Neue Förderschulen bauen: Verhinderung der Inklusion oder eine logische Folge des Scheiterns?

  • Neue Diskussion in NRW:

    Gegen den Neubau von Förderschulen in NRW gibt es Widerstand. Mehrere Verbände finden, dass echte Inklusion damit verhindert wird.

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    Das NRW-Kommunalministerium prüft eine Kommunalaufsichtsbeschwerde gegen den Neubau einer Förderschule. An der Schule im Rhein-Sieg-Kreis sollen einmal bis zu 180 Kinder mit körperlich-motorischem Förderbedarf unterrichtet werden. Aus Sicht der Kommunen im Kreis ist der Bau nötig. Die allgemeine Schulplatzsituation ist angespannt und bestehende Förderschulen in benachbarten Kreisen arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze.

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  • Die Menschen,

    die nicht einsehen, dass es für unterschiedliche Kinder unterschiedliche Bedarfe geben kann, sind extrem

    selten, finde ich.

    Nervig ist, dass es seit über 15 Jahren (So lange wird mindestens schon über die Inklusion geredet...auch hier im Forum.) kaum Fortschritte in Bezug auf Personal und Umbauten an den "herkömmlichen" Schulen gibt. Und natürlich war es von Anfang an total nervig, dass etwas beschlossen wurde, obwohl klar war, dass die Voraussetzungen nicht vorhanden waren, wie üblich.

    Nervig ist vor allem aber, dass Befürworter und Gegner sich noch immer als Ideologen oder eben als Anhänger von Selektion und Ausgrenzung bezeichnen, anstatt endlich gemeinsam Lösungen für den Umgang mit "besonderen Bedarfen im Bildungssystem" zu finden.

    Einmal editiert, zuletzt von pepe (28. Februar 2026 14:41)

  • Lösung des Problems: Ansprüche nicht immer mit Pflichtlösungen umsetzen. Ich kenne niemanden, der per se gegen Förderschulen oder Ganztagsschulen oder andere bildungspolitische Maßnahmen ist. Aber was die Leute nervt, ist, dass ein Rechtsanspruch oft so umgesetzt wird, dass es keine Alternative gibt. Wenn die einzige Schule im Ort einen verpflichtenden Ganztag hat, dann nervt das die Eltern, die das nicht wollen. Wenn es keine Förderschule in der Umgebung gibt und der Schüler mit Behinderung an eine Regelschule muss, an der er nicht optimal gefördert wird, dann nervt das die Eltern. Und wenn die UN-Behindertenrechtskonvention hier das Problem ist, dann kann man die Unterschrift auch wieder zurückziehen.

  • Nervig ist, dass es seit über 15 Jahren (So lange wird mindestens schon über die Inklusion geredet...auch hier im Forum.) kaum Fortschritte in Bezug auf Personal und Umbauten an den "herkömmlichen" Schulen gibt. Und natürlich war es von Anfang an total nervig, dass etwas beschlossen wurde, obwohl klar war, dass die Voraussetzungen nicht vorhanden waren, wie üblich.

    Inklusion ist einklagbar und die dafür notwendigen Voraussetzungen, wie bauliche Maßnahmen, ebenso. Das wird auch regelmäßig gemacht und bei uns werden immer wieder bestimmte Voraussetzungen für einzelne zu inkludierende SuS angepasst, die Stadt finanziert das auch anstandslos (weil sie weiß, dass sie muss).

    Die noch existierenden Förderschulen existieren noch, weil sich Eltern aktiv für sie entscheiden, nicht, weil die Kinder sonst nirgends hin könnten. Bei uns gibt es mehrere beliebte Förderschulen, denen allseitig eine gute Arbeit bescheinigt wird, und die trotzdem um ihre Existenz kämpfen müssen, weil sie Teilen der Politik aus grundsätzlichen Gründen ein Dorn im Auge sind.

  • Nervig ist, dass es seit über 15 Jahren (So lange wird mindestens schon über die Inklusion geredet...auch hier im Forum.) kaum Fortschritte in Bezug auf Personal und Umbauten an den "herkömmlichen" Schulen gibt. Und natürlich war es von Anfang an total nervig, dass etwas beschlossen wurde, obwohl klar war, dass die Voraussetzungen nicht vorhanden waren, wie üblich

    In Hessen klappt das so toll, dass nun die Zuweisung für IGS Klassen gekürzt wird /s

  • Ich finde den Neubau von Förderschulen grundsätzlich sehr sinnvoll. Ich bin gerne bereit, Kinder mit besonderen Förderbedarfen in der Grundschule beschulen, aber es gibt Ausmaße bzw. Ausprägungen von Förderbedarf, die dafür sorgen, dass das Kind auf einer Förderschule besser aufgehoben ist. Die kleinen, homogeneren Lerngruppen erleichtern einigen Kindern (gerade den sensiblen und/oder sehr stark Förderbedarf habenden) den Schulalltag deutlich. Das können wir selbst, wenn wir pro Jahrgangsstufe eine Soonderpädagogin hätten (wa wir nicht haben), so nicht an der Regelschule leisten.

  • Den Austritt aus der Konvention kann man sich auch schenken, weil diese weitgehend ein Allgemeinbekenntnis ist und gar nicht im Detail regelt, wie genau die Umsetzung in Schule auszusehen hat. Es ist auch ein typisch Deutsches Problem: ein Großteil der Länder der Welt unterzeichnet solche Konventionen feierlich und legt sie dann in die Schublade, nur in Deutschland beschäftigen Gerichte kleinteilig mit Fragen der Umsetzung, für die sie eigentlich nie gedacht waren.

    Im Übrigen ist auch mit der Konvention überhaupt nichts gegen ein Angebot von Förderschulen zu sagen, höchstens gegen das Fehlen von Alternativen. Mit der Abschaffung von Förderschulen geht man selbst über die Intention der Konvention deutlich hinaus.

  • Inklusion ist einklagbar und die dafür notwendigen Voraussetzungen, wie bauliche Maßnahmen, ebenso. Das wird auch regelmäßig gemacht und bei uns werden immer wieder bestimmte Voraussetzungen für einzelne zu inkludierende SuS angepasst, die Stadt finanziert das auch anstandslos (weil sie weiß, dass sie muss).

    Auch das ist ein großes Problem. Wir haben ein Kind für das über 20.000 € investiert wurde, obwohl es einfach nicht auf eine Regelschule passt. Dazu kommen nochmal jährliche Kosten in gleicher Höhe. Und oh wunder, für dringend benötigte andere Anschaffungen ist natürlich jetzt kein Geld mehr da. Der Etat ist leider ausgereizt.

    Um Inklusion sinnvoll umzusetzen, muss man die Rechte der Eltern/Kinder beschneiden und mehr auf das Urteil der Lehrkräfte setzen. Beispielweise könnte die Förderkommission einstimmig eine verbindliche Vorgabe machen dürfen, dass ein Kind an der Förderschule muss.
    Dass müssen auch nicht die Lehrkräfte der betroffenen Schule sein, wenn man ihnen keine Neutralität zutraut. Dann sollen es externe Förderschullehrkräfte entscheiden. Aber wir haben zunehmen Fälle, die bei uns nicht passen aber wegen Vorurteilen der Eltern nicht auf die Förderschule sollen. Und selbst wenn der Schulträger mal wieder Geld ausgibt, bringt es nichts wenn die personellen und sonstigen Rahmenbedingungen einfach nicht da sind.

    Übrigens stellt sich die Frage, wann Schüler generell etwas einklagen können. Können Schüler fehlende Ausstattung, fehlendes Personal, schlechte Räume etc. vor Gericht bemängeln? Wäre auch mal spannend.

  • bei uns werden immer wieder bestimmte Voraussetzungen für einzelne zu inkludierende SuS angepasst, die Stadt finanziert das auch anstandslos (weil sie weiß, dass sie muss).

    Für einzelne "zu inkludierende SuS" wurde das teilweise auch schon gemacht, bevor der Begriff Inklusion in aller Munde war.

    Im Übrigen ist auch mit der Konvention überhaupt nichts gegen ein Angebot von Förderschulen zu sagen, höchstens gegen das Fehlen von Alternativen. Mit der Abschaffung von Förderschulen geht man selbst über die Intention der Konvention deutlich hinaus.

    So ist es.

  • Um Inklusion sinnvoll umzusetzen, muss man die Rechte der Eltern/Kinder beschneiden und mehr auf das Urteil der Lehrkräfte setzen.

    Weiß ich nicht. Bei uns ist die Einschätzung von uns Lehrern und den Eltern eigentlich immer ziemlich deckungsgleich, wenn es mal nicht passt. Keiner der Beteiligten will, dass das Kind unnötig leidet und Chancen verbaut bekommt.

    Die Probleme entstehen eher wegen fehlender Förderschulplätze oder wenn das Kind psychologisch oder psychatrisch betreut werden muss. Da gibt es zum Teil heftige Lücken, die voll auf die Schule zurückschlagen. Bis hin zu Fällen, wo das Kind aus der Psychatrie an die Schule zurück geschickt wird, weil es in der Psychatrie nicht händelbar ist... :autsch: Kein Scherz! Hatten wir schon 2 mal.;(

  • Bist Du an der Sek 1? Bei uns hat die Förderschule einfach (zu unrecht) einen schlechten Ruf. Da möchten Eltern ihr Kind nicht hinhaben. Noch schlimmer ist bei ES-Fällen. Da haben wir eine spezielle Schule in der Region. Die Eltern wollen da teilweise ihre Kinder nicht hinschicken und gleichzeitig ist die Schule hoffnungslos überlaufen. Dann sind nachher extreme ES-Fälle mit überforderten Schulbegleitungen an überforderten Regelschulen.

  • Ich bin an der Sek1. Die Förderschulen haben einen guten Ruf und unsere Sek1-Schulen im Gemeinsamen Lernen auch. Die meisten Kinder gehen ins Gemeinsame Lernen. Für manche reicht das dann doch nicht und die wechseln an die Förderschule. Das ist eigentlich immer einvernehmlich.

  • Ist vielleicht auch in der SEK 1 besser als in den Grundschulen. Bei euch haben die Kinder schon vier Jahre Grundschule mit eventuell viel Frust auf allen Seiten hinter sich.

  • Da Problem, das ich sehe, ist einfach, dass Inklusion ausschließlich als Sparmodell gedacht wird. Schule muss sich verändern, auch für viele Regelkinder. Ich arbeite seit 2009 im Gemeinsamen Lernen und es ist frustrierend, zu beobachten, wie sich in den 17 Jahren genau gar nichts verändert hat. DAS ist in meinen Augen das Problem. Inklusion ist nicht, das Kind muss in die Schule passen. Inklusion ist, was muss die Schule verändern damit es für das Kind passt? Es gibt Kinder, die eine kleine Gruppe brauchen, aber warum das z.B. nicht in Form von Klein Klassen an Regelschulen passieren kann, verstehe ich nicht. Naja, vielleicht doch. Das kostet Geld. Und so schließt sich der Kreis

  • Nichts ist für die Ewigkeit. Der Austritt ist in Artikel 16 der Konvention geregelt.

    Ernsthaft?? (Meine nicht die falsche Artikelangabe, Austritt wäre Art. 48). 3 Staaten weltweit haben nicht ratifiziert (Tadschikistan, Tonga und die USA) und da hättest du keine Skrupel, Deutschland einzureihen? Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen sind nicht so dein Ding? Kritik an der Umsetzung von schulischer Inklusion in allen Ehren, aber der Vorschlag, aus der Konvention auszutreten, ist nochmal ne völlig andere Nummer.

  • Ernsthaft?? (Meine nicht die falsche Artikelangabe, Austritt wäre Art. 48). 3 Staaten weltweit haben nicht ratifiziert (Tadschikistan, Tonga und die USA) und da hättest du keine Skrupel, Deutschland einzureihen? Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen sind nicht so dein Ding? Kritik an der Umsetzung von schulischer Inklusion in allen Ehren, aber der Vorschlag, aus der Konvention auszutreten, ist nochmal ne völlig andere Nummer.

    Danke für den Hinweis, habe ich korrigiert.


    Ich habe den Austritt nicht befürwortet, sondern nur die Möglichkeit aufgezeigt, vor allem um dem Wink mit der UN-Konvention, der bei Kritik an der Beibehaltung von Förderschulen oft kommt, zu begegnen. Aber ja, Skrupel würde ich nicht davon abhängig machen, welche Länder die Konvention sonst ratifiziert haben oder nicht. Ich werfe dir ja auch nicht vor, auf einer Seite mit Nordkorea oder dem Iran zu stehen.

  • Es ist einfach nicht gut organisiert. In NRW gibt es unzählige Schulformen. Jeder Schulträger entscheidet anders. Wie soll eine Stadt wissen was am besten für die Kinder ist. Es geht ihnen meist darum genügend Schulplätze für wenig Geld anzubieten. Meiner Meinung nach müsste es einheitlicher umgesetzt werden.

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