Anfangsunterricht Englisch - und native speaker Kind in der Klasse

  • Hallo ins Rund,

    wie der Titel schon sagt, übernehme ich nach den Ferien als Fachlehrkraft eine dritte Klasse in Englisch. In NDS beginnt in Klasse 3 der Englischunterricht, es ist demzufolge "Anfangsunterricht". Nun ist in dieser Klasse ein Kind, das quasi native speaker ist und erst mit der Einschulung nach Deutschland gekommen ist. Beide Eltern sind Deutsche und haben berufsbedingt in Irland gelebt, sodass das Kind die Sprachen Deutsch und Englisch perfekt beherrscht.

    Ich frage mich nun, wie ich damit im Englischunterricht umgehen kann. Wir arbeiten mit Playway, aber das kann ich dem Kind ja nicht (in jeder Stunde) "zumuten". Andererseits fehlen mit sowohl Zeit als auch Ideen, für jede Stunde eine Differenzierung vorzubereiten.

    Habt ihr Vorschläge oder bewährte Ideen? Ein extra Arbeitsheft? Aber welches? Aber nur AH ist ja auch langweilig... Über Input bin ich seeeehr dankbar!
    Beste Grüße, nani

  • Meine Sichtweise aus der Sekundarstufe, aber auch mit einer Sprache: Das Kind wird durch den muttersprachlichen Hintergrund schon einige Kompetenzen mitbringen, aber sicher noch nicht alle, die bis Ende der 4. Klasse curricular vorgesehen sind. Ich würde vermuten, dass Sprechen und Hören beim Grundwortschatz schon recht ausgeprägt sind, aber ggf. Lesen und Schreiben noch nicht. Mein Tipp wäre, in der ersten Woche eine Diagnostik zu machen, wo das Kind steht. Entsprechend kannst du im Unterricht Schwerpunkte setzen. Und klar, kannst du aus zeitökonomischen Gründen nicht jedes Mal Zusatzaufgaben bereithalten. Das Kind sollte das "Pflichtprogramm" auf jeden Fall mitmachen, um zu verhindern, dass der Vorsprung mit der Zeit zum Rückschritt wird. Ergänzen kannst du dies jedoch mit schönen Aufgaben, die im Regelunterricht oft zu kurz kommen und eigenständig bearbeitet werden können, z B. das Lesen zielsprachiger Kinderbücher.

  • Ich hatte das auch schon und es war überhaupt kein Problem. In der Grundschule findet der Englischunterricht weitgehend mündlich statt und ich habe mit dem Kind, einer Amerikanerin, einfach mehr auf Englisch gesprochen. Ansonsten hat sie im Unterricht gut mitgemacht und ich fand nicht, dass sie sich langweilt. Man könnte vielleicht ein paar englische Kinderbücher organisieren.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Vielleicht kannst du das Kind als Spielleiter:in einbinden für Sachen, die du sonst machen würdest.

    Sollte sich das Kind wirklich langweilen, könnte es eine englische Lektüre lesen und dazu Aufgaben bearbeiten, könnte Geschichten schreiben oder etwas auf Englisch vorbereiten und vorstellen (Lied, Spiel, Puppentheater, Bilderbuchkino, Kamishibai, Bastelanleitung, Plakat/Referat, … )

  • Mein Impuls wäre auch eine Mischung der bisherigen Beiträge. Es hängt so stark vom Kind ab: Ist es ein Kind, das gerne liest? Dann vielleicht eine kleine Langzeitaufgabe mit Kinderbüchern? (Gibt es sowas für Englisch in Anton? Also Leseaufgaben?) Aber auch als teaching assistant (wenn es charakterlich passt), mit der Aufgabe, kein Deutsch zu sprechen, zum Beispiel ...
    Ich habe ein paar muttersprachliche Kinder im Umfeld (tatsächlich auch mit Englisch, bevor die Frage kommt), und es sind sehr unterschiedliche Sachen zustande gekommen. Die größeren Probleme kamen eher in der Sek1 vor, wenn es um die sehr langsame Grammatik ging. Die meisten Grundschulthemen lassen sich viel besser anpassen (Kinderlieder aus der Kitazeit in Irland mitbringen? Kinderbücher aus zuhause mitbringen lassen? Erlebte Tradition und Kultur einbinden lassen?)

  • Andererseits fehlen mit sowohl Zeit als auch Ideen, für jede Stunde eine Differenzierung vorzubereiten.

    Das ist aber nunmal tatsächlich deine Aufgabe. Es wäre hier vielleicht auch etwas sinnvoller, sich hier etwas langfristiger zu überlegen als jede Stunde aufs Neue

  • Ich hatte auch schon ein Kind mit englischer Muttersprache. Wie bei Zauberwald war es bei mir kein Problem. Bei Tätigkeiten, wo die Leitfigur Sally aktiv wurde, spielte sie mit mir die Dialoge vor. Das machte ihr Riesenspaß. Ansonsten hatte ich nicht das Gefühl, dass sie sich langweilte. Letztendlich war das Muttersprachlerkind für meinen Unterricht eine Bereicherung. Ich würde das Kind, so oft es geht, mit einbeziehen, seine Stärken nutzen, würde es aber nicht differenzieren, sonst ist es außen vor.

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