Hoher Stundenlohn, minimaler Aufwand – wie realistisch ist das als Lehrer in Österreich?

  • Wenn du die Position vertrittst, dass "Unverträglichkeit" in Bezug auf Zöliakie der falsche Begriff ist, legitimer Einwand, welchen passenderen Überbegriff würdest du für alle negativen körperlichen Erscheinungen als Reaktion auf Lebensmittelkonsum wählen?

    Klar freut sich jeder und jede, wenn auf Vorlieben sowie gesundheitliche Aspekte geachtet wird. Innerhalb der Familie und gegenüber engen Freunden (m/w/d) sollte das auch Berücksichtigung finden. In anderen sozialen Kontexten ist das schlichtweg unverhältnismäßig. Bevor jemand eine glutenfreie, eine laktosefreie, eine vegane, eine omnivore, eine soja- oder erdnussfreie, eine besonders proteinhaltige, eine zucker- oder salzarme und eine halal oder koschere Option anbietet, um möglichst alle Ernährungsformen (inklusive negativer körperlicher Erscheinungen als Reaktion auf Lebensmittelkonsum), die in sehr heterogenen Konstellationen durchaus vorkommen können, zu beachten, wäre die Konsequenz eher, dass die Person gar nichts mitbringt, weil sie diesen Aufwand nicht betreiben möchte. Davon wiederum hätte am Ende auch keiner was, auch wenn dann zumindest alle gleichermaßen verzichten müssen, was wohl auch eine Form von Chancengleichheit wäre.

    Daher mein Vorschlag, dass jeder und jede eigenverantwortlich entscheidet, ob er oder sie zugreift, und wenn jemand nicht möchte oder darf, ist das auch OK.

    Ich gehöre zu denjenigen, die nichts mehr mitbringt. Und genau aus diesen Gründen, die du nennst. Es wurde mir zu aufwändig und empfinde diese Forderungen sehr undankbar.

    Hab früher oft etwas mitgebracht, zu Festen im Jahreskreis, inkl. Ramadan, Geburtstagen, mal so zwischendurch. Mein letzter Versuch war, mit der Klasse etwas zu bestellen und es auszugeben. Aber auch da wurde gemeckert, weil es in dem italienisch-türkischen Restaurant keine Frühlingsrollen gab. Jetzt gibt es halt gar nix mehr.

  • Es wurde mir zu aufwändig und empfinde diese Forderungen sehr undankbar.

    Ich möchte gerne nochmals darauf hinweisen, dass hier in diesem Thread niemand in irgendeiner Form gefordert hat, dass die eigene Situation, sei es aufgrund von Erkrankungen, Allergien, Unverträglichkeiten oder Ernährungsentscheidungen, berücksichtigt wurde.

    Es wurde - zurecht - mangelnde sprachliche Differenzierung kritisiert. Und es wurde angemerkt, dass man sich als Betroffener freut, wenn jemand daran denkt, in welcher Form man selbst bei der Ernährung eingeschränkt wird. Eine Forderung kann ich hier nicht erkennen.

    Im Lehrerkollegium habe ich eine explitzite Forderung auch erst einmal in über 20 Jahren erlebt und das war so außergewöhnlich, dass darüber heute noch in diesem Kollegium gesprochen wird. Bei Schülern schon eher, aber weniger in dem Sinne, dass einzelne Gruppen massiv Berücksichtigung einfordern, sondern dass die Klasse als Ganzes sehr bemüht ist, alle Einschränkungen zu berücksichtigen.

  • Vielleicht ist es hier am Rhein und/oder an der Förderschule anders:
    Am ersten Elternabend fragen die Eltern von sich aus, ob es in der Klasse irgendetwas bei den Schülern oder Lehrern zu beachten gilt, wenn sie Geburtstagskuchen mitgeben. Sie finden immer etwas, das dann gemeinsam mit der ganzen Klasse verzehrt werden kann.

    Da ich auch, ähnlich wie Kathie, betroffen bin davon, dass ich IMMER den Teller weitergeben musste, weil ich nie wusste, was darin enthalten ist. empfinde ich genau wie sie.
    Es gibt bei uns zu Schuljahresbeginn immer ein großes Jeder-bringt-etwas-mit-Buffet. Ich habe dann immer verschämt an Dingen, die ich aus meiner Tasche geholt habe geknabbert.
    In meinem zweiten Jahr wurde bemerkt, dass nicht nur ich das mache, sondern noch einige andere.
    Seitdem schreibt jeder einen kleinen Zettel, was in Buffet-Beitrag enthalten ist und jeder entscheidet, kann/darf/will ich dies essen.
    Diese Minute, alles aufzuschreiben, tut nicht weh, aber es zeugt von Wertschätzung.

  • Bei Allergie ändert es vermutlich wenig, aber ich habe dieses Jahr - auch aus eigener Betroffenheit - etwas zu einem Buffet beigetragen, wo ich extra aufgeschrieben habe "vegan, gluten- und laktosefrei, Kreuzkontamination nicht ausgeschlossen". Meine Küche IST kontaminiert und auf der Haferpackung steht es auch so.
    Ich vermute aber: wenn ich allergisch auf etwas wäre, würde ich mich nicht auf ein Zettelchen verlassen...


    Diese Minute, alles aufzuschreiben, tut nicht weh, aber es zeugt von Wertschätzung.

    Doppelt falsch:
    1. Hier sind wir im Thread zur Optimierung des Stundenlohns.
    2. und dann geben wir auch noch eigenes Geld für Kuchen für Kolleg*innen?! Oh mein Gott...

  • Keine/r kann erwarten, dass beim Beispiel "Geburtstagsmuffins" sämtliche Ernährungsgewohnheiten Berücksichtigung finden -

    Nein, aber wenn Erdnüsse/Flips allein durch Anwesenheit Symptome hervorrufen, muss man das wissen und im Notfall handeln können. Ich bin dankbar, wenn Eltern es direkt anmerken, denn Kinder mit 6 Jahren können nicht immer auf alle achten.

    Außerdem kann man abgepackte Sachen haben, die frei von … sind, sodass die Kinder/Kolleg:innen eine Alternative haben.

    Es ist deutlich, dass manche hier keine Vorstellung davon haben, wie einschränkend, unangenehm oder auch gefährlich der Konsum sein kann. Im Kollegium ist es bei uns bekannt, zumindest, dass Menschen Rinder Ernährung eingeschränkt sind, die meisten Sachen weiß ich auch konkret.
    Im Restaurant nervt es mich, dass es immer noch nicht berücksichtigt wird.

  • Im Restaurant nervt es mich, dass es immer noch nicht berücksichtigt wird.

    Gerade im Restaurant finde ich es unproblematisch. Viele Restaurants nehmen Rücksicht. Und ansonsten sucht sich jeder eines aus, dass ihm gefällt. In der Schule bin ich ggf. auf die Rücksicht anderer angewiesen.

  • Keine/r kann erwarten, dass beim Beispiel "Geburtstagsmuffins" sämtliche Ernährungsgewohnheiten Berücksichtigung finden -

    Tut auch keiner.

    ...

    Klar freut sich jeder und jede, wenn auf Vorlieben sowie gesundheitliche Aspekte geachtet wird.

    So ist es. Und wenn es dir zu viel ist, über die Bedürfnisse anderer Menschen nachzudenken, bringst du halt nichts mit. Besser allemal als roboterhafte Vorträge zu halten, wie man ein Tablett weiterzureichen habe.

  • Mich würde ja tatsächlich interessieren ob man in Österreich mehr Geld bekommt, wenn man Klassleitung ist. Frechdachs

    Eigentlich müsste man als Lehrkraft in Österreich nach der B-Reihe besoldet werden. Schließlich ist man dort ja "Professor/in" und der SL "Geheimrat" ;)

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • naja. Teein ist in Schwarztee und Grüntee. Es gibt auch viele nicht-stimulierende Teemischungen. Ohne ein warmes Getränk würde ich am Schulvormittag erstens frieren und zweitens heiser werden.

    Das Verbot würde von mir nicht diskussionslos hingenommen werden und vermutlich zu einem Anruf beim Personalrat führen, ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Schulleiter as Teetrinken nicht so einfach verbieten kann. Krass, dass ein verschütteter Kaffee zu solch drastischen Verboten führt, und ich frage mich schon, ob besagter Schulleiter sich auch selbst daran hält - er ist ja auch nicht gefeit davor, versehentlich eine Tasse umzustoßen...

    Zum Recht auf Toilettengang gibt es bereits grundsätzliche Urteile. Dieser darf den Schülern von Lehrkräften nicht untersagt werden. Es wäre ein Verstoß gegen die Menschenwürde und Körperverletzung.
    Analog wäre auch das Verbot des Trinkens während des Unterrichts eine Maßnahme, welche die Gesundheit beeinträchigen kann - da mangelnde Flüssigkeitszufuhr die Konzentrationsfähigkeit mindert. Dagegen ist etwas verschütteter Tee Kinkerlitzchen.

    Den Schülern habe ich das Trinken erlaubt - und sogar empfohlen. Einschränkung: Es dürfen keine Getränke auf dem Tisch stehen - die Flaschen stehen entweder auf dem Boden oder befinden sich außen an der Schultasche, damit beim Verschütten kein Schuleigentum oder Eigentum des Banknachbarn beschädigt werden kann.

    Ein generelles Verbot des Trinkens im Unterricht durch die Schulleitung hätte ich strikt missachtet - und das Recht dazu über Personalrat und GEW ausgefochten. Da bekommt man doch 'nen Hals und verliert die Stimme.

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  • Zum Recht auf Toilettengang gibt es bereits grundsätzliche Urteile. Dieser darf den Schülern von Lehrkräften nicht untersagt werden. Es wäre ein Verstoß gegen die Menschenwürde und Körperverletzung.
    Analog wäre auch das Verbot des Trinkens während des Unterrichts eine Maßnahme, welche die Gesundheit beeinträchigen kann - da mangelnde Flüssigkeitszufuhr die Konzentrationsfähigkeit mindert. Dagegen ist etwas verschütteter Tee Kinkerlitzchen.

    Mit Sachgrund darf es in bestimmten Räumen verboten werden. Nichts mit Menschenwürde und Körperverletzung. Ich finde es auch nicht wirklich eine Verletzung der Menschenwürde wenn ich in Raum XY nicht trinken darf. Der Vergleich mit dem Toilettengang hängt da auch gewaltig. Auch das übrigens in diesem Absolutismus auch nicht richtig. Stichwort Aufsichtspflicht.

  • Gerade im Restaurant finde ich es unproblematisch. Viele Restaurants nehmen Rücksicht.

    Ist halt doof, wenn es dann nicht so ist und das Essen entweder nicht genießbar …

    … oder bei hoher Sensibilität im schlimmeren Fall schon zu spät.

    Meine Unverträglichkeiten sind unangenehm, aber nicht lebensbedrohend. Dennoch erlebe ich es nahezu immer, dass auf die deutliche Bitte keine Rücksicht genommen wird.

    Wie viele Restaurants kennst du, in deren Karten zumindest die gängigen Allergene vermerkt sind?

    Wie viele Personen kennst du, die andere Allergien oder Unverträglichkeiten abseits der gängigen Allergene haben?

    Wie viele Restaurants kennst du, die glutenfreie Alternativen anbieten?

    Ob man das mit Zöliakie riskieren will, ist dann die nächste Frage, Schocks kommen noch schneller, z.B. durch Nüsse oder Sellerie.

  • Wie viele Restaurants kennst du, in deren Karten zumindest die gängigen Allergene vermerkt sind?

    So weit ich weiß, ist das schon seit mehreren Jahren Pflicht.

    Wie viele Personen kennst du, die andere Allergien oder Unverträglichkeiten abseits der gängigen Allergene haben?

    Das ist natürlich deutlich schwieriger. Ich denke, dass ein gutes Restaurant das hinbekommt. Wenn ich natürlich in ein preiswerteres Restaurant gehe, dass nur Convenience Produkte nutzt, ist es wahrscheinlich schwierig.

    Wie viele Restaurants kennst du, die glutenfreie Alternativen anbieten?

    Ich habe mal gegoogelt und angeblich gibt es relativ viele in der Nähe. U.A. mein Lieblingsrestaurant. Auch wenn ich jetzt Minuspunkte sammle, ich finde aber auch das ein Restaurant das nicht muss. Ich bin eher der Typ, der in (sehr) gute Restaurants geht und auch bereit ist dafür entsprechend zu zahlen. Für mich gehören solche Sachen dort zum guten Service. Es gibt aber auch den Griechen/Dönerladen etc. um die Ecke, der einfach Essen zum kleinen Preis anbietet. Letztlich muss jeder Restaurantbesitzer selbst sehen, was er anbieten möchte und was nicht. Es gibt vegetarische Restaurants. Da kann sich keiner beschweren, dass es kein Fleisch gibt. Oder wir haben ein Fischrestaurant, die tatsächlich nur Fisch anbieten.

    Was natürlich wichtig ist, dass zu mindestens die wichtigsten Allergene angegeben werden müssen und das das auch stimmen muss.

  • Der Vergleich mit dem Toilettengang hängt da auch gewaltig. Auch das übrigens in diesem Absolutismus auch nicht richtig. Stichwort Aufsichtspflicht.

    Du kannst deine Meinung gerne praktizieren und durchsetzen. Das Risiko der Verurteilung bei einer Anzeige durch die Eltern ist SEHR hoch. Vermutlich erfolgt im Nachgang dann auch ein Verfahren wegen Dienstpflichtverletzung. Dein Bier. Aber stachle niemand dazu auf.
    Informiere dich einfach. Es gibt dazu einschlägige Urteile.

    <edit>Hatte erst heute etwas dazu gelesen:

    https://beamten-infoportal.de/magazin/beruf/…ang-verweigern/

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  • Ich würde es zwar auch nicht darauf ankommen lassen, aber wenn nicht gerade gesundheitliche Gründe vorliegen (und dann in dem Fall diskreter Hinweis an die Lehrkraft, ggf. mit Attest), können Schüler (m/w/d) zumindest ab der Sek I (Primarstufe kann ich an der Stelle nicht beurteilen.) ihre Toilettengänge so planen, dass sie außerhalb der Unterrichtsstunden erledigt werden können. Später werden sich die Heranwachsenden auch oft genug in Situationen, in denen sie nicht jederzeit auf Toilette können, befinden - und dann muss es im Zweifelsfall auch irgendwie gehen.

  • Also, mir ist es ziemlich egal, ob Schüler in meinem Unterricht trinken. Will sagen, ich verbiete das natürlich nicht.
    Gleichzeitig halte ich es für unwahrscheinlich, dass ein Gericht von "Körperverletzung" sprechen würde, wenn man Schülern bei normalen Temperaturen zumutet, 45 Minuten lang nicht zu trinken. Bei großer Hitze ist das natürlich anders, aber da gibt es ja sowieso entsprechende Regelungen.

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