Schüler schreien Name von Lehrkräften durchs Schulhaus

  • Hi,

    bin an an einer Schule, wo es eine Gruppe von Trollen gibt, die Lehrkräften in den Gängen in schriller Stimme deren Nachnamen, manchmal sogar deren Vornamen, hinterherkrakeelen. Eine bewusste Provokation, die empfindsame Gemüter verständlicherweise nicht ganz unberührt lässt. Ich beobachte das inzwischen bereits an der zweiten Schule, an der ich arbeite. Scheint ein Klassiker zu sein (ich erinnere mich zu meinen Schulzeiten auch an einen Fall).

    Habt ihr Konterstrategien? Gibt es überhaupt etwas, was man dem entgegnen kann? Oder füttert man die Trolle bloß, wenn man vergeblich versucht, dieses Verhalten zu ahnden?

    LG Wechselbalg

  • Ist wie beim Klingelmännchen an der Haustür --> jede Reaktion erhöht nur den Spaß daran. Deshalb einfach vollständig ignorieren. Kein umschauen, kein winken oder kommentieren. Auch nicht später dann im Unterricht. Man findet sowieso nie heraus wer es war und was will man da machen? Ein Elterngespräch wegen so einer Kleinigkeit?

  • Ich frage Schüler, ob sie gerade ein medizinisches Problem haben und ob ich den Rettungsdienst rufen soll.

    Gerne auch mit dem Verweis, dass der Rettungsdienst sich auch um geistig/mentale Probleme kümmert.

  • Die Pause ist dafür da, dass sich Schüler (m/w/d) und Lehrkräfte erholen können und neue Energie für den weiteren Unterricht sammeln können. Wenn Schüler (m/w/d) meinen, einen auf wilden Larry machen zu müssen, hat das zwar irgendwo entwicklungspsychologische Gründe (Austesten von Grenzen, Rebellion gegen Konventionen), aber ein solches Verhalten stört letztendlich den Schulfrieden und gehört sich nicht, da hat Karl-Dieter schon Recht. Man will sich als Lehrkraft natürlich nicht lächerlich machen, daher verstehe ich die Kommentare in Richtung "einfach ignorieren".

    Klar ist: Regeln lassen sich nur durchsetzen, wenn man a) den Übeltäter (m/w/d) eindeutig ausmachen kann, b) auch gewillt ist, die vorher kommunizierte Konsequenz unmittelbar durchzusetzen, c) einen Plan B in petto hat, sollte sich derjenige der Konsequenz verweigern und d) im Idealfall eine Schulleitung hat, die hinter einem steht und das Vorhaben (im Zweifelsfall auch gegenüber den Verantwortlichen und/oder deren Eltern) unterstützt.

    Sieh es mal so: Stell dir vor, es wäre Tag der offenen Tür und vernünftige Eltern würden sehen, wie sich Jugendliche gegenüber Lehrkräften verhalten! Das würde sie doch umso mehr abschrecken, ihr Kind dort zum nächsten Schuljahr anzumelden, und mit der Zeit melden nur noch Eltern ihre Kinder bei euch an, die ansonsten nirgendwo einen Platz finden. Vernünftige Eltern wollen, dass es in der Schule ihrer Kinder geordnet zugeht, daher: Wenn du es dir zutraust und (ganz wichtig!) die Schulleitung hinter dir stehen hast, sei ruhig streng und lass dieses Verhalten nicht durchgehen!

    Euer Hausmeister (m/w/d) würde sich sicher freuen, wenn ihm nachmittags als Konsequenz ein paar Jugendlichen assistieren müssen. Vielleicht gibt es Müll einzusammeln oder ähnliches. Natürlich vorher auf jeden Fall mit Schulleitung und Hausmeister abklären - ist klar. Dann können sie aber überlegen, ob es immer noch so cool ist, irgendwelche Namen durch den Flur zu rufen.

  • Solange man nicht ziemlich sicher weiß, wer das ist, dürften pädagogische Sanktionen schwer durchzusetzen sein.

    Wenn ich es zumindest auf eine Klasse oder Lerngruppe eingrenzen könnte, die ich selber unterrichte, würde ich im Unterricht einfach mal nicht darauf reagieren, wenn man meinen Namen ruft: "Leute, ihr ruft meinen Namen auf dem Gang oder dass es etwas zu besprechen gibt, warum sollte es jetzt anders sein?"

    Darf natürlich nicht im Tonfall der beleidigten Leberwurst vorgetragen werden.

  • Hängt von der Situation und der Begründung ab. Ich werde manchmal mit einem gekrähten "HERR BLACKANDGOLD" begrüßt, das kommt aber von einem Schüler, den ich gut leiden kann und der mich auch gut leiden kann. Der findet das witzig und das ist seine pubertäre Art, mir Zuneigung zu zeigen. Ich finds etwas "cringe", aber ich schmunzele wegen der Intention.

    Wenn das gemacht wird, um sich zu produzieren, dann zieht man vielleicht ne Augenbraue hoch. Das wäre es.

    Wird das gemacht, um allgemein zu provozieren, dann kann man Konsequenzen besprechen. Ich würde mir den Schüler (sind ja fast immer Jungs) ranholen und bspw. mitlaufen lassen, weil er ja offensichtlich so dringend was von mir will. Finden die meisten richtig doof. Aber das ist sehr individuell.

    Wird das gemacht, um EINE Lehrkraft speziell zu provozieren (mobben ist ein Begriff bei dem ich ob des Machtgefälles im Schulbereich sehr zurückhaltend bin), dann sollte das Kollegium geschlossen reagieren und empfindliche Konsequenzen besprechen, ankündigen und durchziehen. Wenn bewusst eine Lehrkraft fertig gemacht werden soll, sind meiner Meinung nach Ordnungsmaßnahmen bzw. Teilkonferenzen das Maß der Dinge. Keine Toleranz.

  • Klar wissen mehrere (betroffene) Lehrkräfte an der Schule, wer das ist. Ich für meinen Teil als Referendar weiß nicht, ob es gut ankommt, wenn sie das mit ihrem Seminarlehrer und/oder der Schulleitung bespricht. Sollte ich es trotzdem ansprechen? Allerdings hat mein Seminarlehrer es einmal sogar schon mitbekommen (glaube ich - Irrtum nicht ausgeschlossen), und unterrichtet die Gruppe auch. Daher wäre er der beste Ansprechpartner. Er ist in meinen Augen aber eher so ein Macho-Typ, ich glaube er sieht es nicht besonders gern, wenn man Schwäche eingesteht. Und er muss mich beurteilen.
    Die Gruppe hatte ich schon mal zur Rede gestellt und relativ neutral gefragt, was das soll. Das war ein Fehler. Sie wissen nun, dass ich das als respektlos empfinde, und daher hat es auch nichts gebracht, dass eine ganze Weile zu ignorieren.

  • Ich glaube, du tust dir selbst keinen Gefallen, wenn du versuchst, da einen Machtkampf draus zu machen. Du nimmst dir damit selbst die Autorität. Wichtiger als die Demonstration von Macht ist es in meinen Augen, zu versuchen an der Beziehung zu den Schülern zu arbeiten. Je mehr du darauf reagierst, desto mehr zeigst du Hilflosigkeit. Versuch, das gelassen zu sehen. Augenbrauen heben und weitergehen. Oder mit Humor reagieren, dich verbeugen und huldvoll winken.

  • Gratulier den Jungs zum Stimmbruch und lauf weiter.

    Mache ich auch immer. Und wenn ich dann in "meiner" Klasse bin und in lauter fragende Gesichter der Azubis blicke, ist meine Antwort auf die Frage: "Was war das denn?" immer nur: "Da seht ihr mal, dass auch ihr als Azubis bereits Eure Firma vertretet. Es erwartet niemand, dass ihr perfekt seid, aber wenn das so läuft wie eben, muss ich wohl nicht mehr viel dazu sagen, oder? Übernommen werden die jedenfalls eh nicht. Ratet mal warum."

    Und ja, insgeheim freute ich mich, dass es dem DAX-Konzern schlecht geht und das die Trolle nicht übernommen werden. Der Betrieb ist bei uns an der Schule dafür bekannt, dass er die Auzbis danach aussucht, ob bereits deren Eltern in dem Konzern gearbeitet haben, und nicht danach welches Bild die Auzbis selber abgeben. Darf ich hier so ehrlich sein?

  • Versuch, das gelassen zu sehen. Augenbrauen heben und weitergehen. Oder mit Humor reagieren, dich verbeugen und huldvoll winken.

    Ich kann von sowas nur abraten. Vielleicht ist das an anderen Schulformen anders, aber an meiner Schulform (und ich bin nicht an einer Brennpunkt-Gesamtschule) ist das ganz klar ein Zeichen von Respektlosigkeit und es wird faktisch nur bei den Kolleginnen und Kollegen gemacht, wo man weiß, dass sie Autoritätsprobleme haben.

  • Ich kann von sowas nur abraten. Vielleicht ist das an anderen Schulformen anders, aber an meiner Schulform (und ich bin nicht an einer Brennpunkt-Gesamtschule) ist das ganz klar ein Zeichen von Respektlosigkeit und es wird faktisch nur bei den Kolleginnen und Kollegen gemacht, wo man weiß, dass sie Autoritätsprobleme haben.

    Nur meine Meinung, aber ich denke, Respekt bekommt man nicht durch Machtdemonstration. Respekt als Lehrkraft bekommt man durch Fairness und Berechenbarkeit. Auch und gerade im Brennpunkt.

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