Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Meistens nichts was über Jobs im Studium hinaus geht. Haben wir schon sehr oft gelesen. Es scheint eine verbreitete Lehrkräftekrankheit zu sein, den eigenen Beruf als etwas ganz besonders und außergewöhnliches wahrzunehmen.

    Ja, nehme ich auch so wahr. Ich würde allerdings für mich nicht sehen, dass ich die Belastungen in anderen Berufen beurteilen kann. Und man muss auch bedenken, dass es High-Performer gibt, die Belastung anders empfinden. Genauso wie Leute, die nicht so viel aushalten können und eher an ihrer Belastungsgrenze angelangt sind. Die gibts in jedem Beruf, aber es kann ja nicht sein, dass ich dann mehr arbeiten muss, nur weil ich mich nicht so schnell belastet fühle.

  • Natürlich. Der Mitarbeiter in der Werbeagentur, der 5 Tage lang einfach nur über einen neuen Slogan nachdenkt und sich dabei in der Agentur aufhält, bekommt das auch als Arbeitszeit angerechnet und bezahlt. Und wenn er dafür Zeitschriften durchblättert, im Internet surft etc. oder stundenlang mit Kollegen brainstormt, dann ist das auch Arbeit.

    Genau. Der sitzt im Büro. Nebenan ist sein Chef und in der Regel wird sein Chef ihn sagen, was er machen soll und ggf. mal fragen, wie der Stand ist.

    Und nun denk mal daran, wie Du arbeitest? Wann hat dein Chef dir das letztes Mal gesagt, was Du machen sollst? Wie oft arbeitest Du wirklich im Büro? Wir arbeiten eher wie selbstständige als wie Angestellte. Das ist eine Schwierigkeit bei der Zeiterfassung, wo wir sehen müssen, wie der Dienstherr das regeln wird.

  • Wann hat dein Chef dir das letztes Mal gesagt, was Du machen sollst?

    Ständig. Wenn ich den oberen Dienstherrn meine. Nennt sich Lehrplan, der bei (gefühlt ständigen) Änderungen dazu führt, dass ich mich in neue Themen einarbeiten muss. In Englisch sind das schnell mal Themen, die ich nicht studiert habe, wenn es um Globalisierung, Stammzellenforschung, Artificial Intelligence, Climate Change etc. geht.
    Jetzt gibt es in Bayern auch Pflichtlektüren für die Oberstufe, was wohl in anderen BLs schon länger Usus ist. Die müssen auch erstmal (wieder-)gelesen werden.

    Der Dienstherr möchte es "both ways": Er möchte immer wieder neue Vorgaben machen, im Gymnasialbereich vor allem im Kontext des gemeinsamen Aufgabenpools fürs Landesabitur der Bundesländer", aber diese dürfen keine Arbeitszeit kosten. Im Grunde ist das eine Variante der Diskussion, die wir beide hier ausführlichst geführt hatten: Wer trägt die Verantwortung für die Arbeitszeit der Lehrkräfte?

  • Na mit 5-10 Minuten pro Unterrichtsstunde kommst du in der Grundschule niemals hin, wenn du differenziert arbeiten willst.

    Aktuell gibt es diesbezüglich (noch) keine offiziellen Vorgaben. Gedankenexperiment, was würdest du machen, wenn es offiziell hieße, ab dem kommenden Schuljahr würde in der Grundschule eine durchschnittliche Unterrichtsvorbereitung von 5-10 Minuten (Das könnte bedeuten 5 Minuten Nebenfach und 10 Minuten Hauptfach.) angenommen werden?

  • Ständig. Wenn ich den oberen Dienstherrn meine. Nennt sich Lehrplan, der bei (gefühlt ständigen) Änderungen dazu führt, dass ich mich in neue Themen einarbeiten muss. ...

    Vergleiche das mal mit der freien Wirtschaft. Letztlich gibt der Dienstherr den groben Plan für ein Jahr vor. Die Feinplanung, die Zeiteinteilung, Ausflüge, Methoden, was auch immer das entscheidest Du alles. Es gibt auch Systeme da bekommst du die Planung aus dem Lehrwerk oder so für jede Stunde 1:1 vorgegeben und machst dann nur den Unterricht.

  • Was wählt man denn für einen positiven Wandel im Bildungswesen?

    Deswegen würde ich mir keine schlaflosen Nächte machen. Ein bisschen googlen und von ChatGPT zusammenfassen lassen muss dann eben reichen.

    Muss ja ein Originaltext sein

  • Na mit 5-10 Minuten pro Unterrichtsstunde kommst du in der Grundschule niemals hin, wenn du differenziert arbeiten willst.

    Naja im Schnitt... Mal sitzt man lange daran oder bei fachfremdem U. Aber wenn Ein Thema steht, dann arbeitet man soundsolange daran. Deine häufig abgehaltenen Schwimmstunden wirst du wahrscheinlich auch nicht jede Woche stundenlang schriftlich ausarbeiten?

  • Muss ja ein Originaltext sein

    Ja nee, schon klar. Trotzdem kannst du dir von KI Vorschläge machen und auf stilistische Mittel untersuchen lassen.

    Na mit 5-10 Minuten pro Unterrichtsstunde kommst du in der Grundschule niemals hin, wenn du differenziert arbeiten willst.

    Mach einen Gegenvorschlag. Auf wie viele Ebenen differenzierst du aus? Machst du das jedes Jahr neu?

  • Ich beziehe mich auf das Gymnasium. Ginge natürlich analog auch für die Grundschule, oder was meinst du? Was sind denn deine Zeiten für typische Tätigkeiten?

    Da benötige ich länger, um den Versuch für die Stunde vorzubereiten, selbst wenn ich ihn bereits ein Dutzend Mal durchgeführt habe. Aber die Geräte hüpfen nicht allein aus dem Schrank, die Chemikalien mischen sich nicht selbst. Und was für eine Klassenarbeit ist in 10 Minuten vorbereitet? Vokabeltest? Mathematik Unterstufe teilweise? Auch KI will gefüttert sein. Was unterrichtest du?

    Das war mal wieder ein typischen Saruman.

    Zum Glück sieht es unser Dienstherr anders. Mit deinem Zeitvorschlag käme ich auf 900 Zeitstunden statt 1804.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Im Ref hieß es damals 50% für Vor- und Nachbereitung. Da wäre ich bei 28 Schulstunden bei 14 Schulstunden Vorbereitung. Also 14 mal 22,5 min = 315 min. Umgerechnet 1h pro Tag. Finde ich ohne Korrekturen für eine gute Vorbereitung angemessen. Das bedeutet aber auch, dass man zügig arbeitet und Stunden mit hohen Vorbereitungsaufwand dadurch kompensiert, dass man auch mal einfach im Buch weiterarbeitet oder eine Stunde ohne Vorbereitungsaufwand hat.

  • Da wäre ich bei 28 Schulstunden bei 14 Schulstunden Vorbereitung. Also 14 mal 22,5 min = 315 min. Umgerechnet 1h pro Tag.

    Da hast du aber nur 25% genommen. 14 Schulstunden Vorbereitung sind ja 14x45 Minuten= 630 Minuten, also 10,5 Stunden Vorbereitung und Nachbereitung sprich jeden Tag eben 2 Stunden Vor- und Nachbereitung.

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