Schüler:innen duzen oder siezen in SEK II ?

  • "Sie und Vorname" soll Distanz aufbauen, weil die Schüler sehr bald ins Erwachsenenleben übergehen und sich so auch mehr "in der Pflicht" sehen. Kleider machen Leute, Anreden auch. Dass sich (gleichrangige) Kollegen siezen finde ich dennoch recht ulkig.


    "Du und Nachname" kenne ich auch von der Grundschule. Manche Grundschüler haben aber Probleme das in der weiterführenden Schule abzulegen und ich habe es auch aus der Gewohnheit heraus lange Zeit gar nicht gemerkt, wenn ich geduzt wurde.

    • Offizieller Beitrag

    "Sie + Vorname" hat für mich irgendwas von "kümmern Sie sich selbst, ich will Distanz aufbauen, aber Sie sind es aber nicht wert, dass ich Sie genauso anspreche, wie Sie mich".

    Interessanter Gedanke, den ich ja noch nie so gesehen hatte.
    Ich persönlich würde (an der Uni!) nur Sie+Nachname haben, ich habe leider zu viele Kolleg*innen, die beim Vornamen sind und da ist es total seltsam, auf den Nachnamen zu bestehen, zumal ich ja weniger Ausspracherisiken bei Vornamen habe.
    An der Schule, tja, die Entscheidung wird sich nie ergeben, aber ich müsste noch stark drüber nachdenken, was ich jetzt bevorzugen würde (WENN ich entscheiden dürfte).

  • Vielen Dank für die vielen hilfreichen Antworten. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich mit der Frage eine Grundsatzdebatte lostrete...

    Zwei Sachen möchte ich noch hinzufügen:

    1. Ich will mir nicht zu jedem Schüler auch noch merken müssen, welche Form der Anrede wir ausgemacht haben. Konsistenz über alle Klassen hinweg und von Anfang an sind mir wichtig.

    2. In Unterrichtsbesuchen will ich nichts falsch machen oder womöglich sogar eine andere als die "gewohnte" Ansprache nutzen müssen


    Ich werde mich auf jeden Fall vor Antritt der Stelle über die Gepflogenheiten an meiner Schule informieren und mich dann schlussendlich entscheiden.

  • Im Ref hatte ich einen Oberstufenkurs und meine Seminarlehrerin bestand darauf, dass ich diesen sieze.

    Das hat nicht unbedingt dazu beigetragen, dass der Kontakt zwischen dem Kurs und mir sehr intensiv wurde, andererseits war diese Distanz an mancher Stelle auch ganz hilfreich.


    In einer zehnten Klasse hatte ich einmal den Fall, dass auf die obligatorische Frage nach dem Siezen nicht alle das sonst übliche "Bitte nicht" geäußert haben. Konsequenz: Ich habe alle geduzt und drei Jungs gesiezt.

    Das war am Anfang seltsam für alle Beteiligten, aber auch daran gewöhnt man sich.

  • In einer zehnten Klasse hatte ich einmal den Fall, dass auf die obligatorische Frage nach dem Siezen nicht alle das sonst übliche "Bitte nicht" geäußert haben. Konsequenz: Ich habe alle geduzt und drei Jungs gesiezt.

    Siehste, der Teil hätte mich schon überfordert ;) :D

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Dass soviele siezen mit Vornamen finde ich echt merkwürdig. Das macht man nirgends sonst.

    Hm, doch, hier schon. Dieses "Hamburger Sie" (jaaa, das hat sogar einen Namen ;) !) habe ich schon häufiger in Betrieben - egal ob Büros, Handwerksbetrieben, in der Gastronomie und Hotels oder in Friseursalons usw. - gehört. Meist sind es entweder die Chefinnen und Chefs, die ihre Mitarbeiter*innen mit dem Vornamen plus Sie ansprechen oder aber die Mitarbeiter*innen, die ihre Vorgesetzten so ansprechen.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Für mich klingt Sie + Vorname persönlicher und näher als Sie + Nachname.

    Ich hätte aber nichts dagegen, auch selbst mit Vorname angesprochen zu werden. Macht nur irgendwie keiner.

  • Ist es nicht.


    Ich habe nie verstanden, wieso Leute meinen, sie könnten jemanden ein Leben lang duzen (und sich gleichzeitig von ihm siezen lassen), nur weil sie ihn mal als Kind gekannt haben.

    Ich fand es zum Teil auch unangenehm, wenn mich Leute, die ich als Kind schon unsympathisch fand, mit 30 noch geduzt haben.


    Zum Glück kann da jeder seine eigene Meinung haben. ;)



    Ansonsten halt ein typisch deutsches Problem. Ich fände es alleine schon merkwürdig, dass mein Lehrer sich über so etwas Gedanken macht und dann nach den Sommerferien plötzlich anfängt mich zu siezen.


    Dein Beispiel kann ich darauf nicht ganz übertragen. Denn mit den Leuten, von denen du da erzählt, stehst du wahrscheinlich nicht in einem Autoritätsverhältnis.

    Und wann jemand erwachsen ist, da kann man sich sicherlich drüber streiten. Vor 18 Lebensjahren würde ich das nicht so sehen. Man könnte ja auch individuell jeden nach dem 18. Geburtstag fragen. Macht dann halt noch mehr Arbeit, aber kommt vielleicht sympathischer rüber.

    Das eigene Verständnis des Erwachsenseins dadurch stärken zu können, dass man plötzlich gesiezt wird, finde ich auch irgendwie strange. Am besten noch ein Bausparvertrag dazu. :D



    Aber das kann ja jeder so handhaben, wir er möchte. Vielleicht habe ich da auch einfach komische Ansichten bzw. bin nicht erwachsen genug. :zahnluecke:

  • Wikipedia spricht vom "Münchner Du" bzw. "Kassiererinnen-Du" (https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Sie).

    "Kassiererinnen-Du" - herrlich!


    Meine 5.-Klässler sprechen mich nach einem 3/4 Jahr z.T. immer noch so an: "Herr Meyer, kannste mal kommen?". Ich habe es aufgegeben, es ihnen auszutreiben. Wie soll ich ihnen auch erklären, dass das Duzen des Lehrers am Gymnasium nicht mehr angemessen ist?!

    Aber diese totale Duz-Kultur an den Grundschulen ist wohl ein Grundpfeiler der Pädagogik "auf Augenhöhe". In dem Zusammenhang beobachte ich auch zunehmend einen Rollentausch: Nicht der Lehrer erzieht die Schüler. Die Schüler erziehen den Lehrer.

  • An der Grundschule meiner Tochter sprechen die Schüler:innen die Lehrer:innen übrigens mit "du+Nachname" an, was ich ganz fürchterlich finde. Meine Tochter konnte schon mit 4 korrekt Siezen, Benjamin Blümchen sei dank. Jetzt macht sie das natürlich nicht, weil es ja nicht erwartet wird

    Das ist ja völlig daneben 😵

  • Im Ref hatte ich einen Oberstufenkurs und meine Seminarlehrerin bestand darauf, dass ich diesen sieze.

    Das hat nicht unbedingt dazu beigetragen, dass der Kontakt zwischen dem Kurs und mir sehr intensiv wurde, andererseits war diese Distanz an mancher Stelle auch ganz hilfreich

    Ich siezen meine Lerngruppen schon immer, konnte aber bisher immer recht schnell einen guten Kontakt aufbauen. Wenn man auf die Bedürfnisse eingeht, dann ist die Anrede zweitrangig.

  • Hm, doch, hier schon. Dieses "Hamburger Sie" (jaaa, das hat sogar einen Namen ;) !) habe ich schon häufiger in Betrieben - egal ob Büros, Handwerksbetrieben, in der Gastronomie und Hotels oder in Friseursalons usw. - gehört. Meist sind es entweder die Chefinnen und Chefs, die ihre Mitarbeiter*innen mit dem Vornamen plus Sie ansprechen oder aber die Mitarbeiter*innen, die ihre Vorgesetzten so ansprechen.

    Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so angesprochen worden. Vielleicht eher so ein Nordmenschen Ding.

  • Ich siezen meine Lerngruppen schon immer, konnte aber bisher immer recht schnell einen guten Kontakt aufbauen. Wenn man auf die Bedürfnisse eingeht, dann ist die Anrede zweitrangig.

    Bestimmt. Bei mir stand jedoch das Sie irgendwie dazwischen.
    Vielleicht hat es aber auch menschlich nicht gepasst oder ich war noch nicht gefestigt genug in meiner Lehrerpersönlichkeit (Ref) oder oder

  • Vielleicht hat es aber auch menschlich nicht gepasst oder ich war noch nicht gefestigt genug in meiner Lehrerpersönlichkeit (Ref) oder oder

    Ja manchmal passt es mir der Gruppe nicht. Das ist bei mir auch unterschiedlich. Lehrerpersönlichkeit habe ich keine, ich bin im Klassenraum genau wie davor. 🤣

  • Gibt's nicht auch das Pendant des "Berliner Du"?

    "Herr Meier, mach ma dit Fenster zu. Hier zieht's wie Hechtsuppe, wa?"

    Wikipedia spricht vom "Münchner Du" bzw. "Kassiererinnen-Du" (https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Sie).

    Interessant, das kannte ich beides noch nicht!

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so angesprochen worden. Vielleicht eher so ein Nordmenschen Ding.

    Deshalb schrieb ich ja, dass diese "Anrede" hier in der Gegend gar nicht mal so unüblich ist. Wahrscheinlich heißt es deshalb auch "Hamburger Sie" bzw. "hanseatisches Sie".

    Ich selbst bin übrigens - wenn ich mich recht erinnere - auch noch nie so angesprochen worden. Habe es aber schon in diversen Fällen mitbekommen.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Sehr interessante Frage, mit der ich mich schon öƒters beschäftigt habe (im Erwachsenenkontext)


    In der ersten Unterrichtsstunde frage ich die Schüler (zwischen 17 - 40) immer, ob sie geduzt oder gesiezt werden möchten. Es ist noch nicht einmal vorgekommen, dass jemand gesiezt werden wollte :).


    In meiner Abteilung (BK, IT-Sektor) bin ich der einzige, der daher konsequent alles und jeden duzt und mit Vornamen anspricht (vom Schüler bis zum Schulleiter). Damit fährt es sich familiärer und Probleme hat das bisher nie aufgeworfen, im Gegenteil.


    Häufig hört man von der Gefahr, dass dadurch die Schüler sich mehr herausnehmen würden als wenn man die Distanz über die Ansprache wahrt. Seltsamerweise kommen solche Meinungen immer von Kollegen, die immer Siezen und keine Erfahrung mit dem Du haben. Das heißt aber nicht, dass ich es verkehrt finde.


    Ich denke, es kommt sehr stark auf den Lehrertyp und die Klassen an. Meine Schüler arbeiten im IT-Bereich und dort ist es üblich geduzt zu werden (unabhängig der Hierarchie, gerade bei kleineren Unternehmen). Das Siezen wird dort eher als befremdlich aufgefasst und ich habe es auch schon erlebt, dass mich (ungefragt) Ausbilder in einer E-Mail oder vor Ort geduzt haben. Mich persönlich hat das nie weiter gestört. Andere Kolleg/innen hingegen schon, die sich darüber stundenlang im Lehrerzimmer aufregen können oder sich vollkommen pikiert aufführen, als hätte man gerade Gotteslästerung betrieben.


    Der Trend geht (ob man es gut findet oder nicht) sehr stark dahin, auch im Unternehmensumfeld geduzt zu werden. Selbst Banken (N26, TR usw.) duzen ihre Kunden. Wenn Schüler in einem solchen Umfeld arbeiten und vom Chef bis zum Kunden alles und jeden mit Du ansprechen (sollen), wird es immer schwieriger werden, den Schülern klar zu machen, dass man gesiezt werden möchte bzw. diese jetzt siezt. Die Relevanz davon ist dann für die Azubis nicht mehr erkennbar.


    Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Respekt absolut nichts mit der Ansprache zu tun hat. Das mag der ein oder andere Kollege ja auch nicht glauben.

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