Verletzende Inhalte Abizeitung

  • Hallo zusammen,


    nachdem mir die Abi-Zeitung des diesjährigen Jahrgangs in die Finger gefallen war und ich sie las, traute ich meinen Augen nicht. Enthalten ist unter anderem ein Lehrerranking mit diversen Kategorien zur Kleidung, Zuspätkommen, Lustigkeit, tollstes Auto etc.

    Ich fand mich dann auf vorderen Plätzen bei den Kategorien " Weiß selbst nicht was er/sie redet", "Hat immer dasselbe an", "Kommt ständig zu spät", "Kann man am besten bei spicken", "Versteht man gar nichts" und "Hätte lieber einen anderen Beruf wählen sollen."

    Zuvor gab es keine Hinweise aus der Schülerschaft.. keinen Stress um Noten. Niemand, der kam und sagte: "Ich verstehe das nicht, können Sie das nochmal anders erklären?" oder sich anderweitig beschwert hätte.

    Vor allem las diese Abi-Zeitung auch das Kollegium und die Schulleitung und wie es so ist, bleibt immer etwas hängen. Mir geht es ganz schlecht dabei, hab schon gar keine Lust mehr, in die Schule zu gehen nächste Woche. Ist das nicht schon Verleumdung? Es gibt ja auch gar keine Möglichkeit, diese Aussagen richtig zu stellen oder eine Begründung dafür zu lesen

  • Das kann man so sehen. Allerdings muss man sich dann auch einmal überlegen, wie solche Rankings zustande kommen.

    Die SchülerInnen gehen bei den jeweiligen Kategorien nicht die Kollegiumsliste von A bis Z durch sondern entscheiden teils spontan aus dem Bauch heraus. Vielleicht hatten sie dann ausgerechnet noch eine prägnante Situation im Kopf, weswegen sie dann eben "Status_Quo" aufgeschrieben haben.

    Ich trage Ethno-Stil und jeden Tag wenigstens ein anderes Hemd oder eine andere Ethno-Weste. Daraus könnte man jetzt konstruieren, dass ich vom Stil her immer dasselbe trage, obwohl ich de facto jeden Tag andere Sachen trage. Ich würde vermutlich auch in der Kategorie "kommt ständig zu spät" relativ weit oben landen, weil ich als Schulleitungsmitglied so viele Dinge zwischen Tür und Angel habe, dass ich in der Tat oft zu spät bin. Da ich Schulleitungsmitglied bin, kann das ein Faktor sein, weswegen man "Bolzbold" häufiger aufschreibt. Die anderen Kategorien sind keine absoluten Wertungen. Wenn man unbedingt einen Namen angeben muss, obwohl man eigentlich bei keiner Lehrkraft wirklich sagen kann (oder will), dass sie einen anderen Beruf hätte wählen sollen, dann kann es passieren, dass da "Status_Quo" steht. Weil man Status_Quo im Unterricht hatte.

    Was man hingegen kritisieren kann, ist der Umstand, dass solche Kategorien überhaupt vorkommen.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Und was bleibt dann bei der Schulleitung über den Kollegen/Kollegin hängen, wenn sie dgl. in der Abizeitung liest und der Kollege bei den Negativpunkten immer ganz vorne liegt?

    Das Bewusstsein, dass SchülerInnen manchmal doof sind.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Ich sehe es wie Bolzbold, auch wenn es natürlich unangenehm ist.
    Wenn ich mich nicht täusche, scheinst du viel Unterricht in der Stufe zu haben (viele Abiprüfungen), da wird man öfters benannt als die KuK der ehemaligen Mittelstufe. SuS machen sich wirklich gar keine allzu viele Gedanken.

    Eine bzw. zwei Anmerkungen meinerseits:
    * Dein erster Beitrag hier bezog sich auf das Zuspätkommen und dass du dich gegängelt fühlst, wenn die SL das eindämmen möchte. Geht es also um das Urteil der SuS oder darum, dass sie es erkannt haben (dass du in dem Punkt schluderig bist) und die SL es also bestätigt bekommt?

    (und die zwei Anmerkung meine ich wirklich mitfühlend)
    * Viele deiner Beiträge zeigen eine Bitterkeit. Kann es sein, dass es auch auf SuS-Seite rüberkommt und sich auch in deinem professionellen Handeln ("alles egal") spiegelt?

    Ich will AUF KEINEN FALL sagen "die SuS haben mit diesen blöden Rankings Recht, stell dich komplett in Frage", sondern überlege, was dich am meisten ärgert und was du vielleicht anders siehst und wie du es rüberbringen könntest.

    Ich war mal bei "Öko" auf dem Podium. Mein Gott, gerne.
    und sowas wie "erzählt ihr Leben". Es war in einer Stufe, die ich in vier Fächern über fünf Jahren hatte. Ich konnte es verschmerzen, habe es aber reflektiert und überlegt, wo die Grenze zwischen "Gehört zum Beziehungsaufbau" und "Grenze". War nie wieder auf dem Podium (hatte aber nie wieder eine so gute Beziehung. Sooo viel von meinem Leben habe ich nicht erzählt, aber in den Jahren dieser Stufe habe ich geheiratet, bin zum Schulort gezogen, hatte mehrere Fahrten, wo eben mein Freund dann Mann mich abholte oder in der Stadt gesehen wurde... Wenn jemand mich im Unterricht fragt, wie mein Hund heißt, den man am Tag davor gesehen hat, beantworte ich es auch. Ich könnte also mit einem erneuten Podium in der Kategorie okay leben).

  • Noch eine Ergänzung: Zumindest bei uns nehmen nur wenige SuS an solchen Umfragen teil. Um dann genannt zu werden, reichen manchmal zwei "Stimmen".

    Wer dann noch viel in der Sek II unterrichtet, hat eine höhere Chance, genannt zu werden - ohne dass es stimmt (da die wenigen teilnehmenden SuS sich einfach entscheiden müssen).

    Kann sogar sein, dass die Stimmen für dich nicht von den durch dich unterrichteten SuS kommen. Sondern von "Freunden" von SuS, die vielleicht beobachtet haben, wie z.B. ein Spickzettel vorbereitet wurde (der aber in einer Klausur nie zum Einsatz kam und somit nur ein Lernzettel war).

  • SuS machen sich wirklich gar keine allzu viele Gedanken.

    Und damit gebt ihr euch zufrieden kurz nachdem ihr den jungen Menschen die Studierfähigkeit attestiert habt?

    „Fakten haben keine Lobby.“

    (Sarah Bosetti)

  • Ich war mal vorne bei "Lästerschwester". Fand ich auch nicht sooo cool, weil es suggeriert, dass man über Kollegen lästert, was ich nie getan habe. Welche schulischen Regelungen/Verfahren und ggf. Entscheidungen der Schulleitung ich doof/albern/unsinnig/überflüssig etc. finde, habe ich allerdings durchaus regelmäßig und ausführlich bemotzt 😅 , also gibt es wohl schon einen wahren Kern bei solchen Kategorien. Ist auch ok.

    Vielleicht sollte man mit Abiturienten im Vorfeld generell darüber sprechen, was lustig und okay ist und welche Kategorien Menschen ernsthaft emotional verletzen können. Natürlich können sie letztlich drucken, was sie wollen, aber ein bisschen Sensibilisierung und Appell an Verhältnismäßigkeit und Anstand schaden ja nicht.

  • Da wäre es im Sinne eines schönen Abschieds angebracht gewesen, dass sich SL und Orga-Team der Abiturienten zusammensetzen und darüber sprechen, was sich jeder zu Abizeitung, Mottowoche und Abistreich vorstellt.

  • Hallo zusammen,


    nachdem mir die Abi-Zeitung des diesjährigen Jahrgangs in die Finger gefallen war und ich sie las, traute ich meinen Augen nicht. Enthalten ist unter anderem ein Lehrerranking mit diversen Kategorien zur Kleidung, Zuspätkommen, Lustigkeit, tollstes Auto etc.

    Das ist nichts Ungewöhnliches in Abizeitungen. Kann man wohl nur mit Humor nehmen.

    Vielleicht mal vorher anfragen, ob Lehrkräfte auch ein solches Ranking erstellen dürfen, dann dämmert hoffentlich was.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Dass Grenzen überschritten werden, habe ich auf einer Abiturfeier erlebt. Da wurden Lehrer und Lehrerinnen vom Schülersprecher bei einer Rede "beurteilt". Das war zum Fremdschämen. Meine Tochter wusste wie viele nichts im Vorab vom Inhalt und auch sie fand es nicht angebracht. Den Lehrer, der so gelobt wurde, kannte ich persönlich und er war "not amused". Das Ganze hatte noch ein Nachspiel. Die Schulleitung hat das nicht auf sich sitzen lassen.

  • Da wäre es im Sinne eines schönen Abschieds angebracht gewesen, dass sich SL und Orga-Team der Abiturienten zusammensetzen und darüber sprechen, was sich jeder zu Abizeitung, Mottowoche und Abistreich vorstellt.

    Das passiert in vielen Fällen auch. Es kommt aber auch vor, dass über die jeweiligen LKs berichtet wird - diese Beiträge unterliegen oft nicht einer Rückkopplung mit Schulleitung oder betroffener Lehrkraft. Das ist dann mitunter für die anderen KollegInnen zum Fremdschämen und für die betroffene Lehrkraft eine öffentliche Demütigung.
    Dem kann man begegnen, indem man dann konsequent reagiert, z.B. dass man die Veranstaltung konsequent verlässt. Das habe ich nur noch nie erlebt, weil man ja den anderen SchülerInnen nicht den Abend verderben möchte.
    Im Zweifelsfall muss die betroffene Lehrkraft dann damit umgehen.

    Ich habe mir geschworen, nachdem ich einmal vor 400 Personen runtergemacht wurde, dass ich dann wahlweise kommentarlos die Bühne verlassen werde und im Anschluss gehen werde, oder dass ich je nach Situation darauf professionell, aber deutlich reagiere. Man muss sich nicht alles gefallen lassen.

    Was die Abizeitung betrifft, so ist das der einzige Ort, wo die SchülerInnen sich in der Regel ohne Konsequenzen mal so richtig auskotzen können über das, was ihnen aus ihrer Empfindung nach an Unrecht widerfahren ist. Zu viele SchülerInnen haben hier noch nicht die notwendige Reife, die Folgen ihres Handelns zu überblicken, andere erachten das als "gerecht" oder ihnen geht infolge der asozialen Medien jegliches Gespür verloren...

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Das passiert in vielen Fällen auch. Es kommt aber auch vor, dass über die jeweiligen LKs berichtet wird - diese Beiträge unterliegen oft nicht einer Rückkopplung mit Schulleitung oder betroffener Lehrkraft. Das ist dann mitunter für die anderen KollegInnen zum Fremdschämen und für die betroffene Lehrkraft eine öffentliche Demütigung.
    Dem kann man begegnen, indem man dann konsequent reagiert, z.B. dass man die Veranstaltung konsequent verlässt. Das habe ich nur noch nie erlebt, weil man ja den anderen SchülerInnen nicht den Abend verderben möchte.
    Im Zweifelsfall muss die betroffene Lehrkraft dann damit umgehen.

    Ich habe mir geschworen, nachdem ich einmal vor 400 Personen runtergemacht wurde, dass ich dann wahlweise kommentarlos die Bühne verlassen werde und im Anschluss gehen werde, oder dass ich je nach Situation darauf professionell, aber deutlich reagiere. Man muss sich nicht alles gefallen lassen.

    Was die Abizeitung betrifft, so ist das der einzige Ort, wo die SchülerInnen sich in der Regel ohne Konsequenzen mal so richtig auskotzen können über das, was ihnen aus ihrer Empfindung nach an Unrecht widerfahren ist. Zu viele SchülerInnen haben hier noch nicht die notwendige Reife, die Folgen ihres Handelns zu überblicken, andere erachten das als "gerecht" oder ihnen geht infolge der asozialen Medien jegliches Gespür verloren...

    Unsere SL spricht mit den Abiturienten über alle diese Punkte und unterstützt sie sogar beim Abistreich, solange keine Grenzen überschritten werden. Dabei kommen bessere Streiche raus, als das übliche Tische und Stühle in die Flure stellen. Genauso kann man den Schülern bei der Gelegenheit darlegen, was in einer Abizeitung angebracht ist und was nicht, noch BEVOR die Abizeitung gedruckt wird. Auch mit Hinweis, dass zu einer Abizeitung ein Impressum gehört.

    Damit verhindert man nicht alle kleinen Gemeinheiten, die Schülern so einfallen, aber zumindest die Allerübelsten.

    Bei Schmähreden kommentarlos zu gehen bzw. bösen Sprüchen in der Abizeitung gar nicht erst hinzugehen (auch wenn es Kollegen erwischt) finde ich auch angemessen.

  • Das ist nichts Ungewöhnliches in Abizeitungen. Kann man wohl nur mit Humor nehmen.

    Wenn das in der Privatwirtschaft wäre und dgl. in einer Betriebszeitung stehen würde: müsste man sich das dann auch gefallen lassen? Muss man als Lehrer alles hinnehmen, nur, weil es heißt: sind ja Schüler, die wissen es nicht besser? Finde ich unverschämt.

    Viele deiner Beiträge zeigen eine Bitterkeit.

    Ja, ich bin auch sehr unzufrieden. Versuche, mir Mühe zu geben und ständig werde ich wegen Kleinigkeiten gemaßregelt, gelobt nie, immer nur draufgehauen. Hab vor Arbeit kaum Freizeit und dann ließt man auch noch so einen Müll wie in der Abizeitung. Ich frage mich, wie viele Kollegen alles so entspannt sehen und trotzdem nicht ständig anecken.

  • Ja, ich bin auch sehr unzufrieden. Versuche, mir Mühe zu geben und ständig werde ich wegen Kleinigkeiten gemaßregelt, gelobt nie, immer nur draufgehauen. Hab vor Arbeit kaum Freizeit und dann ließt man auch noch so einen Müll wie in der Abizeitung. Ich frage mich, wie viele Kollegen alles so entspannt sehen und trotzdem nicht ständig anecken.

    Stell Dir das Ganze wie ein Spiel mit komplexen Regeln auf einem großen Spielfeld vor. Es gibt Regeln, die muss man kennen. Nicht jeder kennt aber alle Regeln und nicht alle kennen die genaue Größe und Ausgestaltung des Spielfelds. Einige MitspielerInnen spielen fair, andere foulen ab und an oder gar regelmäßig. Es ist Deine Aufgabe, auf diesem Spielfeld so zu manövrieren, dass Du nicht unter die Räder kommst.

    Vieles, was Dir widerfährt, ist Teil dieses Spiels. Auch ich kenne noch nicht alle Spielregeln, wie ich neulich erst erfahren musste. Ich bin auch ein paar Mal heftig gefoult worden, mal hat der Schiri es gesehen, mal nicht. Und dennoch läuft das Spiel weiter - ob Du am Boden liegst oder nicht.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • müsste man sich das dann auch gefallen lassen?

    In gewissem Sinne musst du das auch nicht. Du kannst einen Strafantrag stellen oder zivilrechtlich gegen die Herausgeberinnen vorgehen. Das wäre dann die Anwendung einer Regel, an die die Faulspielerin nicht gedacht hat.

    „Fakten haben keine Lobby.“

    (Sarah Bosetti)

  • Wenn das in der Privatwirtschaft wäre und dgl. in einer Betriebszeitung stehen würde: müsste man sich das dann auch gefallen lassen? Muss man als Lehrer alles hinnehmen, nur, weil es heißt: sind ja Schüler, die wissen es nicht besser? Finde ich unverschämt.

    Kollegen sind keine Schüler. Bei den Bewertungen ist meiner Ansicht nach nichts grob Beleidigendes dabei.

    In deinem anderen Thread schreibst du, dass es an deiner Schule Probleme mit der Pünktlichkeit "der Kollegen" gibt. Ich nehme an, dass du auch zu diesen Kollegen gehörst? Schülern fällt natürlich auf, wenn Lehrkräfte immer mal wieder zu spät kommen.

    Es reichen aber auch zwei, drei Ereignisse, die den Schülern in Erinnerung bleiben. Wenn einzelne Unterrichtsstunden schwierig waren, merken sich manche SuS einfach, dass man bei dir nichts versteht. Oder zwei SuS sind auf Kriegsfuß mit dem Fach und es kann ja nur an der Lehrkraft liegen, dass sie nichts verstehen.

    Ein Schüler ist bei dir beim Spicken erfolgreich, erzählt es rum und schon bist du die Lehrkraft, bei der Spucken easy geht.

    Dass du immer dasselbe an hadt oder auch nicht ist vollkommen irrelevant.

    Ich frage mich, wie viele Kollegen alles so entspannt sehen und trotzdem nicht ständig anecken.

    Es sind Kinder und Jugendliche. Solange deren Äußerungen nicht die Grenze zur strafrechtlich relevanten Beleidigung überschreiten, sollte man da als Erwachsener drüber stehen. Das heißt nicht, dass sich einzelne Aussagen oder Ereignisse nicht doch mal treffen können, vor allem, wenn sie etwas betreffen, das im Kern deines Selbstbildes liegt. Aber das solltw dann entsprechend zügig wieder abgeschüttelt werden.

    Ja, ich bin auch sehr unzufrieden.

    Und da hsst du den Grund, dass manche SuS denken, du hättest besser einen anderen Beruf gewählt. SuS sind nicht doof. Die merken schon, wenn Lehrkräfte ständig genervt und unzufrieden sind.

  • In gewissem Sinne musst du das auch nicht. Du kannst einen Strafantrag stellen oder zivilrechtlich gegen die Herausgeberinnen vorgehen. Das wäre dann die Anwendung einer Regel, an die die Faulspielerin nicht gedacht hat.

    Manchmal ist so ein Strafantrag etc. vielleicht das richtige Vorgehen (davor gibt es vielleicht noch andere und besser geeignete Mittel). Beachten sollte man beim Abwägen, ob sich das lohnt, auch den https://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt .

Werbung