Exkurs: Niveau und Durchschnittsnoten Abitur (aus Pflichtlektüre)

  • Ja, die Bewertung der Sprache ist echt so ein Ding für sich. Wenn ich nach der offiziellen Deskriptorentabelle bewerten soll, gibt es, vereinfacht gesagt, die Note 5 erst dann, wenn man das Geschriebene nicht mehr verstehen kann. Wann ist das jemals der Fall? Selbst bei grottenschlechter Grammatik und einem geringen Wortschatz weiß man fast immer, was gemeint ist.

  • zumal man in den Jahren richtig gut wird, auch phonetische Schreibung in Sauklau zu entziffern.
    Ich kann auch die Schreibversuche meines Neffen lesen, der bald eingeschult wird. (Hiermit wollte ich NICHT sagen, dass mein Neffe das Abitur schafft :teufel:)

  • Ja, die Bewertung der Sprache ist echt so ein Ding für sich. Wenn ich nach der offiziellen Deskriptorentabelle bewerten soll, gibt es, vereinfacht gesagt, die Note 5 erst dann, wenn man das Geschriebene nicht mehr verstehen kann. Wann ist das jemals der Fall? Selbst bei grottenschlechter Grammatik und einem geringen Wortschatz weiß man fast immer, was gemeint ist.

    Hier (BY) auch so. Da darf bei der Sprache bei 9 Punkten schon das Verständnis leicht eingeschränkt sein. "Voll befriedigend" in einer gymnasialen Oberstufe, wenn das Verständnis nicht 100% gegeben ist...? :|

  • Wenn der Maßstab "gelingende Kommunikation" ist und wir Lehrkräfte nahezu alles "verstehen", ist das das Ergebnis.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • C1? Ich habe zwar schon länger keine Abiturprüfung in einer Fremdsprache abgenommen, aber ich dachte, das sprachliche Niveau geht bis allerhöchstens B2.

    Es ist aber eh allgemein die Frage, was das Ziel von Sprachunterricht in der Sekundarstufe II sein soll. Geht es um den Erwerb kommunikativer Kompetenzen (Schreiben, Sprechen, Hören, Lesen, Mediation) oder den Erwerb von Wissen über die Sprache (= Fachbegriffe und Konzepte aus den Bereichen Sprache, Literatur und Kultur)? Ich habe den Eindruck, die Curricula setzen ihre Schwerpunkte vorrangig bei den kommunikativen Kompetenzen und die Inhalte sind eher Mittel zum Zweck. Und mit dem Hintergrund ist es vermutlich erklärbar, dass die Abiturprüfungen weniger überprüfen, ob jemand die Kernideen des American Dreams verstanden hat, sondern ob jemand zielsprachig lesen und schreiben kann.

    Einmal editiert, zuletzt von Gymshark (31. Juli 2026 17:48)

  • C1? Ich habe zwar schon länger keine Abiturprüfung in einer Frendsprache abgenommen, aber ich dachte, das sprachliche Niveau geht bis allerhöchstens B2.

    Es ist aber eh allgemein die Frage, was das Ziel von Sprachunterricht in der Sekundarstufe II sein soll. Geht es um den Erwerb kommunikativer Kompetenzen (Schreiben, Sprechen, Hören, Lesen, Mediation) oder den Erwerb von Wissen über die Sprache (= Fachbegriffe und Konzepte aus den Bereichen Sprache, Literatur und Kultur)? Ich habe den Eindruck, die Curricula setzen ihre Schwerpunkte vorrangig bei den kommunikativen Kompetenzen und die Inhalte sind eher Mittel zum Zweck. Und mit dem Hintergrund ist es vermutlich erklärbar, dass die Abiturprüfungen weniger überprüfen, ob jemand die Kernideen des American Dreams verstanden hat, sondern ob jemand zielsprachig lesen und schreiben kann.

    Das von mir Hervorgehobene habe ich im Kolloquium im 2. StEx. bei der Frage der Kompetenzorientierung genau so gesagt, wobei mir der Dezernent, der damals noch in solchen Prüfungen saß, lachend entgegnete, dass ich ja jetzt sehr hart mit ihnen ins Gericht ginge. Die Prüfung war 2005...

    Erklärbar ist es. Zu rechtfertigen ist es zu einem gewissen Grad auch. Zielsprachiges Lesen und Schreiben sollte aber doch auch thematisch-argumentativ etwas zu bieten haben. Wir kommunizieren im realen Leben (hoffentlich) auch nicht im themen- bzw. luftleeren Raum.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Eure Beiträge erinnern mich wieder daran, dass ich im vergangenen Schuljahr zunehmend müde vom Englischunterricht geworden bin. Meine Kurse kommen gut durchs Abi, und wir sind in diesem Sinne also recht erfolgreich, aber es macht mir einfach keinen Spaß mehr. Alles fühlt sich oberflächlich an, höhere Standards darf ich kaum noch stellen, die Themen langweilen mich, und ich unterrichte Dinge, die mit meinem eigentlichen literaturwissenschaftlichen Studium nichts zu tun haben (Wie funktionieren Atomkraftwerke? Was sind die Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens? Kann man nachhaltig konsumieren?).

    Alles zweifellos wichtige Themen, aber sie dienen letztlich nur als Mittel zum Zweck (wie oben beschrieben). Und ich frage mich zunehmend: Müssen diese Themen ausgerechnet im Englischunterricht behandelt werden?

    Vielleicht übertreibe ich, aber momentan belastet mich das wirklich sehr, weil ich fast ausschließlich Englisch unterrichte, gleichzeitig aber gar keine Freude mehr an dem Fach in seiner jetzigen Form habe.

  • Dadurch, dass bestimmte Themen in verschiedenen Fächern behandelt werden, könnte man argumentieren, dass sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden und damit mehr inhaltliche Tiefe bekommen. Aber klar, man kann fragen, warum dafür bestimmte Themen gewählt werden und andere nicht.

    Kairos : Ihr behandelt im Unterricht aber grundsätzlich schon noch fiktionale Texte, oder? Dann bieten zumindest diese die Möglichkeit, dein literaturwissenschaftliches Hintergrundwissen einzusetzen.

  • Eure Beiträge erinnern mich wieder daran, dass ich im vergangenen Schuljahr zunehmend müde vom Englischunterricht geworden bin. Meine Kurse kommen gut durchs Abi, und wir sind in diesem Sinne also recht erfolgreich, aber es macht mir einfach keinen Spaß mehr. Alles fühlt sich oberflächlich an, höhere Standards darf ich kaum noch stellen, die Themen langweilen mich, und ich unterrichte Dinge, die mit meinem eigentlichen literaturwissenschaftlichen Studium nichts zu tun haben (Wie funktionieren Atomkraftwerke? Was sind die Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens? Kann man nachhaltig konsumieren?).

    Alles zweifellos wichtige Themen, aber sie dienen letztlich nur als Mittel zum Zweck (wie oben beschrieben). Und ich frage mich zunehmend: Müssen diese Themen ausgerechnet im Englischunterricht behandelt werden?

    Vielleicht übertreibe ich, aber momentan belastet mich das wirklich sehr, weil ich fast ausschließlich Englisch unterrichte, gleichzeitig aber gar keine Freude mehr an dem Fach in seiner jetzigen Form habe.

    Fühl ich, ist bei mir ähnlich. Vermisse nicht unbedingt (nur) die Literaturwisseschaft, sondern wäre schon froh, wenn man von den (für mich auch spannenden) Themen mal ein, zwei richtig behandeln würde anstelle des oberflächlichen 100-Themen-von-allem-ein-bisschen-nichts-richtig-Quark...

    Einmal editiert, zuletzt von sunshine_:-) (31. Juli 2026 19:04) aus folgendem Grund: Fehlerchen verbessert

  • Vielleicht übertreibe ich, aber momentan belastet mich das wirklich sehr, weil ich fast ausschließlich Englisch unterrichte, gleichzeitig aber gar keine Freude mehr an dem Fach in seiner jetzigen Form habe.

    Was würdest du im Englischunterricht besser finden?

  • Was würdest du im Englischunterricht besser finden?

    Ich antworte mal: ich würde mich z.B. gerne beim Thema USA/ American Dream mit Geschichte/Gesellschaft/Gesellschaftskritik/ Politik/ literarischer Auseinandersetzung/ medialer Auseinandersetzung mit all diesen Themen beschäftigen anstatt in den 12-14 angesetzten Unterrichtsstunden zu meinen, man würde auch nur ansatzweise irgendwas vermitteln um dann zu UK/Nigeria/Globalisation und und und zu hetzen.

  • Was bei mir dazu geführt hat, dass ich Englisch satt hatte, war, dass ich seit 2011 mit vier Jahren Pause durch die Behörde ansonsten immer einen LK nach dem anderen machen durfte und ein Jahr versetzt dann mitunter auch einen Grundkurs.

    Irgendwann kann man die ewig gleichen Themen nicht mehr sehen, dieselben Fehler, dieselben Germanismen, dieselbe eingeschränkte Ausdrucksfähigkeit (z.B. racism is a very bad thing - globalisation has got good aspects), dieselbe Korrekturzeit, für nichts und wieder nichts - zumindest bei gefühlt 2/3 der SuS'.

    Ich bin froh, dass ich nach 20+ Jahren im Schuldienst zum allerersten Mal kein Englisch im nächsten Schuljahr zu unterrichten brauche. Da ich in den anderen Fächern so stark gebraucht werde, besteht da auch keine Chance, dass ich noch eine Lerngruppe bekommen werde.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Bei mir ist es anders, ich freue mich auf meinen neuen LK Chemie. Ich habe seit 2010 jedes Jahr einen mit ebenfalls 4 Ausnahmen, 2 erhielten Kollegen, zweimal kam er nicht zustande.

    Ja, die Themen wiederholen sich wie in allen Jahrgängen und Fächern. Ich versuche aber immer weiter zu optimieren, freue mich, wenn einige dann Chemie studieren (und davon einige sagen, sie hätten es ohne mich nicht getan), aber vielleicht ist es in Chemie anders. Es wählen nur wenige und fast alle überlegt. Disziplinprobleme kenne ich nicht. Ich freue mich auf jede der 10 Stunden pro Woche.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ich antworte mal: ich würde mich z.B. gerne beim Thema USA/ American Dream mit Geschichte/Gesellschaft/Gesellschaftskritik/ Politik/ literarischer Auseinandersetzung/ medialer Auseinandersetzung mit all diesen Themen beschäftigen anstatt in den 12-14 angesetzten Unterrichtsstunden zu meinen, man würde auch nur ansatzweise irgendwas vermitteln um dann zu UK/Nigeria/Globalisation und und und zu hetzen.

    Eine meiner vergangenen Schulen hatte für das Thema im internen Curriculum ein komplettes Halbjahr eingeplant, das war richtig toll. Dafür waren Globalisierung und World of Work sehr kurz und bündig zusammengequetscht, passte aber gerade so.

    Ich stimme zu, dass es zu viele Themen sind. Wird alles sehr oberflächig und angemessene Vertiefung ist oft schwierig.

    Grundsätzlich habe ich Q-Phase Englisch aber immer sehr gerne gemacht und hätte es am liebsten in Endlosschleife mit möglichst vielen Deputatsstunden weitergemacht. Auch wenn die Veränderungen der letzten Jahre es nicht unbedingt besser gemacht haben.

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