• Was verwirrt euch denn an bekannten Fastenaktionen anerkannter Anbieter der evangelischen und katholischen Kirche?

    Was sind "anerkannte Anbieter" der Kirche(n)? Ist die Kirche eine Sammlung von Dienstleistern oder ist die Kirche der Leib Christi?

    Vielleicht war das im Satz missverständlich verknüpft. Ich halte Misereor und Brot für die Welt für anerkannte Anbieter, die sich der katholischen bzw. evangelischen Kirche zugehörig sehen, Misereor ist das größte Hilfswerk der römisch-katholischen Kirche in Deutschland, Bot für die Welt ein Hilfswerk der evangelischen Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland.

    Siehst du sie nicht als Teil der Kirche?

    Das andere Angebot kommt von einer evangelischen Landeskirche selbst.

  • Outsch! Ist schon wieder Fasnet und Aschermittwochsfestzelt?
    Ich sehe schon. Mit dir wird Ökumene niemals möglich sein - es sei denn durch Unterwerfung ;)
    Ich bin jedoch guter Dinge. Wenn die katholische Kirche so weitermacht und sich radikal vom synodalen Weg abwendet, werden noch die letzten katholischen Kirchen zu Discos und Museen.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Das beste Beispiel für das Problem sehen wir doch hier: "Kirche ist Leib Christi". Hast du einen Schimmer, was das für Plattenspieler bedeutet? Ich nicht. Es ist aber ganz offenbar keine Spitzfindigkeit in den Begrifflichkeiten, sondern es geht um fundamentale, ich nenne es mal Glaubens-Wahrheiten.

    Ja, ich habe einen Schimmer. Plattenspieler veröffentlich genug zu Religion, dass er uns ein bestimmtes Verständnis von Christentum und Katholizität darstellt. Ich gehe davon aus, dass er das Fasten in der Fastenzeit umsetzt. Da ich ihn nicht persönlich kenne, kann ich es natürlich nicht wissen.

    Ich kann auch seine Kritik an den Aktionen verstehen. Mich hat aufgeregt, dass es vor ein paar Jahren die Aktion "7 Wochen ohne Lügen" gab und ich habe nicht verstanden, warum es dazu eine Aktion braucht, wenn es doch allgemein üblich sein sollte, bei der Wahrheit zu bleiben.

    Ich muss mich dem "klimafasten" nicht anschließen, ich muss mich mit der Religion nicht der Klima-Fraktion andienen, aber ich kann die Schöpfung wertschätzen und es gab schon häufiger Aktionen zur Fastenzeit, in der auch der Umgang mit der Schöpfung reflektiert wurde - auch das muss man nicht auf diese Zeit begrenzen. Und auch dann war das Fasten nicht auf klimafreundliche Aktionen beschränkt, sondern nur ein Impuls unter vielen und eine Übung unter anderen.

    Und ich kann anerkennen, dass es Menschen gibt, die nach streng katholischer Lehrmeinung fasten, und andere, denen "klimafasten" ein Anliegen ist, sodass es in diesem Jahr eine Aktion gibt, die sicherlich auch angenommen und umgesetzt wird.

    Mein Fasten ist nicht sein Fasten, mein Verständnis von Abendmahl ist nicht seines von Kommunion, mein Verständnis von Gottesdienst ist nicht seines von Messe, mein Verständnis von Exegese nicht seines ... trotzdem gehören wir zu einer christlichen Kirche, besuchen Gottesdienste, fasten - und ja, wir haben damit etwas gemeinsam, trotz der Unterschiede, die länger als 500 Jahre bestehen.

    Seine Aussagen zu lesen, bedeutet nicht, dass ich katholisch werden muss oder katholisch sein muss (oder katholisch war oder sein werde). Ich habe nicht den Anspruch, alles genau so anzunehmen, wie er es tut. Aber ich habe einen Anspruch an mich, seine Religiösität im Ansatz wahrzunehmen und seine Aussagen und Handlungen einordnen zu können. Es interessiert mich, warum er etwas aus welchen Gründen macht oder wie er etwas bewertet, allein um ihn oder andere Menschen ähnlichen Glaubens besser verstehen zu können.

    Wir tragen gleichzeitig Gleiches und Verschiedenes mit uns. Wir haben beide religiöse Erfahrungen und eine religiöse Sozialisation, die uns voneinander und von anderen unterscheidet, uns aber auch ermöglichen, die religiöse Sozialisation anderer wahrzunehmen.

    Wenn Plattenspieler seine Auffassung von christlichem Glauben als die einzige christliche Möglichkeit oder als allein richtig darstellt, verträgt es sich nicht mit meiner Auffassung von Religionsfreiheit, die jedem die Ausgestaltung seiner oder keiner Religion ermöglicht. Wenn er erwartet oder darstellt, dass jeder katholische Mensch sich so verhält, weiß ich, dass es an der Realität vorbei geht.

  • Ich bin jedoch guter Dinge. Wenn die katholische Kirche so weitermacht und sich radikal vom synodalen Weg abwendet, werden noch die letzten katholischen Kirchen zu Discos und Museen.

    Weil der "synodale Weg", ZDK, "Maria 2.0" und ähnliche Gruppen/Aktivitäten die Kirchen füllen?

    Ich sehe volle Kirchen (auch mit vielen jungen Leuten), Berufungen und gelebtem Glauben eher dort, wo eine traditionelle und würdige Liturgie gefeiert und die Lehre der Kirche voll angenommen wird, ohne im deutschen "Gremienkatholizismus" alles zu zerreden.

  • Ich empfinde "Lifestyle-Fasten" als sehr passenden Begriff für die ganzen Verzichtsaktionen, die mit richtigem Fasten eigentlich nichts zu tun haben. Selbst wenn kirchennahe Initiatoren dahinter stehen, ist es doch eher ein Versuch, einen zunehmend irrelevanten Randgruppenbrauch durch sehr weit hergeholte Adaptionen doch noch irgendwie einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich zu machen. Was nicht heißt, dass die Ansätze an sich schlecht sind, aber sie sind halt schon primär im Lifestyle verortet.


    Zum Thema volle Kirchen muss ich gerade daran denken, dass ich vor einigen Jahren mal (mit jemandem, den das interessiert) auf einer der MEHR Konferenzen war. Ich bin ja nun überhaupt nicht religiös, fand das alles auch sehr strange und empfinde so manche Positionen von Initiator Herrn Dr. Hartl auch ziemlich fragwürdig - aber voll war die Hütte, das muss man dieser Bewegung lassen.

  • Ich empfinde "Lifestyle-Fasten" als sehr passenden Begriff für die ganzen Verzichtsaktionen, die mit richtigem Fasten eigentlich nichts zu tun haben. Selbst wenn kirchennahe Initiatoren dahinter stehen, ist es doch eher ein Versuch, einen zunehmend irrelevanten Randgruppenbrauch durch sehr weit hergeholte Adaptionen doch noch irgendwie einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich zu machen. Was nicht heißt, dass die Ansätze an sich schlecht sind, aber sie sind halt schon primär im Lifestyle verortet.

    man will die Leute "mitnehmen".
    Und das ist ja nicht sooo neu.
    Ich kann mich an eine meiner ersten "bewussten" Fastenzeiten (weil mit Reliunterricht bzw. Katechismus).
    Die "Katechismus-Mama" (die die Gruppe leitete) empfahl uns, auf das Schokocroissant vom Bäcker nach der Schule (Schulschluss in Frankreich: halb 5, da ist IMMER ein Snack geplant). Stattdessen irgendwas von zuhause (oder nichts) und das Geld für den anstehenden Bau einer Kathedrale zu spenden.
    Ich war ca. 10, wir gingen nie zum Bäcker, ich hatte kein Taschengeld und meine Oma hatte mir erklärt, dass Fasten was komplett Anderes war und ich konnte nicht verstehen, warum mein "Verzicht" etwas vom Bäcker sein sollte und warum ich keine gute Katholikin war, weil ich kein Geld spenden konnte. ("Zum Glück" gab es noch genug Aktionen, um an Geld zu kommen. Ich habe mindestens einen ganzen Stein dieser Kirche gespendet ;)

  • Das sind dann kleine Gemeinschaften mit kleinen Kirchen, nehme ich an. Kleine Kirchen sind dann auch schneller voll. Hast du Beispiele aus persönlicher Erfahrung?:)

    Er meint vermutlich "Sekten" wie "Opus Dei" oder "Das Werk" :teufel:

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  • Dass die weiteren Regeln aufgeweicht wurden, finde ich bedauerlich. In den anderen Kirchen (orthodox, altoriental) bestehen sie weiterhin.

    Man muss hier vorsichtig sein: Es gibt durchaus immer wieder Diskussionen in der orthodoxen Kirche über die Fastenzeit. Hintergrund: Die Fastenregelungen der Orthodoxie sind stark mediterran geprägt, insbesondere was "Meeresfrüchte" oder "Fischtage" angeht. Theoretisch könnte auch ein Veganer problemlos weiteressen, was er immer isst, es gäbe keinen Unterschied. Die Fastenzeiten der Orthodoxie sind auch stark geprägt durch die klösterlichen Ordnungen. Und zuletzt ist in es in genuinen orthodoxen Ländern deutlich einfacher, fastengemäßes Kantinenessen zu kriegen.

    Das alles führt dazu, dass die alten Fastenregeln hier in der Diaspora nicht so richtig funktionieren und daher oft auch wegfallen.

    Man sollte also vorsichtig sein, wenn man allzu "euphorisch" auf die tollen Fastenregeln der Orthodoxie schaut.

  • Die Fastenregelungen der Orthodoxie sind stark mediterran geprägt, insbesondere was "Meeresfrüchte" oder "Fischtage" angeht. Theoretisch könnte auch ein Veganer problemlos weiteressen, was er immer isst, es gäbe keinen Unterschied.

    Es gibt auch in den Fastenregeln der katholischen Kirche interessante Ausnahmen. So war in früheren Jahrhunderten (oder sogar noch heute) der verzehr von Bibern in der Fastenzeit erlaubt, da diese als "Fische" galten.
    Auch der Verzehr von Fischottern war wegen ihrer Schwimmhäute und des Lebensraums als „Fisch“ erlaubt, genauso Frösche und Schildkröten. Selbst Enten und Gänse waren als Mahlzeit gestattet, weil diese "aus Muscheln schlüpfen" würden.
    Da lobe ich mir das protestantische Klimafasten und meinen LKW. ;)

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  • Und der Verzehr von Bier .... deswegen auch die Kloster-Brauereien. (Habe ich zumindest mal gehört. Und - nein - ich werde meine Weizenbier jetzt nicht ausschütten, egal was ihr schreibt. ;) )

    Schule ist schön ... und macht Spaß.

  • Ich verstehe, dass man es als „anbiedern“ wahrnehmen kann.

    Aber…

    Theoretisch könnte auch ein Veganer problemlos weiteressen, was er immer isst, es gäbe keinen Unterschied.

    Wenn dem so ist, funktioniert Fasten nicht mit den Regeln des Verzichts auf Fleisch. Und wenn man das ganze Jahr auf Alkohol verzichten mag oder muss, dann ist es für 7 Wochen keine Besonderheit.

    Gerade darum mag ich, dass man sich Fastenvorsätze selbst wählen kann. Der eine empfindet es als Beliebigkeit, der andere als Möglichkeit, etwas Individuelles zu wählen, das einen persönlich betrifft oder berührt.

  • Nachtrag zum LKW

    Es gibt LKW mit Ladung, LKW mit Schmieröl, LKW mit Barke, LKW-Unfall und LKW vegan. Ladung=Saure Gurke; Schmieröl=Senf; Barke=rot-weiß (Ketchup/Majo); Unfall=Ketchup solo; Vegan=mit Petersilie. LKW=Leberkässweckle. Mhiammi. Am liebsten mit Ladung.

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