Ich weiß nicht, ob es der richtige Ort zum fragen ist, aber ich mach es einfach mal. Ich studiere momentan im zweiten Semester Lehramt Englisch und Theater auf Staatsexamen (Gymnasium) und überlege abzubrechen. Ich bin für mein Studium umgezogen und die Stadt zieht mich sehr runter (klein, hässlich, nichts los…) , Englisch interessiert mich inhaltlich so gut wie gar nicht, in Theater hat man viel Praxis, was cool ist, aber wenn es dann in Richtung Theorie und Vermittlung geht, gefällt es mir auch nicht und ich bin genervt von dem herumgeschwafel. Alle meine Kommilitonen sind mega überzeugt und ich bin sehr am zweifeln (die ganze Zeit am grübeln und oft traurig). Ich bin mir nicht sicher, ob ich Lehrerin sein will, vor allem nicht für immer. Und da das Studium ganze 5 Jahre dauert (Minimum) fühle ich mich sehr festgefahren. Allerdings sehe ich natürlich auch die Vorteile des Berufs (selbständig kreativ arbeiten, Sicherheit, Gesellschaftsrelevanz, Ferien, Gehalt,…) und hatte mich ja auch irgendwann mal dafür entschieden. Zudem bin ich auch nicht sicher was ich stattdessen machen könnte. Das wechselt gefühlt jeden tag aber im allgemeinen ist es eher was in Richtung Medien, was in Sachen Sicherheit das ganze Gegenteil ist und generell sehr ungewiss. Wenn es nur ein Bachelor wäre würde ich es durchziehen, aber diese 5 Jahre erdrücken mich (ich hatte mich schon über Wechsel und Anrechnungen informiert und das ist nicht wirklich möglich). Wenn ich abbreche, habe ich Angst, dass ich es bereue, aber andersherum auch. Ich bin sehr verzweifelt und ich würde mich über jeden Denkanstoß, Rat oder Idee freuen!
Lehramtsstudium abbrechen?
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Ich schätze mal, es geht um Bayern? Ich glaube, nur noch Bayern hat das Staatsexamen für Lehramt.
Ich würde nicht nochmal ein Lehramtsstudium absolvieren, sondern hätte stattdessen etwas anderes studiert und ggf. im Anschluss einen Quereinstieg gemacht. Damit wird man im Anschluss auch verbeamtet. ich weiß aber nicht, wie die Gegebenheiten in Bayern sind.
Das Lehramtsstudium hat eben das Problem, dass es ein Ziel hat. Ich sehe in vielen Fällen keinen echten Vorteil zu anderen Studiengängen, die ebenfalls im Anschluss über einen Quer-/Seiteneinstieg, wie auch immer es im jeweiligen Bundesland heißt, den Weg zum Lehramt und zur Verbeamtung ermöglichen.
Ich hatte noch auf Staatsexamen studiert und fand genau das auch sehr "einengend". Rechtswissenschaften haben da ja ein ähnliches Problem und man versucht da ja auch zu "reformieren", insbesondere um zu vermeiden, dass Studenten am Ende ohne alles dastehen, wenn sie schlussendlich die Prüfungen nicht bestehen.
Deine Gedankengänge kann ich deshalb gut nachvollziehen. Es gibt zudem halt noch zusätzl. Belastungen als Student. Das Geld ist in der Regel knapp und es besteht eine finanzielle Abhängigkeit zu den Eltern oder zum Staat (Bafög) und wahrsch. muss man nebenbei auch noch jobben. Der Druck ist also entsprechend vorhanden, dass am Ende auch was dabei "rauskommt" und die Sorge nicht ganz unberechtigt, dass man am Ende mehrere Jahre für einen falschen Studiengang in den Sand setzt.
Eine Erfahrung, die hilfreich sein kann, ist, als Student zu unterrichten, auch wenn man ggf. mal für eine Zeit das Studium vernachlässigt. In NRW kriegt man als Student schnell einen Job als Lehrer, wenn man sucht, man wird aber ins kalte Wasser geschmissen. Ein richtiger Schock, aber dafür ein deutlich besserer Einblick in den Beruf. Hat natürlich sein für und wider, da man ohne richtige Unterstützung und Vorbereitung wiederum auch einen falschen Einblick in den Beruf erhalten kann (und zwar einen deutlich schlechteren), aber ich denke, dass man sehr schnell merkt, ob man diesen Job überhaupt jemals ausüben möchte oder nicht. Wir haben mehrere Studenten bei uns - meist sind die aber schon was weiter im Studium - die ganz normal unterrichten. Ich weiß natürlich nicht, wie die Qualität ausschaut, aber sonst kann der Unterricht halt nicht mehr gedeckt werden.
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Ich glaube, nur noch Bayern hat das Staatsexamen für Lehramt.
Hessen? Sachsen? Mecklenburg-Vorpommern?
Ich würde eher fragen, wo man Theater als (vollwertiges) Lehramtsfach studieren kann.
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In Mecklenburg-Vorpommern ist das möglich. Danke für die Antwort, das hilft sehr. Das mit der Arbeitserfahrung halte ich auch für sehr sinnvoll, nur läuft mir irgendwie die Zeit davon, da ich mich entscheiden muss/möchte, ob ich ab Oktober mein Studium weiterführe (und durchziehe) oder etwas neues starte. Ich hatte vor meinem Studium in einer Schule hospitiert, aber da ich nur hinten saß, keinen richtigen Einblick in die Arbeit bekommen. Es besteht die Möglichkeit, noch ein drittes Semester weiter zu studieren und zu versuchen, irgendwo eine Stelle zu finden, was aber ggf. nicht klappt und dann ein weiteres verstrichenes Semester wäre. Bin sehr unsicher...
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Ohne zusätzliche Daten/ Erfahrungen wird sich die Unsicherheit vermutlich nicht auflösen, neue Ansätze wären "ins Blaue hinein". Wenn du keine Alternative hast, die du ganz sicher verfolgen möchtest, wäre es eine sehr sinnvolle Lösung, das dritte Semester zu investieren und dir für die Zeit zügig eine Möglichkeit zu suchen, wo du das Unterrichten über einen etwas längeren Zeitraum ausprobieren kannst. Vielleicht findest du auch Zeit für ein paar Wochen Praktikum im Medienbereich. Danach kannst du eine fundiertere Entscheidung treffen.
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Ich habe noch einen anderen Vorschlag. Wechsel den Studienort. Ziehe nach Rostock. Die Stadt ist nicht klein, nicht hässlich und da ist immer was los. Studentische Hilfskräfte werden an den Schulen auch immer gesucht.
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Du hast dich m.E. innerlich schon entschieden. Dich kotzt das Studium an und die Perspektive aufs Unterrichten ebenso, ich würde das dritte Semester nicht mehr absolvieren.
Die Frage ist, wie du einen neuen Weg finden kannst. Warst du mal bei der Studienberatung? Beim Arbeitsamt? (Manchmal hat man dort Glück und trifft auf fähige Mitarbeiter*innen). Oder hast du ganz von vorne angefangen zu suchen z.B. bei "Planet Beruf", nach Stärken, Interessen und passenden Branchen? Man muss übrigens nicht studieren, es gibt auch ganz famose Ausbildungsberufe.
Wir kennen dich nicht. Aus dem wenigen, was du schreibst, halte ich dich für jemanden, der in einer Großstadt was erleben will, kreativ und selbständig arbeiten möchte. Vielleicht kannst du in der Region, in die es dich zieht, gezielter nach Ausbildungsplätzen und Studiengängen Ausschau halten.
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Kannst du Theaterpädagogik voll studieren? Oder Theater jenseits des Lehramts zum Beispiel mit sozialer Arbeit studieren? Oder eben Soziale Arbeit / EW studieren und eine theaterpädagogische Ausbildung danach darauf satteln?
Oder ist Theater "ganz nett" aber auch nicht die Leidenschaft schlechthin?! -
Kannst du Theaterpädagogik voll studieren? Oder Theater jenseits des Lehramts zum Beispiel mit sozialer Arbeit studieren? Oder eben Soziale Arbeit / EW studieren und eine theaterpädagogische Ausbildung danach darauf satteln?
Oder ist Theater "ganz nett" aber auch nicht die Leidenschaft schlechthin?! -
unsichererstudi007 : Wie du schon angedeutet hast, muss man heutzutage stark unterscheiden zwischen Berufen mit hoher gesellschaftlicher Nachfrage und solchen mit niedriger gesellschaftlicher Nachfrage. Zu letzteren zählen vor allem künstlerisch-kreative Berufe und das liegt vor allem an hoher Konkurrenz und fehlender Sicherheit. Beide Aspekte führen dazu, dass es immer wieder Leute aus dem künstlerisch-kreativen Bereich gibt, die es nach einiger Zeit ins Lehramt zieht.
In Berufen mit hoher gesellschaftlicher Nachfrage kommt man auch unter, wenn man "nur" mittelmäßig begabt ist. In Berufen mit niedriger gesellschaftlicher Nachfrage schafft es nur die absolute Spitze in Sachen Leidenschaft, Engagement und auch Talent. Bedeutet: Nehmen wir an, es wären 10%. Dann schaffen es tatsächlich 10%, das umzusetzen, wovon tausende Leute da draußen träumen. Der große Rest hält sich entweder jahrelang mit befristeten Aufträgen über Wasser, zieht womöglich dabei mehrfach quer durch Deutschland, oder entscheidet sich spätestens, sobald es um die Familienplanung geht, für etwas "Sicheres".
Es klingt konservativ und spießig, aber es macht durchaus Sinn, sich einen vermeintlich "sicheren" Job zu suchen und mit dieser Sicherheit im Hintergrund kann man ja wiederum persönliche Risiken eingehen und seinen Leidenschaften nachgehen, weil man weiß, dass man im Zweifelsfall etwas weicher fällt. Dies bitte bei der Entscheidung für den zukünftigen Beruf bedenken.
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Danke für eure Antworten! Theaterpädagogik wäre eher nichts für mich, denke ich. Die Sicherheit ist mir schon wichtig, aber ich weiß nicht wie sinnvoll es ist, wenn man es nur halb will. Besonders bei Lehramt braucht man doch Willen und Durchhaltevermögen und sollte dahinter stehen oder? Die Option noch ein Semester anzuhängen und als Vertretungslehrkraft zu arbeiten hört sich für mich momentan am sinnigsten an, wobei ich mich immer weniger in meiner Unistadt und dem Studium sehe, je länger ich darüber nachdenke. naja.. das muss ich wohl jetzt endgültig entscheiden, aber vielen Dank für die vielen Hinweise!
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Durchhaltevermögen braucht man in jedem Studium. Ich kann mich gut erinnern, wie ich am Anfang gekämpft und gezweifelt habe. Auch später hatte ich Phasen, in denen mir das Durchhalten schwer fiel.
Aber ich bin bestimmt nicht die Einzige, die hinterher froh darüber war.
Ich verstehe deine Bedenken, aber versuche trotzdem, zu unterscheiden, was deiner im Moment gedrückten Stimmung geschuldet ist und was wirklich sinnvoll wäre im Moment.
Ja, ist schwierig. Reden mit anderen hilft auf jeden Fall, die Entscheidung zu treffen.
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Dann mach ne Ausbildung bei der Stadt oder Finanzamt.
Ich kann immer weniger verstehen, warum hier im Forum regelmäßig dazu geraten wird, sich als Vertretungskraft auszuprobieren, um zu schauen, ob der Beruf passt.
Habt ihr nicht mit solchen Menschen tagtäglich zu tun?Und das akademische Studium muss nicht die höchste Erfüllung sein, aber wollt ihr wirklich KuK haben, die eigentlich sowas von keiner Lust auf akademisches Lernen in dem jeweiligen Fach hatten/haben und sich mit dem praktischen Wiedergeben des Schulstoffs zufrieden geben? Ich kenne solche Leute, es IST richtig richtig SCHLIMM!
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