Beamtenversorgung: Fakten statt Neiddebatte

  • Nein, ich will gar nicht die Spitzen vergleichen, das macht keinen Sinn. Es ging um unsere Arbeit und das Pendant in der Industrie.

    Ich sehe auch so, dass unsere Arbeit mit anderen Maßstäben gemessen sein soll: Wie viel sind wir für die Gesellschaft wert, wie viel ist die Gesellschaft bereit, für das Schulsystem/Besoldung der Lehrkräfte zu investieren. Deswegen ist der Vergleich mit anderen Ländern realistischer.

    Im Thread werden aber die ganze Zeit die Besoldungen mit der Industrie (= Firmen) verglichen. Wenn Vergleich, dann richtig und auch die Verantwortung einbeziehen. In der Industrie haben die Führungspersonen Personal-, Budget- und strategische Verantwortung. Was für eine Verantwortung haben wir?

    Wir sind auch keine Führungskräfte.

    Du schriebst, dass Manager mehr Verantwortung haben und deswegen mehr verdienen. Ich entgegnete darauf, dass Politiker eine wesentlich höhere Verantwortung tragen und trotzdem keine Millionen einstreichen.

    Vergleiche sind halt nicht so einfach.

  • Von Deiner Notengebung sind also die Lebenschancen aller deiner Schüler abhängig, denn machen wir uns nichts vor, unsere Noten haben schon eine Selektionsfunktion bzgl. zukünftiger Chancen der Schüler. Wer darf auf eine Universität? Welcher Schüler wird zum Vorstellungsgespräch für eine Lehre überhaupt eingeladen und nicht gleich aussortiert, ...

    Und genau das ist an so mancher Übergangsstelle (im besten Fall ins Berufsleben (Ausbildung)) das Problem heutzutage. Die Noten spiegeln kaum noch wider, was ein Schüler wirklich kann. Selbst innerhalb einzelner Städte sind Noten zudem kaum vergleichbar. Und zumindest einzelne Lehrerinnen und Lehrer, auch an beruflichen Schulen, treibt genau das um. Manche machen einfach weiter, wenige andere können es (zum Glück) kaum noch mit ihrem Gewissen vereinbaren, wofür sie Haupt-/ Realschulabschlüsse oder gar Hochschulzugangsberechtigungen mit ihrer eigenen Unterschrift! erteilen. Was bitte denken die (Personal-)Chefs kleiner und großer Betriebe bitte, wenn sie dann in der Realität die Noten mit den Fähigkeiten derselben Bewerber abgleichen? Ich würde mich an Stelle der angesprochenen, wenigen Kollegen auch schämen. Denn unsere eigentliche Aufgabe wurde nicht erfüllt. Aber vielleicht wird das, bei noch so viel Engagement, für uns in dieser Zeit in Deutschland auch einfach immer schwerer bis unmöglich. Und hier sind wir wieder bei der Frage, wie der Wohlstand für alle in der Gesellschaft, den wir hier mal kannten, in Zukunft noch irgendwie aufrechtzuerhalten sein soll.

  • Wir sind auch keine Führungskräfte.

    Gut, da sind wir schon einig. Dann sollte man in der Industrie sich nicht mit der Führungsetage vergleichen, sondern eher mit (hoch)qualifizierten Fachkräften

  • Du schriebst, dass Manager mehr Verantwortung haben und deswegen mehr verdienen. Ich entgegnete darauf, dass Politiker eine wesentlich höhere Verantwortung tragen und trotzdem keine Millionen einstreichen.

    Vergleiche sind halt nicht so einfach.

    Das mit den Millionen betrifft ganz wenige Vorstände. Die meisten Vorstände (auch von mittelständischen Unternehmen) verdienen netto nicht mehr als Bundestagsabgeordnete und haben sicherlich nicht weniger Verantwortung.

  • Die Noten spiegeln kaum noch wider, was ein Schüler wirklich kann. Selbst innerhalb einzelner Städte sind Noten zudem kaum vergleichbar. Und zumindest einzelne Lehrerinnen und Lehrer, auch an beruflichen Schulen, treibt genau das um.

    Ich habe bei mir grob geschätzt 40% funktionale Analphabeten im Unterricht sitzen, die z.T. sogar die Fachoberschulreife mit Q-Vermerk mitbringen. Wer denen bestätigt hat, dass sie fit sind für die gymnasiale Oberstufe, ist mir ein Rätsel.

  • Naja, wie streng man die Benotung auslegt, ist einer jeden Lehrkraft selber überlassen. Durch die Medien geistert ja immer das Stichwort "Noteninflation". In den Schulvorschriften steht ja nicht umsonst, dass der einzelne Lehrer die Benotung ermittelt, er von der Schulleitung zwar beraten werden darf, die Sl die Noten aber nicht ändern darf. Von Deiner Notengebung sind also die Lebenschancen aller deiner Schüler abhängig, denn machen wir uns nichts vor, unsere Noten haben schon eine Selektionsfunktion bzgl. zukünftiger Chancen der Schüler. Wer darf auf eine Universität? Welcher Schüler wird zum Vorstellungsgespräch für eine Lehre überhaupt eingeladen und nicht gleich aussortiert, ...

    Ein wenig Spielraum bei der Notengebung hat man schon. Wenn es zu üppig ist, fällt es spätestens bei den zentralen Prüfungen auf. Das würde ich aber eher Ermessen als Entscheidung nennen.

  • Gut, da sind wir schon einig. Dann sollte man in der Industrie sich nicht mit der Führungsetage vergleichen, sondern eher mit (hoch)qualifizierten Fachkräften

    Da sind wir uns nicht einig. Hoch qualifizierte Fachkräfte in der Industrie müssen keinen Meistertitel besitzen, damit sie spezialisierte, mehrere Millionen €uro teure Maschinen bedienen können. Und jede Fachkraft mit Meistertitel ist gleichzeitig auch Führungskraft und für die Ausbildung zuständig. Ich würde mich mindestens mit Personen der Abteilungsleitung vergleichen, die Verantwortung für einen größeren (Personen-) Bereich besitzt.
    Ich besitze neben beiden Staatsexamina noch einen Gesellenbrief als "Druckvorlagenhersteller". Dieser Beruf gehört bereits schon wieder zu den "ausgestorbenen Berufen". Anfang der 80er-jahre hatte ich als spezialisierte Fachkraft in einer Großdruckerei an einem elektronischen Bildverarbeitungssystem die Vorlagen für Modeprospekte retuschiert und montiert, die anschließend per Rotationsoffsetdruckmaschinen in Millionenauflage über Europa verteilt wurden. Als "hoch qualifizierte Fachkraft" war ich dennoch nur Arbeiter mit Stundenlohn und einer Kündigungsfrist von 14 Tagen. Damit vergleiche ich mich als Lehrer sicher nicht. Die Verantwortung lag damals "nur" darin, termingerecht perfekte Arbeit abzuliefern. Als Lehrer hatte ich Verantwortung für die Schicksale und den weiteren Lebensweg von mindestens 20-30 jungen Menschen - pro Jahr.
    Da hat manche "Führungskraft" eine geringere Verantwortung.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Ich habe bei mir grob geschätzt 40% funktionale Analphabeten im Unterricht sitzen, die z.T. sogar die Fachoberschulreife mit Q-Vermerk mitbringen. Wer denen bestätigt hat, dass sie fit sind für die gymnasiale Oberstufe, ist mir ein Rätsel.

    Na, dann geh mit diesen Kolleginnen und Kollegen mal ins Gespräch, wenn du sie greifen kannst- oder lass es. Sie sind aus meiner Sicht ein großer Teil des großen Problems. Hier im Forum gibt es ja auch die eine und den anderen, die nach meiner Lesart genau so etwas im Alltag (oder vor ihrer Pension) praktizier(t)en :). Es geht für die Gesellschaft jedenfalls so nicht (mehr lange) weiter.

  • Da sind wir uns nicht einig. Hoch qualifizierte Fachkräfte in der Industrie müssen keinen Meistertitel besitzen, damit sie spezialisierte, mehrere Millionen €uro teure Maschinen bedienen können. Und jede Fachkraft mit Meistertitel ist gleichzeitig auch Führungskraft und für die Ausbildung zuständig. Ich würde mich mindestens mit Personen der Abteilungsleitung vergleichen, die Verantwortung für einen größeren (Personen-) Bereich besitzt.

    Hochqualifizierte Fachkräfte sind z. B. studierte Informatiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler, aber auch Sprachwissenschaftler usw. ohne Führungsverantwortung. Und in diesen Positionen arbeiten die meisten mit Studium.

    Als Lehrer hatte ich Verantwortung für die Schicksale und den weiteren Lebensweg von mindestens 20-30 jungen Menschen - pro Jahr.
    Da hat manche "Führungskraft" eine geringere Verantwortung.

    Ernst gemeinte Frage: Hat man das? In der Grundschule vielleicht, aber in der weiterführenden Schule? Als einzelne Lehrkraft?

  • Ernst gemeinte Frage: Hat man das? In der Grundschule vielleicht, aber in der weiterführenden Schule? Als einzelne Lehrkraft?

    Sicherlich nicht für 20-30. Aber wie viele Kinder haben die eine Lehrkraft erlebt, die für ihr Leben eine große Rolle gespielt hat?

  • Ernst gemeinte Frage: Hat man das? In der Grundschule vielleicht, aber in der weiterführenden Schule? Als einzelne Lehrkraft?

    Ich habe das gerade wieder. Der Schüler hat in den Abschlussprüfungen bei den Kollegen überall die Noten 1 bis 4 eingeheimst und bei mir steht er durchgehend 6 (sowohl Vornote als auch Abschlussprüfung). Die eine Note, ich bin nicht einmal der Klassenlehrer, entscheidet.

  • Geht es um die theoretisch möglichen sechsstelligen Gehälter oder das, was der durchschnittliche Naturwissenschaftler oder die Geisteswissenschaftlerin auf dem freien Markt verdienen könnten?

    Da sollten wir auch realistisch bleiben.

    Und es ist ja auch nicht so, dass hochqualifizierte Leute dauernd Spitzenjobs hinterhergeworfen bekommen. Wenn man ein paar Jahre Kinder großgezogen hat, ist es in bestimmten Branchen durchaus nicht einfach oder unmöglich, wieder einzusteigen. Dann gibt es auch für Ingenieure befristete Verträge, Mobbing, Krankheit, Stellensuche- Wo läuft's denn noch so gleichmäßig rund wie im Lehramt? Also unser Job ist anstrengend, aber die Arbeitsplatzsicherheit kauft man auch mit ein.

    Wie viele Spitzenverdiener kennt ihr denn? Mir fällt nur einer ein. Mag aber am linken Gutmenschenfreundeskreis liegen ^^;(

  • Ich habe das gerade wieder. Der Schüler hat in den Abschlussprüfungen bei den Kollegen überall die Noten 1 bis 4 eingeheimst und bei mir steht er durchgehend 6 (sowohl Vornote als auch Abschlussprüfung). Die eine Note, ich bin nicht einmal der Klassenlehrer, entscheidet.

    Böse, böse. :)

    Ironie Ende.


    In diesem Einzelfall war das hoffentlich nicht deine Entscheidung. Deine Entscheidung wäre es gewesen, wenn der Schüler beispielsweise die Hälfte der Aufgaben richtig gelöst hätte und du ihm die Note 6 gegeben hättest. Du hast aber nur deine Arbeit gemacht und die (nicht vorhandene) Leistung korrekt bewertet.

  • ...Als Lehrer hatte ich Verantwortung für die Schicksale und den weiteren Lebensweg von mindestens 20-30 jungen Menschen - pro Jahr.
    Da hat manche "Führungskraft" eine geringere Verantwortung.

    Das haben Erzieher*innen allerdings auch, die Kinder sind in viel sensibleren Entwicklungsphasen und können auch noch an allem ersticken.

  • In der "Freien Wirtschaft" sind ein 13. und manchmal auch ein 14.Jahresgehalt sowie zusätzliche Prämien möglich. Als Anreize gibt es auch Tankgutscheine, Firmenwagen, kostenfreie Ladesäulen etcpp.

    Das ist aber auch nicht der Regelfall, sondern auf bestimmte Positionen in bestimmten Unternehmen beschränkt.

    Hier wird eine durchschnittliche Lehrkraft gerade mit einem Abteilungs- oder Bereichsleiter in einem Konzern verglichen. Warum nicht der Vergleich mit einem Sachbearbeiter (m/w/d) eines KMU erfolgt, erschließt sich mir an der Stelle nicht.

    "Firmenwagen" gibt es für Sachbearbeiter durchaus. Zwei Beispiele:

    Unser Schulträger hat einen Fuhrpark, aus dem sich ganz normale Sachbearbeiter einen Wagen für dienstliche Zwecke ausleihen können. Wir hatten als Schule mal einen größeren Unterrichtsgegenstand anschaffen wollen, der Schulträger musste mit beteiligt werden. Der entsprechende Sachbearbeiter fuhr dann mit einer Fachlehrkraft zu verschiedenen Anbietern in der Region mit einem dieser "Firmenwagen".

    Vor einigen Jahren musste ich mal eine Lieferung beim Zoll abholen. Dort unterhielten sich verschiedene dortige Sachbearbeiter darüber, dass sie verschiedene dienstlich bedingte Wege (z.B. Fortbildung, aber auch anderes) hatten erledigen müssen. Das war eine klare und vehemente Meinung, dass sie das nicht gemacht hätten, wenn ein Dienstwagen nicht zur Verfügung gestanden hätte.

    Analog stelle ich mir die Lehrkraft vor, die mit dem eigenen Auto die Praktikumsbesuche macht. Für die Mobilität und Sicherheit einzelner SuS bei einer Klassenfahrt mit dem Auto anreist. Zu Dienstbesprechungen der Fachleitungen oder zu Fortbildungen fährt. Etc.

    Mit der Kilometerpauschale, die man als Lehrkraft nachträglich für die Fahrten mit dem Privatwagen beantragen kann, gelten Benzin, Versicherung, Abnutzung als abgegolten. (In der Regel werden also Schäden am Privatwagen nicht erstattet - ist selbst unserer Schulleiterin mal so passiert.)

  • Sicherlich nicht für 20-30. Aber wie viele Kinder haben die eine Lehrkraft erlebt, die für ihr Leben eine große Rolle gespielt hat?

    ja, das ist natürlich das Schönste an unserem Job. Ich erlebe auch immer wieder, dass junge Frauen, die angeblich technisch gar nicht interessiert sind, anschließend doch Informatik, Maschinenbau usw. studieren und daran soll ich „Schuld” sein...

    Das ist auch ein Grund, warum ich den Lehrerberuf nicht eins zu eins mit Industrieberufen oder Positionen vergleichen möchte (siehe oben).

  • "Firmenwagen" gibt es für Sachbearbeiter durchaus. Zwei Beispiele:

    Unser Schulträger hat einen Fuhrpark, aus dem sich ganz normale Sachbearbeiter einen Wagen für dienstliche Zwecke ausleihen können. Wir hatten als Schule mal einen größeren Unterrichtsgegenstand anschaffen wollen, der Schulträger musste mit beteiligt werden. Der entsprechende Sachbearbeiter fuhr dann mit einer Fachlehrkraft zu verschiedenen Anbietern in der Region mit einem dieser "Firmenwagen".

    Vor einigen Jahren musste ich mal eine Lieferung beim Zoll abholen. Dort unterhielten sich verschiedene dortige Sachbearbeiter darüber, dass sie verschiedene dienstlich bedingte Wege (z.B. Fortbildung, aber auch anderes) hatten erledigen müssen. Das war eine klare und vehemente Meinung, dass sie das nicht gemacht hätten, wenn ein Dienstwagen nicht zur Verfügung gestanden hätte.

    Analog stelle ich mir die Lehrkraft vor, die mit dem eigenen Auto die Praktikumsbesuche macht. Für die Mobilität und Sicherheit einzelner SuS bei einer Klassenfahrt mit dem Auto anreist. Zu Dienstbesprechungen der Fachleitungen oder zu Fortbildungen fährt. Etc.

    Mit der Kilometerpauschale, die man als Lehrkraft nachträglich für die Fahrten mit dem Privatwagen beantragen kann, gelten Benzin, Versicherung, Abnutzung als abgegolten. (In der Regel werden also Schäden am Privatwagen nicht erstattet - ist selbst unserer Schulleiterin mal so passiert.)

    Es gibt auch Schulen, die Autos besitzen. Oft Kleinbusse, mit denen man mit wenigen Schülern zu Wettbewerben fahren kann. Aber natürlich sind damit dann auch andere Dienstfahrten möglich. Auch die Fahrt zum Baumarkt oder zum Praktikumsbesuch, wenn das Auto gerade verfügbar ist.

    LG DFU

  • Es gibt auch Schulen, die Autos besitzen. Oft Kleinbusse, mit denen man mit wenigen Schülern zu Wettbewerben fahren kann. Aber natürlich sind damit dann auch andere Dienstfahrten möglich. Auch die Fahrt zum Baumarkt oder zum Praktikumsbesuch, wenn das Auto gerade verfügbar ist.

    Ich kenne keine einzige. Auf der anderen Seite ist das Bereitstellen vom Büromaterial etc. eigentlich in jeder Firma selbstverständlich. Dann gibt es auch für viele Aufgaben Menschen, die zuarbeiten. Während wir nachmittags oder in der Freizeit noch Einkaufen oder irgendwelche Extraaufgaben erledigen, gibt es dafür in vielen Betrieben spezielle Mitarbeiter.

Werbung