Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Und dann muss man auch für sich selbst entscheiden, dass man nur das liefert, wofür der Dienstherr bereit ist zu zahlen. Ist ja jetzt eigentlich auch schon so, halten sich aber viele nicht dran.

    Und das ist gemeint, wenn es um „Dienst nach Vorschrift“ geht, was neulich angezweifelt wurde.

  • Wieso nutzt man nicht lieber die bereits vorhandenen AZ-Studien und legt fest, wofür man wie lange braucht und dann ist endlich die Diskussion vom Tisch? Wer Korrekturfächer hat, benötigt dann mehr Zeit dafür, das muss man doch nicht jeden Tag tracken.

    Weil es nicht dem EU-Recht entspricht, erhoben werden muss die tatsächliche Arbeitszeit. Punkt.

    Und weil man auch dann in Debatten geht, es sind doch nicht allein Korrekturen aufwändig. Angeführt werden hier auch immer die Sammlungen, meine Zeitfresser sind wieder andere Aufgaben und vor allem die Vielzahl.

  • Bücher lesen ist ja auch oft vom Dienstherrn vorgeschrieben.

    Z.B. ist es in den Fremdsprachen Pflicht, in der Vorabiturklausur eine Auswahl anzubieten. Ein Vorschlag muss ein literarischer Text sein. Der darf nicht aus einem Lehrbuch stammen und auch kein alter Abitext sein. Nun: woher soll man sich den aus dem Ärmel schütteln??? Dazu MUSS man ja was lesen. Und das dauert...... Denn: man muss zusätzlich ja auch noch den Bezug zum Lehrplan nachweisen. Also muss man erst mal recherchieren, welches Buch dann überhaupt möglicherweise in Frage käme, es dann besorgen, dann lesen und eine geeignete Textstelle finden, wo man in maximal 550 Wörtern eine vernünftige Analyse hinkriegt, wo also genug drinsteht und was mit dem Lehrplan zu tun hat. Ja, toll. Das kriegt man nicht mal eben in 1-2 Stunden hin. Der Dienstherr möchte das aber so. Genauso gut könnte er auch eine Sammlung an Texten zur Verfügung stellen, wo man dann einfach aussuchen kann. Oder einfach den Text vorgeben. Joah, macht er aber nicht. Weil für "die da oben" ist es genauso viel Arbeit.

  • Wieso nutzt man nicht lieber die bereits vorhandenen AZ-Studien und legt fest, wofür man wie lange braucht und dann ist endlich die Diskussion vom Tisch? Wer Korrekturfächer hat, benötigt dann mehr Zeit dafür, das muss man doch nicht jeden Tag tracken.

    Das Problem ist eben dieses Festlegen.

    Das.
    Wird.
    Niemals.
    Zu.
    Unseren.
    Gunsten.
    Ausgehen.

    "Aufgefordert, Lehrerarbeitszeiten transparent zu machen, veranschlagt der Berliner Senat 20 bis 25 Minuten Korrekturzeit für eine Oberstufenklausur inklusive der Beurteilung durch ein elektronisches Bewertungsraster. Dieses sogenannte Onlinegutachten hat für bestimmte Klausurformate zum Beispiel im Fach Deutsch zwölf Bewertungskriterien parat. Je nachdem benötigt man für die endgültige kriteriengeleitete Beurteilung einer einzigen Klausur über 50 Klicks."

    Quelle: https://www.fr.de/wissen/arbeite…google_vignette (ohne Bezahlschranke)

    Oder:
    "Tatsächlich geht die Schulverwaltung davon aus, dass man pro Mathe- oder Englischklausur nur 20 Minuten Korrekturzeit braucht. Oft dauert es aber länger. Monatelang hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) über die Auflösung der Konten verhandelt. Diese Konten sorgten dafür, dass Lehrer mitten im Schuljahr ausschieden."

    Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropo…rce=chatgpt.com (ohne Bezahlschranke)

    Fairerweise müssten wir festhalten, dass beide Artikel nicht aktuell sind und hier müssten wir noch mehr Kriterien kennen, um die realistische Zeit einer solchen Korrektur nach den Berliner Vorgaben einschätzen zu können. Wovon wir aber ausgehen dürfen, ist, dass diese Zeiten immer am extremsten Rand des im absoluten Idealfall Möglichen (also vermutlich mit 20 Jahren Berufserfahrung und maximaler Konzentration) festgemacht werden, weil alles andere ja Geld kosten würde.

    Wer das will, möchte sich verarschen und ausbeuten lassen.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Joah, macht er aber nicht. Weil für "die da oben" ist es genauso viel Arbeit.

    Es wären aber 1-5 Leute je Bundesland (oder im Bund) und nicht an jeder Schule mehrere Lehrkräfte.

    Ähnlich ist es mit Konzepten, Currricula, anderen Neuerungen. Da muss man sicher regional oder der einzelne Schule nachsteuern oder anpassen, aber Grundlegendes könnte zentral vorbereitet und zur Auswahl bereitgestellt werden.

    Norwegen hat eine digitale Plattform mit Lehrmaterial, dafür wurden Lehrkräfte entlastet, wenn sie an dem Projekt arbeiten oder Material einstellen. Also wie 4teachers, nur staatlich gefördert und mit entsprechend mehr Möglichkeiten.
    https://www.bpb.de/lernen/digital…lernen-koennen/


    Ähnliches würde ich für FoBi sehen, für Veröffentlichungen an Unis auch …

    … und auch einen zentralen medizinisch-pädagogischen Dienst, bei dem man umgehend Hilfe, erhält, sobald ein Kind mit Diagnose oder Auffälligkeiten zu beschulen ist. Auch da muss sich nicht jeder durchs Internet oder die Bildungsportale anderer BL wühlen, bis man Hintergründe und pädagogische Möglichkeiten findet - auswählen und anpassen ist immer noch Arbeit.

  • Das Problem ist doch nicht, dass man das nicht lösen könnte.

    Es gibt schlicht keinen politischen Benefit. Offensichtlich ist die aktuelle Situation noch gut genug, sodass Lehrer und Eltern keinen politischen Druck machen und auch nicht entsprechend wählen.

  • Und dann muss man auch für sich selbst entscheiden, dass man nur das liefert, wofür der Dienstherr bereit ist zu zahlen. Ist ja jetzt eigentlich auch schon so, halten sich aber viele nicht dran.

    Und ich entscheide, seitdem ich diese Verantwortung habe, dass das weiterhin nicht auf Kosten des Kollegiums gehen darf. (Mein Team, das ja bereits vor mir da war, hat das schon vor meiner Zeit so gehalten. Wir sehen uns nicht als MärtyrerInnen oder HeldInnen, aber wir sind uns der Verantwortung und der Folgen der Qualität unserer Arbeit vollauf bewusst.)

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Das Problem ist doch nicht, dass man das nicht lösen könnte.

    Es gibt schlicht keinen politischen Benefit. Offensichtlich ist die aktuelle Situation noch gut genug, sodass Lehrer und Eltern keinen politischen Druck machen und auch nicht entsprechend wählen.

    Was wählt man denn für einen positiven Wandel im Bildungswesen?

    Bücher lesen ist ja auch oft vom Dienstherrn vorgeschrieben.

    Z.B. ist es in den Fremdsprachen Pflicht, in der Vorabiturklausur eine Auswahl anzubieten. Ein Vorschlag muss ein literarischer Text sein. Der darf nicht aus einem Lehrbuch stammen und auch kein alter Abitext sein. Nun: woher soll man sich den aus dem Ärmel schütteln??? Dazu MUSS man ja was lesen. Und das dauert...... Denn: man muss zusätzlich ja auch noch den Bezug zum Lehrplan nachweisen. Also muss man erst mal recherchieren, welches Buch dann überhaupt möglicherweise in Frage käme, es dann besorgen, dann lesen und eine geeignete Textstelle finden, wo man in maximal 550 Wörtern eine vernünftige Analyse hinkriegt, wo also genug drinsteht und was mit dem Lehrplan zu tun hat. Ja, toll. Das kriegt man nicht mal eben in 1-2 Stunden hin. Der Dienstherr möchte das aber so. Genauso gut könnte er auch eine Sammlung an Texten zur Verfügung stellen, wo man dann einfach aussuchen kann. Oder einfach den Text vorgeben. Joah, macht er aber nicht. Weil für "die da oben" ist es genauso viel Arbeit.

    Deswegen würde ich mir keine schlaflosen Nächte machen. Ein bisschen googlen und von ChatGPT zusammenfassen lassen muss dann eben reichen.

  • Ich finde das mit der Zeiterfassung schwierig. Wenn ich vormittags 3-4 Stunden 25 Kinder "entertaine", frisst das deutlich mehr Energie als wenn ich im Büro Akten bearbeiten würde. Diese Zeit müsste 1,5 fach gewertet werden.

    3-4 Stunden sind 3-4 Stunden. Was soll an der Zeiterfassung schwierig sein? Die Uhren gehen für alle gleich.

    Ich glaube, du hast nicht so ganz verstanden, worauf ich hinaus wollte. Zeit ist nicht gleich Zeit.

    Doch Zeit lässt sich sehr einfach messen. jaja ich weiß der Lehrerberuf ist was besonders, wir brauchen dann einen spezielle Lehrkräftezeiteinheit und -messung. :D Ist schon klar.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Was wählt man denn für einen positiven Wandel im Bildungswesen?

    Das gibt es keine "gute" Wahl, solange das Bildungswesen Objekt von Ideologie und politischem Opportunismus ist. Ich kann ggf. auf der Basis meiner Schulform mein Kreuzchen setzen, wenn ich beispielsweise für oder gegen das integrierte Schulsystem bin.

    Ich habe es ja hier schon so oft geschrieben. Eine echte Reform wird niemals kommen, da das politisch nicht gewollt ist, unter anderem, weil es fiskalisch als nicht finanzierbar erachtet wird - und weil damit keine Wahlen gewonnen werden können.

    Reformen wären dann ggf. möglich, wenn man zuerst den Beruf des "Berufspolitikers" abschaffen würde - dann würden die Leute ihr Fähnchen nicht stets in den Wind hängen und alles tun, um wiedergewählt zu werden.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Hast du denn mal in anderen Jobs gearbeitet? ZB in einer Kita, im Pflegeheim, Krankenhaus?

    Meistens nichts was über Jobs im Studium hinaus geht. Haben wir schon sehr oft gelesen. Es scheint eine verbreitete Lehrkräftekrankheit zu sein, den eigenen Beruf als etwas ganz besonders und außergewöhnliches wahrzunehmen.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Das gibt es keine "gute" Wahl, solange das Bildungswesen Objekt von Ideologie und politischem Opportunismus ist. Ich kann ggf. auf der Basis meiner Schulform mein Kreuzchen setzen, wenn ich beispielsweise für oder gegen das integrierte Schulsystem bin.

    Ich habe es ja hier schon so oft geschrieben. Eine echte Reform wird niemals kommen, da das politisch nicht gewollt ist, unter anderem, weil es fiskalisch als nicht finanzierbar erachtet wird - und weil damit keine Wahlen gewonnen werden können.

    Reformen wären dann ggf. möglich, wenn man zuerst den Beruf des "Berufspolitikers" abschaffen würde - dann würden die Leute ihr Fähnchen nicht stets in den Wind hängen und alles tun, um wiedergewählt zu werden.

    War auch eine rhetorische Frage. Das System ist nicht zu reformieren.

  • Ich finde das mit der Zeiterfassung schwierig. Wenn ich vormittags 3-4 Stunden 25 Kinder "entertaine", frisst das deutlich mehr Energie als wenn ich im Büro Akten bearbeiten würde. Diese Zeit müsste 1,5 fach gewertet werden.

    Solche Erfahrungen sind auch wichtig, aber nicht um im Rahmen einer Arbeitszeitkontrolle zu überprüfen, ob im Einzelfall der Orientierungswert z.B. für eine Vollzeitbeschäftigung eingehalten wurde, sondern um noch einmal einen Schritt vorher diesen Orientierungswert erst ermitteln zu können.

    So kann es sein, dass der Faktor 1,5 dafür sorgt, dass das Deputat oder (hiermit verbunden, aber nicht deckungsgleich) die durchschnittlich zu erbringende Arbeitszeit steigt oder sinkt.

  • Wenn in NRW irgendwo stünde, eine Oberstufenkorrektur in meinem Fach dauert 20 Minuten, dann würde sie bei mir 20 Minuten dauern. Kurz überfliegen, gar nichts oder wenig anstreichen, 5 Minuten über Punkte nachdenken, fertig. Tatsächlich würde ich eine solche offizielle Aussage als Entlastung empfinden, denn das entbindet mich faktisch von der Verpflichtung zu einer sauberen Korrektur.

  • Und ich entscheide, seitdem ich diese Verantwortung habe, dass das weiterhin nicht auf Kosten des Kollegiums gehen darf. (Mein Team, das ja bereits vor mir da war, hat das schon vor meiner Zeit so gehalten. Wir sehen uns nicht als MärtyrerInnen oder HeldInnen, aber wir sind uns der Verantwortung und der Folgen der Qualität unserer Arbeit vollauf bewusst.)

    Das ist nett vor Dir, aber das sehe ich für mich nur in Grenzen. Ich sage meinen KuK auch gern mal, dass ich das jetzt nicht mehr geschafft habe. Bin bisher nur auf Verständnis gestoßen.

  • Wenn in NRW irgendwo stünde, eine Oberstufenkorrektur in meinem Fach dauert 20 Minuten, dann würde sie bei mir 20 Minuten dauern. Kurz überfliegen, gar nichts oder wenig anstreichen, 5 Minuten über Punkte nachdenken, fertig. Tatsächlich würde ich eine solche offizielle Aussage als Entlastung empfinden, denn das entbindet mich faktisch von der Verpflichtung zu einer sauberen Korrektur.

    Genau so. Übertragbar auf eine Vielzahl von Aufgaben.

  • Meistens nichts was über Jobs im Studium hinaus geht. Haben wir schon sehr oft gelesen. Es scheint eine verbreitete Lehrkräftekrankheit zu sein, den eigenen Beruf als etwas ganz besonders und außergewöhnliches wahrzunehmen.

    Ja, nehme ich auch so wahr. Ich würde allerdings für mich nicht sehen, dass ich die Belastungen in anderen Berufen beurteilen kann. Und man muss auch bedenken, dass es High-Performer gibt, die Belastung anders empfinden. Genauso wie Leute, die nicht so viel aushalten können und eher an ihrer Belastungsgrenze angelangt sind. Die gibts in jedem Beruf, aber es kann ja nicht sein, dass ich dann mehr arbeiten muss, nur weil ich mich nicht so schnell belastet fühle.

  • Natürlich. Der Mitarbeiter in der Werbeagentur, der 5 Tage lang einfach nur über einen neuen Slogan nachdenkt und sich dabei in der Agentur aufhält, bekommt das auch als Arbeitszeit angerechnet und bezahlt. Und wenn er dafür Zeitschriften durchblättert, im Internet surft etc. oder stundenlang mit Kollegen brainstormt, dann ist das auch Arbeit.

    Genau. Der sitzt im Büro. Nebenan ist sein Chef und in der Regel wird sein Chef ihn sagen, was er machen soll und ggf. mal fragen, wie der Stand ist.

    Und nun denk mal daran, wie Du arbeitest? Wann hat dein Chef dir das letztes Mal gesagt, was Du machen sollst? Wie oft arbeitest Du wirklich im Büro? Wir arbeiten eher wie selbstständige als wie Angestellte. Das ist eine Schwierigkeit bei der Zeiterfassung, wo wir sehen müssen, wie der Dienstherr das regeln wird.

  • Und mit Pauschalen käme man nicht hin? 5-10 Minuten Vorbereitung pro Unterrichtsstunde, 10 Minuten pro Klassenarbeit, eine Klassenfahrt planen und durchführen 100 Stunden, etc.

    Scheut man sich, die Aufgaben zeitlich zu beziffern?

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