Vergütung und Freizeit

  • Da dies ein neuer Themenkomplex ist, erlaube ich es mir direkt noch einen zweiten Thread zu eröffnen.


    Erstmal das Einfache:


    Natürlich ist die Menge an Freizeit, die mir zusteht davon bestimmt wie viele höhere Klassen ich habe, wie viel Zeit ich in die Vorbereitung des Unterrichts investiere und weiterhin ist letzteres sowie die Zeit, die ich für Korrekturen benötige ja auch noch stark von meiner Berufserfahrung abhängig. Trotzdem würde ich gerne mal ungefähr wissen, wie viel Freizeit ich mit meinen Fächern denn so habe.
    Ein Didaktikdozent sagte zum Beispiel: "Mit dem Geld bin ich nicht zufrieden, dafür ist die Menge an Freizeit enorm und Lehrer die Anderes sagen, die Jammern nur rum" von einem Anderen höre ich: "Gerade aufgrund der Korrekturen muss man sich abseits der Sommerferien und einem Teil der Weihnachtsferien schon entscheiden, ob ich lieber Faschings-/Frühlings-/Herbstferien oder meine Wochenenden frei habe". Der eine Lehrer unterrichtete Deutsch und Geschichte, der andere Deutsch und Gemeinschaftskunde. Wie sieht das denn bei euch so aus?



    Nun zu dem für mich komplizierten, der Vergütung:


    Als erstes würde ich da am liebsten die Krankenversicherung ansprechen. Ich weiß, dass ein Teil davon übernommen wird und ein Teil nicht. Ich weiß, dass die meisten Lehrer sich zusätzlich privat versichern und nur wenige gesetzlich versichert sind. Weiterhin hängt das glaube ich ja auch noch vom Familienstand ab. Ich bin in einer langjährigen Beziehung in der ich auch eine Familie plane. Sofern alles nach Plan läuft wird meine Freundin angestellte Ärztin im niedergelassenen Bereich, ferner wollen wir zwei bis drei Kinder haben.
    Wie läuft das generell mit der Versicherung ab? Was wäre bei meinem geplanten Familienstand von Vorteil?


    Ich weiß, dass die Lehrervergütung nach Besoldungsgruppen geregelt ist. Zusätzlich zu den Besoldungsgruppen gibt es ja noch einen Anstieg nach Berufsjahren. Da ich nicht weiß wann ich wie und in welche Besoldungsgruppe falle, kann ich mit den Tabellen nichts anfangen. Weiterhin weiß ich auch nicht in welche Steuerklasse ich jetzt noch und später fallen werde. Ist mein Alter mit dem ich in den Beruf einsteige da von Bedeutung? Kann mir das jemand erklären?



    Nochmals vielen Dank im Voraus.

  • Ist oder war der Didaktikdozent Lehrer? Wenn nein, würde ich diese Aussage ohne weiteres als leeres Gerede eines Ahnungslosen verwerfen, wenn ja, würde ich mir meine Gedanken machen, was für ein Berufsverständnis der Kollege so hat, wenn ihm keine Arbeiten einfallen, um seine Dienstverpflichtungen auszufüllen...


    Prinzipiell ist es so, dass deine Arbeitszeit (für Beamte) gesetzlich geregelt ist, bzw. (für Angestellte) im Tarifvertrag festgelegt ist. Bei mir sind das 41 Stunden wöchentlich bei 30 Arbeitstagen Urlaub. Diese Zeit muss ich für den Dienstherren vollumfänglich zur Verfügung stehen, der Rest steht zu meiner eigenen Verfügung, d.h. ist meine Freizeit.


    Natürlich passt das nicht so wirklich mit der Arbeitsrealität und der Dauer der unterrichtsfreien Zeit (vulgo "Ferien") zusammen. Zu bestimmten Zeiten muss ich deutlich mehr arbeiten als 41 Stunden, z.B. wenn ich einen Stapel Leistungskurskorrekturen à 10 Seiten Text in schlechtem Englisch korrigieren muss oder die Abiturprüfungen laufen. Zu anderen Zeiten läuft die Arbeit recht gemächlich, z.B. in den Sommer- oder den Weihnachtsferien. Da wir als Lehrer im höheren und gehobenen Dienst und als studierte Menschen beruflich hoch qualifiziert sind und nicht nach der Stechuhr arbeiten, sind wir gehalten, unsere Arbeitszeit selber sinnvoll auszfüllen, um unseren Dienstpflichten korrekt nachzukommen. Wir erhalten ja keine genau ausgeführten Einzelaufträge, sondern finden unsere Tätigkeiten in der allgemeinen Routinearbeit von Unterrichtsplanung und -durchführung, Korrekturen und Bewertungen und dem Schulbetrieb; aber auch in selbstgesteckten Aufgaben von Schulentwicklung, Materialentwicklung, fachlicher, pädagogischer und didaktischer Fortbildung etc. pp. Prinzipiell ist immer Arbeit da, auch wenn es Bandbreiten und Unterschiede gibt. Korrekturfächer wie Deutsch oder Englisch haben eine hohe Arbeitsbelastung durch die ständigen Korrekturen (eine extrem anstrengende und stupide Arbeit!)


    Wieviel Freizeit man als Lehrer praktisch hat, richtet sich daran aus, wie man sich seine Arbeit einteilt und gestaltet. Wer eine unkollegiale und unprofessionelle Einstellung plus ein dickes Fell hat, kann sich natürlich einen faulen Lenz machen, wie es sich der Dozent anscheinend vorzustellen scheint. (Falls er Lehrer ist - möchte man von so jemandem als Lehramtsstudent ausgebildet werden?) Solche Knallchargen gibt es in jedem Kollegium, ich kann dir aber versichern, dass die allermeisten Lehrer an ihrer Arbeit interessiert sind und sich anstrengen.


    Andererseits gibt es immer mehr sinnvolle Arbeit als geleistet werden kann. Einige Lehrer und vor allem Berufsanfänger neigen dazu sich dauerhaft zu überfordern (Achtung, wenn im Referendariat Ausbilder von "110% geben" faseln. Wichtiger ist das Pareto-Prinzip im Zeitmanagment.) Um eine vernünftige Balance zwischen Lebensführung und gewissenhafter, solider Arbeit zu finden, braucht man Berufserfahrung, professionelles Selbstvertrauen, auch mal den Mut zur Lücke. Am allerwichtigsten bei der ökonomischen Arbeitseinteilung ist ein funktionierendes Kollegium, das zur Teamarbeit in der Lage und willig ist. Leider ist diese Kultur nicht in allen Schulen gut entwickelt und man trifft im Beruf viel zu oft Kollegen, die ihr Einzelkämpfertum, mit dem sie jedes noch so kleine Rädchen immer wieder neu erfinden müssen, als großes Ideal des freien Pädagogen stilisieren. Mach das nicht, das macht dich nur fertig. Und dauerhafte Überlastung führt regelmäßig zu Frustration und Rückzug aus der produktiven Arbeit. Wenn man sich dabei erwischt, dass man keine Zeit mehr für ein gutes Buch, Freunde oder ein Hobby hat, weil man jeden Abend bis 10 Uhr nachts am Schreibtisch sitzt, dann macht man etwas falsch und muss dringendst etwas ändern!


    Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich ein gutes Maß gefunden habe. Ich kann von mir sagen, dass ich bei der Arbeit ein gutes Gewissen habe, wenn ich Aufgaben ablehne oder mit geringerer Sorgfalt erledige, weil ich weiß, dass ich insgesamt mein Gewicht in der Schule ziehe und mein Unterricht zu guten Lernergebnissen für die Schüler führt. Ich bin dauerhaft mit meiner Arbeit zufrieden und habe ausreichend Zeit für Hobbies und Interessen. Quantitativ kann ich das jetzt nicht auf eine Stunde berechnen - momentan bin ich ziemlich am brummen, da das Semester startet und ich eine Online-Plattform administriere, die ganz frisch eingeführt ist. Einen Monat der Sommerferien habe ich mich aber ultraentspannt zurückgelehnt und gar nichts mit der Schule gemacht.

  • Ja der Dozent ist Lehrer (bis jetzt waren alle Didaktikdozenten immer auch noch Lehrer in Teilzeit). Wenn nicht gerade solche Aussagen getätigt werden ist es anhand dieses einen Kurses mit dieser Person immer schwer einzuschätzen, ob die Person denn selbst auch ein guter Lehrer ist. Generell geht man natürlich immer davon aus, dass so ein Dozent auch überdurchschnittlich qualifiziert ist. Wenn ich meine Didaktikkurse denn vergleiche, war ich mit diesem auch am wenigsten zufrieden. Von daher ergibt sich da schon ein einheitliches Bild.
    Ich mache mein Praxissemester erst in diesem Semester, meinem 7. Fachsemester. Das heißt ich habe bereits 6. Fachsemester studiert und habe jetzt sogar schon ein paar Kurse mehr, als ich sie nach dem Muster-Verlaufsplan zu diesem Zeitpunkt haben sollte. Neben meinem Sprachkurs in Latein, der zufälligerweise ebenfalls von einer Lehrerin gemacht wurde, habe ich bis auf mein zweiwöchiges Praktikum vorm Studium zwei Didaktikkurse gehabt (pro Fach zwei Kurse, das heißt zwei kommen noch) in denen ich mal einen Lehrer gehabt habe. Daher fühlt sich fast alles was man macht extremst praxisfremd an und daher hängt man jedem Lehrer an den Lippen. Ich hoffe echt, dass das Praxissemester da ein wenig Abhilfe schafft und mir mal wirklcihen Einblick in den Beruf bringt.

    • Offizieller Beitrag

    Wenn deine Fächerangabe richtig ist - und du kein weiteres Fach hast -, sage ich mal als Doppelkorrekturfachlehrerin "Weh, du beschwerst dich jemals über deine Arbeitsbelastung!" ;)


    Es hängt von sovielen Faktoren ab, dass man es nicht berechnen kann.
    Ich bin erst ein paar Jahre im Geschäft und jedes Jahr entwickeln sich gewissen Taktiken.
    Ich fange das vermutlich intensivste Jahr an, ich habe fast nur Oberstufe, wobei in 2 Gruppen nicht alle SchülerInnen eine Klausur schreiben (enorme Entlastung). Gut, das habe ich mir (mit)ausgesucht, aber ich wollte auch einfach mehr Oberstufe haben. Ich habe in den Sommerferien (vergleichsweise, wenn ich mit KollegInnen rede) viel gemacht, hatte trotzdem viel Freizeit, weil nunmal keine Schule morgens stattfand und starte im Jahr mit quasi ausgereiften Reihen in 5 von 8 Lerngruppen. Bis Ende Oktober / Ende November muss ich in diesen Gruppen voraussichtlich kein Arbeitsblatt erstellen und weiß ziemlich genau alle Schritte, die auf mich zukommen. Bei den anderen Lerngruppen habe ich grob geplant aber leider nicht sooo erfolgreich, trotzdem mehr als sonst. Jetzt werde ich versuchen, hier und da den Abstand (2 Monate voraus) zu halten, es wird nicht klappen, also muss ich in den Herbstferien eine der zwei Wochen komplett für die Schule was machen (in der ersten Woche ist Strand angesagt und da wird kein Laptop mitgenommen, höchstens ein Klausurstapel.)
    Ich verspreche mir aber durch diese Planung im Sommer, dass ich tatsächlich bis zu den Herbstferien und hoffentlich bis Weihnachten fast nie die wöchentlichen 41 Stunden überschreiten werde. Wenn ich Zeit über habe, bereite ich vor, wenn ich korrigieren muss, bin ich hoffentlich nicht darauf angewiesen, viel zu korrigieren.


    Dass das Utopie ist, ist mir klar, aber ein Versuch ist es wert ;)
    Erfahrungsgemäss werde ich in November / Dezember sterben, weil da alle Lerngruppen ihre Klausuren gleichzeitig schreiben... Weihnachtsferien ade, da ist für mich als Lehrerin mit quasi nur Korrekturen klar: Weihnachtsferien existieren nicht.
    Januar ist vergleichsweise ruhig, vielleicht die eine oder zwei letzte schnelle Arbeit vor den Zeugnissen.


    Februar war letztes Jahr Langeweile pur, keine einzige Arbeit auf 4 Wochen!! und dann ging der Wahnsinn wieder los. Aber da ist Organisation wichtig: alle Klassenarbeitstermine, die ich mir selbst legen kann, versuche ich natürlich nicht an einem Tag nach 2 Oberstufenklausuren zu legen. und ich muss noch lernen - trotz Probezeit - ein paar Zusatzaufgaben, die mich total begeistern würden, abzulehnen, bzw. mich gar nicht erst zu melden ("Wer möchte gerne eine AG für die Grundschule anbieten?")


    Mit dem Geld bin ich total glücklich. Ich habe bis einer Minute vorm Okay vom Amtsarzt geglaubt, dass ich meinen Job für E13 machen würde. Was okay gewesen wäre, aber da hätte ich definitiv schnell reduziert. Für A13 weiß ich immer noch nicht, was ich mit dem ganzen Geld anfangen soll.* Zum Glück heirate ich bald ;)


    chili


    * Natürlich fallen mir schon ein paar Sachen ein, es soll also kein Aufruf sein, nach Spenden zu fragen ;) Ich bin aber in der komfortablen Situation, dass mein Partner auch einen gut bezahlten Vollzeitjob hat, wir keine extravaganten Reisewünsche haben (oder zumindest umsetzen) und wir kinderlos sind. Für uns und unseren Hund reicht das Geld locker ;)

    • Offizieller Beitrag

    ich würde das "Einfache" und das" Komplizierte" genau anders herum sehen:


    die Arbeitsbelastung hängt von sehr vielen Faktoren ab, die hier und heute niemand vorhersagen kann.
    In allererster Linie hängt sie -nach der Stundenverteilung- aber damit zusammen, wie du dich organisieren kannst.
    Damit ist es anfangs auch nach dem Ref naturgemäß nicht so weit her. Gehe aber ruhig mal von deutlich mehr Wochenarbeitsstunden aus, als du jetzt vermutest ;) . Mit 50 Stunden pro Woche liegt meine Schätzung eher noch im unteren Bereich, bei voller Stelle.


    Einfacher dürfte tatsächlich die Berechnung der Besoldung sein:
    Es gibt ja Besoldungsrechner. Und selbst wenn du z.B. dein zukünftiges Bundesland noch nicht absehen kannst, kannst du ja mal eine worst case und eine best case Rechnung anstellen ;)


    Im Großen und Ganzen würde ich aber nicht unbedingt Dozenten an der Uni als Gewährsleute für den Lehrerberuf wählen. :neenee: Deren Praxiserfahrung im schulischen Bereich ist oft ..... sagen wir: realitätsfremd


    Geh mal an eine Schule, versuche dort ein Praktikum zu machen und rede mit Referendaren und jungen Kollegen.

    • Offizieller Beitrag

    Warum schreiben Schülerinnen bei dir teilweise keine Klausuren?

    weil in der Oberstufe die SuS nur eine bestimmte Anzahl an schriftlichen Fächern haben müssen und andere Fächer rein mündlich sind. Jeder kann es (im Rahmen von bestimmten Regeln) für such so gestalten, wie er will.

  • Oh der arme Marlboroman... Er glaubt seit Jahren, dass ich nur über Mädchen rede, weil er noch nie vom Binnen-I gehört hat...

    a) Ist das Binnen-I ein Rechtschreibfehler ;)
    b) Gibt es Studien, die belegen, dass das Binnen-I dazu führt, dass der Leser das Gefühl hat, dass nur von weiblichen Personen im Text die Rede ist.
    c) Findest du Wörter wie" BürgerInnenmeisterInkandidatIn" toll?


    Das Binnen-I wird in der Forschung eigentlich als das Gegenstück zum generischen Maskulinum betrachtet. Also im Endeffekt auch für die Tonne.

  • Abgesehen von der Abiturzeit, komme ich in der Unterrichtszeit meist auf etwa 30 Stunden pro Woche.

    • Fächerkombination

      • Mathe und Physik erfordern deutlich weniger Korrekturzeit als beispielsweise Deutsch und Englisch
    • Erfahrung

      • Ich kann mittlerweile weitgehend alle Stunden ohne nennenswerte Einarbeitung halten
    • Vorbereitung

      • Ich habe alle notwendigen Unterrichtsmaterialien zusammengestellt und passe diese nur noch bei Bedarf an (zuletzt bei der Umstellung auf das G8)
    • Unterrichtsstil

      • Ich setze auf bewährte Konzepte (Frontalunterricht, ...)
  • Abgesehen von der Abiturzeit, komme ich in der Unterrichtszeit meist auf etwa 30 Stunden pro Woche.

    BÖSE!!! Bist Du gegen den Shitstorm gewappnet, der sich jetzt über Dich ergiesst? ;) (<-- das ist ein ironisch zwinkerndes Smiley ... nur so zur Info ...).


    Grob über den Daumen gepeilt und übers ganze Jahr gemittelt (also abzüglich Ferien + die gesetzlichen 20 Tage Urlaub) schiebe ich etwa eine 40-Stunden-Woche bei 86 % Bezahlung. Ich denke, das wird noch weniger, sobald ich jede Schulstufe und jedes Leistungsniveau über alle Jahrgänge mal gemacht habe.

Werbung