Inklusion in der Grundschule

  • Hallo,

    Ich stehe gerade vor der Entscheidung, ob Ich Grundschullehramt mit oder ohne Schwerpunkt Inklusionspädagogik studieren sollte.

    Meine Betreuerin in meinem Praktikum an der Grundschule hat mir von vielen Situationen erzählt, in denen Inklusion aus ihrer Sicht nicht gut funktioniert hat, nicht nur wegen fehlender Ressourcen wie Personal, sondern auch wegen der Frage, ob eine sehr starke Heterogenität innerhalb einer Klasse für alle Kinder funktionieren kann, ob es möglich ist, in einer sehr heterogenen Klasse allen Kindern gerecht zu werden oder ob am Ende manche Kinder (egal ob mit oder ohne Förderbedarf) nicht die Unterstützung bekommen, die sie eigentlich brauchen. Meine Betreuerin war auch sehr stark gegen den Abbau von Förderschulen. Dass Inklusion nicht immer gelingen kann, bin ich mir bewusst. Ich weiß aber nicht, ob ich damit umgehen könnte, dass das "nicht immer" eigentlich ein "meistens nicht" ist.

    Gleichzeitig weiß ich, dass inklusive Schulen immer mehr die Norm werden und dass ich als Grundschullehrkraft mit vielfältigen Lerngruppen arbeiten würde. Also wäre es aus dieser Hinsicht sinnvoller, Inklusionspädagogik als Schwerpunkt zu wählen, als Grundschullehramt ohne Inklusionspädagogik zu machen. Deswegen wollte ich fragen, ob hier jemand Erfahrungen hat, wieviel an der Aussage meiner Betreuerin dran ist, ob es eventuell Studien zu dem Thema gibt, die für mich interessant sein könnten, oder einfach einen kleinen Ratschlag. Vielen Dank!

  • Spannend, in welchem Bundesland gibt es das? In SH wird seit Jahrzehnten Inklusion umgesetzt, aber ein Schwerpunkstudium hat sich daraus nicht ergeben…

  • Ich sehe Inklusion unter den derzeitigen Bedingungen ähnlich skeptisch wie deine Betreuerin, jedoch würde ich daraus nicht schließen, das Fach nicht zu wählen. Du kommst mit größter Wahrscheinlichkeit mit Inklusion in Kontakt und alles, was du aus dem Studium mitnehmen kannst, bringt dich weiter, oder?

  • Ich bin als Sonderpädagogin natürlich voreingenommen.

    Aber wie Quittengelee schon treffend schreibt: alles was du vor dem Referat schon weißt, hilft dir im Alltag eventuell weiter. Ich habe ganz bewusst ein gesamtes Grundstudium in Hörgeschädigtenpädagogik "in die Tonne gekloppt" und mich für den Schwerpunkt Erziehungshilfe entschieden. Rückblickend eine der schlauesten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.

    Schöne Grüße,
    dzeneriffa


    Am Ende wird alles gut! Wenn´s noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende =)

  • Mich würde mal interessieren, was man genau unter "Inklusionspädagogik" versteht. An der Uni Bremen wurde das "alte" Lehramt Sonderpädagogik offenbar in "Lehramt inklusive Pädagogik/Sonderpädagogik" umbenannt (Lehramt für Inklusive Pädagogik/Sonderpädagogik - Universität Bremen). Also lediglich alter Wein in neuen Schläuchen?

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • ...Ich habe ganz bewusst ein gesamtes Grundstudium in Hörgeschädigtenpädagogik "in die Tonne gekloppt" und mich für den Schwerpunkt Erziehungshilfe entschieden. Rückblickend eine der schlauesten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.

    Darf ich fragen, wieso? Ich frage mich nämlich manchmal, ob das EH-Studium mir so viel gebracht hat oder gerade in diesem Bereich nicht andere, eher praktische Skills zählen :S

  • Mich würde mal interessieren, was man genau unter "Inklusionspädagogik" versteht. An der Uni Bremen wurde das "alte" Lehramt Sonderpädagogik offenbar in "Lehramt inklusive Pädagogik/Sonderpädagogik" umbenannt (Lehramt für Inklusive Pädagogik/Sonderpädagogik - Universität Bremen). Also lediglich alter Wein in neuen Schläuchen?

    An der Uni Greifswald sind es neben den Kernfächern Mathe, Deutsch und der Grundschulpädagogik folgende Module:

    Theoretische & Methodische GrundlagenI1: Einführung in die Inklusionspädagogik (Grundverständnis und historische Leitprinzipien schulischer Inklusion).I2: Diagnostisches Vorgehen in der inklusiven Schule (Verfahren zur Erfassung individueller Lernvoraussetzungen).I3: Präventive und adaptive Unterrichtsstrategien (Konzepte wie Classroom-Management, Leichte Sprache und Differenzierung).Didaktik & Spezifische EntwicklungsbereicheI4: Didaktiken bei besonderen Lernprozessen (Unterstützung bei spezifischen Lernschwierigkeiten).I6: Besonderheiten der Sprachentwicklung (Förderung im Bereich Sprache und Kommunikation).I8: Besonderheiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung (Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten und sozial-emotionales Lernen).Schulpraxis & Transfer (Praxistage)I5: Inklusive Didaktik in der Praxis (Inklusionspädagogischer Praxistag 1).I7: Förderung im inklusiven Unterricht (Inklusionspädagogischer Praxistag 2).Beratung, Schulentwicklung & AbschlussI9: Beratung und Gesprächsführung in der inklusiven Schule (Kompetenzen für Elterngespräche und interdisziplinäre Teams).I10: Qualitätsmanagement und inklusive Schulentwicklung (Strukturelle Gestaltung inklusiver Bildungseinrichtungen).I11: Studienabschlussmodul Inklusionspädagogik (Systematische Vorbereitung auf das Staatsexamen).

  • Ganz grundsätzlich ist das Wissen über inklusive Pädagogik sicher nie verkehrt in der Primarstufe, da sich Kompetenzen im Umgang mit Classroom Management oder Differenzierung auch auf nicht-inklusive Lerngruppen anwenden lassen. Zur Vollständigkeit sollte erwähnt werden, dass Inklusion ein politisches Anliegen ist, dessen Umsetzung von der Regierungszusammensetzung der jeweiligen Länder und damit auch der parteipolitischen Bekleidung des Kultusministeriums abhängt. Es gibt Parteien, die sich für mehr Inklusion einsetzen, andere setzen sich für Erhalt oder Ausweitung sonderpädagogischer Schulformen ein. Das ist insofern wichtig, weil dieser Umstand auch maßgeblich beeinflusst, in welchem Setting du ggf. später arbeiten wirst.

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