Inklusion : Ich kann es nicht !


  • Das Österreich Problemem hat, genau wie Deutschland ist mir sehr wohl bekannt, dieses Land war ja auch nicht aufgeführt bei denen, wo es funktioniert, soviel dazu!

  • Aha, Plattenspieler. Spannend.


    Schweden: "In Schweden gehört der Gemeinsame Unterricht von Schüler/-innen mit und ohne Behinderungen nicht zur alltäglichen Praxis. „Weder Jugendliche mit besonderem Förderbedarf im Lernen oder in der Motorik noch solche, die besondere Förderung in der emotionalen oder geistigen Entwicklung bedürfen, werden die meiste Zeit gemeinsam mit ihren Altersgenossen in einer Klasse unterrichtet“ (Engelhardt/Ellinger 2006, 5). Stattdessen gibt es häufig noch hochdifferenzierte Sonderschulklassen, die an die schwedische Gesamtschule angegliedert sind."


    Finnland: Unterricht häufig in Sonderklassen, außer bei Förderbedarf L. Außerdem gibts noch 250 Sonderschulen in Finnland, vorrangig für "Sinnesgeschädigte" und schwer geistig Behinderte. Und das sagt die Zeitschrift für Inklusion! http://www.inklusion-online.ne…lusion/article/view/59/63


    Italien: Ja, okay, keine Sonderschulen. Aber was ich da von einer Freundin, die ihr FSJ in Italien gemacht hat, gehört habe, was mit den behinderten Kindern in den normalen Klassen passiert (nämlich häufig: überhaupt nichts), lässt mich fragen, ob es nicht doch besser wäre, die Kinder wären auf Sonderschulen und hätten da Unterricht...


    Wenn es also für euch total die Inklusion ist, wenn alle Schüler im selben Gebäude unterrichtet werden, dann ist nichts leichter als das. Gibts in vielen deutschen Städten schon. Nennt man Schulzentrum.

  • Interessante aber auch müßige Diskussion.


    Inklusion, so wie sie in Deutschland durchgeführt wird und demnächst flächendeckend werden soll, ist ein SPARMODELL allererster Güte: Die Schulträger sparen sich die teuren Förderschulstandorte und die Bundesländer die teuren Förderschullehrer.


    Wozu braucht's auch Förderschulen, quetschen wir in die völlig überfüllten Klassenräume des Regelschulsystems noch ein paar Inklusionskinder mit hinein, soll ja keiner "bevorzugt" werden. Freie Räume zur Differenzierung? Pustekuchen! Vielleicht in ferner Zukunft, wenn die Schülerzahlen wirklich zurückgehen sollten. Aber nein, dann schließen wir lieber ein paar Schulstandorte und machen ein paar "Gemeinschaftsschulen" auf. Spart schließlich Geld. Ging ja jahrzenhtelang auch mit 30+ Schülern pro Klassenraum...


    Wozu braucht's auch Förderschullehrer, wenn ein Crashkurs "Inklusion" im Rahmen einer Nachmittagsveranstaltung auch reicht? Dafür muss man doch keine extra A13-Stellen haben, oder? In Zukunft wird wohl auch ein Modul "Inklusion" im Studium reichen. Zuviel Expertenwissen führt ja doch nur zur Ausgrenzung der Inklusionskinder, denn: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß." Das ist echte Gleichbehandlung! Außerdem: Irgendwie ist doch jeder Schüler "förderbedürftig". Also schaffen wir die Feststellung des "Förderbedarfs" gleich mit ab. Was nicht in den Akten steht, existiert nicht. Wussten schon die alten Römer...


    Sparmodell, Sparmodell, Sparmodell. Da ist es mir völlig schnuppe, ob der Orignaltext der UN-Konvention richtig übersetzt wurde oder nicht.


    Ach ja, und wenn es schiefgeht, wissen wir auch, welche Berufsgruppe den Sündenbock spielen darf: Die Bildungspolitiker und die Bildungstheoretiker in den Universitäten werden es sicherlich nicht sein. Haben sich die "faulen Säcke" einfach nicht genung reingekniet in die Sache, wollten wohl keine unbezahlten Nacht- oder Wochenendschichten machen...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Aus Italien haben wir vor kurzem erst mehrere Schüler bekommen mit nicht mal rudimentären Englischkenntnissen und Mathe so Stand 3. Klasse. Regulär sind sie in 6, 7 und 8. Ich weiß nicht, ob man das dann als Vorbild nehmen muss. :cursing:

  • Aha, Plattenspieler. Spannend.


    Du brauchst dich hier nicht so herablassend zu äußern. Ich habe in meinem Studium bestimmt mehr Aspekte der internationalen Sonderpädagogik behandelt als du.
    Ich habe auch nirgends behauptet, dass alle anderen Länder 100 % inklusive Schulen haben o.ä.
    Aber dass die Konvention international so verstanden wird, ist unbestreitbar. Und eigentlich alle europäischen Länder haben einen steigenden prozentualen Anteil integrativer/inklusiver Beschulung.
    Natürlich muss man in einem Vergleich auch viele andere sozialen, demographischen und politischen Faktoren berücksichtigen sowie sich Fragen über den Anteil der Schüler, bei denen SPF klassifiziert wird, und über die Definition von "Inklusion" stellen. Deshalb bringt so eine Gegenüberstellung aus dem Kontext gerissener Zitate oder Zahlen verschiedener Länder eigentlich relativ wenig. Trotzdem möchte ich kurz darauf eingehen:



    Schweden: "In Schweden gehört der Gemeinsame Unterricht von Schüler/-innen mit und ohne Behinderungen nicht zur alltäglichen Praxis. „Weder Jugendliche mit besonderem Förderbedarf im Lernen oder in der Motorik noch solche, die besondere Förderung in der emotionalen oder geistigen Entwicklung bedürfen, werden die meiste Zeit gemeinsam mit ihren Altersgenossen in einer Klasse unterrichtet“ (Engelhardt/Ellinger 2006, 5). Stattdessen gibt es häufig noch hochdifferenzierte Sonderschulklassen, die an die schwedische Gesamtschule angegliedert sind."


    Sonderklassen sind etwas anderes als Sonderschulen. Unterricht an der selben Schule ist schon ein weiter Schritt in Richtung Integration/Inklusion. Außerdem beachte man die Formulierung "die meiste Zeit" - es ist also durchaus zeitweise angelegter "gemeinsamer Unterricht" vorhanden. Dessen Dauer und Intensität wird individuell für jeden Schüler festgelegt. Dies ist ein Vorgehen, wie es zum Beispiel auch in den USA weitgehend vorzufinden ist und den meisten Definitionen schulischer Inklusion mitnichten widerspricht.



    Finnland: Unterricht häufig in Sonderklassen, außer bei Förderbedarf L. Außerdem gibts noch 250 Sonderschulen in Finnland, vorrangig für "Sinnesgeschädigte" und schwer geistig Behinderte. Und das sagt die Zeitschrift für Inklusion! http://www.inklusion-online.ne…lusion/article/view/59/63


    Hierzu bedenke man, dass der FSP Lernen bereits über 50 % der deutschen "Sonderschüler" ausmacht (in Finnland vermutlich aufgrund deren Klassifikationskriterien noch mehr). Über die Schwerpunkte Sprache, körperlich-motorische Entwicklung, sozial-emotionale Entwicklung wird in diesem Zitat nichts ausgesagt. Außerdem wieder Sonderklasse, nicht Sonderschulen.



    Italien: Ja, okay, keine Sonderschulen. Aber was ich da von einer Freundin, die ihr FSJ in Italien gemacht hat, gehört habe, was mit den behinderten Kindern in den normalen Klassen passiert (nämlich häufig: überhaupt nichts), lässt mich fragen, ob es nicht doch besser wäre, die Kinder wären auf Sonderschulen und hätten da Unterricht...


    Italien würde auch ich nie als Vorbild in Sachen Bildung hinstellen.



    Gibt übrigens noch paar Länder mehr als die drei, zu denen du jetzt zufällig Zitate gefunden hast. :)


    Abschließend möchte ich noch betonen, dass ich beide Extrempositionen - sowohl uneingeschränkte Bejahung der Inklusion als auch ihre konsequente Ablehnung - reichlich lächerlich finde.



    Ach so, hatte ich noch vergessen:


    Wenn es also für euch total die Inklusion ist, wenn alle Schüler im selben Gebäude unterrichtet werden, dann ist nichts leichter als das. Gibts in vielen deutschen Städten schon. Nennt man Schulzentrum.


    1. Es ist in dem Kontext ein immenser Unterschied, ob ich ein Schulzentrum mit verschiedenen Schulen habe oder wirklich eine Schule mit verschiedenen Klassen.
    2. Viele dieser Modelle sind auf eine zeitweilige direkte gemeinsame Beschulung hin ausgerichtet (s.o.).
    3. Es ist nach vielen integrationstheoretischen Modellen ein Entwicklungsschritt: Integration in das Schulsystem -> Integration in die Schulen -> Integration in die Lerngruppen (z. B. nach Möckel).

  • Zitat Ixca..

    Zitat

    Italien: Ja, okay, keine Sonderschulen. Aber was ich da von einer
    Freundin, die ihr FSJ in Italien gemacht hat, gehört habe, was mit den
    behinderten Kindern in den normalen Klassen passiert (nämlich häufig:
    überhaupt nichts)

    So ist es !


    Irgendwie witzig, dass z.B unser geehrter Plattenspieler auf das superkorrupte Italien, für die wir als Teutsche Eurozonisten bald kräftig finanziell bluten müssen, hinweist.
    Es gibts rein gar nichts, was man den offiziellen Italienischen Stellen, auch von Seiten der dortigen Bildungspolitiker, glauben könnte. Von Berlusconi angefangen bis in die unteren Hierarchien ist dort alles ganz gut durchkorrumpiert. Auch die Mafia sitz dort überall ! 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !


  • Irgendwie witzig, dass z.B unser geehrter Plattenspieler auf das superkorrupte Italien, für die wir als Teutsche Eurozonisten bald kräftig finanziell bluten müssen, hinweist.


    Das ist eine Unterstellung. Ich habe nirgends auf Italien "hingewiesen". Im Gegenteil: Ich habe nur dazu geschrieben, dass ich Italien definitiv nicht als Vorbild betrachte.


    (Und zu dem politischen Stammtischgeschwätz schweige ich lieber auch.)

  • Dann habe ich es nicht gründlich genug gelesen und es missverstanden, geehrter Plattenspieler, und bitte dafür um Entschuldigung !


    Deine Beiträge haben für mich sonst immer den Zungenschlag "Egal, ob Chaos, Hauptsache Inklusion !"


    Deswegen habe ich da das Beispiel Italien vielleicht ein wenig überinterpretiert. (

    Zitat

    (Und zu dem politischen Stammtischgeschwätz schweige ich lieber auch.)

    Das sei Dir unbenommen, aber ich weise nur darauf hin, dass auch Du dafür bald zur Kasse gebeten wirst (direkte und dezent verteilte Steuererhöhungen) und unsere Bildungspolitiker für die Inklusion dann noch weniger als Nichts investieren werden. -Alles hängt irgendwie mit allem zusammen und besonders mit dem Geld ! 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

    Einmal editiert, zuletzt von Elternschreck ()

  • Deine Beiträge haben für mich sonst immer den Zungenschlag "Egal, ob Chaos, Hauptsache Inklusion!"



    Ich zitiere mich kurz selbst:


    Zitat

    Abschließend möchte ich noch betonen, dass ich beide Extrempositionen - sowohl uneingeschränkte Bejahung der Inklusion als auch ihre konsequente Ablehnung - reichlich lächerlich finde.




    Deswegen habe ich da das Beispiel Italien vielleicht ein wenig überinterpretiert.


    Ich glaube eher, dass du mich hier mit Susannea verwechselst, die das Beispiel Italien auch ins Gespräch gebracht hat.


    Der einzige Beitrag meinerseits zu Italien war:


    Zitat

    Italien würde auch ich nie als Vorbild in Sachen Bildung hinstellen.

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe den obigen Beitrag auch noch in den Inklusionstagebuchthread kopiert, da man sie da gesammelt lesen können sollte. Da er thematisch natürlich auch sehr gut hier her passt, ergänze ich nur schnell den Link zum Tagebuch:


    Inklusionstagebuch (der besseren Lesbarkeit halber aus verschiedenen Threads hierherkopiert)

  • Ich verfolge nun schon länger diese Diskussion und habe mich nun mal angemeldet, da dieses Thema mich ebenfalls betrifft.


    Zu mir: ich bin Sonderpädagoge und werde nach meiner Elternzeit "zwangsversetzt" und darf/muss/soll in 2 Wochen drei unserer sprachbehinderten Schüler in einer Grundschule inklusiv betreuen.


    Im Vergleich zu vielen anderen haben wir es wohl noch ganz gut erwischt. Pro Schüler gibt es 4,25 SoPÄdStunden, ich werde also mit 13 Stunden in der Klasse sein. Wie genau das aussehen wird? Keine Ahnung. Ist ein Versuchsprojekt. Ich soll mich mit der entsprechenden Grundschulkollegin auseinandersetzen. Gerne, nur leider kenn ich entsprechende Kollegin noch gar nicht. In 2 Wochen beginnt wieder die Schule.


    Vor den Ferien war ich extra an meiner "neuen" Schule zur Abschlusskonferenz. In der Hoffnung meine Teampartnerin kennen zu lernen. Fehlanzeige. Vor meinen Augen wurde darüber diskutiert, wer die Inklussionsklasse nehmen muss. Wollte keiner!!!!! Am Ende sah es so aus, als ob es eine (ältere) Kollegin trifft, die auch keine Referendarin will und deswegen die Paralellklasse auch nicht haben will. Entsprechende Kollegin war übrigens auf dieser Konferenz nicht bereit, ein Gespräch mit mir zu führen. Prima, na dann auf gute Zusammenarbeit ;( Ich hoffe doch sehr, dass ihre Bemühungen, nicht die Inklusionsklasse zu bekommen, von Erfolg gekrönt sein werden. Ihr zuliebe, den Schülern zuliebe und mir zuliebe.


    Ich habe also mal meine Kontaktdaten an der Schule gelassen, mit der Bitte, sobald die Klassenverteilung feststehe solle sich entsprechender Kollege doch mit mir in Verbindung setzen. Bis jetzt, keine Reaktion.


    Juhuuu, da freu ich mich ungemein auf meine neue Aufgabe. :evil:


    Ich bin gespannt wie es weiter geht. Ich warte jetzt mal die Konferenz nächste Woche ab, dann bin ich vielleicht schlauer.


    Ach ja, weil es so schön ist darf ich natürlich an 2 Konferenzen am Ende der Ferien teilnehmen. Bin ja auch noch mit einigen Stunden in meiner Stammschule. Bin gespannt wie viele Elternabende, Elterngespräche, Konferenzen usw. ich in diesem Jahr haben werde. Bestimmt doppelt so viele wie normal.......

  • Hallo, Tesafilm,


    im Rahmen welcher "Konzeption" bekommst du denn 4,25 h pro Schüler?
    Welches Schulamt (oder wer ist für die Stundenbemessung zuständig?) "gibt" euch denn so viele Stunden? (Hierauf kannst auch per PM antworten bzw. musst natürlich auch gar nicht antworten, wenn dir das zu persönlich ist und deine Anonymität zum Teil aufheben würde.)


    Ich frage nur, weil ich hier in BW in Praxis und Theorie nur eine Zumessung von 2 h pro S-Schüler mitbekommen habe und das auch aus anderen Bundesländern so kenne. Sprachbehinderte sind ja die scheinbar am leichtesten zu inkludierenden Schüler, "weil sie ja sowieso nach Grundschullehrplan unterrichtet werden" ... :rolleyes:


    Aber mit 13 h in einer Klasse bei 3 S-Schülern kann man schon etwas erreichen, denke ich. Blöd natürlich mit der Grundschulkollegin, aber vielleicht wird es ja doch noch eine andere oder vielleicht stellt es sich nachher, wenn die Sache angelaufen ist, doch als besser heraus, als es zunächst schien. Man muss schon auch die Regelschullehrer verstehen, für die das auch alles neu ist und die größtenteils gar keine richtige Vorstellung davon haben, um was für Schüler es sich da überhaupt handelt (sehr schön in diesem Thread nachzuvollziehen) und die auch deshalb gleich mal in eine Abwehrhaltung gehen.


    Viel Erfolg auf jeden Fall. Handelt es sich um eine neue erste Klasse? Kennst du denn die Schüler schon oder weißt schon etwas über die?

  • Hallo,


    warum wir so viele Stunden pro Schüler bekommen weiß ich nicht ganz genau. Ich kann es nur vermuten. Unsere Region gilt als "Testregion" seit ein paar Jahren wird wild ausprobiert, wie Inklusion, Kooperation, Außenklassen usw. funktionieren könnten. Kann mir die vielen Stunden nur daher erklären. Dass es in anderen Regionen nur 2 Stunden pro Schüler gibt habe ich auch schon festgestellt, deswegen bin ich ja auch der Meinung dass wir es hier (noch) gut getroffen haben.


    Wie gesagt, es findet ein fröhliches Ausprobieren statt. Ein Kollege wird 6 unserer Schüler in einer Regelschulklasse betreuen. Er hat seinen kompletten, vollen Lehrauftrag in der Klasse, alle Stunden zusätzlich zum GHS-Lehrer. Er hat einen eigenen Raum und schon regen Austausch mit seiner TeamKollegin, die sich übrigens freiwillig gemeldet hat. ^^ Traumhafte Bedingungen eben. Andere betreuen 4 Schüler an 4 Schulen und sind nur am hin und herfahren, weil nicht alle Stunden für einen Schüler am selben Tag "verbraucht" werden sollen. Die Zeit, die die Kollegin auf der Straße verbringt sind selbstverständlich keine Arbeitszeit. Und der Austausch mit den vielen Kollegien ist nicht einfach, da sie oft unter Zeitdruck steht, viel zu wenig da ist um einen Einblick zu bekommen und die GHS-Lehrer sind in der Regel mit dem Inklusionsschüler alleine. Für alle Beteiligten keine befriedigende Situation.


    Inklusion ist also nicht gleich Inklusion. Mittlerweile glaube ich, ich habe es mit meinem "Mittelding" noch ganz gut erwischt :rolleyes:


    Wenn ich dann lese, dass manche Schüler ohne Sonderlehrerstunden einfach einem Regelschullehrer "aufs Auge gedrückt" werden, dann finde ich das absolut unverantwortlich! Wäre es mein Kind, ich als Elternteil würde das nicht dulden. Ich weiß, welche Arbeit Regelschullehrer leisten und habe ehrlich Respekt davor. Die großen Klassen, die heterogene Schülerschaft, der straffe Lehrplan. Und jetzt soll man einfach mal so nebenbei "besondere Schüler" inkludieren 8| Deswegen verstehe ich auch, dass sich da keiner drum reißt.


    Naja, ich werde mich da auch durchbeißen und versuchen, das Beste für die Schüler und uns Lehrer rauszuholen. Die Schüler kenne ich noch nicht. Habe mir mal die Akten angeschaut um mir einen Überblick über die sprachliche Situation zu machen. Jetzt warte ich ab, was da kommen mag.


    Ich werde euch auf dem Laufenden halten 8)

  • Ich muss mich jetzt mal bei euch ausheulen :heul:
    Seit Beginn des Schuljahres unterrichte ich in einer Inklusionsklasse (7.Schuljahr) Gesellschaftslehre und Wirtschaftslehre. Unter den fünf I-Kindern ist ein geistig behindertes Kind, dass auf dem geistigen Stand eines ca. 6 bis 7-jährigen ist. Drei Kinder sind Lernbehindert und ein Mädchen hat eine Körperbehinderung.
    Mein "Problem" ist das GB-Kind. Er hat zwar eine Integrationshelferin (aber wechselnde Personen) aber ich soll den Unterricht für ihn vorbereiten und entsprechende Materialien zur Verfügung stellen. Ich habe keinerlei Erfahrung mit der Inklusion von geistig Behinderten, bin weder dafür ausgebildet noch habe ich eine Fortbildung machen können. Abgesehen davon werde ich auch nicht dafür bezahlt aber das ist ja nochmal eine andere Disskussion... Schlicht und einfach: Ich fühle mich völlig überfordert damit, diesem Kind auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Zu meiner Schulleitung brauche ich damit nicht gehen. Da wird vorausgesetzt, dass ich professionell damit umgehe und alles "läuft" :rolleyes:
    Kennt ihr diese Situation? Wie geht ihr damit um? Was kann ich tun, um diesem Kind einen angemessen Unterricht zu bieten/zu ermöglichen?

  • ...ich soll den Unterricht für ihn vorbereiten und entsprechende Materialien zur Verfügung stellen. Ich habe keinerlei Erfahrung mit der Inklusion von geistig Behinderten, bin weder dafür ausgebildet noch habe ich eine Fortbildung machen können. Abgesehen davon werde ich auch nicht dafür bezahlt aber das ist ja nochmal eine andere Disskussion...


    1. Fordere von deiner Schulleitung schriftlich eine Fortbildung bzgl. des speziellen Förderbedarfs ein (Kopie an den PR) und mache gleichzeitig klar, dass du ansonsten keine angemessene Förderung betreiben kannst, da du dafür nicht ausgebildet bist. Nicht umsonst studieren Förderlehrer/Sonderpädagogen so etwas jahrelang. Andernfalls wäre dieses Berufsbild vollkommen überflüssig, was es offensichtlich nicht ist.


    2. Den zusätzlichen Aufwand in der Erstellung von speziellen Fördermaterialien, Diagnoseaufwand, zusätzlichen Gesprächen usw. den ziehst du selbstverständlich von deiner sonstigen Unterrichtsvorbereitung und deiner sonstigen pädagogischen Tätigkeit ab, was du auch klar z.B. auf Elternabenden so kommunizierst: "Ich kann leider für diese Klasse keinen binnendifferenzierten Materialien mehr erstellen, da ich die Zeit für das Inklusionkind brauche. Leider stehe ich für pädagogische Gespräche nur noch eine halbe Stunde in der Woche zur Verfügung, da ich erhöhten Beratungsaufwand für das Inklusionkind habe. Usw." Du setzt selbstverständlich keine unbezahlten Überstunden dafür ein, das wäre das falsche Signal an die Öffentlichkeit und an die Schulleitung.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Ganz ehrlich: bei Berichten, wie ihn Finchen hier geschrieben hat, schwillt mir ordentlich der Kamm.


    Vielleicht liegt es an meiner persönlichen Beschränktheit, aber ich hätte doch gern nochmal plausibel erklärt:


    a) wieso "Inklusion" nicht als eine reine Sparmaßnahme anzusehen ist. (Das Argument, wonach Finchen nur ein Opfer der schlechten Ausstattung an ihrer Schule ist, zieht nicht. Wir wurden ja schon belehrt, dass Inklusion auch mit schlechter Ausstattung durchaus gelingen kann. Was macht Finchen also falsch?)


    b) wieso diese Form der Inklusion ein Segen für die betroffenen Kinder ist.



    Mich persönlich erinnert das alles an den Unterschied zwischen einem Märchen im Osten und im Westen...im Westen beginnt es mit "Es war einmal....", im Osten begann es mit "Einmal wird es soweit sein...." 8)

    Mit meinem Verhältnis zur Realität ist alles in Ordnung. Ich lasse es alle 14 Tage vorschriftsgemäß warten.

  • Hast du, wenn auch nur Gelegentlich, keinen Sonderpädagogen zur Seite. Ich versorge als abgeordnete Sonderschullehrerin obwohl mehr recht als schlecht das GE KInd mit Materialien. Allerdings nur in Deutsch und Mathe. Was man da von dir verlangt ist nicht leistbar. Du müsstest die Eltern ins Boot holen und den Wechsel des Förderortes beantragen, solange es noch geht. Nicht nur du, sonders besonders auch das Kind ist zu sehr zu bedauern. Ich habe nächste Woche auch ein Elterngespräch vor der Brust. Werde den Eltern vorschlagen dem Unterricht in der Förderschule GE beiwohnen zu dürfen, damit sie sich sich Bild von Förderung machen können. Bitte doch die Eltern in deinen Unterricht, um die Probleme aufzuzeigen. ?(:cursing:

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