? Vertretung an der Ganztagsschule

  • Sissymaus Perfekt zusammengefasst.

    Es wurde hier klar gezeigt, dass die Präsenszeit erhöht wird, also vor Ort muss man definitiv mehr Stunden machen. Und das mit ‚die Arbeitszeit bleibt gleich‘ kann nur von jemandem an keiner solchen Schule kommen.

    Das ist so pauschal nicht richtig. Wir sind irgendwann Ganztagssschule geworden. Jetzt habe ich an einem Tag eine kleine Mittagspause. Da sitze ich im Lehrerzimmer und esse was. Müsste ich sonst auch. Dann habe ich 90 min Lernzeit und Angebot. Dafür bekomme ich 2 Deputstunden angerechnet. Ich habe allerdings nur minimale Vorbereitung für das Angebot. In der Summe sogar ein gutes Geschäft für mich. Bei anderen Kollegen ist es bei uns ähnlich. Wir haben aber auch kaum Springstunden. Wahrscheinlich wird es bei der Mehrheit der Kollegen insbesondere im Sek 1-Bereich zu Mehrarbeit führen. Ich möchte nur zeigen, dass es nicht so sein muss. Mit einem guten Plan kann auch der Nachmittag für die Lehrkräfte Vorteile bieten. Stundenplanmäßig hatten wir auch schon den Fall, dass wir dadurch mehr Stunden an einen Tag legen konnten und dadurch freie Tage für die betroffene Person entstehen. Auch das ist wahrscheinlich an einer kleineren Grundschule einfacher umzusetzen.

  • Teure Beamte für reine Aufsichtstätigkeiten einzusetzen, ist auch ökologisch gesehen Bullshit. Es kapiert halt keine Landesregierung, dass dann keine Zeit mehr für anderes Wichtiges bleibt. Und das Lehrpersonal hat in der Fläche auch nicht nicht verstanden, dass sie nicht privat mit Zeit und Geld einspringen sollten.

    Es ist zwar richtig, dass die reine Aufsichtstätigkeit nicht unbedingt von Personen mit Bezahlung A13 aufwärts vorgenommen werden muss und anderes Personal da geringere Stundensätze hätte. Dennoch wäre das Vorhalten des Personals rein für Aufsichtstätigkeiten in der Summe teurer, als wenn man auch einmal diese "einfache" Tätigkeit durch "Überqualifizierte", die ohnehin bereits vor Ort sind, mit abdeckt.

    Gleichzeitig können wir eigentlich ganz froh sein, dass ein Teil unserer Arbeitszeit auch mit weniger anspruchsvollen Aufgaben ausgefüllt ist und die ohnehin schon hohe Belastung in Situationen mit hohen Entscheidungsdichten nicht die vollständige Arbeitszeit umfasst.

  • Stimmt, du hast Recht. Die Hofaufsichten und Vertretungsaufsichten sind die reine Entspannung, keine Entscheidungsdichte, kaum Belastung.

    Ich glaube, ich bin im Paralleluniversum.


    Und 1 Person hätte an meiner Schule kaum keine Freistunde, wenn sie jede Stunde vertreten würde. Ich vermute, sogar 2-3 Personen hätten genug zu tun und in den wenigen Freistunden könnten sie was kopieren, Elternbriefe versenden, Fehlzeiten entschuldigen usw… (auch etwas, wo jede Stunde 2-3 Minuten statt Unterricht draufgehen)

  • Es ist zwar richtig, dass die reine Aufsichtstätigkeit nicht unbedingt von Personen mit Bezahlung A13 aufwärts vorgenommen werden muss und anderes Personal da geringere Stundensätze hätte. Dennoch wäre das Vorhalten des Personals rein für Aufsichtstätigkeiten in der Summe teurer, als wenn man auch einmal diese "einfache" Tätigkeit durch "Überqualifizierte", die ohnehin bereits vor Ort sind, mit abdeckt.

    Ich sehe durchaus auch einen pädagogischen Sinn darin; jedenfalls habe ich es als nützlich empfunden, die Schülerschaft in einem anderen und weniger strikten Kontext zu erleben. Es stärkt die soziale Bindung und hilft, andere Facetten der Persönlichkeit kennenzulernen als nur das Verhalten im eigenen Fach. (Das ist auch ein Grund, warum ich tatsächlich gerne Vertretungsstunden mache.)

  • In (m)einer idealen Welt würde der primäre Einsatz von Lehrkräften im Unterrichtsbereich liegen, sprich Unterrichtsvor- und -nachbereitung, Unterricht halten, Leistungsbewertung. Dann kann im Gegenzug auch das Deputat hochgesetzt werden. Außerunterrichtliche pädagogische Arbeit (z.B. Betreuung oder Aufsichten) sollte durch sozialpädgogisches Fachpersonal erfolgen.

    Das würde die Arbeitsqualität erhöhen und personelle Ressourcen passgenauer eingesetzt werden. Wie schon geschrieben wurde: A13 (und höher)-Kräfte sind eigentlich zu teuer für reine Aufsichten. Das ist nur möglich, weil die (inoffizirlle) Argumentation lautet "Naja, wenn sie schon da sind und es keine Arbeitszeiterfassung gibt, können wir die Lehrkräfte auch im Rahmen solcher Aufgaben einsetzen, es kostet uns nichts Zusätzliches und wir müssen kein zusätzliches Personal einstellen.".

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    Gleichzeitig können wir eigentlich ganz froh sein, dass ein Teil unserer Arbeitszeit auch mit weniger anspruchsvollen Aufgaben ausgefüllt ist und die ohnehin schon hohe Belastung in Situationen mit hohen Entscheidungsdichten nicht die vollständige Arbeitszeit umfasst.

    Würdest du uns erzählen, welche Entscheidungen das sind? Also die in Summe für dich belastender sind als deine Aufsichten?

  • Es gab in Nds. mal ein Modell -ich glaube in der Region um Stade- wo jede Klasse in der GS eine feste Begleitkraft hat, die fest in der Klasse ist und die Lehrkraft unterstützt. Einerseits als Unterstützung für die Intergrationskinder andererseits aber auch für allgemeine Aufgaben. Die können Kopien erstellen, Hausaufgaben einsammeln, Verwaltungsaufgaben übernehmen etc.. Ähnlich gibt es das -glaube ich- auch in Russland. Ich glaube, dass das am Ende eine sinnvolle Investition ist. Für Kinder mit besonders hohen Betreuungsbedarf müsste es dann natürlich noch eine zweite Kraft geben.

  • Na sowas! Relevanz hier?

    Man kann aus anderen Systemen lernen?

    England und Irland haben auch Special Needs Personal, Frankreich hat Leute, die Aufsichten (inklusive Vertretungen) und Papierkram machen, man kann annehmen, dass in jedem System was gut ist.

  • Wenn man will, kann man natürlich von der unglaublich vorbildlichen russischen Erziehungspolitik lernen, natürlich...

    Es geht mehr um Personalpolitik als um Erziehungsstile. Als offene Gesellschaft sollten wir auch andere kritisch betrachten können und uns überlegen, ob es dort Elemente gibt, die für uns sinnvoll sind. China baut weltweit am meisten Windkraftanlagen und ist ganz vorne dabei bei Elektroautos. Lehnen wir die auch ab, weil uns das politische System dort nicht gefällt?

  • China baut weltweit am meisten Windkraftanlagen und ist ganz vorne dabei bei Elektroautos. Lehnen wir die auch ab, weil uns das politische System dort nicht gefällt?

    Es geht hier hauptsächlich um den Umgang mit Menschen. Und da sollte man bestimmte politische Systeme durchaus kritisch betrachten.

  • Die Person in MEINEM Raum in Deutschland hat keine Gehirnwäsche der russischen Uni durchlaufen müssen, falls du sowas meinst.

  • Es gab in Nds. mal ein Modell -ich glaube in der Region um Stade- wo jede Klasse in der GS eine feste Begleitkraft hat, die fest in der Klasse ist und die Lehrkraft unterstützt. Einerseits als Unterstützung für die Intergrationskinder andererseits aber auch für allgemeine Aufgaben. Die können Kopien erstellen, Hausaufgaben einsammeln, Verwaltungsaufgaben übernehmen etc.. Ähnlich gibt es das -glaube ich- auch in Russland. Ich glaube, dass das am Ende eine sinnvolle Investition ist. Für Kinder mit besonders hohen Betreuungsbedarf müsste es dann natürlich noch eine zweite Kraft geben.

    Letztlich kann es nur auf so ein Modell herauslaufen, wenn man die Lehrer aus den Aufsichten nehmen will.

    Es sollte jedem klar sein, dass man niemanden finden wird, der nur für eine Stunde Mittagsaufsicht zur Arbeit kommt. Vor allem wenn das schlecht bezahlt würde. Jeder der im Ganztagsbereich Einzelstunden über den Ganztagsträger besetzt, kennt das Problem.

    Insofern sind die ganzen Ideen Nichtlehrer in die Aufsicht zu nehmen Traumtänzerei solange man nicht grundlegend den Personaleinsatz in Schulen strukturell verändert.

    Was man sich bei den ganzen Forderungen Lehrer aus dem pädagogischen Bereich herauszunehmen gut überlegen sollte, ist dass dadurch dann sicher Begehrlichkeiten entstehen würden, dass Lehrer im fachlichen Bereich deutlich intensiver und mehr arbeiten. Ich bin mir da nicht sicher, ob da die jetzige abwechslungsreichere Tätigkeit nicht besser ist. Denn eins ist ziemlich sicher: Die Zeiten "Vormittags ein bisschen reinen Fachunterricht und Nachmittags Tennisplatz" kommen sicher nicht zurück.

  • Das ist klar. Wenn Lehrkräfte entlastet werden würden (sei es in Bezug auf Verwaltungs- oder pädagogische Tätigkeiten), würden sie im Gegenzug in ihren Kernaufgabenbereichen intensiver als zuvor eingesetzt werden. Aber wäre das denn wirklich schlimm?

  • Es ist aber wirklich müßig, zu gucken, was woanders finanziert wird. Oder ist dir die Idee zusätzlichen Personals heute das erste Mal in den Sinn gekommen?

    nein, das habe ich schon mehr als 1000 Mal im Kopf und Forum rumgewälzt, denn ich BIN in einem solchen System aufgewachsen (nicht doppelte Kraft, sondern "günstige" Kraft für Nebenaufgaben) und wundere mich JEDEN einzelnen Tag, was für Zusatzaufgaben Lehrkräfte in Deutschland haben. Und nein, ich nehme Vertretungsstunden (an meiner Schule) nicht als Möglichkeit wahr, meine SuS von einer anderen Seite kennenzulernen (ich kenne nie oder kaum die jeweiligen Klassen), sondern als Möglichkeit, 45 Minuten lang mehr Entscheidungen zu treffen, wie in jeder einzelnen anderen, vorbereiteten Doppelstunde (Name des Schülers? iPads sperren? Klassenbucheintrag für wen, wenn 5 Kids gleichzeitig was machen, der Sitzplan aber nicht mehr stimmt?...).
    Und selbst wenn es eine pädagogische Ergänzung wäre: dann sollte sie ÜBERALL so organisiert sein, dass man in einer seiner Klassen ist, es fest im Plan stehen kann, usw..

    Und ja: natürlich komme ich / kommen wir auf solche Ideen, weil unser Horizont nicht so begrenzt ist und wir schon mal was gehört / gelesen haben. Empirische Studien, die auch Sachen empfehlen, kommen nicht vom Hirn eines Träumers, sondern auch von realen Bedingungen woanders, die Effekte hatten... sei es pädagogische Effekte oder auf die Arbeitsbedingungen...)

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