Digitalisierung an der Schule - was bewegt Sie?

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  • Ich finde auch: Man braucht Fachpersonal vor Ort. Dieses muss angemessen (also konkurrenzfähig) bezahlt werden, sonst bekommt man keine guten Leute.

    Ferner wäre es wichtig, Gelder unbürokratischer verwenden zu können. Die Schulen sollten schon selbst am besten wissen, was sie brauchen.
    Wenn das Land / der Schulträger hier unterstützen möchte (damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss), dann sollten "Musterlösungen" entwickelt werden (so wie früher in BaWü), damit die Schulen trotzdem noch eine gewisse Wahlfreiheit haben.

    Sonst passiert es wie von plattyplus beschrieben: Viel Geld an einer Stelle nützt nichts, wenn es dann an Kabeln für 5 € scheitert, die man aber 2 Jahre vorher hätte beantragen müssen. So kann man nicht arbeiten (egal, ob Fachkraft oder Lehrer-Nebenher-Admin).
  • Conni schrieb:


    Was uns gerade umtreibt: Um überhaupt Gelder aus dem Digitalpakt zu bekommen, brauchen wir ein Medienkonzept. Das letzte Medienkonzept vom Mai (entstanden in Arbeitszeit, die am "Kerngeschäft", dem Vorbereiten, Durchführen und Nachbereiten guten Unterrichts und der Erziehungsarbeit fehlte) ist hinfällig, weil es nun neue bundesweite, ganz andere Medienkonzeptvorlagen gibt. Die Schulleitung und die Computerfee sitzen nun wieder und schreiben ein neues Konzept.
    Da sind wir auch gerade dran. Weil bei uns in ca. 8 Jahren neu gebaut werden soll, wird vom Träger so wirklich gar kein Geld mehr in die Hand genommen für unseren aktuellen Bau, WLAN gibt es manchmal im Lehrerzimmer und ca. jeder anderthalbte Overheadprojektor funktioniert.

    An der Schule meines Mannes (anderer Kreis) wurde vom Träger sehr viel Geld in die Schule investiert, die haben seit zwei Jahren ein großartiges, durchdachtes und vom Ministerium und IQSH betreutes Medienkonzept. In unserer Not, nun ein solches Konzept schreiben zu müssen, aber wirklich keine Ahnung davon zu haben (wie auch, privat interessiert sich die Lehrerschaft durchaus, aber beruflich können wir es halt nicht gebrauchen), haben wir unseren nächsten Schulentwicklungstag bei der Schule meines Mannes "gebucht" und sie erzählen uns dann, was wir wie aufschreiben müssen und in welcher Reihenfolge beantragt werden muss.

    Klappt auch nur, weil wir das bei uns zuhause so beschlossen haben, meine Schule jetzt auch auf diesen Weg mitzunehmen.
    "Und hast du die Ausrufezeichen bemerkt? Es sind fünf. Ein sicheres Zeichen dafür, daß jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt." (T. Pratchett)
  • Hier auch. Habe da schon ein paar nette Überlegungen zu.
    Man sollte darauf achten, seinen Kindern den richtigen Glauben zu vermitteln. ... Den an sich selbst.
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    Merke: wer auf dem Rad friert, fährt zu langsam. (By O.Meier ;) )
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    Die meisten meiner Beiträge entstehen auf einer tablet-Tastatur. Da es dort kein haptisches Feedback gibt, schleichen sich schneller Tippfehler ein. Sorry.
  • LeVani schrieb:

    Die Liste an Themen ist lang... mit meiner Abschlussarbeit möchte ich jedoch gerne einen Mehrwert für Schulleiter und Lehrer schaffen. Deswegen spreche ich nun Sie, liebe Lehrkräfte, hier in diesem Forum an, um herauszufinden, was Sie zum Thema Digitalisierung an Ihrer Schule am meisten umtreibt. Denn vielleicht liefern Ihre Antworten wertvolle Impulse für meine Forschungsarbeit.

    Zunächst einmal treibt mich hier um, dass die Suche nach einem "Mehrwert" an der didaktischen und pädagogischen Einordnung von digitalen Medien vorbeigeht. Zumindest nach dem aktuellen Diskussionsstand der Mediendidaktik. :) Siehe dazu die interessanten Gedanken von Axel Krommer.

    Ansonsten treiben mich praktisch viele Dinge um, da ich einerseits seit über zehn Jahren als Lehrer Mediendidaktik in einem Bildungsgang des zweiten Bildungsweges betreibe, der 50% der Unterrichtszeit auf Online-Arbeit von zu Hause aus verlegt. Abitur-Online, wie der Bildungsgang heißt, der ganz normal am Zentralabitur teilnimmt, ist bei geringer Studierendenzahl sehr erfolgreich. In unserem letzten Durchgang wurden in einem Jahrgang von ca. 30 Studierenden zwei Studierende als Stipendiaten von der Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen.

    Außerdem verwenden wir an der Schule die für diesen Bildungsgang vom Land bereitgestellte Kombination aus Logineo (das ist nicht Logineo-NRW!) und Moodle, um digitale Arbeit sowohl im traditionellen Präsenzunterricht als auch in der Schulorganisation als alltägliche Platform umzusetzen; ich bin daran einerseits planend in der Arbeitsgruppe für Medien als auch praktisch als Administrator der Moodle/Logineo-Plattform und als allgemeiner Technikerklärbär für KollegInnen und LernerInnen beteiligt.

    Ich könnte also sehr viel schreiben, aber das will ich nicht, weil es viel Arbeit macht. Für konkrete Fragen stehe ich aber gerne zur Verfügung.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Meerschwein Nele ()

  • Mikael schrieb:

    ... in die Grundlagen der Netzwerktechnik sowie die Administration eines heterogenen Multi-User, Multi-Geräte Systems mit zusammengewürftelter Topologie einarbeiten? Jeder Informatik-Absolvent mit 10 Jahren Berufserfahrung oder Spezialist in einem IT-Systemhaus kriegt das hin, ...
    Leider nicht! Sie kommen, machen etwas, das aber nie vollständig, am Ende fehlt das eine, das zweite ist dabei unbrauchbar geworden und auf das dritte warten wir noch 2 Jahre und 7 weitere Anfragen.
    Den Kostenträger scheint das nicht zu interessieren, er muss ja den Missstand auch nicht ertragen.
  • Liebe Lehrkräfte,


    erst einmal vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen, über die ich mich sehr freue. Gerne möchte ich natürlich darauf ausführlich antworten und auch die ein oder andere Rückfrage stellen. Nicht erschrecken :-). Ich habe die Rückfragen direkt adressiert, damit Sie sich nicht alles durchlesen müssen.



    @DePaelzerBu & @Volker_D

    Dass Sie dieser Missstand stört, kann ich absolut nachvollziehen und auch ich bin der Meinung, dass sanitäre Anlagen / bauliche Maßnahmen definitiv vor der Digitalisierung stehen sollten. In der Tat wird für mich als Außenstehende, weder Lehrer noch Elternteil mit schulpflichtigen Kindern, dieser Missstand nicht so deutlich kommuniziert, wie zum Beispiel der Digitalpakt. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich auf Grund meines Studienschwerpunkts auch vermehrt danach gesucht habe .



    @Kiggie

    Es ist sehr schade, Kiggie, dass Sie ihre gute Technik nicht nutzen können. Wie gehen Sie damit um? Gibt es hier eine Meldestelle, müssen Sie hierfür einen Antrag stellen, besprechen Sie das mit der Schulleitung? Oder fühlt sich dafür niemand zuständig und Sie sind immer auf Ihren Plan B angewiesen?



    @Palim D.h. die Service Firma war da, hat alles eingerichtet, ist wieder weg und nichts hat funktioniert? Wie ist die Schulleitung damit umgegangen? Gab es eine Reklamation? Kabel für die Geräte sollten bei einer Wartung ja eigentlich Voraussetzung sein, um überhaupt warten zu können?

    Dass der Kostenträger hier nicht auf Zack ist und Sie darauf bringt eine Postkarte könnte zielführender sein, finde ich wirklich erschreckend. Ich sollte mal die Kostenträger nach dem Prozedere befragen...

    Stichwort Fortbildungen. Welche Fortbildungen würden Sie sich hier als Lehrer wünschen? Ich habe von einer Schule hier aus Neufahrn gehört, die von bitkom als „smartschool“ ausgezeichnet wurde. Die haben ein System entwickelt, in dem Schüler einen „digitalen Tafeldienst“ machen. D.h. die gucken, sind die Kabel da die gebraucht werden, machen einen Technikcheck vor dem Unterricht etc., damit die Lehrer entlastet werden. Ist das auch eine Möglichkeit, die Sie sich vorstellen könnten? Gibt es vielleicht sogar schulübergreifende Kompetenzen, die genutzt werden können? Vielleicht gibt es ja in Schule A jemanden, der dies und jenes gut kann und das mit Schule B und C teilen kann und umgekehrt. Oder ist das ein Modell, was theoretisch gut sein mag, in der Praxis aber nicht funktioniert?



    @Krabappel & @kodi

    Ich hoffe, Sie, Krabappel, bekommen bald Ihr W-LAN Passwort . Ich finde den Ansatz mit dem Fachpersonal für Digitales ein heißes Thema. Das spiegelt sich auch in der Antwort von Ihnen, kodi, und vielen weiteren, wieder. Sie sagen 1 Systemadmin für 80 PC Arbeitsplätze… Wer kümmert sich aktuell darum? Gibt es zumindest einen Medienassistenten an Ihrer Schule? Oder lastet die Arbeit auf einem bis wenigen Lehrern? So wie ich es in den anderen Antworten lese, übernehmen Lehrer die Aufgabe der Wartung und erhalten dafür kaum Ermäßigungsstunden. Wie gehen Sie damit um?



    Sie sprechen auch von Hochverfügbarkeitslösungen? Auf welche Geräte spielen Sie hier an? Oder ist es eher eine allgemeine Aussage für „die Geräte müssen darauf geprüft werden, dass Sie genug Leistung mitbringen“.

    @Krabappel, Sie haben die Frage „Auf welcher Entscheidungsgrundlage ein Land von welcher Firma Geräte für die Schulen kauft“ gestellt. Finde ich auch interessant. Haben Sie als Lehrer keinen Einfluss auf die Geräteauswahl? Werden Sie in ein mögliches Medienkonzept nicht mit eingebunden? Ich bin mir sicher, es gibt unter den Lehrern auch viele Technikbegeisterte, die hier durchaus einen wichtigen Teil dazu beitragen könnten.



    @plattyplus

    Leasing finde ich eine gute Sache. Ich habe mich einmal erkundigt, ob Leasinggeräte auch aus dem Digitalpakt bezogen werden dürfen. Leider jedoch die Antwort erhalten, dies sei Ländersache, und von Land zu Land unterschiedlich. Gerade in Zeiten des schnellen digitalen Wandels und der immer besser werdenden Geräte halte ich die Idee vom Leasing auch für sehr sinnvoll, gerade in Hinblick auf den regelmäßigen Support/Wartung.

    Wie passiert es, dass aus einem Antrag "Lehrer-PC" irgendwann "Lehrerarbeitsplatz" wird? Wurde das mal eben umbenannt? Das würde mich interessieren. 4 Jahre mit Geräten, die Sie nicht nutzen können ist wirklich erschreckend – Investitionen die ins Leere laufen. Traurig.



    @O. Meier

    Wie aufgeschlossen ist denn die Schulleitung generell, wenn es um das Thema Digitalisierung geht? Wenn so wenig Verständnis darüber herrscht, wieviel Arbeit der IT Support auf Seiten der Lehrer ist und Sie erst „Kriegsrat“ halten müssen, kann ich mir vorstellen, dass es hier auch ein wenig an Verständnis seitens der Schulleitung mangelt? Oder sehe ich das falsch?



    @Bayer

    Ist das Gymnasium in dem Sie lehren in München? Interessiert mich nur, da ich ja selbst aus München komme.

    Also eigentlich bräuchten Sie dann immer 3-4 verschiedene Unterrichtsvorbereitungen… das kann es ja auch nicht sein, ich wäre auch frustriert und es ist schade, dass technikaffine Lehrer dann tatsächlich zu altmodischen Mitteln zurückgreifen. Ist Ihr Kollegium ebenfalls frustriert darüber? Auch hier würde mich interessieren, was die Schulleitung dazu sagt? Oder wird das gar nicht mehr thematisiert, weil man sich schon mit der Situation abgefunden hat und daran eh nichts ändern kann?

    Die Suche nach dem Fehler stelle ich mir ebenfalls lästig vor. Ließe sich das auf Lehrerseite eventuell mit Fortbildungen verbessern? Oder wenn Sie Ihren Schülern etwas Medienkompetenz zutrauen, evtl. durch einen „digitalen Tafeldienst“ der Schüler, in dem der Raum von Schülern zumindest soweit vorbereitet wird, dass der Lehrende keinen Stress mehr hat, sich seine Kabel zusammenzusuchen? Zumindest macht das eine Schule aus Neufahrn, die von bitkom als smartschool ausgezeichnet wurde. Wäre das ein Weg, die sie sich auch für Ihre Schule vorstellen könnten?



    @Conni

    d.h. an dem Medienkonzept arbeiten nur Schulleitung und „Computerfee“ ? Wird hier Rücksprache mit Ihnen gehalten oder wird das im stillen Kämmerchen zu zweit erstellt? Ich kann mir vorstellen, dass bei so einem Konzept die Erfahrungen und Ideen des Kollegiums viel wert sind…



    @jotto-mit-schaf

    Hat das jetzt nur etwas damit zu tun, dass bei Ihnen in 8 Jahren neu gebaut werden soll und deshalb vom Träger kein Geld fließt oder gibt es auch andere Gründe? Wann fließt beim Träger viel Geld und wann nicht? Hängt es dann auch von dem hervorragendem Medienkonzept ab, das es bei Ihrem Mann in der Schule gibt, dass hier viel Geld geflossen ist? Oder evtl. von der Schulleitung und mit wieviel Nachdruck die wiederum dahinter ist? Wie ist hier vor 2 Jahren die Schule Ihres Mannes vorgegangen? Wurde das Medienkonzept alleine, ohne Hilfe von außen aufgestellt? Das würde mich interessieren. Ich finde es toll, dass Sie sich das mit Ihrer Schule als „Best Practise“ ansehen. Denken Sie, das machen mehrere Schulen so? Ich finde es immer gut, von anderen zu lernen und halte das auch bei der digitalen Schulentwicklung für eine super Sache.



    @Pet

    Da schwang etwas Ironie mit . Klingt für mich so, als hätten Sie nicht soooo große Lust darauf. Darf ich fragen warum? Geht es in Richtung von Connies Beitrag? Dass sich das Medienkonzept nur in eine Reihe anderer Medienkonzepte einreiht? Nach dem Motto „jetzt ist halt das nächste Konzept dran“?



    @Meerschwein Nele

    Erstmal vielen Dank für den Link zu Axel Krommer! Interessante Quelle. Toll, dass Sie so erfolgreich sind mit Ihrer Plattform. Konkrete Fragen habe ich sicher zu einem späteren Zeitpunkt und würde mich freuen, falls ich mich nochmal melden dürfte.



    Ich bedanke mich schon mal jetzt bei Ihnen allen für Ihre Antworten und wünsche Ihnen eine gute Woche!
  • LeVani schrieb:

    @Krabappel & @kodi

    Ich hoffe, Sie, Krabappel, bekommen bald Ihr W-LAN Passwort . Ich finde den Ansatz mit dem Fachpersonal für Digitales ein heißes Thema. Das spiegelt sich auch in der Antwort von Ihnen, kodi, und vielen weiteren, wieder. Sie sagen 1 Systemadmin für 80 PC Arbeitsplätze… Wer kümmert sich aktuell darum? Gibt es zumindest einen Medienassistenten an Ihrer Schule? Oder lastet die Arbeit auf einem bis wenigen Lehrern? So wie ich es in den anderen Antworten lese, übernehmen Lehrer die Aufgabe der Wartung und erhalten dafür kaum Ermäßigungsstunden. Wie gehen Sie damit um?



    Sie sprechen auch von Hochverfügbarkeitslösungen? Auf welche Geräte spielen Sie hier an? Oder ist es eher eine allgemeine Aussage für „die Geräte müssen darauf geprüft werden, dass Sie genug Leistung mitbringen“.
    Derzeit gibt es 1,5 Systemsadmins beim Schulträger und 1 Systemadmin beim IT-Dienstleister, dazu pro Schule einen Lehrer mit 0-3 Entlastungsstunden. In meiner Stadt gibt es ca. 1000 PC im Grundschulbereich (50 Grundschulen) und vermutlich 1500 PC im Sekundarbereich. Berufsschulen hab ich keinen Überblick, die sind nicht mitgerechnet.

    Mit Hochverfügbarkkeitslösungen meine ich so Sachen wie:
    • Jeder Server ist virtualisiert und für jedes Hardwaregerät gibt es ein Backupgerät das automatisch hochfährt, wenn das Hauptgerät ausfällt.
    • Server grundsätzlich mit RAID
    • Jeder Internetzugang wird über zwei unterschiedliche Anschlussarten gebalanced, sodass immer eine verfügbar ist.
    • Sämtliche Endgerät sind standarisiert, laufen per Netzboot (haben wir) und Image (haben wir)
    • Für alle Endgeräte gibt es mind. 1 Backup auf Lager.
    • Es gibt einen Techniker/Sysadmin der defekte Geräte binnen einer Unterrichtsstunde tauscht, jedoch spätestens zum nächsten Tag.
    • Gleiches für den Softwaresupport
  • LeVani schrieb:

    Wie aufgeschlossen ist denn die Schulleitung generell, wenn es um das Thema Digitalisierung geht?
    Sie meinen, ob der auch so schon mit Neue-Medien-Buzzwords wie Sie um sich schmeißt? Naja, nicht ganz so konzentriert, er ist da etwas geschickter, aber ja, im Prinzip blablat er schon ganz gut.

    Ist damit etwas gewonnen? Dann bin ich ja beruhigt.
  • LeVani schrieb:

    @Palim D.h. die Service Firma war da, hat alles eingerichtet, ist wieder weg und nichts hat funktioniert? Wie ist die Schulleitung damit umgegangen? Gab es eine Reklamation? Kabel für die Geräte sollten bei einer Wartung ja eigentlich Voraussetzung sein, um überhaupt warten zu können?
    Ich weiß nicht, welche Größe einer Schule Ihnen vorschwebt, aber hier schreiben Lehrkräfte an Schulen mit 50 SuS in 2-4 Klassen ebenso wie solche mit 1000 oder mehr SuS und erheblich mehr Lehrkräften.
    "Die Schulleitung" ist quasi gleichzeitig SL und Kollege, steht vor dem gleichen Problem, seit Jahren kümmert es weder Firma noch Kostenträger, da ist egal, wie viele Reklamationen man schickt.
    Und wenn ich lese, was andere hier berichten, scheint es andernorts nicht besser zu sein.

    LeVani schrieb:

    Dass der Kostenträger hier nicht auf Zack ist und Sie darauf bringt eine Postkarte könnte zielführender sein, finde ich wirklich erschreckend. Ich sollte mal die Kostenträger nach dem Prozedere befragen...
    Ein Problem ist, dass an Schulen immer unterschiedliche Kostenträger beteiligt sind, die Hardware oder Personal bezahlen.
    Lehrkräfte sind Landesbedienstete, einige Schulen Landkreis-, andere Gemeinde-Schulen.
    Für alles braucht es Absprachen, wer was wann bezahlen soll und die Lehrkräfte müssen sich für alles rückversichern, wobei selbst bei den Kostenträgern verschiedene Haushaltstöpfe und verschiedene Fachbereiche für die Ausstattung der Schule im Allgemeinen und für die EDV im Besonderen zuständig sind.


    LeVani schrieb:

    Wer kümmert sich aktuell darum? Gibt es zumindest einen Medienassistenten an Ihrer Schule? Oder lastet die Arbeit auf einem bis wenigen Lehrern? So wie ich es in den anderen Antworten lese, übernehmen Lehrer die Aufgabe der Wartung und erhalten dafür kaum Ermäßigungsstunden. Wie gehen Sie damit um?
    Was sind Medienassistenten?
    Was sind Ermäßigungsstunden?
    Wie geht man damit um?
    Man kümmert sich unentgeltlich zusätzlich zur sonstigen Arbeit, man fragt den Ehemann der Lehrkraft, der es unentgeltlich nach Feierabend erledigt ... oder man verzichtet auf den Einsatz.
    Wenn es nun stetig mehr Geräte sind und komplexere Strukturen, die noch höheren administrativen Aufwand bedeuten, als singuläre PCs in irgendwelchen Ecken, ist diese Mehrarbeit, die ohnehin nicht Aufgabe der Lehrkräfte sein sollte, nicht mehr zu leisten, angesichts der derzeitigen Arbeitsverdichtung ohnehin nicht.
    Kostenträger sind aber z.T. der Meinung, dass sie diese Aufgabe in der Schule abladen können, dass sie Lehrkräfte auf Fortbildungen "schicken", die 1 Tagesreise entfernt stattfinden sollen, sodass die Lehrkraft 2-3 Tage im Unterricht fehlt. Bei einer löchrigen Personaldecke undenkbar.

    LeVani schrieb:

    Ich habe von einer Schule hier aus Neufahrn gehört, die von bitkom als „smartschool“ ausgezeichnet wurde. Die haben ein System entwickelt, in dem Schüler einen „digitalen Tafeldienst“ machen. D.h. die gucken, sind die Kabel da die gebraucht werden, machen einen Technikcheck vor dem Unterricht etc., damit die Lehrer entlastet werden. Ist das auch eine Möglichkeit, die Sie sich vorstellen könnten?
    Nein. Kann ich nicht. Ich halte weder unsere Erstklässler noch unsere Viertklässler dazu in der Lage, wobei es den PC-Dienst im 3./4. SJ bei uns durchaus auch schon gab (Kabel legen, Beamer aufbauen und Laptop anschließen und alles einschalten). Das ist schon ein paar Jahre her.

    LeVani schrieb:

    Gibt es vielleicht sogar schulübergreifende Kompetenzen, die genutzt werden können? Vielleicht gibt es ja in Schule A jemanden, der dies und jenes gut kann und das mit Schule B und C teilen kann und umgekehrt. Oder ist das ein Modell, was theoretisch gut sein mag, in der Praxis aber nicht funktioniert?
    Wenn in Schule A jemand etwas gut kann, ist es trotzdem unentgeltliche Mehrarbeit. Wenn jemand bereit ist, dies für eine Schule zu übernehmen, wird er nicht mit Freude in x weitere Schulen fahren und sich noch mehr Arbeit suchen.
    Selbst wenn von der weiterführenden Schule SuS oder LuL dafür zur Verfügung stünden, wäre dann die Service-Firma und der Kostenträger ebenso beteiligt. M.E. könnte der Kostenträger selbst jemanden einstellen, der diese Aufgabe übernimmt, sodass die Person von einer Firma unabhängig agieren kann.


    LeVani schrieb:

    Stichwort Fortbildungen. Welche Fortbildungen würden Sie sich hier als Lehrer wünschen?
    Ich kann mir so einiges vorstellen, ich habe sogar Interesse und Spaß daran, aber im Moment schlichtweg keine Zeit dafür, weil ich mich um mehr als genug anderes kümmern muss an einer sehr kleinen Schule mit sehr großem Lehrermangel. Da teilt sich die Arbeit auf die wenigen Schultern, die noch vorhanden sind, auf ... und manches muss warten.

    In anderen Betrieben gibt es Schulungen für das Personal während der Arbeitszeit. In Schulen ist es immer zusätzliche Zeit ... bei denen einige schon die Augen rollen, weil am Ende die Technik nicht funktioniert, selbst wenn man sich intensiv beschäftigt hat.

    Wer die Digitalisierung und guten Unterricht mit digitalen Möglichkeiten entwickeln und verbreiten möchte, sollte nicht nur Geld in Hardware und den Abverkauf stecken, sondern auch bedenken, dass das Gerät alleine keinen Unterricht macht, sondern es wirklich sinnvolle Einsatzmöglichkeiten geben muss, die effizient sind, die keine zusätzliche Zeit rauben.

    Zudem gehört zu dieser Diskussion immer auch die Frage, ob die angestrebten Kompetenzen bzw. Inhalte fächerübergreifend vermittelt werden können oder ob es dafür Unterrichtsformen benötigt, in denen in diesem Thema versierte Lehrkräft eingesetzt werden und Wichtiges in Kürze oder Spezielles als Vertiefung vermitteln.
  • LeVani schrieb:

    D.h. die Service Firma war da, hat alles eingerichtet, ist wieder weg und nichts hat funktioniert? Wie ist die Schulleitung damit umgegangen? Gab es eine Reklamation? Kabel für die Geräte sollten bei einer Wartung ja eigentlich Voraussetzung sein, um überhaupt warten zu können?

    Dass der Kostenträger hier nicht auf Zack ist und Sie darauf bringt eine Postkarte könnte zielführender sein, finde ich wirklich erschreckend. Ich sollte mal die Kostenträger nach dem Prozedere befragen...
    Das Problem ist halt, daß der Auftraggeber nicht die Schule ist sondern die Gemeinde oder der Kreis. Entsprechend findet die Abnahme der Arbeiten auch zwischen einem Mitarbeiter der Gemeinde bzw. des Kreises und der Fachfirma statt. Als Lehrer ist man gar nicht in das ganze Verfahren involviert und hat entsprechend auch überhaupt nichts zu melden. Als unser Schulbau renoviert wurde, wir sind ein technisches BK mit mehreren Bauingenieuren als Fachlehrern, hat unsere SL einen Kollegen zur Bauabnahme geschickt. Der Kollege hat dann auch prompt die Fehler gefunden und im Namen der SL die Bauabnahme verweigert. Daraufhin wurde er vom Kreismitarbeiter, der selber Verwaltungsfachangestellter und kein Bau.-Ing. war, des Hauses verwiesen. Der Kreis hat selbstverständlich den Bau abgenommen und auch gezahlt. ... und wir mußten uns dann mit dem Mist über Jahre rumschlagen. Mein Kollege vom Fach war kurz davor die Schule wegen Einsturzgefahr mit sofortiger Wirkung für den Schulbetrieb zu sperren, auf das der Kreis dann mal ins Rotieren kommt.

    Bei dem Digitalpakt, den Toiletten und allem Anderen ist es das gleiche Spiel. So lange die Schule nicht selber die Handwerker beauftragen darf sondern es immer über Gemeinde oder Kreis laufen muß und diese Stellen dann die Abnahmeprotokolle unterzeichnen, ändert sich an dem Problem nichts.

    Ich habe ja schon einmal ganz kätzerisch formuliert, daß man für jeden Raum einen Kollegen als Raumbetreuer einsetzen und ihm ein Budget geben sollte. Vielleicht 5.000 €/EDV-Raum jährlich, über die Höhe können wir gerne streiten. Und der Kollege verwaltet das Budget dann eigenständig und hat für die Ersatzbeschaffungen zu sorgen. Dieser kurze Dienstweg würde wenigstens funktionieren.


    kodi schrieb:

    Berufsschulen hab ich keinen Überblick, die sind nicht mitgerechnet.
    Wir haben in der Berufsschule so grob 500 Rechner im Betrieb. Einen dedizierten Systemadmin gibt es nicht. Die Administration und Ersatzbeschaffung wird von insg. 4 Kollegen sichergestellt, die dafür insg. zusammen ca. 10 Ermäßigungsstunden bekommen. Hinzu kommt ein WLAN in das sich alle Schüler per Handy einwählen können. Da reden wir dann insg. von ca. 3.000 Endgeräten. Eigentlich bräuchten wir bei der Anzahl an Geräten ca. 8 Vollzeit-Admins, wären wir in der freien Wirtschaft.

    LeVani schrieb:

    Leasing finde ich eine gute Sache. Ich habe mich einmal erkundigt, ob Leasinggeräte auch aus dem Digitalpakt bezogen werden dürfen. Leider jedoch die Antwort erhalten, dies sei Ländersache, und von Land zu Land unterschiedlich.
    Leasing dürfen wir nicht, weil das dann ja laufende Kosten wären und das Digitalpakt ganz klar eine einmalige Sache sein soll. Damit ist in meinen Augen dieses Digitalpaket von Anfang an zum Scheitern verurteilt, quasi so, wie würde man Tafeln anschaffen, dann aber die regelmäßige Kreideversorgung einstellen.

    LeVani schrieb:

    Wann fließt beim Träger viel Geld und wann nicht?
    Beim Träger fließt immer dann Geld, wenn er es sich bei seiner aktuellen Haushaltslage erlauben kann. Das ist ja auch das Problem beim Digitalpakt. Wenn ich weiß, daß ich sicher in 3 Jahren wieder Geld bekomme, kann ich viel günstigere Geräte kaufen. Wenn die Rechner nur für 3 Jahre die dann aktuelle Software antreiben müssen, reicht ein Intel core i3, um es mal etwas flapsig zu sagen. Weiß ich aber nicht, wann ich wieder Geld bekomme und müssen die Rechner entsprechend 7-10 Jahre halten, und wir haben 10 Jahre alte Schätzchen, muß ich sehr viel leistungsfähigere Rechner kaufen und hoffen, daß sie dann in 10 Jahren noch genug Leistung haben werden, um die dann aktuelle Software befeuern zu können. Da reden wir dann also mal mindestens von einem Core i7.

    Ich habe der SL mal die Rechnung aufgemacht:
    • Kaufen wir alle 3 Jahre neue Rechner, reichen die PCs für 450€. Pro Schülerarbeitsplatz und Jahr würde uns diese Lösung 150€ kosten.
    • Kaufen wir alle 7 Jahre neue Rechner, müssen es PCs für 1400€ sein. Pro Schülerarbeitsplatz und Jahr würde uns diese Lösung 200€ kosten und wir haben das Problem, daß die Maschinen mit großer Wahrscheinlichkeit die 7 Jahre gar nicht schaffen, weil irgendwann die Kondensatoren platzen (geplante Obsoleszenz) oder die Rechner wegen Vandalismus ausfallen.
    Meine SL hat nur mit den Schultern gezuckt und mich aufgefordert für 7 Jahre zu planen, auch wenn sie Lösung "alle 3 Jahre neu" günstiger ist.
  • Ich habe an anderer Stelle, einer Facebookdiskussion, schon einmal meine Gedanken zu diesem Thema knapp zusammengefasst:

    Meerschwein Nele schrieb:

    Ich arbeite in NRW in einer Schule, in der die Digitalisierung schon sehr
    weit vorangetrieben ist und in einer Schulform, die seit über 10 Jahren
    Erfahrung in einem Lehrgang gesammelt hat, in dem das Abitur zu 50%
    Schulbesuch in der Schule und zu 50% Eigenarbeit zu Hause auf einer
    geschützten Lernplattform mit bereitgestelltem Lernmaterial stattfindet.
    Ich habe Erfahrung einerseits in der Online-Didaktik und andererseits
    mit der Etablierung und administrativen Wartung der Lernplattform im
    "normalen Schulbetrieb" jenseits des Onlinelehrgangs.

    Meiner Erfahrung nach gibt es mehrere Problemfelder bei so einem Projekt, für die bislang nur zum Teil Lösungen vorliegen.

    1. Hardware und IT-Infrastruktur anschaffen
    Dieses Feld ist am leichtesten zu bearbeiten und am einfachsten zu
    lösen. Eigentlich braucht man nur Geld dafür. Computer zu beschaffen und
    WLAN zu gewährleisten ist machbar, wenn Schulleitung und Schulträger
    willens sind, an einem Strang zu ziehen.

    2. Mediendidaktik
    IT im Unterricht ist nicht "wir gehen in den Computerraum und gucken
    Youtube." Mediendidaktik kann einen "Mehrwert" leisten, aber wie man den
    Computer gewinnbringend im Unterricht einsetzt, ist ein Bereich des
    Lehrerhandwerks, für den Ausbildung und Fortbildung nötig ist. Damit ist
    nicht die technische Kompetenz gemeint sondern der Unterrichtseinsatz!
    Aber auch hier ist Entwicklung festzustellen und mehr und mehr
    didaktische Ausbildungsmöglichkeiten sind vorhanden.

    3. Mitarbeit des Kollegiums
    Schulen können nicht über Befehl und Gehorsam geführt werden. Das
    Schulsystem ist ein komplexes System, das nach politischen Regeln
    funktioniert und zwar sowohl von der Schule nach außen, z.B. zum
    Schulträger oder zur Bezirksregierung, aber auch sehr stark nach innen.
    Eine IT-Struktur im Unterricht oder in der "Hintergrundarbeit" in der
    Schule kann nur funktionieren, wenn es der Schulleitung gelingt, das
    Kollegium mitzunehmen. Das ist Überzeugungsarbeit, Vermittlungsarbeit
    und Bereitstellung von arbeitserleichternden Lösungen, die im Vorfeld
    sehr viel Arbeit kostet. Wenn ein Kollegium die IT-Struktur nicht als
    Mehrwert ansieht, wird es sie nicht nutzen und damit verläuft dann wird
    alles im Sande verlaufen. Schon an vielen Schulen sind IT-Ansätze diesen
    stillen Tod gestorben. Aber das bedeutet eben sehr viel Arbeit im
    Vorfeld und diese Arbeit muss von den interessierten Lehrern nebenher
    geleistet werden.

    4. Helpdesk


    Auch diese Arbeit darf auf keinen Fall unterschätzt werden, vor allem,
    wenn die Schule das Prinzip "Bring your own device" verfolgt, was
    momentan das einzige praktikable System ist. Ich und ein weiterer
    Kollege leisten an unserer Schule den First- und Second-Level Support
    auch auf den Privatgeräten der Kollegen. Wir sind immer gefragt, wenn es
    um Fragen zu WLAN-Anbindung, Plattformnutzung, interne Struktur des
    IT-Verwaltungssystems etc. pp. geht. Ebenfalls halten wir regelmäßig
    Fortbildungen zur Nutzung des Systems ab. Diese Arbeit wird vom
    Kollegium gut angenommen und trägt mit Punkt 2. bis 3. spürbar dazu bei,
    dass die Akzeptanz des Systems von Semester zu Semester steigt.
    Mittlerweile ist der kritische Punkt der Nutzermenge überschritten, aber
    die Arbeit geht natürlich weiter und hört nicht auf. Referendare müssen
    ausgebildet werden und der technische Analphabetismus von Kollegen ist
    teilweise erschreckend.

    5. Routineadministration
    Auf unserer Lernplattform gibt es 1200 User, Lehrer,
    Verwaltungspersonal, Schüler. Diese Datenbank will gepflegt werden.
    Datenschutzbestimmungen müssen organisiert und umgesetzt werden.
    Technische Schwierigkeiten müssen zeitnah, z.T. innerhalb von einer
    Stunde behoben werden. Mit 110 Lehrern und ungefähr 1000 Schülern sind
    wir von der größe mit einem größeren mittelständischen Betrieb
    vergleichbar und das Arbeitsaufkommen würde eigentlich einen oder zwei
    IT-Fachkräfte in Vollzeit erfordern.

    Und da liegt das Zentralproblem der Sache und m.E. ist das auch der
    Hauptgrund, warum eine tatsächliche Entwicklung hin zur "Schule 4.0"
    noch sehr lange Zeit nicht erfolgen wird.

    Der Gesetzgeber sieht momentan keine Möglichkeiten vor, die anfallende
    Arbeit in irgendeiner realistischen Weise zu finanzieren. Es gibt
    schlicht und einfach keine Arbeitsstunden für die Umsetzung der
    Aufgaben, weil die Rechtslage immer noch davon ausgeht, dass für
    pädagogische Konzepte halt die Lehrer in der Schule zuständig sind, man
    außer Sekretariat und Hausmeister ohnehin keine Arbeitskräfte braucht
    und dass Lehrer die anfallenden Aufgaben so nebenher erledigen können.
    "Das kann doch der Physiklehrer in der Freistunde machen" habe ich mal
    einen sehr dummen Kommentar eines IT-Anbieters gehört, der keine Ahnung
    von Schule hat.

    Von politischer Seite sieht man nur die Frage der Etablierung der
    Strukturen - man lässt pädagogische Konzepte schreiben und kauft Geräte.
    That's it. Wenn für den Rest Bewusstsein da ist, kann man an den
    Schulen schon glücklich sein - von einer tatsächlichen Lösung kann da
    noch lange nicht die Rede sein.

    Wie wird das an unserer Schule gelöst? Wir Admins erhalten für unsere
    Arbeit zwei sogenannte "Entlastungsstunden", d.h. wir müssen weniger
    Unterricht abhalten. Wir bekommen jeweils zwei Entlastungsstunden, d.h.
    Schulstunden. An zeitlicher Entlastung macht das ca. 120min in der
    Woche, in der wir all die oben umrissenen Aufgabenbereiche erledigen.

    Warum gibt die Schule nicht mehr Entlastung? Weil nicht mehr
    Entlastungsstunden zur Verfügung stehen. Entlastungsstunden kommen aus
    einem Topf, der sich unflexibel an der Schülerzahl orientiert. Die Zahl
    der Arbeitstunden, die der Schulleitung zur Verfügung stehen, ist
    außerordentlich begrenzt und die Aufgabenbandbreite an den Schulen ist
    viel, viel größer, als man sich das in der guten alten Rumpelschule des
    19. Jh., in der das System eingerichtet worden ist, hätte vorstellen
    können. Eine Schule ist nuneinmal nicht das, was man aus der
    "Feuerzangenbowle" kennt.

    Entlastungsstunden sind also nichts weiter als ein freundliches
    Schulterklopfen als Anerkennung und ein symbolisches Zuckerchen. Die
    Arbeit bleibt weiterhin als Zusatzarbeit an den Lehrkräften hängen und
    wird weder bezahlt noch werden die Überstunden ausgeglichen.

    Und das ist der Grund, warum solche Systeme an sehr vielen Schulen nicht
    laufen und warum es auch keine realistische Entwicklung in absehbarer
    Zeit geben will. Der Gesetzgeber möchte Innovation für umsonst. Aber
    "There is no thing like a free lunch." Solange das nicht nur begriffen
    sondern auch in der Verwaltungsgesetzgebung gelöst wird, so lange wird
    sich außer an vereinzelten Beispielschulen nichts neues geben.

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  • LeVani schrieb:

    @Meerschwein NeleErstmal vielen Dank für den Link zu Axel Krommer! Interessante Quelle. Toll, dass Sie so erfolgreich sind mit Ihrer Plattform. Konkrete Fragen habe ich sicher zu einem späteren Zeitpunkt und würde mich freuen, falls ich mich nochmal melden dürfte.
    Gerne. Aber nur öffentlich, auf PMs reagiere ich nicht.
  • Meerschwein Nele schrieb:


    Der Gesetzgeber sieht momentan keine Möglichkeiten vor, die anfallende
    Arbeit in irgendeiner realistischen Weise zu finanzieren. Es gibt
    schlicht und einfach keine Arbeitsstunden für die Umsetzung der
    Aufgaben, weil die Rechtslage immer noch davon ausgeht, dass für
    pädagogische Konzepte halt die Lehrer in der Schule zuständig sind, man
    außer Sekretariat und Hausmeister ohnehin keine Arbeitskräfte braucht
    und dass Lehrer die anfallenden Aufgaben so nebenher erledigen können

    Bei uns kam z.B. auch einmal die Idee auf, ob wir nicht einen Verwaltungsfachwirt einstellen könnten, der nichts anderes macht als für alle Schüler die Fehlzeiten zu verwalten. Der sollte sein eigenes Büro bekommen und sich dann um die Atteste und Beurlaubungen etc. kümmern. Wir würden auch entsprechend Ermäßigungsstunden im Kollegium sammeln oder ggf. Mehrarbeit leisten, um diesen ganzen Verwaltungsakt loszuwerden. Das Ansinnen wurde leider auch abgelehnt.

    Dabei ist es schon ein Problem, wenn man in einer Klasse Klassenlehrer ist, in der man nur eine Stunde / Woche unterrichet. Wenn man da den ganzen Verwaltungsakt durch hat, braucht man ans Unterrichten eigentlich nicht mehr zu denken. Sowas wie Klassenlehrerstunden (kenne ich noch aus meiner eigenen Schulzeit), die für nichts Anderes als für den Verwaltungskram da waren, gibt es ja auch nicht mehr. :(
  • Das Problem ist wie immer, das zu viele Kollegen und Kolleginnen über das hingehaltene Stöckchen, hier "Digitalisierung", springen und sich per unbezahlter Mehrarbeit ausnutzen lassen, denn es ist ja "für die Schüler" und die "können ja nichts dafür", dass die Rahmenbedinungen so unterirdisch sind.

    "Digitalisierung" lässt sich in diesem Kontext auch mit "inklusion" oder jedem anderen belieben pädagogischen Modebegriff austauschen.

    Statt einfach einmal klare Kante zu zeigen, dass die unendlichen Wünsche der Gesellschaft im Allgemeinen und der Bildungspolitik im Speziellen, was Schule heutzutage zu leisten habe, mit den gegebenen Ressourcen nicht umsetzbar sind, gibt es leider immer noch zu viele idealistische "Hurra!"-Schreier an den Schulen. Und die GEWerkschaften sind hier auch nicht hilfreich, sondern skandieren oft an vorderster Front mit. Aber von meinem persönlichen Eindruck her, achten die neu hinzukommenden Kollegen und Kolleginnen (Generation Y und Z) mehr auf ihre Work-Life-Balance. Und von den ÜBER-idealisitischen Alt-68ern ist ja mittlerweile kaum noch jemand an den Schulen. Insofern sehe ich da mittelfristig durchaus eine positive Entwicklung, wenn diese Jungen, nicht ganz so wilden, ihre Einstellung beibehalten.

    Gruß !
    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mikael ()

  • LeVani schrieb:

    @Pet

    Da schwang etwas Ironie mit . Klingt für mich so, als hätten Sie nicht soooo große Lust darauf. Darf ich fragen warum? Geht es in Richtung von Connies Beitrag? Dass sich das Medienkonzept nur in eine Reihe anderer Medienkonzepte einreiht? Nach dem Motto „jetzt ist halt das nächste Konzept dran“?
    Ja, so wie Conni sehe ich das auch. Man bilde eine Steuerungsgruppe und dann wird erstellt....Welches Konzept darf es denn sein??? Nach 20 Jahren im Schuldienst bin ich in dieser Hinsicht abgebrüht....
    Ich bin Grundschullehrer, ich muss nicht die Welt retten!!!
  • LeVani schrieb:

    @Conni
    d.h. an dem Medienkonzept arbeiten nur Schulleitung und „Computerfee“ ? Wird hier Rücksprache mit Ihnen gehalten oder wird das im stillen Kämmerchen zu zweit erstellt? Ich kann mir vorstellen, dass bei so einem Konzept die Erfahrungen und Ideen des Kollegiums viel wert sind…






    @Pet

    Da schwang etwas Ironie mit . Klingt für mich so, als hätten Sie nicht soooo große Lust darauf. Darf ich fragen warum? Geht es in Richtung von Connies Beitrag? Dass sich das Medienkonzept nur in eine Reihe anderer Medienkonzepte einreiht? Nach dem Motto „jetzt ist halt das nächste Konzept dran“?
    Habe mich jetzt erst in dem Beitrag gefunden.
    Ja, natürlich wird Rücksprache gehalten, das geht alles durch die Gesamtkonferenz und wird abgesprochen.

    Jetzt der Teil, den Pet schreibt:
    Wir haben seit Jahren ein funktionierendes Medienkonzept als einen der Schwerpunkte unserer Schule, an dem alle in unterschiedlichem Maße beteiligt sind. (Ich z.B. weniger, weil ich mit meiner Klasse nicht im Computerraum bin, das übernimmt eine Fachlehrerin.)
    Dieses Konzept ist jetzt nicht mehr gut genug und muss neu geschrieben werden - und zwar 2mal. Einmal, um Mittel aus dem Digitalpakt zu bekommen und einmal, weil jede Berliner Schule mit dem Senat jetzt einen Vertrag schließen muss, wie der Unterricht besser wird. Leider einseitige Verträge, das Schulamt verpflichtet sich im gleichen Zuge zu nichts, um die Schulen bei ihren Verpflichtungen zu unterstützen. Da kommt dann Frust auf.

    Hinzu kommt, dass das nicht die einzigen Schriftstücke sind. Früher sagte man, es werde jedes Jahr eine neue Sau durchs Dorf "Schule" getrieben. Inzwischen wären wir froh, wenn es nur eine Sau wäre. Es wird Konzept um Konzept geschrieben, am besten in Teamarbeit, Projekt-, Jahrgangs-, Fach-, und Arbeitsgruppen. Meist sitzen dann so viele Leute mit so unterschiedlichen Vorstellungen zusammen, dass sich alles noch mehr dehnt und zieht. Neben all den normalen Schrifstücken (z.B. musste ich in meiner alten Schule in meiner letzten Klasse 16 Förderpläne pro Halbjahr schreiben) kamen in den letzten Jahren in Berlin noch Schulinterne Curricula hinzu. Da wurde ein neuer Rahmenplan vorgegeben, zu dem jede Schule ihre individuelle Variante erstellen sollte. Das klang am Anfang toll, scheiterte aber an den Vorgaben, letztlich wurde der Rahmenplan in einigen Fächern noch voller, in anderen war es ok. Dafür gab es aber jahrelang Studientage, Projekt-, Arbeits- und Studiengruppen und man steckte Unmengen an Zeit hinein.
    Diese Zeit fällt nicht vom HImmel. Sie ist auch in unserer Arbeitszeit nicht mehr enthalten. Das heißt, man kürzt und kürzt und kürzt und setzt am Ende doch die Freizeit ein. Ich hatte eine Zeit lang kein freies Wochenende mehr, obwohl ich viele Stunden nur minimal geplant habe (höchstens 5 min pro Stunde, mehr war einfach nicht mehr drin, keine Hefte einsammeln, keine Nachbereitung). Gleichzeitig hätte meine Klasse eine mindestens 5fache Differenzierung gebraucht, ich hätte alle Lehrbücher neu schreiben müssen und war nur noch unzufrieden.
    An diesen Stellen wird absolut unökonomisch mit unserer Zeit umgegangen.

    Ich bin sehr froh, jetzt an einer Schule zu sein, an der die Schulleitung einen Blick auf ökonomischen Zeitumgang hat und uns so wenig wie möglich zusätzlich belastet. Ich habe nämlich Freude daran, ansprechenden Unterricht vorzubereiten.
    Letztlich ist doch jedem klar, dass das Medienkonzept in dem Moment, in dem der Strom ausfällt, die Lampe durchbrennt oder die Handwerker für die Montage nicht rechtzeitige kommen, für die Katz ist.
    Free Klorollen! Keine Klorollen-Basteleien mehr in Grundschulen!

    Immer wieder gut, Bodo Wartke: youtube.com/watch?v=WiCV4KKW6Nw