweise früh arbeitsunfähig wird und danach trotzdem noch deutlich über 20 Jahre lebt.

    Ach...
    Es freut mich zwar manchmal, dass du scheinbar ein so unbeschwertes Leben hast, aber: Wo lebst du denn?

  • Vermutlich war der befreundete Lehrer (nur) 40% seines Lebens in einer Art von Beschäftigung tätig und 60% können den Phasen der Erziehung, Bildung und Pension zugeordnet werden, was in diesen Relationen zum Einen selten ist und zum Anderen aus staatlicher Sicht vergleichsweise teuer.

    Dieser Anteil ist ziemlich normal, besonders für Akademiker. Wenn das zu teuer ist, dann können nun noch ungelernte Personen an Schule arbeiten.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Dieser Anteil ist ziemlich normal, besonders für Akademiker. Wenn das zu teuer ist, dann können nun noch ungelernte Personen an Schule arbeiten.

    Aktuell werden staatliche Einnahmen und Ausgaben medial wieder sehr stark diskutiert und dabei stehen auch die Beamte (m/w/d) im Zentrum der Aufmerksamkeit, sei es die Frage, ob sie von der Entlastungsprämie profitieren sollen oder ob (im Fall von Bundsbeamten (m/w/d)) nach Entscheidung durch das Verfassungsgericht ihre Besoldung erhöht werden soll. Beamte (m/w/d) haben eine überdurchschnittliche Lebenserwartung und treten später ins Berufsleben ein. Fernab von Emotionen und wirklich rein auf Zahlen beschränkt, eine rein theoretische Überlegung, ist aus staatlicher Sicht derjenige Bürger (m/w/d) am günstigsten, der möglichst lange einzahlt und dessen Phase außerhalb der beruflichen Tätigkeit möglichst kurz ist. Das ist natürlich kein sonderlich sozialer Ansatz und so müssen menschliche Bedürfnisse auch berücksichtigt werden und nicht nur eine mechanische Kosten-Leistungs-Rechnung. Dennoch ist die Frage, wo der Punkt erreicht ist, an dem menschliche Bedürfnisse beginnen, das System finanziell zu stark zu belasten - und das könnte wiederum in einem Fall wie dem oben beschriebenen zutreffen.

  • Darum sind ja auch die Abschläge auf die Pension eingeführt worden, wenn man vor Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht. Das gilt analog ebenso für die Frühpensionierung wegen DU, allerdings sind da die Fristen andere.

    Es könnte alles so einfach sein - ist es aber nicht.

  • Ein Jahr. Ja, ich weiß, das ist lang und es ist verständlich, dass der Dienstherr reagieren muss. Trotzdem ist die Belastung gerade groß.

    Kann ich absolut verstehen, dass das natürlich eine Belastung ist. Im Vergleich zu Tarifangestellten ist das aber schon sehr komfortabel, da endet nach 78 Wochen das Krankengeld und man bekommt Arbeitslosengeld oder EU-Rente.

  • Meinem Mann fällt der Gedanke an Zwangspension extrem schwer, klar kann er vielleicht später reaktiviert werden. Aber er verliert seine Schule, seine Kollegen. Und wer weiß, wo er dann hinkäme. Das ist gerade, als bricht alles weg. Und das schadet auch seiner Gesundheit.

    Das ist auch nachvollziehbar. Arbeit ist ein stabilisierender Faktor im Leben. Gleichzeitig mehrere stabilisierende Faktoren zu verlieren, kann traumatisch sein. Diese Gedanken benötigen Zeit und Raum.

    Aber auch:

    ... Manchmal denke ich, es wäre einfach schön, das ganze Hickhack hätte ein Ende.

    Vielleicht kann dein Mann das auch so sehen, nachdem du nun alles Theoretische gut durchdacht hast? Ihr habt alles, was ihr jetzt wisst, abgewägt. Niemand kann die nächsten Jahre prognostizieren. In welcher Schule er in 3 Jahren arbeiten möchte, das könnt (und dürft ihr aber auch getrost) erst in 3 Jahren überlegen. Man kann nur im Hier und Jetzt handeln.

    Ich finde es einfach schade, dass der Amtsarzt nicht zugehört hat, um mit deinem Mann gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Durch die ruppige Ignoranz hat er m.E. den ganzen Druck erst heraufbeschworen, ganz unabhängig vom Ausgang der Entscheidung.

    Ich wünsche euch alles Gute

  • Ich finde es einfach schade, dass der Amtsarzt nicht zugehört hat, um mit deinem Mann gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Durch die ruppige Ignoranz hat er m.E. den ganzen Druck erst heraufbeschworen, ganz unabhängig vom Ausgang der Entscheidung.

    Ja, da ist einiges dran. Vordergründig wurde es meinem Mann so "verkauft", dass er dadurch Zeit für sich gewinnt und den Druck rausnehmen kann. Da ist auch was dran. Als mein Mann aber anmerkte, der Verlust des Dienstortes belastet ihn mindestens genauso, wurde das einfach vom Tisch gewischt. Das Ergebnis stand, so sein Eindruck, eigentlich schon vor dem Gespräch fest. Das war ein Urteil nach 08/15 Manier, keine individuelle Betrachtung. Offenbar gibt es da bei den Amtsärzten Listen nach dem Motto Symptom - Dauer der Erkrankung - Reaktion. Gleich zu Beginn fiel der Satz "Sie haben Beschwerden X und Y, wir haben da Erfahrung, das ist langwierig." Ohne überhaupt ein Wort mit meinem Mann gewechselt zu haben und entgegen aller eingereichter Gutachten. Er hätte wenigstens erwartet, dass ein halbwegs mit dem Beschwerdenkreis vertrauter Facharzt eingesetzt wird. Stattdessen war das total fachfremd.

  • wir haben da Erfahrung, das ist langwierig." Ohne überhaupt ein Wort mit meinem Mann gewechselt zu haben und entgegen aller eingereichter Gutachten

    Sei mir nicht böse, aber er ist bereits seit einem Jahr krank und du sagst selber, innerhalb der nächsten sechs Monate wird er nicht wieder arbeitsfähig sein. Was soll das denn sonst anderes sein als langwierig? Und was sollen das dann für Gutachten sein? Die werden ja nicht gesagt haben, dass er vor 3 Monaten bereits wieder hätte arbeiten können.


    Also auch wenn eure Situation individuell betrachtet natürlich total blöd für euch ist, und die Situation deinen Mann natürlich belastet- alles nachvollziehbar. Systemisch gesehen ist er aber nun mal Beamter und kennt die Spielregeln und er ist gerade halt zuhause bei vollen Bezügen und wird min. 1,5 Jahre nicht arbeiten da ist nun mal ein Instrument die Zurruhesetzung.

    Und die Regeln sagen nun mal folgendes:

    Zitat

    Ein Beamter ist dann dienstunfähig, wenn er in den letzten sechs Monaten drei Monate krank war und davon auszugehen ist, dass er auch innerhalb der nächsten sechs Monate nicht wieder voll dienstfähig wird.


    Und genau das ist hier der Fall.

    2 Mal editiert, zuletzt von Karl-Dieter (23. April 2026 18:05)

  • Und genau das ist hier der Fall.

    Ich weiß nicht, wie alt Eugenias Mann ist, aber ist es nicht so, dass man "vorübergehend" zur Ruhe gesetzt wird, wenn man noch relativ jung ist und dass dann alle 2 Jahre die Dienstfähigkeit nochmals geprüft wird? Kenne einen Fall, da wurde der Kollege nach 2 Jahren wieder dienstfähig geschrieben, was er auch wollte. Er war damals sogar anwaltlich gegen die vorübergehende Pensionierung vorgegangen, erfolglos.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

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