Unterricht, wenn der Träger nichts mehr bereitstellt

  • Hallo Lehrerzimmer,

    ich hatte gestern in einem anderen Thread bereits angesprochen, dass unser Träger, der Kreis, sich massiv zurückzieht. Bisher war er wirklich sehr großzügig. Kopien in schwarz-weiß und farbig waren unbegrenzt möglich, Verbrauchsmaterial wie Flipcharts, Moderationskarten, Klebeband, etc. wurde alles gestellt und war immer erreichbar. Das ändert sich jetzt und zwar sehr abrupt.

    Ganz konkret war heute der letzte Tag, an dem wir frei kopieren konnten. Ab Montag laufen Kopien nur noch über eine Verwaltungsmitarbeiterin und sind nur noch für absolute Pflichtaufgaben des Trägers möglich. Das umfasst Zeugnisse, Abiturprüfungen und Klassenarbeiten, aber kein Verbrauchsmaterial, also Arbeitsblätter, die die Schüler selber beschreiben. Unklar ist, ob Arbeitsblätter, die am Ende wieder eingesammelt werden oder laminiert werden und somit mehrmals verwendet werden können, noch kopiert werden dürfen, genauso ist nicht klar, wie es mit Leistungsnachweisen ist, die nicht verpflichtend sind, also Tests. Die ganze Reichweite wird sich in den kommenden Wochen zeigen, noch habe ich Hoffnung, dass es nicht ganz so schlimm ausfällt, wie es derzeit gezeichnet wird.

    In vielen Bildungsgängen und Fächern ist das unangenehm, aber man kann damit umgehen. In Fächern und Bildungsgängen, die kein Lehrbuch haben, weil es einfach kein Lehrbuch auf dem Markt gibt oder dieses nicht geeignet ist, stellt uns das vor eine große Herausforderung. Mich betrifft es persönlich im Fach Psychologie in der gymnasialen Oberstufe und in Deutsch in der Ausbildungsvorbereitung. Für Psychologie gibt es keine wirklichen Schulbücher, sodass ich in den letzten Jahren einen Reader zusammengestellt habe, mit dem man sehr gut arbeiten kann. Hier kann ich sicherlich vieles digital kompensieren. In der Ausbildungsvorbereitung ist das anders. Der Markt gibt drei Werke her, die ich alle nicht so prickelnd finde, die aber vor allem auch der anspruchsvollen Schülerschaft mit ihren Förderbedarfen und der damit einhergehenden Notwendigkeit der Differenzierung nicht gerecht werden können. Ich unterrichte auch noch Deutsch in der Internationalen Förderklasse, da werden wir Lehrwerke über den Schulanteil anschaffen. Das ist wahrscheinlich auch eine Verschlechterung zu vorher, aber immerhin hat man eine Grundlage für den Unterricht und es gibt auch geeignete Werke.

    Das Team der Ausbildungsvorbereitung hat sich heute kurz getroffen, wir werden den Schulanteil und den Eigenanteil der Schüler voll ausschöpfen. Für Deutsch wird ein Buch (Arbeitsheft) angeschafft und zwar nicht das pädagogisch sinnvollste, sondern das günstigste, damit die Gelder auch für die anderen Fächer reichen. Wie wir es aber gedreht und gewendet haben, Politik und Wirtschaft werden leer ausgehen. Wie der Kollege da nächstes Jahr Unterricht machen möchte, ist mir völlig schleierhaft, ihm auch.

    Meine Befürchtung ist, dass das mit einer immer schwierigeren Haushaltslage in Zukunft noch problematischer wird. Wie soll man so guten, schülerorientierten Unterricht machen? Einige Kollegen werden die fehlenden Mittel privat kompensieren. Das wird das Problem nur verfestigen. Ich weiß nicht, wie es in früheren, finanziell schwierigen Zeiten war. Gab es solche Sparmaßnahmen bei euch an der Schule auch schon mal?`

    Mich lässt das alles sehr fragend zurück.

    Jetzt aber erstmal Wochenende.

  • Auch bei uns müssen Kopien für Arbeitsblätter etc. von den SuS selber bezahlt werden, dafür wird jährlich ein Pauschalbetrag eingesammelt. Allerdings ist es in Jahrgängen oberhalb der 8. Klasse die absolute Ausnahme, dass ich Arbeitsblätter auf Papier verteile, die SuS haben digitale Endgeräte und Material wird per Airdrop verteilt.

  • Auch bei uns müssen Kopien für Arbeitsblätter etc. von den SuS selber bezahlt werden, dafür wird jährlich ein Pauschalbetrag eingesammelt. Allerdings ist es in Jahrgängen oberhalb der 8. Klasse die absolute Ausnahme, dass ich Arbeitsblätter auf Papier verteile, die SuS haben digitale Endgeräte und Material wird per Airdrop verteilt.

    Über die Erhebung von Kopiergeld haben wir gesprochen. Das ist aber ein Nullsummenspiel, denn der Betrag würde dann beim Eigenanteil fehlen.

    Digital kann ich in der GO auch arbeiten. In der Ausbildungsvorbereitung ist das allerdings wahrscheinlich nicht möglich. Bisher fahren wir da eine No-Screen-Policy, die ganz gut klappt. Vielleicht heben wir die auf, aber Unterricht wird dadurch in dem Bildungsgang nicht besser. Und es wären eigene Endgeräte.

  • ich hatte gestern in einem anderen Thread bereits angesprochen, dass unser Träger, der Kreis, sich massiv zurückzieht. Bisher war er wirklich sehr großzügig. Kopien in schwarz-weiß und farbig waren unbegrenzt möglich, Verbrauchsmaterial wie Flipcharts, Moderationskarten, Klebeband, etc. wurde alles gestellt und war immer erreichbar. Das ändert sich jetzt und zwar sehr abrupt.

    Bis auf Formelsammlungen und Klausuren drucke ich nix mehr aus. Alles andere ist digital.

    Damit könntest du dich auch behelfen?

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Wir sammeln 50 Euro "Materialgeld" ein, für Kopien (nur s/w), Werken, Kochen, noch so Zeug.

    Geht das bei euch nicht? Schaffen 95% alle Familien. Kenne ich von allem Schulen hier so.

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