? Vertretung an der Ganztagsschule

  • Liebe Community,


    seit einiger Zeit arbeite ich an einer Ganztagsschule in NRW, Sek. I und II. Konkret hat man den Eltern wohl das Versprechen gegeben, dass ihre Kinder, Sek. I, in der Zeit von 8-15 Uhr schulisch beaufsichtigt werden. Das führt dazu, dass meiner Ansicht nach die Tage "gestreckt" werden mit einer langen Mittagspause, Hausaufgabenstunden und Förderstunden.

    Vor allem aber fällt nie Unterricht aus, im genannten Zeitraum wird alles vertreten, was mir und auch vielen SuS unsinnig erscheint. Beispiel: nach der Mittagspause sind von 13:30-15:00 noch 2h Sport. Der Sportkollege ist krank. Eine Aufgabe gibt es für die Zeit nicht. Nun werden für die beiden Stunden Kollegen zur Vertretung rangezogen. Müssen entweder länger bleiben oder extra (früher) kommen. Die SuS sitzen da und spielen Karten oder unterhalten sich. Aber heimschicken darf man sie nicht. Genauso morgens: auch wenn schon tagelang bekannt ist, dass die Stunde 1-2 nicht unterrichtet werden kann, weil der entsprechende Kollege nicht da ist.. wird vertreten, dafür muss dann ein anderer eher kommen oder die Vertretungsreserve ran. Dementsprechend gibt es auch kein "Vorziehen" von Stunden, z.B. von der letzten auf die vorletzte Stunde mit Unterricht, der dafür dann an der planmäßigen Stelle (z.B. am nächsten Morgen) entfällt.

    Ich kenne es von anderen Schulen so, dass solche Randstunden ausfallen, Unterricht vorgezogen/umgelegt wird etc. Die Regelung an dieser Schule führt meiner Meinung nach dazu, dass man als Lehrer wesentlich mehr Präsenzzeiten hat und auch durchweg länger in der Schule ist. Zumal diese Hausaufgabenstunden, Mittagspausenaufsichten etc. nur zur Hälfte auf das Stundenkontingent angerechnet werden (Begründung: keine Vor-/Nacharbeit notwendig).

    Frage 1: ist das mittlerweile "normal" an Schulen, dass die Randstunden nicht ausfallen oder ist das ein Spezifikum von Ganztagsschulen? Wäre hier eine andere Lösung denkbar? So könnte ich mir vorstellen, einen Studenten für die Zeit der Randstunden da zu haben, wenn Eltern absolut nicht wollen, dass ihre Kinder in solchen Situationen später losgehen oder früher heimkommen, der diese Kinder beaufsichtigt.

    Frage 2: täusche ich mich oder ist es so, dass die zeitliche Anwesenheit und Länge der Schultage an solchen Schulen bei gleicher Bezahlung erheblich höher liegt? Denn das andere übliche Arbeitspensum (Konferenzen, Klausuren, Korrekturen etc.) ist damit ja nicht erledigt.

  • Die Vertretungsstunden werden ja voll angerechnet. Wenn es sich die Schule leisten kann, jede Stunde vertreten zu lassen, weil zu viele Lehrerstunden vorhanden sind, kann das durchaus im Sinne des Kollegiums sein, um Abordnungen zu vermeiden.

  • zu 1) Bei uns (BY) wird in Ganztagsklassen i. d. R. auch am Nachmittag vertreten. Oft endet der Unterricht aber um 13:00 Uhr, z. B. an Konferenztagen. Die ersten Stunden werden immer vertreten, "später kommen" gibt es für die SuS nicht (und wäre im Hinblick auf die Beförderung auch schwierig). Bin über die rechtlichen Aspekte diesbezüglich im Unklaren.

    zu 2) Wenn du sagst, dass manche Stunden nur halb zählen, dann sind die Präsenzzeiten offensichtlich größer. Dennoch wird doch jede Vertretungsstunde entlohnt, sodass du bei vielen Spontanvertretungen auch mehr Geld bekommst.

  • Das Ziel ist immer, dass es keinen Unterrichtsausfall gibt. Grundsätzlich ist das auch positiv zu sehen, wenn die Kapazitäten da sind und nicht die Kollegen alle durch die Mehrarbeit überlastet werden. Und eine Vertretungsstunde mit richtigem ertretungsunterricht (egal welches Fach) ist meiner Meinung nach kein Unsinn. Unsinn wird es erst, wenn alle die Zeit nur absitzen.

    Und meine Erfahrung ist, dass es in allen Klassen Schüler gibt, die lautstark protestieren, wenn der Vertretungslehrer Unterricht macht. Sie wollen sich lieber selbst beschäftigen oder einen Film schauen. Es gibt aber auch Schülern, die solche Zeitverschwendung nicht mögen und doch lieber auch in der Vertretung etwas lernen möchten. Diese sagen nur in der Regel nichts. Also einfach in einer Vertretungsstunde auch eine Einzelstunden in einem deiner Fächer halten. Es bietet sich allgemeine Wiederholung (Bruchrechnen, Vokabelspiele, Lesestunden, …) oder Ergänzungsstunden zu Themen des Vorjahrs an.

    Bring das Thema auf einer Lehrerkonferenz zur Sprache. Überlege dir vorher, was du erreichen möchtest und finde im Kollegium Mitstreiter.

    • Willst du, dass Randstunden entfallen sollen? Dann erkundige dich vorher, ob es in der Unterstufe bei euch Regelungen zu verlässlichen Unterrichtszeiten gibt, bevor du etwas beantragst, was nie durchgeht. Für ein Entfallen der Randstunden spräche eine Überlastung des Kollegiums durch insgesamt zu viele anfallende Vertretungsstunden.
    • Möchtest du dich in Vertretungsstunden nicht mehr langweilen? Dann gib Unterricht und lasse keine anderen Beschäftigung zu. Und mach Werbung dafür, dass möglichst viele andere Kollegen das auch machen, dann nehmen die Schülerprotest ab.
    • Möchtest du die Vertretungsreihenfolge ändern? Sollen als erstes Kollegen zur Vertretung herangezogen werden, die selbst in der Klasse unterrichten, damit sie ihren Unterricht fortsetzen können und wenigsten etwas Nutzen für den eigenen Unterricht bei einer Vertretungsstunde haben. Das Konzept passt aber nicht zu einem System mit Bereitschaftsstunden für Vertretungen.
    • Willst du erreichen, dass jeder für den Krankheitsfall bereits zu Schuljahresbeginn jederzeit einsetzbares Material bereitstellt? Denk aber daran, dass du das dann auch machen musst. Vielleicht ist es einfacher sich für jeden Jahrgang selbst zu überlegen, was du in deinen Fächern machen kannst.
    • Willst du, dass die Klassen in den Zeiten eine Bewegungspause machen? Dann gehe auf den Sportplatz, zu Tischtennisplatten oder mache einen Spaziergang über das Schulgelände. Stelle den Antrag, dass dafür Sportgeräte (Fußball, Basketball, Tischtennisausrüstung) angeschafft werden, die dann auch nicht Sportlehrern zur Verfügung stehen.
    • Willst du die studentische Hilfskraft für morgendliche Vertretung? Dann erkundige dich, ob ihr in NRW Lehrerstunden umwandeln könnt, um davon anderes angestelltes Personal für solche Aufgaben zu bezahlen.


    zu 2) Die Präsenzzeiten an der Schule sind länger, da du aber die Nachmittagsaufsicht nicht groß vor- oder nachbereiten musst, wird dadurch die Zeit an deinem heimischen Schreibtisch kürzer. Die Arbeitszeit sollte gleich bleiben, wenn der Faktor fair ist. (Du kannst ja mal zum Spaß ausrechnen, wie lange die Präsenzzeit wäre, wenn eine Vollzeitkraft nur Hausaufgabenaufsicht oder Mittagsessenaufsicht machen würde. Wenn das mehr als 46 Zeitstunden sind, fände ich es extrem unfair.)

    LG DFU

  • Zu meiner Schulzeit waren wir froh, wenn Unterricht ausfiel und wir früher nach Hause konnten. Dann hatten wir mehr Freizeit und konnten uns früher mit Freunden (m/w/d) treffen. Aktuell (Bildungspolitik ist bekanntlich dynamisch.) geht der politische Trend eher Richtung Ausweitung des Ganztagsangebots, da nicht alle Kinder in Wohnortnähe Großeltern wohnhaft haben, die sie mittags betreuen könnten, und in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sind.

    Auch aufgrund des gesunkenen Bildungsniveaus ist die gesamtgesellschaftliche Erwartung, dass in Vertretungssituationen nicht nur Zeit totgeschlagen, sondern Unterricht gemacht wird. Wenn Stunden nur zur Hälfte gezählt werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Vertretungsstunden nur halbherzig umgesetzt werden, ein Film gezeigt oder Freiarbeit gemacht wird.

    Ordentliche Vertretungsstunden sind auch voll anzurechnen. Ein gehaltvolles Konzept konnte in der Konferenz erarbeitet werden. Wenn in der nächsten Unterrichtsstunde eine Klassenarbeit geschrieben wird und die Vertretungslehrkraft fachfremd ist, kann man die Schüler (m/w/d) auch mal sich im Rahmen von Freiarbeit für die Klassenarbeit vorbereiten lassen. Ansonsten sollte für isolierte Vertretungsstunden "sinnvoller" Unterricht gemacht werden und für längerfristige Vertretungssituationen sollte eh Unterricht entsprechend der curricularen Vorgaben stattfinden. In isolierten Stunden kann eine Lehrkraft, die die Klasse sonst in einem anderen Fach unterrichtet, hier thematisch fortfahren, bei anderen Konstellationen bietet sich eine allgemeine fachbezogene Wiederholung/Auffrischung (siehe die zuvor genannten Beispiele zu Bruchrechnen oder Lesetechniken) oder Themen, die pädagogisch wichtig sind, aber sonst im Schulalltag zu kurz kommen (Finanzbildung, Medienbildung, Berufsinformation).

    Es gibt viele Möglichkeiten, aber dazu muss die Schulleitung bereit sein, ein etwaiges Konzept mitzutragen.

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