Schule führt Deutschpflicht auf dem Schulhof ein – Lehrerverband: Nicht kontrollierbar

  • Hallo zusammen,


    ich bin gestern auf diesen Artikel unten zum Thema Deutsch sprechen auf dem Schulhof gestoßen, und mich würde interessieren, ob das bei euch mit euren Schülerinnen und Schülern auch Thema ist, dass sich diejenigen mit Migrationshintergrund auch im Unterricht oft nicht auf deutsch unterhalten und ihr versucht das zu unterbinden oder einzuschränken.


    https://www.news4teachers.de/2…nicht-kontrollierbar/?amp


    Meines Erachtens gebe ich dem ausländischen Lehrerverband recht, dass es nicht kontrollierbar ist, wenn es außerhalbk des Unterrichts passiert.


    Ich sage den Schülern, die vermehrt türkisch sprechen zwar auch immer, dass sie es lassen sollen wenn ich das Gefühl habe, sie reden untereinander im Unterricht über mich, aber was außerhalb des Unterrichts passiert, kann ich wenig beeinflussen außer bei Pausenaufsichten.


    Wie sieht es da bei euch aus?


    Liebe Grüße

    Drummer;-)

  • Meines Erachtens gebe ich dem ausländischen Lehrerverband recht, dass es nicht kontrollierbar ist, wenn es außerhalbk des Unterrichts passiert.

    Das ist kein ausländischer Lehrerverband, sondern der dortige Lehrerverband. Wenn man nur deinen Text liest, klingt es so, als hätte sich ein ausländischer Verband in eine (inländische) Angelegenheit eingemischt.

    Ich sage den Schülern, die vermehrt türkisch sprechen zwar auch immer, dass sie es lassen sollen wenn ich das Gefühl habe, sie reden untereinander im Unterricht über mich, aber was außerhalb des Unterrichts passiert, kann ich wenig beeinflussen außer bei Pausenaufsichten.


    Achtung, ich beziehe mich nicht auf "im Unterricht", sondern auf "über mich".
    Warum glauben so viele Menschen, dass die Menschen, die in einer anderen Sprache sprechen, über einen sprechen (bevorzugt bei einigen Sprachen, selten bei Französisch oder Englisch). Sprachen sind emotional gebunden. Menschen, die bestimmte Themen (und sei es der Geburtstag der türkischen Oma, das Fastenbrechen, die Kinderlieder, die die Mama gesungen hat...) nur in einer Sprache bisher kannten, switchen mit anderen Sprecher*innen, mit denen sie schon über diese Themen gesprochen haben, schnell in die Sprache.
    Am Dialekt sehr gut sichtbar.

    Man sollte offener sein und nicht vom Schlechten ausgehen.
    Und ja, im Unterricht wird kein Türkisch gesprochen, sondern Französisch. Punkt. Auch im Deutsch- und Chemieunterricht :-D

  • Meines Erachtens gebe ich dem ausländischen Lehrerverband recht, dass es nicht kontrollierbar ist, wenn es außerhalbk des Unterrichts passiert.


    Ich sage den Schülern, die vermehrt türkisch sprechen zwar auch immer, dass sie es lassen sollen wenn ich das Gefühl habe, sie reden untereinander im Unterricht über mich, aber was außerhalb des Unterrichts passiert, kann ich wenig beeinflussen außer bei Pausenaufsichten.

    Es ist nicht kontrollierbar und auch total schwachsinning sowas wirklich einführen zu wollen. Sorry, wie kleingeistig kann man denn sein, zu glauben sowas machen zu dürfen. Wenn ich in der Pause in einer anderen Sprache kommunizieren will, dann mache ich das.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein


  • Warum glauben so viele Menschen, dass die Menschen, die in einer anderen Sprache sprechen, über einen sprechen (bevorzugt bei einigen Sprachen, selten bei Französisch oder Englisch). Sprachen sind emotional gebunden...

    Danke für diese Informationen. Das ist interessant und wichtig, um Vorurteile und diffuse Ängste zu 'entlarven'.


    Ich sehe im Sprachenverbieten auch überhaupt keinen Vorteil. Sollen sich dann Geschwister plötzlich lieber in gebrochenem Deutsch unterhalten statt in ihrer Erstprache, wo läge der Sinn? Und wen soll das motivieren und Freude an der Zweitsprache bringen?


    Ich würde mir gerne mehr über die Herkunftssprachen der Kinder erzählen lassen, unsere SuS können das jedoch nicht, sie wissen manchmal nicht mal, wie die Sprache auf Deutsch heißt. Aber sie freuen sich immer, wenn man es anerkennt, dass sie zwei oder mehr Sprachen können und versuchen, mir Wörter beizubringen. Ich finde Sprachen und Spracherwerb unheimlich faszinierend. Wenn viele Kinder eine Sprache, z.B. Türkisch reden würden, würde ich mir davon etwas aneignen. Ich kann mit vorstellen, dass es auch türöffnend in Familien sein kann, wen man sie in ihrer Erstsprache begrüßt.

  • Ich kann mit vorstellen, dass es auch türöffnend in Familien sein kann, wen man sie in ihrer Erstsprache begrüßt

    Da sollte man aber zumindest für diese ein, zwei Sätze sattelfest sein. Nicht dass man das Familienoberhaupt ungewollt mit Zärtlichkeiten bedenkt. Oder mit ihrem Gegenteil.

    [Meinem Bruder, 8 Jahre jünger als ich, habe ich mal beigebracht, dass 'Tussi' eine nette Begrüßung für Frauen jeden Alters sei.]

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) calmac

  • Ich kann mit vorstellen, dass es auch türöffnend in Familien sein kann, wen man sie in ihrer Erstsprache begrüßt.

    Eine unserer Schulsozialarbeiterinnen ist insbesondere für die Migrant*innen unter unseren SuS zuständig und sie hat sich vorgenommen, in möglichst vielen Sprachen der Herkunftsländer mit den Eltern und auch den SuS zumindest bruchstückhaft kommunizieren zu können. Sie hat bisher - was ich sehr bewundere - schon ansatzweise z. B. Türkisch, Arabisch, Kurdisch, Persisch/Farsi, Russisch, Albanisch, Bulgarisch, Rumänisch. Litauisch und im Sommer Ukrainisch gelernt. So kann sie zumindest die SuS und deren Eltern begrüßen, nach deren Befinden fragen und einige für uns als Schule wichtige Fragen - z. B. nach der bisherigen Schullaufbahn - stellen.


    Den SuS zu verbieten sich in der Sprache ihres Heimatlandes zu unterhalte, fände ich auch nicht in Ordnung und ist gerade in den Pausen völlig realitätsfern. Allerdings versuchen wir schon - gerade in den Klassen mit hohem Anteil an Migrant*innen (das sind bei uns insbesondere die Berufseinstiegsklassen, in denen die meisten - teilweise sogar alle - SuS erst vor kurzer Zeit nach Deutschland gekommen sind) die SuS dazu zu bewegen, während des Unterrichts möglichst viel Deutsch zu sprechen. Da geht es aber nicht darum, dass die Lehrkräfte in irgendeiner Form "Angst" hätten, dass die SuS über sie sprechen/lästern könnten, sondern einfach ums Deutschlernen.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Den SuS zu verbieten sich in der Sprache ihres Heimatlandes zu unterhalte,

    Nichts für ungut, ich korrigiere: "sich in der Sprache ihrer Familie zu unterhalten".

    Heimat kann sehr wohl (auch) Deutschland sein, aber zu Hause oder mit bestimmten Personen sprechen sie etwas Anderes.

    Jetzt soll hier jede*r darüber nachdenken, wie schwer oder einfach es ihr/ihm fallen würde, ab nächster Woche draußen auf der Straße nur noch auf Englisch mit seinen Nachbarn zu sprechen, mit denen er/sie schon seit Jahren auf Deutsch kommuniziert.
    Oder gar mit Verwandten.

  • [Meinem Bruder, 8 Jahre jünger als ich, habe ich mal beigebracht, dass 'Tussi' eine nette Begrüßung für Frauen jeden Alters sei.]

    :hammer:

    "Wenn sie wunderbar ist, wird`s nicht einfach sein. Wenn sie einfach ist, wird es niemals wunderbar sein. Wenn sie`s wert ist, wirst du niemals aufgeben. Wenn du aufgibst, war sie`s nicht wert..." (Bob Marley)

    Der Schluss fehlt, den mag ich nicht.

  • Nichts für ungut, ich korrigiere: "sich in der Sprache ihrer Familie zu unterhalten".

    Heimat kann sehr wohl (auch) Deutschland sein, aber zu Hause oder mit bestimmten Personen sprechen sie etwas Anderes.

    Das stimmt natürlich. Ich hatte aber bei meinem Post insbesondere diejenigen SuS im Hinterkopf, die erst vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen sind und die selbst noch von Albanien, Syrien, Afghanistan, Bulgarien usw. als ihren "Heimatländern" sprechen. Diejenigen, die in Deutschland aufgewachsen sind oder schon als Kleinkind hierher kamen, sprechen - so fällt es zumindest mir auf - in der Schule (im Unterricht und auch in den Pausen mit denjenigen, deren Familien dieselbe Sprache sprechen) meist Deutsch, auch wenn sie zuhause eine andere Sprache mit ihren Familien sprechen.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Jetzt soll hier jede*r darüber nachdenken, wie schwer oder einfach es ihr/ihm fallen würde, ab nächster Woche draußen auf der Straße nur noch auf Englisch mit seinen Nachbarn zu sprechen, mit denen er/sie schon seit Jahren auf Deutsch kommuniziert.
    Oder gar mit Verwandten.

    Das ist Gewöhnungssache. Eine Parallelität zum Fremdsprachenunterricht ist da schon erkennbar, da die Schüler durchaus auch untereinander in der Fremdsprache kommunizieren (sollen). Am Anfang ist die Idee, mit Anderen auf Englisch oder Französisch zu sprechen, wissend, dass sie einen nicht nur auf Deutsch (vielleicht sogar besser) verstehen, sondern es zuvor üblich war, sich auf Deutsch zu unterhalten, gewöhnungsbedürftig, aber daran gewöhnt man sich schnell. Es ist eine Kopfsache, aber auch eine der Sache der Konvention.

  • [Meinem Bruder, 8 Jahre jünger als ich, habe ich mal beigebracht, dass 'Tussi' eine nette Begrüßung für Frauen jeden Alters sei.]

    Ich leide nachträglich mit ihm, ich habe nur ältere Geschwister :zahnluecke:


    Aber ja, wahrscheinlich kann man auch irgendwas anrichten. Eine falsche Sprache verwenden zum Beispiel...

  • [Meinem Bruder, 8 Jahre jünger als ich, habe ich mal beigebracht, dass 'Tussi' eine nette Begrüßung für Frauen jeden Alters sei.]

    Mein Papa hat seinen Wehrdienst in Deutschland gemacht und einigen (offensichtlich nicht oberschlauen) Kollegen, die unbedingt Beleidigungen auf Französisch lernen wollten "mon chat a quatre pattes" beigebracht. So sollen wohl irgendwelche betrunkene Soldaten nachts durch Kaiserlautern gröllend rumgeirrt sein.

  • Bei uns gilt Deutschpflicht im Unterricht (außer Fremdsprachen) und in den Pausen nicht. Es ist erstens nicht kontrollierbar und zweitens wollen wir es auch nicht kontrollieren. Sie sind manchmal auch in ihren Herkunftssprachen sehr schwach.

    Ich persönlich spreche die Kinder dann an, wenn die Sprache als Geheimsprache verwendet wird oder andere ausgegrenzt werden. Oft plaudere ich mit den Kindern über ihre Sprachen. Ist ja auch interessant und ich lerne das ein oder andere Wort.

  • Bei uns gibt es keine Deutschpflicht, meist lass ich die Kinder plaudern. Es gibt 2 Kinder, die weise immer mal wieder daraufhin, dass sie bitte deutsch reden sollen. Allerdings nicht, weil sie sich über andere lästern (sie sprechen englisch), sondern weil einer der beiden kaum Fortschritte in der deutschen Sprache macht.


    die Sprachenvielfalt setze ich manchmal bewusst ein, wenn wir ein Kind in seiner Muttersprache zählen darf oder wenn wir uns in einer anderen Sprache verabschieden. Dabei habe ich festgestellt, Abschiedsritual lieben sie, zählen wollen sie aber oft lieber auf Deutsch.


    Und den genauen Wortlaut habe ich jetzt nicht zur Hand, aber Sprache(n) im Fokus ist Teil des Lehrplans 21 hier in der Schweiz und der gilt auch im Kanton AG, aber was genau da los war, also worauf sich der Artikel bezieht, kann ich nicht im Detail sagen. Sprachen im Fokus beschäftigt sich auch mit der Mehrsprachigkeit innerhalb einer Klasse.


    Funfact: ein Kind, dass ein Jahr so gut wie nichts gesprochen hat, kommt jetzt immer wieder und erklärt mir, was gewisse Dinge auf Italienisch heissen. Sie kommt also so überhaupt erst in ein kurzes Gespräch mit mir.

  • Ich denke, man kann ganz allgemein sagen, dass Regeln gebrochen werden, wenn deren Sinnhaftigkeit infrage gestellt wird, und wenn deren Einhaltung zudem nicht kontrolliert wird oder werden kann, sind sie defacto sinnlos. Streng genommen ist es unrealistisch, zu erwarten, dass die Einhaltung von Regeln in jedem Augenblick kontrolliert werden kann - das ist zu zeit-, kosten- und personalintensiv. Bestes Beispiel sind Tempolimits. Wenn man wirklich alle Geschwindigkeitsüberschreitungen vermeiden wollte, müsste auf jeder Straße alle 5m ein Radargerät stehen oder eine Polizeikontrolle stattfindet. Die Überschreitungen werden dadurch eingeschränkt, dass es diese Maßnahmen (im geringeren Ausmaß) gibt, manche fest installiert und daher berechenbar, aber auch durch zusätzliche temporäre Maßnahmen wie mobile Radargeräte oder Polizeikontrollen. Das reine Wissen um eine potentielle Strafe bei Verletzung geltender Gesetze schreckt manche bereits ab. Andere haben schlichtweg intrinsisch nicht das Bedürfnis, schneller als nötig zu fahren.


    Diese Ausführungen lassen sich natürlich auch auf das Beispiel mit der Deutschpflicht anwenden. Diese Pflicht wird nicht verhindern, dass auf dem Pausenhof womöglich auch eine andere Sprache gesprochen wird. Manche Schüler werden es womöglich erst recht aus Trotz machen. Andere werden durch eine etwaige Pflicht ihr Sprachverhalten anpassen, sei es aus Verständnis für deren Sinnhaftigkeit oder, und auch das muss (leider) bei Regeln und Pflichten immer erwähnt werden, um eine Strafe bei Nichtbeachtung zu vermeiden. Und wie wird diese Nichtbeachtung festgestellt? Ich schätze mal stichprobenweise, eben vergleichbar mit den Radargeräten auf den Straßen.

  • Danke für eure Meinungen und Umgehensweise an euren Schulen.


    Ich konnte mir jetzt auch nicht vorstellen, dass Verbote in Pausen an anderen Schulen praktiziert werden zu dem Thema.


    Bezogen auf die Auswirkungen von ausschließlich anders sprechenden Schülern wenn sie unter sich sind, stelle ich jedoch unter manchen Schülern fest, dass wenn sie sich außerhalb der Unterrichtszeiten ausschließlich auf türkisch als Beispiel unterhalten, sie mit anderen Mitschülern selten interagieren. Klaro, wenn die anderen kein türkisch verstehen oder sprechen.

    Aber vor dem Hintergrund würde ich zumindest den Versuch, sich auch weitestgehend auf Deutsch zu unterhalten, sofern Schüler*innen deutsch sprechen können, doch eher als eine Möglichkeit sehen sich in eine Klassengemeinschaft besser integrieren zu können als ohne die gemeinsame Sprache zu sprechen.

    Es vermischen sich dann meiner Erfahrung nach oftmals wenig Freundschaften zwischen den ständig nicht deutsch Redenden und den anderen Schülern.


    Bezogen noch einmal auf Verbote, sich im Unterricht in anderen Sprachen zu unterhalten als auf deutsch oder der Sprache des jeweiligen Fremdsprachenfachs, kann ich aber von unsrer Schule ebenso berichten, dass unsere Schulleitung, die selbst auch öfters unterrichtet, uns mal gesagt hat, dass sie Schüler, die im Unterricht über die Tische hinweg türkisch sprechen, auffordert, deutsch zu sprechen, und wenn diese nicht nach zwei Ermahnungen damit aufhören, die Erziehungsberechtigten anruft.


    Ob das dann auch mal soweit gekommen ist, weiß ich allerdings nicht.

  • Warum glauben so viele Menschen, dass die Menschen, die in einer anderen Sprache sprechen, über einen sprechen

    Oh, ich kann dir sagen, wie ich drauf komme, dass das zumindest gelegentlich der Fall ist: Wenn Schülerinnen auf dem Damen-WC bemerken, dass eine Lehrperson anwesend ist, wechseln sie gerne mal die Sprache. Dumm nur, dass sie nicht auf dem Schirm haben, dass die anwesende Lehrperson diese verstehen könnte. So schon mehrfach geschehen an meiner Schule ;)


    Tatsächlich haben wir aktuell auch eine Klasse im Schulhaus, denen als disziplinarische Massnahme unter anderem aufgebrummt wurde, dass sie im Schulzimmer keine Albanisch mehr miteinander reden dürfen.

  • Gab gerade erst ein Urteil vom VWG Freiburg.


    Zeitungsartikel

    In Reinach ist es ja kein "Verbot". Das ist eine missverständliche Formulierung der Presse. Es handelt sich lediglich um eine "Aufforderung". Ein Verbot samt Bussen hat die Gemeinde Egerkingen im Solothurn mal verhängen wollen, das wurde vom Regierungsrat wieder kassiert.

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