Beamtenversorgung: Fakten statt Neiddebatte

  • Firelilly : Aktuell verdienen ja alle Fächerkombinationen innerhalb eines Lehramtes gleich viel. Würdest du es bevorzugen, wenn besonders stark gefragte Fächerkombinationen höher vergütet werden als solche mit vergleichsweise wenig Nachfrage?

  • Huch, also auch wenn BWL vielleicht nicht mit Chemie als Studienfach im Anspruch mithalten kann, so hat er zumindest (mag ja auch andere geben) immerhin Betriebswirtschafslehre mit Diplom abgeschlossen. Und verdient ein Heidengeld.

    Warum sollte ich mich mit Lehrern in Polen oder Ecuador vergleichen? Das ergibt doch absolut keinen Sinn. Werde ich in Deutschland angemessen bezahlt, weil eine arme Lehrerin in Ecuador mit viel weniger leben muss? Oder was ist da der Gedanke hinter?

    Lehrer im europäischen Ausland mit vergleichbarem Einkommensniveau verdienen, pi mal Daumen, 30 % weniger als in Deutschland.

    Hier zwei Beispiele, obwohl ich dem Spiegel nicht richtig trauen kann: Die deutschen Gehälter kennt man, die Schweizer Lehrergehälter kenne ich auch etwa und das kann so nicht stimmen!

    https://de.euronews.com/next/2022/12/1…pa-im-vergleich

    https://www.spiegel.de/panorama/bildu…77-cd72ce3c0862

  • Firelilly : Aktuell verdienen ja alle Fächerkombinationen innerhalb eines Lehramtes gleich viel. Würdest du es bevorzugen, wenn besonders stark gefragte Fächerkombinationen höher vergütet werden als solche mit vergleichsweise wenig Nachfrage?

    Ist eine gute Frage. Prinzipiell würde ich sagen ja, aber das Problem ist, dass ich eine ganz andere Sicht auf die Fächer habe, die ich für unterrichtenswert ansehe. Es gibt z.B. auch Mangel in Fächern, die aus meiner Sicht nur einen äußerst geringen Stellenwert an einem Gymnasium haben sollten (z.B. Religion, Kunst etc.)

    Aus meiner Sicht sollten Fächer wie Französisch, Religion etc. stark reduziert werden und dafür Fächer wie Informatik stark ausgebaut werden.

    Ich verstehe den Ansatz eines allgemeinbildenden Gymnasiums und da haben auch andere Fremdsprachen (neben dem wirklich wichtigen Englisch) und Fächer wie Kunst, Musik, Religion einen Platz. Dennoch finde ich, dass viel zu viel Zeit in Fächer wie Geschichte gesteckt wird (historisch bedingt, ist klar) und auch die zweite Fremdsprache (insbesondere Französisch) finde ich viel weniger sinnvoll als ein Fach wie Informatik. Ich kritisiere also Umfang, also die Verteilung der Kontingentstunden auf die Fächer. Aus meiner Sicht müssten SuS durchgängig 6 Stunden Mathematik und logisches Denken durch alle Jahrgänge haben. Ein Fach wie Religion könnte man so extrem kürzen und als Teilgebiet in Philosophie oder Geschichte mit unterrichten.

    Während man sich in anderen Ländern damit beschäftigt Rohstoffe zu sichern und technische Innovation zu betreiben wird in Deutschland disktutiert und gelehrt, wieviele Geschlechter es gibt. Damit schafft sich Deutschland als wirtschaftsstarkes, wohlstandsreiches Land selbst ab.

    Würde man den Fächerkanon so ausrichten, wie ich mir das vorstelle, dann fände ich eine Bezahlung nach Mangelstatus sinnvoll. Solange es aber Fächer gibt, für deren Ausübung man außerhalb der Schule kaum Geld bekäme, diese aber im schulischen Mangel vorliegen können, finde ich eine Bezahlung nach Mangel absurd.

  • Ich stimme dir zwar (bedingt durch die Fächerkombination vermutlich nachvollziehbarerweise) inhaltlich nicht zu, aber danke dir für die ausführliche Antwort.

  • Firelilly : Aktuell verdienen ja alle Fächerkombinationen innerhalb eines Lehramtes gleich viel. Würdest du es bevorzugen, wenn besonders stark gefragte Fächerkombinationen höher vergütet werden als solche mit vergleichsweise wenig Nachfrage?

    Was sind denn besonders stark gefragte Kombinationen? Kunst, Musik, Informatik und Reli? Und die Lehrkräfte mit den Korrekturfächern erhalten weniger? Kann mit der Frage nix anfangen.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Es gibt kurzfristigen und langfristigen Mangel. Kurzfristiger Mangel ist dann gegeben, wenn es durch äußere Faktoren (z.B. Wechsel von G8 auf G9, Reduktion der Klassengröße, Erhöhung der Pflichtstundenanzahl eines Faches) zu einem plötzlichen Mehrbedarf kommt und es eine gewisse Zeit dauert, ehe dieses zusätzlich benötigte Personal qualifiziert ist und flächendeckend zur Verfügung steht. Langfristiger Mangel hingegen ist dann gegeben, wenn unabhängig vom Eintreten äußerer Faktoren über einen längeren Zeitraum (sagen wir +5 Jahre) durchgehend weniger qualifizierte Lehrkräfte in einem Fach (oder auch Fachrichtung in der Sonderpädagogik bzw. berufliche Bildung) zur Verfügung stehen, um ein flächendeckendes Unterrichtsangebot sicherstellen zu können. Dazu würde ich Fächer (bzw. Fachrichtungen) zählen, die unter Lehramtssinteressierten als besonders schwer gelten oder für deren erfolgreiche Durchführung das Vorhandensein ein ausgeprägtes Talent gilt. Erfahrungsgemäß gilt dies insbesondere für die künstlerischen sowie MINT-Fächer.


    Korrekturfächer sind derzeit überwiegend keine Fächer mit erhöhtem Mangel. Obwohl in der berufliche Praxis erhebliche zeitliche Ressourcen für Korrekturen aufgewendet werden müssen, gibt es genug Lehramtsinteressierte für diese Fächer, was zumindest vermuten lässt, dass es genug junge Leute gibt, die bereit sind, den zeitlichen Mehraufwand in Kauf zu nehmen, um diese Fächer unterrichten zu können.

  • Statt sich am Studium oder was auch immer in der Qualifikation zu orientieren, sollte sich die Bezahlung nach dem Einsatz richten: Mindestens 10 % Prämie für Brennpunkt (ZUSÄTZLICH zu mehr personalen und materiellen) Mitteln.

  • Statt sich am Studium oder was auch immer in der Qualifikation zu orientieren, sollte sich die Bezahlung nach dem Einsatz richten: Mindestens 10 % Prämie für Brennpunkt (ZUSÄTZLICH zu mehr personalen und materiellen) Mitteln.

    Das ist eine kurzfristige Maßnahme, die aktuell insofern nicht nötig ist, als dass die Grundstruktur des Beamtentum bereits sicherstellt, dass es an diesen Schulen nicht zu einer längerfristigen Lehrkräfteunterversorgung kommen kann. Gäbe es eine unbeschränkte freie Wahl des Arbeitsortes für Lehrkräfte, ohne dass seitens der Länder Abordnungen oder Versetzungen erzwungen wären können, wäre die Lehrkräfteverfügbarkeit in unterschiedlichen Einzugsgebieten heterogener als es derzeit der Fall ist und es bräuchte in der Tat zusätzliche Anreize, um Lehrkräfte für weniger gefragte Einsatzorte (zu denen mitnichten ja nur Brennpunkte gehören) empfänglich zu machen.

    Langfristig wiederum sollte es Ziel der Politik sein, bestehende Strukturen so zu verändern, dass Orte gar nicht die Kriterien eines "Brennpunktes" erfüllen. Und ja, mir ist bewusst, dass diese Strukturen historisch gewachsen sind und die Beseitigung struktureller Missstände einige Jahre, bisweilen über die Grenzen von Legislaturperioden hinausgehend, dauern kann.

    Einmal editiert, zuletzt von Gymshark (11. Juni 2026 15:48)

  • Lehrer im europäischen Ausland mit vergleichbarem Einkommensniveau verdienen, pi mal Daumen, 30 % weniger als in Deutschland.

    Hier zwei Beispiele, obwohl ich dem Spiegel nicht richtig trauen kann: Die deutschen Gehälter kennt man, die Schweizer Lehrergehälter kenne ich auch etwa und das kann so nicht stimmen!

    https://de.euronews.com/next/2022/12/1…pa-im-vergleich

    https://www.spiegel.de/panorama/bildu…77-cd72ce3c0862

    Ein echter Vergleich braucht auch Parameter wie Deputatsstunden, außerunterrichtliche Aufgaben, Inklusion oder nicht, Ausprägung von Elternrechten etc. ... auf der Basis ließe sich evtl. vorsichtig in Richtung Stundenlohn rechnen. Mein völlig subjektiver Eindruck ist, so viel verkomplizierender und zeitfressender Blödsinn, wie in D, wird Lehrern in anderen Ländern tendenziell eher nicht aufgehalst.

  • Das ist eine kurzfristige Maßnahme, die aktuell insofern nicht nötig ist, als dass die Grundstruktur des Beamtentum bereits sicherstellt, dass es an diesen Schulen zu einer längerfristigen Lehrkräfteunterversorgung kommen kann. Gäbe es eine unbeschränkte freie Wahl des Arbeitsortes für Lehrkräfte, ohne dass seitens der Länder Abordnungen oder Versetzungen erzwungen wären können, wäre die Lehrkräfteverfügbarkeit in unterschiedlichen Einzugsgebieten heterogener als es derzeit der Fall ist und es bräuchte in der Tat zusätzliche Anreize, um Lehrkräfte für weniger gefragte Einsatzorte (zu denen mitnichten ja nur Brennpunkte gehören) empfänglich zu machen.

    Langfristig wiederum sollte es Ziel der Politik sein, bestehende Strukturen so zu verändern, dass Orte gar nicht die Kriterien eines "Brennpunktes" erfüllen. Und ja, mir ist bewusst, dass diese Strukturen historisch gewachsen sind und die Beseitigung struktureller Missstände einige Jahre, bisweilen über die Grenzen von Legislaturperioden hinausgehend, dauern kann.

    Rede mal ein bisschen mit den Grundschul- und Sek1-lehrkräften in Duisburg-Nord.
    Sie werden sich freuen zu erfahren, dass es (ich vermute, du hast ein "nicht"/"keine" vergessen) keine Unterversorgung gibt. Abordnungen sind bessere Aufsichten. Bis man sich in den Bedingungen eingearbeitet hat (zum Teil fach- und schulformfremd!), muss man weg. Selbst wenn die abgeordneten Lehrkräfte eine tolle Arbeit machen, ist es keine Schulentwicklung!

    Und SELBST wenn das Beamtentum WIRKLICH ihre Grundstruktur nutzen würde (wie in Frankreich: Verteilung und KEINE garantierte Versetzung wegen Kind oder was ach immer..): Trotzdem plädiere ich für eine deutlich bessere Bezahlung und Versorgung.

  • An Brennpunktschulen fallen - neben der nervlichen Belastung - einfach erheblich mehr Arbeitsstunden an, die nirgends erfasst werden. Eigentlich müssten dort erstmal die Deputate deutlich runter, um die Arbeitszeit einhalten zu können.

  • Wie wäre es ansonsten, Lehrkräfte mal weder mit Ingenieur*innen noch mit Absolventen von Ausbildungsberufen zu vergleichen, sondern mit KuK im Rest der Welt?

    Warum sollte ich mich mit Lehrern in den USA vergleichen, die fürs Lehramt nur einen Bachelor benötigt?

    Ich rechne meinen Azubis immer vor wie hoch deren abgeschätztes Lebenseinkommen sein wird und setze dann mein Lehrereinkommen (A14!) dagegen. Erstaunlicherweise sind wir da am Ende nur wenige 10.000€ beim Gesamt-Lebenseinkommen auseinander. Der Azubi geht halt mit 16 in die Lehre (mit geringer Vergütung) und steht mit 19 im Berufsleben mit vollem Gehalt, wohingegen der Lehramtsstudent im Falle dss Berufsschullehramts erst einmal das Abitur machen muss, dann ein einjähirges Berufspraktikum, gefolgt von dem Bachelor- und Master-Studium, gefolgt von einem 6-monatigen Schulpraktikum und dem 1,5jährigen Referendariat (mit Vergütung auf Azubi-Niveau). Bis der Lehrer also wirklich ans Geldverdienen denken kann, ist er mindestens 28 bzw. häufig 30 Jahre alt. Die 10 Jahre, in denen er kein volles Gehalt erwirtschaften konnte im Vgl. zum Facharbeiter, muss der Lehrer in den nächsten 35-40 Jahren erst einmal aufholen inkl. Zins und Zinseszins.

    So gesehen ist das höhere Gehalt des Akademikers die Entschädigung für die zieg Jahre des fehlenden Gehalts während seiner im Vgl. zum Facharbeiter sehr viel längeren Ausbildung.

    Mal ganz abgesehen davon geht der Lehrer mit seiner Ausbildung auch noch voll ins Risiko. Wenn er dann mit 28 oder 30 fertig wird und die Lebenszeitverbeamtung anstrebt, könnte es ja auch gut sein, dass wir dann gerade wieder einen Lehrerüberschuss haben wie in den 1980ern.

  • wohingegen der Lehramtsstudent im Falle dss Berufsschullehramts erst einmal das Abitur machen muss, dann ein einjähirges Berufspraktikum, gefolgt von dem Bachelor- und Master-Studium, gefolgt von einem 6-monatigen Schulpraktikum und dem 1,5jährigen Referendariat (mit Vergütung auf Azubi-Niveau).

    Oh, das BK-Lehramt hat das Praxissemester vom Master ausgelagert? Interessant? In welcher Änderungsordnung des LABG ist es in den letzten Monaten passiert?

  • Oh, das BK-Lehramt hat das Praxissemester vom Master ausgelagert?

    Nein, das Praxissemester besteht weiterhin. Aber früher hatten wir ein 2-jähriges Referendariat, haben also für 2 Jahre die (wenn auch geringen) Anwärterbezüge bekommen. Heute kommen die angehenden Lehrer nach dem Studium erst einmal für ein 6-monatiges Praktikum zu uns und starten dann in das jetzt nur noch 1,5-jährige Referendariat. Man könnte auch sagen, dass sich das Land NRW so bei jedem Referendar die Anwärterbezüge für die ersten 6 Monate spart.

    Darauf wollte ich hinaus.

  • chilipaprika Sorry, ich habe die "Schulpraktischen Studien", die heute wohl "Berufsfeldpraktikum" heißen, mit dem Praxissemester verwechselt. Hab halt selber damals noch mein Grund- und Hauptstudium absolviert, mir das Diplom als 1. StaEx anerkennen lassen und bin dann ins 24-monatige Referendariat gestartet fürs 2. StaEx.

    Bei uns gab es damals das Orientierungspraktikum im Grundstudium, dann die "Schulpraktischen Studien" in Form einer eintägigen Veranstaltung während eines Semesters im Hauptstudium und dann kam auch schon das Referendariat.

    Also ja, ich habe das heutige Praxissemester nicht mehr zum Hauptstudium gezählt sondern als eigenen Baustein angesehen. Bei dem Wort "Praxissemester" habe ich im ersten Anflug an diese eintägige Veranstaltung gedacht, die ich eben beschrieben habe.

  • also können wir uns 6 Monate sparen.

    und viele der BK-Studis, die vorher keine (bezahlte) Ausbildung (mit der sie neben dem Studium weiterhin Geld verdienen können/dürfen) gemacht haben, stückeln ihr 12-monatiges Praktikum so, dass es keine 12 vollständige Monate dauern, lassen sich Nebentätigkeiten anerkennen, usw..

    Ja, der Berufsschullehrer verdient später Geld als der Azubi, aber eyh, er macht etwas, was ihm gefällt. Wenn er lieber Techniker sein wollte, hätte er früher abbiegen müssen.

    Sorry, ich reagier allergisch auf Versuche, durch falsche Informationen, seine Position zu stärken. Dabei hast du eh schon genug Punkte auf deiner Seite, du musst NICHT immer Sachen dazudichten.

  • Es gibt kurzfristigen und langfristigen Mangel. Kurzfristiger Mangel ist dann gegeben, wenn es durch äußere Faktoren (z.B. Wechsel von G8 auf G9, Reduktion der Klassengröße, Erhöhung der Pflichtstundenanzahl eines Faches) zu einem plötzlichen Mehrbedarf kommt und es eine gewisse Zeit dauert, ehe dieses zusätzlich benötigte Personal qualifiziert ist und flächendeckend zur Verfügung steht. Langfristiger Mangel hingegen ist dann gegeben, wenn unabhängig vom Eintreten äußerer Faktoren über einen längeren Zeitraum (sagen wir +5 Jahre) durchgehend weniger qualifizierte Lehrkräfte in einem Fach (oder auch Fachrichtung in der Sonderpädagogik bzw. berufliche Bildung) zur Verfügung stehen, um ein flächendeckendes Unterrichtsangebot sicherstellen zu können. Dazu würde ich Fächer (bzw. Fachrichtungen) zählen, die unter Lehramtssinteressierten als besonders schwer gelten oder für deren erfolgreiche Durchführung das Vorhandensein ein ausgeprägtes Talent gilt. Erfahrungsgemäß gilt dies insbesondere für die künstlerischen sowie MINT-Fächer.


    Korrekturfächer sind derzeit überwiegend keine Fächer mit erhöhtem Mangel. Obwohl in der berufliche Praxis erhebliche zeitliche Ressourcen für Korrekturen aufgewendet werden müssen, gibt es genug Lehramtsinteressierte für diese Fächer, was zumindest vermuten lässt, dass es genug junge Leute gibt, die bereit sind, den zeitlichen Mehraufwand in Kauf zu nehmen, um diese Fächer unterrichten zu können.

    Also Mathe und Französisch sind ja nicht gerade Mangelfächer. Bist du mit einer Kürzung deines Gehalts einverstanden?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

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