Unterricht, wenn der Träger nichts mehr bereitstellt

  • Wenn ich nicht kopieren kann, gibts Materialien nur noch digital. Ein Handy haben alle Schüler. Dass sie auf einem winzigen Bildschirm nicht vernünftig arbeiten können, wissen wir alle, aber anders geht es dann eben nicht.

    So halte ich es auch, finde es aber katastrophal und total ungerecht den Schülern gegenüber. Die mit den reichen Eltern kriegen ein tolles Tablet / Ipad gesponsert und die anderen gucken in die Röhre. Am Handy längere Texte zu lesen, Markierungen vorzunehmen, Vokabeln hineinzuschreiben etc. oder Arbeitsblätter auszufüllen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, auf jeden Fall aber eine Zumutung!!! Zumal viele Schülerhandys ja auch Spiderapps haben.

    Aber ich sehe wirklich nicht ein, Kopien aus eigener Tasche zu bezahlen.

  • Es ist die Aufgabe des Schulträgers den Unterricht zu ermöglichen.

    Wieso sollte ich dann dafür eigenes Geld einsetzen? Wenn der Schulträger nicht für Kopien zahlt, werde ich es erst Recht nicht. Dann werden Inhalte halt an die Tafel geschrieben und die Schüler schreiben sie ab. Oder ich diktiere die Texte. Ist halt vom Schulträger so gewollt. Sollen sich die Eltern dort beschweren.

    Das Problem ist, dass sie es nicht tun. Auch die Schüler nicht. Wenn da jeden Tag Dutzende Beschwerden auflaufen würden, würde sich vielleicht doch mal was ändern.

  • Edit: Habe noch mal in die BASS geschaut. Den vorherigen Absatz hast du leider nicht zitiert, der scheint mir aber entscheidend zu sein.

    Nein, da geht es darum, wenn ich z.B. ein Mathe-Arbeitsheft gerne hätte und es kopiere und angebe, dass es Kopien sind und somit nicht unter die Gebühren für die Lernmittel fällt.

    So ganz trennscharf ist das aber nicht, das ist richtig.

    Einmal editiert, zuletzt von Karl-Dieter (4. Juni 2026 12:05)

  • Wir haben eine AV-Klasse mit Schülern, die einen Abschluss haben und nur noch ihre Schulpflicht erfüllen müssen. Da ist Unterricht, wie man ihn kennt, mehr oder weniger möglich. In den anderen drei AV-Klassen habe ich aber auch viele Analphabeten. Da versuche ich natürlich auch Alphabetisierungsunterricht, für den es aber auch kein Lehrbuch gibt und auch verständlicherweise nicht gibt, denn das ist hochindividuell.

    Sehr clever von euch, diese beiden Gruppen zu trennen. Ist bei uns leider nicht der Fall.

    Gerade in die sehr schlecht qualifizierten Schüler müssten imo deutlich mehr Ressourcen fließen. Man kann nicht einerseits zunehmende Schülerabgänge ohne Abschluss beklagen, aber dann ausgerechnet dort nichtmals eine grundlegende Ausstattung ermöglichen. Wir haben dort auch in keinem Fach eingeführte Lehrwerke und wenn die Möglichkeit zu kopieren entfallen sollte (droht uns auch für die letzten Wochen), dann findet zumindest in meinen beiden Fächern effektiv kein angemessener Unterricht mehr statt.

    Geht gar nicht. Nicht temporär, aber schon gar nicht dauerhaft.

  • Wir haben eine AV-Klasse mit Schülern, die einen Abschluss haben und nur noch ihre Schulpflicht erfüllen müssen

    Führt die AV nicht eigentlich zum ESA? Das würde mich wundern, wenn die alle einen Abschluss haben. Oder wie kommt das, dass die mit mindestens ESA in einem Bildungsgang sind, die zum ESA führt?

  • Führt die AV nicht eigentlich zum ESA? Das würde mich wundern, wenn die alle einen Abschluss haben. Oder wie kommt das, dass die mit mindestens ESA in einem Bildungsgang sind, die zum ESA führt?

    Der erfolgreiche Besuch der Ausbildungsvorbereitung führt zum Erwerb des Ersten Schulabschlusses, sofern der Schüler diesen Abschluss nicht bereits erworben hat. Die Ausbildungsvorbereitung besuchen aber alle noch schulpflichtigen Menschen, die keinen anderen Bildungsgang besuchen und keiner Ausbildung nachgehen. Es kann daher sein, dass wir dort jemanden sitzen haben, der bereits den MSA hat, aber keine Ausbildungsstelle gefunden hat und sich auf für keinen anderen Bildungsgang beworben hat oder jedenfalls keinen Schulplatz bekommen hat. Der sitzt dann eben einen Tag in der Ausbildungsvorbereitung und geht 4 Tage einem Praktikum oder einem Minijob nach. Schulisch ist es natürlich ein verlorenes Jahr. Wenn er auch kein Praktikum oder keinen Minijob hat, muss er die AV in Vollzeitform besuchen.

  • Wir haben auch Leute mit Fachabi mit drin sitzen, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, alterstechnisch noch schulpflichtig sind und dann mitten im Jahr eben dazu kamen. Völlig sinnfrei.

  • Man kann in Raten zahlen, ich kenne keine Familie, die das nicht geschafft hätte bisher.

    Darum geht's nicht. Es ist viel Geld für Verbrauchsmaterialien. Finde ich nicht gerechtfertigt.

    Besonders vor dem Hintergrund der Schulpflicht kann das eigentlich nicht sein.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Es muss aber einen Weg zwischen "Trotz" (weil wir nicht die Ausgaben selbst stemmen können/wollen),

    Unverschämtheit, hier „Trotz“ zu attestieren. Auch mit Anführungsstrichen ist das keine adäquate Einordnung er Selbstverständlichkeit das eigene Geld vor den Übergriffen der Schulträgerin schützen zu wollen.

    Was ist denn daran so schlimm, dass du dein eigenes Geld verwenden würdest?

    Diese Frage ist allein schon eine Unverschämtheit. In der Formulierung zumal.

    Nein, es wäre nicht „schlimm“. Schlimm ist, wenn man hinfällt und sich das Knie aufschlägt. Hier unterhalten sich Erwachsene (vermutlich). Die wissen, dass so etwas nicht schlimm ist. Es kommt nämlich kein Monster und beißt einer den Kopf ab.

    ich sehe keinen Anlass, der Schulträgerin Geld zu schenken, nur weil ich da arbeite. Ebensogut könnten die Schülerinnen morgens im Bus die Fahrerin fragen, ob sie ihnen die Kopien bezahlt. „Habt ihr sie noch alle?“ wäre vermutlich die sachlichste Antwort, die sie bekämen.

    Die Busfahrerin muss ich das nicht fragen lassen, die Bäckereiverkäuferin auf dem Weg zur Schule muss ich das nicht fragen lassen und Lehrerinnen müssen sich das nicht fragen lassen. Auch RosaLaune nicht.

    Das ist ja keine neue Diskussion. Und es fallen immer wieder die alten Argumente. Insofern lohnt es sich nicht, hier etwas zu schreiben.

    Ich möchte lediglich der TE ein wenig den Rücken stärken, wenn sie sich entscheidet, konsequent zu sein. Wenn sie nicht in die Verlegenheit kommen möchte, immer und immer wieder in die Zentrifuge zu klettern, sondern die politische Entscheidung des Schulträgers als das nimmt, was sie ist: die Aufforderung schlechteren Unterricht zu machen als bisher. wenn der politische Wille gegen Bildung steht, retten wir da nichts.

    „Fakten haben keine Lobby.“

    (Sarah Bosetti)

  • PS: Unsere AV-Schülerinnen zahlen NICHTS, noch nicht mal Kochgeld für das Essen, dass sie anschließend verzehren dürfen. Scheint also zu gehen.

    „Fakten haben keine Lobby.“

    (Sarah Bosetti)

  • Darum geht's nicht. Es ist viel Geld für Verbrauchsmaterialien. Finde ich nicht gerechtfertigt.

    Besonders vor dem Hintergrund der Schulpflicht kann das eigentlich nicht sein.

    Tatsächlich habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht, da es so Usus ist.

    Wie ist das bei den andren Grund- und Förderschulen in Bayern? Frage an alle!

    Zu den Kopien: Ich verstehe diese Kopienflut nicht. Viele meiner Kollegen nutzen die Bücher nicht, kopieren lieber eigenes. Ihnen gefallen die Bücher nicht, aber ich finde sie gut und selbst wenn, a bisserl was geht allerweil.

    So in der Förderschule L!

  • Entscheidend ist auch die rechtliche Situation im jeweiligen Bundesland:

    Gilt eine allgemeine Lernmittelfreiheit, so muss der Träger notwendige Kopien für SuS finanzieren (er kann aber einen angemessenen Rahmen dafür vorgeben oder auf Mittel pauschal mit dem Schulbudget abdecken), dann darf kein zusätzliches Geld eingesammelt werden.

    Gibt es eine eingeschränkte Lernmittelfreiheit (war in Niedersachsen vor 20 Jahren der Fall), muss der Träger nur die vorgesehenen Kosten tragen - in der Regel sind das die Büchern und nicht Kopien - dann darf für Dinge, für die die Lernmittelfreiheit nicht gilt, aber auch Geld eingesammelt werden.

    Gilt keine Lernmittelfreiheit, so darf sowieso Geld eingesammelt werden.

    Im vorliegenden Fall scheint eine allgemeine Lernmittelfreiheit zu gelten, dann ist man gekniffen. Allerdings würde ich dann keine Arbeitshefte anschaffen. Selbst ein günstiges Arbeitsheft sind 5€, das entspricht 100 Kopien, mit denen kommt man wesentlich weiter.

    (Aus eigener Erfahrung: Es lohnt sich, in der Schule auch mal den laufenden Vertrag für Kopierer zu hinterfragen und zu vergleichen, in manchen Schulen laufen Verträge über Jahrzehnte ungeprüft weiter und es wird viel zu viel Geld bezahlt. Wir haben durch einen Wechsel die Kosten pro Kopie mal gedrittelt.)

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