In NDS fliegt die [schriftliche] Division aus dem Mathe Curriculum

  • Beispiel Schulbegleitung: Familie kommt aus Syrien, Flucht. Der Vater arbeitet (was, weiß ich nicht), die Mutter arbeitet Vollzeit als Schulbegleitung, die 3 Söhne gehen auf die Realschule (1) und Gymnasium (2), alle 3 spielen erfolgreich Fußball. Die Mutter spricht schlechtes, sehr schlechtes Deutsch, dennoch...

  • Danke für das Beispiel. Zu Beginn der Migrationswelle ab 2015 war sicher die Hoffnung, dass es viele solcher Beispiele geben würde. 10 Jahre später wissen wir auf Basis sowohl der Arbeitslosenquoten nach Nationalität als auch Bildungsstudien wie dem Bildungsmonitor, dass es Ausnahmen bleiben. Schöne Ausnahmen, aber Ausnahmen.

    Viele syrische Familien mit Wohnsitz in Deutschland stehen auch vor der Grundsatzfrage, wie sie ihre Zukunft gestalten sollen, da einerseits das Assad-Regime gefallen ist und sich andererseits Herr Dobrindt dafür einsetzt, dass in absehbarer Zeit auch wieder Rückführungen nach Afghanistan und Syrien durchgeführt werden sollen, Stichwort Wiederaufbau.

  • Einen Mathe Vorkurs (für Physik-, Informatik- und Mathestudenten) gab es schon, als ich vor mittlerweile 20+ Jahren angefangen habe, zu studieren. Ich habe sogar die Unterlagen noch. Inhaltlich hat sich da wenig geändert. Vielleicht nehmen an den Vorkursen jetzt mehr Studienanfänger teil, als damals, aber das ist ja in Ordnung. Solange der Wille da ist, Stoff zügig nachzuarbeiten, passt das doch.

    Den Vorkurs gibt es immer noch, der ist freiwillig. Das Mathematische Propädeutikum sind z.B. in Essen verpflichtende 6SWS. Und da werden Dinge wie Pythagoras, Bruchterme und Trigonometrie behandelt, das ist SI Wissen...

    Man kann nicht immer mehr die Anforderungen senken und hoffen, dass man an der Leistungsspitze bleibt. Und wir brauchen die Spitze, keine "bessere Mitte". Die Mitte braucht nur wieder die Grundlagen die sie nicht mehr hat.. Aber sie kann bestimmt toll präsentieren und sowas

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Ich würde sagen, aktuell hat die Leistungsspitze in der Bildungspolitik keine besondere Priorität. Es geht eher darum, zu verhindern, dass die Mitte noch weiter absackt.

  • Ich bin ehrlich: Bei einer Migration nach Klasse 4 bin ich der Meinung, dass es kaum noch möglich ist, Bildungsungerechtigkeit auszugleichen, wenn die Kinder und Jugendlichen nicht bereits aus einem sehr bildungsnahen Elternhaus kommen. Bis zum Alter von 10 Jahren haben Kinder ihre Hauptprägungszeit, weswegen viele Bürger (m/w/d) mit Migrationshintergrund, die zu einem späteren Zeitpunkt migrieren, so zumindest meine Erfahrung, in vielen Fällen ihr Leben lang einen erkennbaren Akzent behalten.

    Wir haben Klassen für solche Kinder. Der Cut-off liegt so bei ca. 12 Jahren, also Klasse 6/7. Kinder, die bis dahin ins deutsche Schulsystem wechseln, bekommen wir quasi immer in eine normale Regelschullaufbahn mit guten Abschlüssen. Sind die Kinder älter, dann hängt es extrem stark von der Bildungsnähe und der bisherigen Schulbildung ab. Das ist aber auch kein Wunder, weil dann die Zeit, die sie an unserer Schule sind, deutlich kürzer ist. Da muss dann die Förderung am BK weitergehen.

    Mit dem Akzent hat das nichts zu tun. Die Lautbildung und damit auch der Akzent wird in der frühen Kindheit gelernt.

  • Ich hab jetzt mal so eine Statistik von der Bundesag. Arbeit angeschaut, am Handy etwas mühsam.

    Es sind wohl mehr Menschen mit Migrationshintergrund arbeitslos gemeldet als ohne.

    Nun aber daraus zu schließen, dass eine Migration ü11 keinen Sinn mehr macht ist genau kurzsichtig wie zu sagen, da die meisten Männer Gewalttaten verüben, wäre es gut, alle Männer jedweder Nationalität, auch deutsch/Herkunft abzuschieben.

  • Den Vorkurs gibt es immer noch, der ist freiwillig. Das Mathematische Propädeutikum sind z.B. in Essen verpflichtende 6SWS. Und da werden Dinge wie Pythagoras, Bruchterme und Trigonometrie behandelt, das ist SI Wissen...

    Das ist tatsächlich verrückt. Sowas gibts hier nicht. Da gibt es einen Vorkurs, in dem es einen Schnelldurchlauf durch die Schulmathematik gibt und dann gehts los. Warum man ein mathematisches Propädeutikum mit 6 SWS in den Studienplan schreibt, erschließt sich mir nicht.

    An der Uni Duisburg-Essen finde ich gerade auf die Schnelle keine entsprechende Veranstaltung. Hast du dazu einen Link?

  • Ich habe das auch nur über unsere Praktikanten mitbekommen. In der aktuellen Prüfungsordnung (seit diesem WS gültig) gibt es das aber anscheinend nicht mehr.

    Das scheint inhaltlich aber mehr zu sein, als nur die Wiederholung des mathematischen Schulstoffs. Sie scheinen damit die Lücke zwischen Mathematik in der Schule und Mathematik in der Uni etwas auffangen zu wollen?

    Immerhin sind die Abbruchquoten schon seit Jahrzehnten stabil bei 50 %. Viellicht wollten sie das mit diesen Kursen etwas auffangen?

  • Vollständige Induktion war früher noch ein LK Thema, ist dann aber rausgeflogen als die "Kompetenzen" wichtiger wurden und der Anwendungskontext. Beweise wurden früher auch deutlich häufiger gemacht, auch streng mathematische Beweise und nicht nur anschauliche, aber ja, da steht im Modulhandbuch noch ein bisschen mehr, ich hab nur einmal das Skript gesehen und da waren zum Beispiel verschiedene Beweise für Pythagoras Thema und auch der Umgang mit Bruchgleichungen, nix davon könnte man fähigen Schülern am Gymnasium nicht auch zumuten, aber man macht es nicht mehr, weil man dann am unteren Ende des Leistungsspektrums massiv sieben würde. Stattdessen sollten Klausuren in der Q1 auf 90 Minuten begrenzt werden, was soll da denn inhaltlich noch geleistet werden? Das ist wohl kaum als Entlastungsmaßnahme für die Kollegen gedacht, sondern soll die Abiturientenquote heben. So lange Texte lesen, das schaffen das ist doch überfordernd und bald kann das alles die KI, lieber ein paar mehr "Kompetenzen" im Bereich KI Nutzung...

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  • "Kompetenzen" > Wissen, das ist seit der orchestrierten PISA-Studie um die Jahrtausendwende klar. Die Wirtschaft braucht neues Kanonenfutter, dass nicht denkt, sondern "kompetent" ist. Worin auch immer.

  • "Kompetenzen" > Wissen, das ist seit der orchestrierten PISA-Studie um die Jahrtausendwende klar. Die Wirtschaft braucht neues Kanonenfutter, dass nicht denkt, sondern "kompetent" ist. Worin auch immer.

    Was für eine polemische Verkürzung. Dass sich in den KCs durchgesetzt hat, dass neben der reinen Kenntnis von Fachinhalten auch der Austausch über diese, deren Anwendung und Beurteilung eine Rolle im Unterricht und bei der Bewertung eine Rolle spielen, halte ich nach wie vor für begrüßenswert.

  • Kompetenzen waren m.E. mal als Idee gedacht, dass jede Lehrkraft selbständiger entscheidet, auf welchem Weg SuS ein Ziel erreichen. Also um am Ende Klasse 2 sinnentnehmend fließend lesen zu können, muss ich die zwei Jahre so einteilen und methodisch gestalten, dass das passiert. Das Problem dabei ist, dass man, insbesondere am Anfang seiner Lehrtätigkeit, mehr Struktur und Klarheit braucht, was "durchschnittliche Kinder wann können müssen".

    Auch deswegen schneiden Bundesländer wie Sachsen und Bayern regelmäßig besser ab in Schulleistungsstudien, weil die Lehrpläne differenziert und schlicht und ergreifend voll mit verpflichtenden Themen und kleineren Lernzielen sind. Das erhöht Druck, berücksichtigt gleichzeitig die "stärkere Mitte".

    Die besonders starken SuS werden dabei aber auch bloß nicht berücksichtigt. Wer schnell denkt und leicht lernt ist auch bei vollem Lehrplan mit viel stupidem Zeug unterfordert/gelangweilt.

    Ich behaupte mal, die "große Mitte" profitiert von ausführlichen Lehrplänen, weil Lehrkräfte sich eher trauen, bestimmte Anforderungen zu stellen.

    Besonders Schwache und besonders Starke profitieren von mehr Freiheit und Individualisierung, was bei Kompetenzlehrplänen eher möglich ist. Denke ich mir, vielleicht liege ich falsch.

  • Was für eine polemische Verkürzung. Dass sich in den KCs durchgesetzt hat, dass neben der reinen Kenntnis von Fachinhalten auch der Austausch über diese, deren Anwendung und Beurteilung eine Rolle im Unterricht und bei der Bewertung eine Rolle spielen, halte ich nach wie vor für begrüßenswert.

    Joa, das war schon etwas polemisch. Aber das war vorher auch schon so. Es wurde nicht einfach nur "Wissen" auswendig gelernt, zumindest in einem vom Lehrer anspruchsvoll gestalteten Unterricht. Dazu braucht es keine "Kompetenzen". Die Lernzieltaxonomie nach Bloom ist seit den 50ern bekannt, da waren wir weit weg vom heutigen Kompetenzbegriff.

    Ich bin ein großer Befürworter der recht schlanken Lehrpläne von früher. Diese überließen den Lehrern große Autonomie und Freiheit im pädagogischen und fachlichen Handeln. Und insgesamt hat das wirklich lange funktioniert. Niemand benötigt diese massiv aufgedunsenen "Kernlehrpläne", außer vielleicht die jeweiligen Bildungsminister als Arbeitsnachweis.

  • In den Einführungsveranstaltungen zu dem damals neuen kompetenzorientierten Lehrplan hat man uns gesagt, dass jetzt nicht nur die Ziele eine Rolle spielen, sondern der Weg dorthin. Stichwort: Methodenkompetenz. Für mich sind das verschiedene Schienen. Es kann auch einmal Absicht sein, gewisse Kompetenzen zu trainieren und dafür den Inhalt auszuwählen.

    Man muss jetzt schauen, dass nicht nur die fachbezogenen Inhalte bzw. Lernziele verfolgt werden, sondern auch darauf, ob man am Ende (eines Schuljahres bzw. von zwei Schuljahren bei uns) die geforderten Kompetenzen abgedeckt hat. Und das finde ich auch gut, damit wird der Unterricht nicht zu einseitig.

    Allerdings kommt rein praktisch zuerst das Thema und dann überlegt man sich bzw. steht das bei uns oft im Lehrplan, welche Kompetenzen dazu trainiert/angesprochen werden können.

    Wenn wir ehrlich sind: Der alte Weg nach operationalisierbaren Grob- und Feinzielen zu unterrichten - das hat man doch nie mit allen Schülern so erreicht. Das war eine Illusion.

  • In den Einführungsveranstaltungen zu dem damals neuen kompetenzorientierten Lehrplan hat man uns gesagt, dass jetzt nicht nur die Ziele eine Rolle spielen, sondern der Weg dorthin. Stichwort: Methodenkompetenz. Für mich sind das verschiedene Schienen. Es kann auch einmal Absicht sein, gewisse Kompetenzen zu trainieren und dafür den Inhalt auszuwählen.

    Man muss jetzt schauen, dass nicht nur die fachbezogenen Inhalte bzw. Lernziele verfolgt werden, sondern auch darauf, ob man am Ende (eines Schuljahres bzw. von zwei Schuljahren bei uns) die geforderten Kompetenzen abgedeckt hat. Und das finde ich auch gut, damit wird der Unterricht nicht zu einseitig.

    Allerdings kommt rein praktisch zuerst das Thema und dann überlegt man sich bzw. steht das bei uns oft im Lehrplan, welche Kompetenzen dazu trainiert/angesprochen werden können.

    Wenn wir ehrlich sind: Der alte Weg nach operationalisierbaren Grob- und Feinzielen zu unterrichten - das hat man doch nie mit allen Schülern so erreicht. Das war eine Illusion.

    Na gut, dafür hat man früher dann eben nach dem geschafften "Stoff" geschaut – finde ich jetzt nicht so unterschiedlich. Und dann gibt es auch Kompetenzbereiche, die man im regulären Unterricht kaum abgedeckt bekommt, z. B. die "Handlungskompetenz" im Geschichtsunterricht. Was die SuS dort alles können sollen, an öffentlichen Debatten teilnehmen usw., ist kaum bis nicht abbildbar.

  • Um mal das Beispiel mit den öffentlichen Debatten aufzugreifen: Ich denke, das ist grundsätzlich schon umsetzbar als Teil des Unterrichts, aber es ist mit mehr Vorbereitung im Vorfeld verbunden. Man muss erst einmal schauen, welche öffentlichen Debatten in den kommenden Monaten geführt werden und dies möglichst sinnvoll mit einem anstehenden inhaltlichen Thema verknüpfen.

    Generell würde ich sagen, dass die Hauptherausforderung geworden ist, die inhaltlichen und die funktionalen Kompetenzen bei der Unterrichtsplanung im Blick zu haben. Und gerade letztere sind meiner Meinung nach schwieriger in der Umsetzung, da sie nicht mal eben in einer Stunde abgehakt werden können, sondern langfristig angelegt werden müssen.

  • Wenn man diese Kompetenzen wirklich ernst nehmen würde und eins-zu-eins so umsetzt, dann würde ich massig Punkte in allen Klausuren abziehen müssen, weil die meisten Schüler*innen keine Variablen definieren und keine erläuternde Kommentare bezüglich ihres Lösungsweges darstellen. Stichwort "Mathematisch Kommunizieren"!

  • Um mal das Beispiel mit den öffentlichen Debatten aufzugreifen: Ich denke, das ist grundsätzlich schon umsetzbar als Teil des Unterrichts, aber es ist mit mehr Vorbereitung im Vorfeld verbunden. Man muss erst einmal schauen, welche öffentlichen Debatten in den kommenden Monaten geführt werden und dies möglichst sinnvoll mit einem anstehenden inhaltlichen Thema verknüpfen.

    Generell würde ich sagen, dass die Hauptherausforderung geworden ist, die inhaltlichen und die funktionalen Kompetenzen bei der Unterrichtsplanung im Blick zu haben. Und gerade letztere sind meiner Meinung nach schwieriger in der Umsetzung, da sie nicht mal eben in einer Stunde abgehakt werden können, sondern langfristig angelegt werden müssen.

    Realistisch gesehen lassen sich je nach Lerngruppe durchaus mal Podiumsdiskussionen durchführen, jedoch hat das eher einen simulierenden Charakter. Als ganze Klasse auf einem öffentlichen Forum zu diskutieren, habe ich bisher noch nicht erlebt. Höchstens auf Diskutierwettbewerben etc., wobei da ja dann eher 1 gegen 1 stattfindet.

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