Schweinfurter Rutsche

  • Wie so oft ist es in dieser Diskussion ja wieder mal offensichtlich, dass kaum jemand ein Problem damit hat, pauschalisierend über Gruppen zur sprechen, aber halt über immer nur über bestimmte Gruppen.

    Diejenigen, die am nachdrücklichsten darauf bestehen, dass man keineswegs aus dem Fehlverhalten einzelner ein grundsätzliches Problem mit bestimmen migrantischen Gruppen machen dürfe, erklären einem direkt anschließend, dass "MÄNNER ihre Denke ändern" müssen oder "junge Männer" das Problem sein. Der umgekehrte Fall ist in diesem Forum eher nicht vorhanden, aber genau das ist dann wiederum die Strategie aus dem rechtspopulistischen Lager.

  • Fühlst dich angegriffen?

    Könntest auch sagen, ja die Mehrheit der Taten, die überwiegende, die große Mehrheit wird von Männern begangen.

  • ...

    Meine afghanische Schülerin hat nicht verstanden, warum ihr afghanischer Mann sie hier tagtäglich mit dem Tod bedrohen darf und nicht des Landes verwiesen wird. Ich verstehe das leider auch nicht. Ganz sicher habe ich keine "Ausweisungsphantasien arabisch aussehender Menschen", aber ich halte es auch für falsch, sich weiter in die Tasche zu lügen, dass hier alles toll läuft und keine Notwendigkeit besteht, Menschen mit gesellschaftsschädlichem Verhalten konsequent auszuweisen.

    ...

    Ich sage nicht, dass es keine Probleme gibt, ich sage, dass präventiv mehr gemacht werden muss und ansonsten alle Mittel zur Verfügung stehen, Straftäter zu bestrafen. Dass die Justiz mehr Personal braucht etc. geschenkt, aber die AfD wird das natürlich nicht richten.

    Was ist denn alles "gesellschaftsschädliches Verhalten"? Meines Erachtens gehört dazu als allererstes das Wählen von Rechtsextremist*innen, die nicht nur schädigend für die Gesellschaft sind, sondern ganz grundsätzlich am Grundgerüst unseres Staates rütteln.

    Denn: wir leben glücklicherweise noch in einem Rechtsstaat. Wenn eine Frau von ihrem Mann geschlagen wird, kann sie ins Frauenhaus gehen und ihren Mann anzeigen, aber nicht erwarten, dass ihr Mann ausgewiesen wird. Wo gibt's denn sowas? Ich lebe gerne in Deutschland WEIL die Menschenrechte hier geachtet werden. Wir müssen unbedingt mehr für den Schutz von Frauen tun ohne die Grundrechte anderer zu beschneiden.

    Oder konkret: ich verstehe nicht, nach welchen Regeln du Menschen wohin schicken willst. Jeden, der Straftaten begeht in das Land seiner Geburt? Oder das Land, in dem seine Eltern geboren wurden? Und welche Handlungen genau, bei Gewalt, Diebstahl, Ordnungwidrigkeiten? Viele geflüchtete Familien haben mehrere Stationen hinter sich, da ist jedes Kind in einem anderen Staat geboren worden. Soll der 18-Jährige dann in den Irak, auch wenn der Rest der Familie in Syrien und Deutschland lebt? Und soll auch der 15-Jährige mit deutschem Pass ausgewiesen werden, wenn er Mädchen beleidigt hat? Aber nur, wenn seine Eltern Syrer sind oder auch, wenn sie Türken oder Deutsche sind? Ich glaube dir deinen Frust, ich verstehe trotzdem nicht, was du dir für eine Lösung vorstellst.

  • Da sind wir wieder schnell beim Niemöller-Zitat. Die AfD wird ja nicht müde, genau das anzukündigen.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Was ist denn alles "gesellschaftsschädliches Verhalten"?

    Für Maylin bereits:

    Eltern mit Migrationsgeschichte, die beide nur einen Minijob haben und nicht für den Schulbesuch ihres schulabstinenten Grundschulkindes sorgen können = mindestens 3 dauerhafte Belastungen für das Sozialsystem. Und da wundert man sich, warum zunehmend vehementer Abschiebungen gefordert werden. Das wäre wohl ein klassischer Fall von je schneller, desto besser

    In Fällen, wo kein angemessenes Engagement für eine konstruktive Zusammenrbeit zu erkennen ist und sich nicht an Spielregeln gehalten wird, braucht es aber ganz dringend Mechanismen für eine zügige Sanktionierung und notfalls Ausweisung. Solche Fälle kosten Unsummen und je mehr ich davon leider selbst erleben muss, desto übler stößt mir auf, welche Verhaltensweisen wir hier dulden.

    Das sind Zitate von ihr aus dem Thread "AO-SF nach Aktenlage".

    Schule ist schön ... und macht Spaß.

  • Oder konkret: ich verstehe nicht, nach welchen Regeln du Menschen wohin schicken willst.

    Eine volljährige Person ohne deutschen Pass, die in Deutschland zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann, sollte in ihr Heimatland zurück kehren müssen. Das wäre zumindest eine vernünftige Regelung, vorausgesetzt sie würde dann auch umgesetzt. Wir haben ja gar nicht unbedingt das Problem, dass es nicht möglich ist, dass Menschen durch Fehlverhalten ihr Bleiberecht verlieren, sondern eher, dass auch ein Verlust des Bleiberechts in der Regel halt gar keine Folgen hat. (Ende 25 lebten ca. eine halbe Millionen Menschen ohne Duldung oder Aufenthaltstitel in Deutschland.)

  • Fühlst dich angegriffen?

    Könntest auch sagen, ja die Mehrheit der Taten, die überwiegende, die große Mehrheit wird von Männern begangen.

    Wie oben verlinkt, begehen junge Männer etwa 2,5-3 mal so viele Straftaten, wie der Bevölkerungsdurchschnitt, Fast der gleiche Faktor gilt für die Gesamtgruppe der Menschen mit afghanischen Pass. Wenn man über Gruppen sprechen will, müsste man also über beide Gruppen gleich sprechen, oder halt gar nicht. Ich fühle mich weder angegriffen noch angesprochen, ich will lediglich auf den Widerspruch in deiner Haltung hinweisen.

  • Ich sage nicht, dass es keine Probleme gibt, ich sage, dass präventiv mehr gemacht werden muss und ansonsten alle Mittel zur Verfügung stehen, Straftäter zu bestrafen. Dass die Justiz mehr Personal braucht etc. geschenkt, aber die AfD wird das natürlich nicht richten.

    Was ist denn alles "gesellschaftsschädliches Verhalten"? Meines Erachtens gehört dazu als allererstes das Wählen von Rechtsextremist*innen, die nicht nur schädigend für die Gesellschaft sind, sondern ganz grundsätzlich am Grundgerüst unseres Staates rütteln.

    Denn: wir leben glücklicherweise noch in einem Rechtsstaat. Wenn eine Frau von ihrem Mann geschlagen wird, kann sie ins Frauenhaus gehen und ihren Mann anzeigen, aber nicht erwarten, dass ihr Mann ausgewiesen wird. Wo gibt's denn sowas? Ich lebe gerne in Deutschland WEIL die Menschenrechte hier geachtet werden. Wir müssen unbedingt mehr für den Schutz von Frauen tun ohne die Grundrechte anderer zu beschneiden.

    Oder konkret: ich verstehe nicht, nach welchen Regeln du Menschen wohin schicken willst. Jeden, der Straftaten begeht in das Land seiner Geburt? Oder das Land, in dem seine Eltern geboren wurden? Und welche Handlungen genau, bei Gewalt, Diebstahl, Ordnungwidrigkeiten? Viele geflüchtete Familien haben mehrere Stationen hinter sich, da ist jedes Kind in einem anderen Staat geboren worden. Soll der 18-Jährige dann in den Irak, auch wenn der Rest der Familie in Syrien und Deutschland lebt? Und soll auch der 15-Jährige mit deutschem Pass ausgewiesen werden, wenn er Mädchen beleidigt hat? Aber nur, wenn seine Eltern Syrer sind oder auch, wenn sie Türken oder Deutsche sind? Ich glaube dir deinen Frust, ich verstehe trotzdem nicht, was du dir für eine Lösung vorstellst.

    Was soll denn noch alles gemacht werden und wer soll das alles finanzieren? Wie genau soll Prävention aussehen? Meine Schwester hat in der stationären Jugendhilfe gearbeitet und hatte zuletzt auch viel mit unbegleiteten (Papier-)Minderjährigen zu tun. Plätze in Wohngruppen sind irre teuer, die Jugendlichen werden pädagogisch eng begleitet, bekommen Therapien und trotzdem gibt es mit einem Teil von Anfang an massive Probleme und sprunghaft mehr und sehr viel heftigere und gefährlichere Gewaltausbrüche, als sie es bis dato kannte. Die Personalabwanderung aus diesen Bereichen hat Gründe.

    Unter Präventivmaßnahmen verstehe ich auch sowas wie Projekte zur Demokratiebildung und Extremismusvorbeugung. Wir hatten dieses Jahr Demokratietage mit tollen Workshops und externen Referenten zu genau den Themen, bei denen unsere Schülerklintel meines Erachtens erhebliche Abweichungen von unseren Grundwerten und dem Grundgesetz aufweist. Ergebnis, aus allen 4 Parallelklassen tauchte eine Handvoll Schüler auf, der Rest hat sich krankgemeldet und entzogen. Die sicher nicht geringen finanziellen Mittel, die in diese Tage geflossen sind, sind völlig effektlos verbrannt.

    Will sagen: wir haben Angebote zur Integrationsförderung, zur Vermittlung unserer gesellschaftlichen Grundwerte und wir haben Anlaufstellen für problematische Lebenssituationen. Wir haben aber absolut keinerlei Verfahren, wie damit umgegangen wird, wenn all das einfach boykottiert oder nicht wirklich ernst genommen wird.

    Und letztlich ist mehr Personal immer wünschenswert, wenn nicht ausreichend Menschen in diesen Bereichen arbeiten möchten, dann ist aber nunmal keins da und man muss sich den umsetzbaren Realitäten anpassen.


    Zur Frage der Ausweisung: wer einen deutschen Pass hat, kann natürlich nicht ausgewiesen werden. Wer eine ausländische Staatsangehörigkeit hat schon. Eigentlich gar nicht so kompliziert. Bei Tatbeständen wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, schwerer Körperverletzung, bewaffnetem Raub etc. sehe ich keine Grund, wieso nicht sofort abgeschoben werden sollte. Und auch bei anderen Delikten sollte es meines Erachtens immer dann eine Option sein, wenn die Häufung der aktenkundigen Vorfälle drauf hinweist, dass keine Kompatibilität mit unseren gesellschaftlichen Normen und Gesetzen zu erkennen ist.

    Und gerade weil wir ein Rechtsstaat sind, finde ich es auch skandalös, dass wir Bedrohungen, Gewalt gegen Frauen und letztlich ja auch Femizide nicht wirkungsvoll unterbinden. Der Mann aus dem Beispiel ist nachweislich bedrohlich genug, dass er ein Annäherungsverbot bekommen hat (das ihn nicht wirklich interessiert hat). Die Polizei ist zeitweise jeden Tag wegen dieses Mannes ausgerückt. Mit welchem Recht darf sich jemand hier so verhalten und Ressourcen beanspruchen? Warum muss diese Frau sich terrorisieren lassen? Wer selbst die Rechte anderer nicht respektiert, kann sich meines Erachtens nicht diffus auf "Menschenrechte" berufen, sondern muss zum Schutz der Bevölkerung des Landes verwiesen werden. Das ist ohnehin ein Punkt, dem größeres Gewicht eingeräumt werden sollte in Anbetracht der Tatsache, dass die allermeisten Kapitalverbrecher sich völlig überraschenderweise "polizeibekannt" herausstellen.


    Bei gesellschaftsschädlichem Verhalten hatte ich jetzt weniger an Dauerkostenposten gedacht, wie von kleiner gruener frosch zitiert, aber ja, letztlich gehören solche Fälle natürlich auch dazu. Dass Einwanderung in Sozialsysteme und fehlende Erziehungskooperation gesellschaftliche Belastungsfaktoren sind, kann man ja nunmal nicht wegreden.

    Tatsächlich dachte ich aber eher an extremistische religiöse Positionen, Antisemtismus, Homo- und Queerfeindlichkeit, das Negieren von Gleichberechtigung und das Infragestellen der Demokratie als Staatsform, die wir hier leben und erhalten möchten. Ich habe in diesem Jahr erstmals und wiederholt erlebt, dass entsprechende Äußerungen in Klassen nicht nur unwidersprochen bleiben, sondern erschreckenderweise weitgehend konsensfähig zu sein scheinen. Das passiert (und kann wahrscheinlich auch nur passieren), wenn Menschen mit entsprechender religiöser und kultureller Prägung in Gruppen nicht eine Minderheit darstellen, sondern die klare Mehrheit bzw. fast homogene Klassen bilden. Das ist hier Realität und macht mir Sorgen, insbesondere mit Blick auf die Demographie und die zukünftige Verschiebung der Bevölkerungszusammensetzung. Es mag sein, dass man in anderen Gegenden nichts davon merkt, je höher der Migrationsanteil, desto klarer sieht man aber eben auch Fehlentwicklungen und Gefahren für die Grundfesten dieser Gesellschaft.

    Ich glaube aber gerne, dass vieles davon auch im rechten Spektrum Thema ist und in gleicher Weise Alarmglocken schrillen lässt, insbesondere in Ostdeutschland. Das sind ja keine Realitäten, die sich gegenseitig ausschließen. Gerade deswegen sollte man meines Erachtens an beiden Fronten sehr gut aufpassen, nicht noch mehr Erosion der Mitte zuzulassen.

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