Arbeiten, wenn man krank ist

  • Und? Wäre das deswegen richtig? Bin ich jetzt der Maßstab für alles. Ich habe in meiner Jugend bestimmt nciht alles richtig gemacht. Und das gestehe ich den jungen Menschen heute auch zu. Passiert. Aber ich habe mir waren damals die Lehrerinnen wirklich nicht sonderlich wichtig. Die meisten mochte ich nicht besonders. Und da war meine Empathie nicht sonderlich ausgeprägt. Ich habe dann aber nichts von Beziehungen gefaselt, die ich mit den Lehrerinnen hätte, sondern sie schlichtweg ausgeblendet.


    War das richtig so, wie ich das gemacht habe? Sollen ich das so meinen Schülerinnen beibringen? oder soll ich ihnen, so wie ich das tue, mitteilen, dass ich e befremdlich finde, dass sie über die Abwesenheit einer anderen jubeln, wenn sie entweder gar nicht wissen, was mit der ist, oder sie sogar vermuten, dass die krank ist.

    Deine Schülerinnen machen es genau wie du, also alles im Lot.

  • Es gibt tatsächlich Schüler:innen, die traurig sind, wenn es WE gibt oder Ferien - gerade wieder erlebt.

    Und sie vermissen die Lehrkräfte schon am 1. Tag, sind traurig, fragen und hoffen, dass sie bald wieder da ist.

    Genau, aber in der Grundschule tickt man eben noch anders als auf dem Berufskolleg.

    Trotzdem: Meine Schüler*innen fragten mich kürzlich, warum ich eigentlich nie krank bin und fehle. Nach kurzer Irritation habe ich nachgefragt.


    Sie finden es spannend, wenn bei uns laufend "aufgeteilte" Kinder aus anderen Klassen zu Gast sind. Die lieben Kleinen warten einfach darauf, dass sie auch mal woanders "zugucken dürfen". Das haben sie in ihrer bisherigen Schulzeit noch nicht erlebt. (Derzeitiger Krankenstand bei uns: 11 Kolleg*innen, knapp die Hälfte der Lehrkräfte) Die Kinder werden bei uns nicht nach Hause geschickt bei "Unterrichtsausfall".


    Unsere durchaus positiv aufgebaute "Beziehung" ist also nicht gestört.

  • ich wüsste gar nicht, wie Unterricht gehen soll, ohne dass man eine Beziehung zu den Schülern/Klassen aufbaut :gruebel:

    Vielleicht so? :

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    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Das geht aber auch nur in der Sek II - oder an der Uni. Dort schlafen dir zwar die Schüler ein, aber in anderen Schulformen würden sie dir vermutlich nach dem zweiten "anyone, anyone" bereits über Tische und Bänke gehen.

  • Das geht aber auch nur in der Sek II - oder an der Uni. Dort schlafen dir zwar die Schüler ein, aber in anderen Schulformen würden sie dir vermutlich nach dem zweiten "anyone, anyone" bereits über Tische und Bänke gehen.

    Das mag durchaus sein (es sei denn, sie "daddeln" die ganze Zeit am Handy ;) ) , war aber hier auch nur als kleiner Witz gemeint, wie "beziehungsloser Unterricht" aussehen könnte.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Siehst Du, das hatte ich mir gedacht und ich würde es mir hier wünschen. In Deutschland musst Du als Arzt darauf achten, dass du genügend Patienten die Stunde durchschleust. Im Regelfall hast Du in der Hausarztoraxis 5 Minuten.

    Ich bin nicht privat versichert. Dennoch kenne ich solche Zeiten nur aus der Hochzeit der Pandemie. Abgesehen davon nehmen insbesondere meine Hausärztinnen sich immer ausreichend Zeit für Termine (im letzten Jahr saß ich so dann mal wegen des Mobbing eine halbe Stunde heulend vor meiner Hausärztin, die mir einfach zugehört hat, nachgefragt hat, welche Hilfe ich habe/benötige und eine echte Unterstützung war in dem Moment). Auch meine frühere Hausärztin hat sich immer ausreichend Zeit genommen für Anamnese und Beratung.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • CDL

    Stimmt, wenn jemand erkennbar ernsthafte Probleme hat kümmern sich die meisten Ärzte, auch dann wenn sie in dem Moment ein Minusgeschäft machen. Insoweit mach ich mir um die Kollegen, die ihre Probleme deutlich äußern keinen Kopf. Problematisch wird es bei denen, die ihre psychischen und physischen Schwierigkeiten leise weinend vor sich hertragen. Für den Arzt ist die Schule ein öffentliches barrierefreies Gebäude. Der kommt überhaupt nicht auf die Idee, dass der Kollege täglich drei Stockwerke mehrfach rauf und runter geht mit seinen Knieproblemen. Wüsste er es, würde er den betreffenden wahrscheinlich krank schreiben. Normalerweise sollte er sich ein Bild über den Arbeitsplatz machen, in dem er quasi wie bei einer Gefährdungsbeurteilung eine Checkliste abarbeitet. Die Zeit fehlt aber dem Arzt. Insoweit gilt hier das Motto nur sprechenden Menschen kann geholfen werden. Leider schleppen sich die KuKs aber lieber krank zur Arbeit, weil sie denken, dass müsste so sein. Ohne Deinen Fall näher zu kennen, würde ich sagen, dass hat bei Dir auch ein paar Wochen, wenn nicht Monate gedauert, bis Du zusammen gebrochen bist. Wäre es nicht schön gewesen, wenn jemand schon ein paar Wochen vorher Deine Situation erkannt hätte und man Dich früher aus dem Verkehr gezogen hätte?

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Ja, natürlich ist es so, dass es leichter fällt sprechenden Menschen adäquat zu helfen. Gerade wir Lehrkräfte wissen das theoretisch und müssen ganz praktisch dann eben auch gesunde Selbstfürsorge lernen. Das einfach Ärzten anlasten zu wollen, wenn man selbst nicht ausreichend seine Probleme artikuliert, Hilfe nicht annehmen möchte (oder vielleicht auch einfach zunächst andere Strategien anwenden möchte) ist meines Erachtens ebenso einfach, wie falsch. Jede:r selbst muss es sich auch wert sein Hilfe zu erhalten bei Bedarf. Umgekehrt müssen Ärzte es ernst nehmen, wenn erwachsene, mündige Menschen nicht direkt krankgeschrieben werden wollen, sondern zunächst andere Lösungen präferieren.

    Meine Ärzte wissen übrigens, dass Schulen keine idealen Arbeitsorte sind und stellen entsprechende Fragen zu Arbeitsbedingungen..

    Ohne Deinen Fall näher zu kennen, würde ich sagen, dass hat bei Dir auch ein paar Wochen, wenn nicht Monate gedauert, bis Du zusammen gebrochen bist. Wäre es nicht schön gewesen, wenn jemand schon ein paar Wochen vorher Deine Situation erkannt hätte und man Dich früher aus dem Verkehr gezogen hätte?

    Nein, ich wollte sicherlich nicht "aus dem Verkehr gezogen werden". Bei der Formulierung stellen sich mir die Nackenhaare auf, so übergriffig und respektlos liest sich das für mich. Ich bin genau dann länger krankgeschrieben worden, als ich selbst bereit war das zuzulassen. Für die Momente, in denen ich dazu aus welchen Gründen auch immer nicht bereit war trage ich selbst die Verantwortung und das ist auch gut so. Ich möchte nämlich nicht entmündigt werden von meinen behandelnden Ärzten, sondern ehrlich und empathisch unterstützt, aber auch ernst genommen werden. Zumindest Ärzte, die mich längerfristig behandeln leisten das auch.

    Schön wäre es gewesen, wenn es gar nicht erst zu dem Mobbing gekommen wäre. Schön war es, dass manche KuK meine Situation erkannt und sich mit mir solidarisiert haben. Schön war es zu merken, dass die Strategien, die ich angewandt habe um schweigende Mitläufer auf meine Seite zu ziehen funktioniert haben, auch wenn mich das ebenso viel Zeit, wie auch Kraft gekostet hat.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Meine Hausärztin ist die beste. Die 15 min bei ihr haben mir gestern mehr gebracht als jedes biergeschwängerte Wutgespräch mit den Kollegen, das ich in den letzten Wochen hatte. Die hat ein unglaubliches Talent, exakt die richtigen Fragen zu stellen und sie hört sehr genau zu. Ich glaube, die hat in der kurzen Zeit mehr verstanden, als ich selbst.

  • Meine Hausärztin ist die beste. Die 15 min bei ihr haben mir gestern mehr gebracht als jedes biergeschwängerte Wutgespräch mit den Kollegen, das ich in den letzten Wochen hatte. Die hat ein unglaubliches Talent, exakt die richtigen Fragen zu stellen und sie hört sehr genau zu. Ich glaube, die hat in der kurzen Zeit mehr verstanden, als ich selbst.

    Das freut mich sehr zu lesen, dass du da eine kompetente Ansprechpartnerin hast, die dir auch wirklich weiterzuhelfen vermag (und auch, dass du das annehmen kannst). Ich wünsche dir wirklich, dass es letztlich auch bei dir vorangeht an der Schule und die Maßnahmen, die du bislang ergriffen hast die erhoffte Veränderung zum Positiven bringen werden.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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