Schulausfall der eigenen Kinder aber nicht der eigenen Schule

  • Das Problem mit 'Kinder mitnehmen' ist folgendes:

    Sollte etwas passieren, dann wird erst einmal davon ausgegangen, dass du deiner Aufsichtspflicht nicht ausreichend nachgekommen bist, weil du dich um dein Kind gekümmert hast und einen Interessenskonflikt hattest.

    Zum Glück passiert natürlich selten etwas. Aber falls doch, hat man ein Problem...

  • Ich erkläre es mal so: wenn du im Zoo arbeitest, kannst du schlecht deinen Hund mitnehmen und unbeaufsichtigt im Affenkäfig lassen, selbst wenn er gut erzogen ist und einen Kauknochen hat. Es erfordert im Gegenteil zweimal Aufmerksamkeit: die Arbeit mit den Affen und die Ruhe des Hundes.

    Wenn du bei den Achatschnecken arbeitest, kann dein Hund einfach mit rumliegen, muss aber zumindest mitgehen, wenn du ins Terrarium wechselst, Futter abhholen und Schubkarren wegbringen musst. Die Zoobesucher wollen nebenher alle deinen Hund streicheln.

    Also alles machbar, aber man möchte nicht von Katzenbesitzern hören, dass man sich mal nicht so anstellen soll, weil Haustiere doch keine Aufmerksamkeit brauchen und den ganzen Tag alleine unterwegs sind.

    Ich kann den Hund aber im Büro außerhalb des Geheges parken. Wenn das bei einem Kind im mindestens Grundachulalter, also über 6 , nicht geht, würde ich mir als Elternteil evtl.mal überlegen, wo und warum dieses Kind nicht ganz rund läuft. Erlebe ich seit dem Ref an diversen Schulen jedenfalls als völlig normale Praxis, wenn mal Betreuung fehlt - ein Haufen Eltern scheint das erziehungstechnisch also ganz prima hinzubekommen 😊

  • Uiuiui. Jetzt wird es aber wild.

    Nicht jedes Kind ist gleich, das hat nicht immer was damit zu tun, ob es "erziehungstechnisch rund läuft" oder nicht.

    Bleiben wir beim Beispiel eines sechsjähriges Kindes. Es kann einen Schulvormittag durchhalten, aber an einer Schule, die es nicht kennt, wo es keine Freunde hat und nicht weiß, wo zum Beispiel die Toiletten sind, und mit Mama oder Papa in "Rufweite", wird sich das Kind mit Sicherheit nicht stundenlang komplett ruhig verhalten, sondern auch mal Aufmerksamkeit brauchen.

    Und nicht jede Klassenkonstellation ist gleich.

    Ich bleibe bei meiner Aussage von vorhin, es ist eine Notlösung, die mit manchen Kindern und in manchen Klassen einfacher klappt als in anderen, und es sollte halt immer nur die absolute Notlösung sein.

  • Ein Sechsjähriger findet keine Toilette, die man ihm ja durchaus zeigen könnte? Ja, jetzt wirds tatsächlich wild 😄


    Ich bin raus 🤗

    Und froh, dass ich im echten Leben selten bis nie so komplizierte Menschen treffe.

  • chilipaprika : Ein frisches Beispiel für eine unterschiedliche Perspektive war ja bei der Schneediskussion die Tage als 2 User/innen das Argument einbrachten, dass das Streuen der Wege auch Auswirkungen auf Hunde und deren Pfoten hat. Daran hätten User (m/w/d) ohne Hunde womöglich nicht gedacht und ja, bezugnehmend auf das von dir eingebrachte Beispiel, stimme ich dir zu, dass sich Männer nur bis zu einem gewissen Grad in die Gefühlswelt von Frauen hineinversetzen können.

    Ich bin ja auch kein Fan davon, andere Positionen mit "Du kannst da nicht mitreden - du bist ja nicht unmittelbar betroffen." abzutun, da das die Gefühle des Gegenüber verletzen kann. Dennoch finde ich, dass es legitim ist, darauf hinzuweisen, dass die eigene (potentielle) Betroffenheit bei aller Professionalität immer auch unmittelbar in Handlungen und Entscheidungsprozesse miteinfließt.

  • Natürlich fließt es jetzt mit ein. Trotzdem verliere ich nicht meine Urteilskraft, nur weil ich keine Kinder habe.
    Und hier gerade hat EINE kinderlose Userin keinen großen Erfahrungshorizont und keine große Fantaisie, was Kinder einrichten können, und sofort wird über Kinderlose / Katzenhalter /xy im Allgemeinen gesprochen.
    Es ist ein Lehrerforum.
    Auch wir den Schriftspracherwerb im Sek1-Lehramt nicht gelernt haben, hatten wir Theorien der psychosozialen Entwicklung / Theorien der kognitiven Entwicklung und sollten also uns was dabei denken können. Hätte ich gerade einen Pädakurs, würde ich denen das Dilemma aufgeben und gucken, was sie (begründet!) vorschlagen und wie sie ggf. gegenargumentieren.
    Kinderlose sind nicht per se dumm, ich habe einen Neffen und drei Tage im Jahr reichen mehr als genug, um mich an den Allzeitsspruch meiner Eltern zu erinnern "Kleine Chili konntest / kannst du hier lassen, drei Stunden später ist sie noch mit Puppe oder Buch da, Kleine Zitrone (Schwester) kannst du kaum umdrehen, sie klettert auf dem Sofa." Und jetzt hat die Zitrone ein Lemonenkind. Aber sowas von. Er wird nächstes Jahr eingeschult, meine Schwester könnte ihn nie einen Schultag zur Arbeit mitnehmen (und sie arbeitet 70% der Zeit in einem Einzelbüro, 30% unterrichtet sie ... Erzieher*innen).

    Das mit den Hundepfoten: Gehört sicher nicht zum Allgemeinwissen wie kindliche Entwicklung, auch nicht im professionellen Kontext. Du hörst es einmal, du merkst dir das und gut. Ich erwarte es als Hundehalterin nicht, dass du das weißt (und Hunde sind auch in ihren Bedürfnissen verschieden. Unser Ersthund wird die Sturmtage mit einem Morgenspaziergang und ein paar mal Lösen problemlos überleben, der andere ... tja, dem rutschen wir im (ungestreuten) Park hinterher... ;) )

  • Ich habe auch nur gegenüber dieser Userin das Katzenbeispiel gebracht, genützt hat es offenbar trotzdem nichts.

    ...
    Das mit den Hundepfoten: Gehört sicher nicht zum Allgemeinwissen wie kindliche Entwicklung, auch nicht im professionellen Kontext. Du hörst es einmal, du merkst dir das und gut. Ich erwarte es als Hundehalterin nicht, dass du das weißt (und Hunde sind auch in ihren Bedürfnissen verschieden.

    Eben.

  • Hinzu kommt, dass in den Klassen auch lauter Chili, Zitronen, Limonen, Kirschen, Ananas und Litschi sitzen.

    Hat man ruhige Gruppen, die 30 min selbstständig arbeiten, ist es etwas anderes, als eine Klasse mit vielen verschiedenen Bedürfnissen, in der man unentwegt mit Differenzierung und Hilfestellung zu tun hat und wirklich präsent sein muss.

  • Hinzu kommt, dass in den Klassen auch lauter Chili, Zitronen, Limonen, Kirschen, Ananas und Litschi sitzen.

    Hat man ruhige Gruppen, die 30 min selbstständig arbeiten, ist es etwas anderes, als eine Klasse mit vielen verschiedenen Bedürfnissen, in der man unentwegt mit Differenzierung und Hilfestellung zu tun hat und wirklich präsent sein muss.

    Uns ist denke ich allen klar, dass die Arbeit in heterogenen Klassen anspruchsvoll ist. Nur gerne noch einmal: die Alternative zum Nichtmitnehmen des Kindes - und dafür mag es gute Gründe geben, das nicht zu tun - ist dann eben ein Entfall der Stunden oder höhere Belastung des Kollegiums.


    PS: Ich bin mir vergleichsweise sicher, dass die Kolleginnen und Kollegen, die ihr Kind mal mit zur Arbeit genommen haben, i.d.R. gut abgewogen haben, ob das mit Blick auf die Lerngruppen des Tages sinnvoll möglich ist oder eher nicht. Von mir selbst kann ich sagen, dass ich diese Abwägung durchaus vorgenommen habe...mit bereits beiden Ergebnissen.

  • die Alternative zum Nichtmitnehmen des Kindes

    … ist meiner Meinung nach noch immer, das Kind anderweitig betreuen zu lassen oder die Notbetreuung der Schule zu nutzen, dafür wird sie ja gestellt.

    Wenn du selbst im PS benennst, dass du schon zu beiden Ergebnissen gekommen bist, sagst du doch das Gleiche aus: es gibt Umstände, die das Mitnehmen des Kindes nicht sinnvoll erscheinen oder sein lassen.

    Wenn ich die Belastung des Kollegiums bedenke, kann ich, die ich ständig die Belastung durch Vertretungsorganisation, Mehrarbeit, fehlenden Förderunterricht bei Unterversorgung der Schule trage, nicht mehr an Fortbildungen am Vormittag teilnehmen und nicht mehr krank sein.
    Das System hält nicht genug Vertretungsreserve bereit, die bei Kollegien mit vielen Eltern jüngerer Kinder angesichts der zu erwartenden Krankheitstage höher sein müsste. Das System bietet aber zumindest Notbetreuung, die man nutzen kann. Alternativ bräuchte es Betreuungsmöglichkeiten für Kinder Beschäftigter (Betriebs-KiTa), gibt es an einzelnen, privaten Schulen und unterstützt damit das gesamte Kollegium.

  • Meine Güte, wie kann man man nur so kompliziert und umständlich an Problemlösungen herangehen!

    Tagesmutter, auch für andere Situationen, engagieren und gut ist. Die paar Teuronen wird man als Lehrer doch noch aufbringen können. In meiner direkten Nachbarschaft, hätte ich genügend Auswahl. Nur, ich habe keine Kinder, um jemanden engagieren zu müssen.8)

  • Wenn du selbst im PS benennst, dass du schon zu beiden Ergebnissen gekommen bist, sagst du doch das Gleiche aus: es gibt Umstände, die das Mitnehmen des Kindes nicht sinnvoll erscheinen oder sein lassen.

    ...und es gibt Umstände, in denen das die denkbar einfachste und eleganteste Lösung ist.

  • Ein Sechsjähriger findet keine Toilette, die man ihm ja durchaus zeigen könnte? Ja, jetzt wirds tatsächlich wild 😄


    Ich bin raus 🤗

    Und froh, dass ich im echten Leben selten bis nie so komplizierte Menschen treffe.

    Also bei uns finden auch Eltern und andere Besucher die Toiletten nicht. Auch neuen Schülern müssen sie gezeigt werden.

    Und im Lehrerzimmer dürfte niemand Fremdes allein sein. Immerhin liegen Klassenarbeiten, persönliche Dinge von Kollegen und aktuell Zeugnisse herum. Kleine Kinder malen vielleicht auf dem Papier herum, bei älteren gibt es Datenschutzprobleme. Und nachher behauptet der Kollege, er vermisse 10 Euro. Beweise mal als Elter das Gegenteil.

    Außerdem haften Kinder unter 7 Jahren nicht, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Selbst der Staat verlangt, dass Sechsjährige nicht ohne Aufsicht bleiben.

    Und ich weiß nicht, wie klein deine Schule ist. Unsere besteht aus mehreren Gebäuden, die Pausen reichen nicht, um von einem Ende zum anderen zu kommen. Sie reichen sicher nicht, um zwischendurch nach dem Kind zu schauen oder es gar in das andere Gebäude mitzunehmen.

    Bei uns sind Kinder bei Konferenzen manchmal anwesend, einmal habe ich es vormittags erlebt, der Kollege hat vorher mich und andere gefragt und indirekt gebeten, ebenfalls die Hohlstunde im Lehrerzimmer zu bleiben.

    Alle Kinder waren extrem ruhig und gut erzogen und trotzdem schaut sich ein intelligentes Kind herum und nicht stundenlang auf den Bildschirm des Tablets. Ich weiß nicht, was du für dümmliche und apathische Kinder kennst.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ich frag mich eher, was du für Kinder kennst, die in fremden Unterlagen rumwühlen oder denen Kollegen Diebstahl zutrauen würden. Ich bin mir sicher, dass an keiner meiner Schulen jemals jemand auf solche Ideen gekommen ist. Da saßen jedenfalls immer mal wieder Kinder rum.

    An meiner letzten, sehr kleinen Schule hatte eine Kollegin öfters ihre Kinder im Kindergartenalter mit, wenn es Betreuuungsprobleme gab oder das Kind mal nicht ganz fit, aber auch nicht ganz krank war. Keine Probleme. Eine andere Kollegin hat bei Betreuungsproblem regelmäßig ihren Hund mitgebracht, auch kein Drama. Beides, Kinder und Hund, wurde mal mit in den Unterricht genommen, mal im Lehrerzimmer gelassen.

    Die Schule davor war größer und bei +100 Kollegen hat immer irgendwer Freistunde und sitzt im Lehrerzimmer. Nichtmals ich, kein ausgewiesener Kinderfan, habe nein gesagt, wenn jemand gefragt hat, ob ich ein Auge drauf haben kann oder das Kind mich ansprechen darf, wenn irgendwas ist. Jeder normale Mensch findet das besser, als statt dessen zu vertreten. Auch alles sehr unproblematisch.

    Vielleicht macht es einen Unterschied, ob man Schule einfach als Lebensraum begreift, der irgendwie mit dem Privatleben unter einen Hut gebracht werden muss und darf, oder halt nicht und krampfhaft nach verkomplizierenden, teils sehr konstruierten Gegenargumenten sucht. Ist wahrscheinlich letztlich auch ein Schulkulturding.

  • Das Mitbringen der Kinder ist doch immer nur eine Notlösung. In der Regel können Kinder bei Schulausfall bei Freunden oder Verwandten untergebracht werden oder ein Elternteil ist zu Hause oder sie verbringen den Vormittag bei einem Schulfreund oder es gibt zumindestens in Niedersachsen auch immer eine Notbetreuung. Wenn das alles nicht klappt, ist das Mitbringen zur Schule eine weitere Möglichkeit. Und wenn aus welchen Gründen auch immer keine Lösung funktioniert, muss halt ein Elternteil Zuhause bleiben. Aber das sollte in den meisten Fällen nicht notwendig/möglich sein, da es andere Möglichkeiten gibt.

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