Klassenfahrt: mein Kind will nicht mit.

  • Im gesamten Bildungssystem müsste gelten: Wenn etwas Pflicht ist, muss es auch durchgesetzt werden, mit Regeln und Konsequenzen bei Regelbruch. Wenn das nicht möglich ist, ist es freiwillig und dann muss es auch entsprechend so kommuniziert werden.

  • Ich finde die Gründe dafür, dass Klassenfahrten unbedingt Pflicht sein müssen, ehrlich gesagt nicht besonders überzeugend. Man kann auch freiwillige Schulfahrten anbieten, die dann je nach Interessenslage entweder wahrgenommen werden oder nicht. Da fahren dann sowohl Lehrer als auch Schüler mit, die das wollen und auch Spaß an der Sache haben.

    Wir sollten als Gesellschaft grundsätzlich besser aufpassen, wo wir die Grenze ziehen was Pflicht ist und was nicht und das was Pflicht ist dann auch wirklich durchsetzen und nicht irgendwie drum herum eiern und am Ende es doch irgendwie tolerieren, wenn Wege um die Pflicht herum gesucht und gefunden werden, denn so untergräbt man das Gemeinwesen ebenfalls.

    Immer wieder wird von Elter, Medien und Gesellschaft angemahnt, dass Schule auch persönliche Kompetenzen fördern soll und Klassenfahrten bieten dafür die besten Gelegenheiten.

  • Immer wieder wird von Elter, Medien und Gesellschaft angemahnt, dass Schule auch persönliche Kompetenzen fördern soll und Klassenfahrten bieten dafür die besten Gelegenheiten.

    Wir scheitern als Schule mittlerweile schon oftmals daran den Kindern Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Die vorhandenen Ressourcen sollten meiner Meinung nach darauf konzentriert werden, diese Leistung in ausreichendem Maße zu erbringen, wenn nötig auch mit Zwang, der dann aber auch konsequent durchgesetzt wird, was es auch kosten mag.

    Man sollte sich als Schule aber nicht dabei aufreiben irgendwelche unwillige Familien dazu zu zwingen ihre Kinder mit ins Schullandheim zu schicken. So bescheuert ihre Gründe im Einzelfall auch sein mögen, es gibt sie halt in zunehmendem Maße und man sollte nicht enormem Aufwand da rein stecken die Kinder mit auf die Klassenfahrt nehmen, die das gar nicht wollen. Förderung persönlicher Kompetenzen schön und gut, die die das einfordern können es auf freiwilliger Basis ja im Rahmen einer Klassenfahrt auch bekommen. Wer freiwillig darauf verzichtet, tut es eben.

  • Im gesamten Bildungssystem müsste gelten: Wenn etwas Pflicht ist, muss es auch durchgesetzt werden, mit Regeln und Konsequenzen bei Regelbruch. Wenn das nicht möglich ist, ist es freiwillig und dann muss es auch entsprechend so kommuniziert werden.

    Ne, es darf gar nicht erst dazu kommen, dass so eine Pflicht durchgesetzt werden muss. Wenn natürlich Grundschullehrkräfte mit mehr als 25 SuS, davon viele mit special needs, herumschlagen müssen, dann gehen natürlich welche verloren.

  • Der Rechtsstatt basiert auch auf dem gesellschaftlichen Konsens, dass man seine Pflichten erfüllt. Bei Nichterfüllung ist das bürokratische Prozedere in unserem Bereich so aufwändig und fruchtlos, dass die Frage nach der Durchsetzung der Pflichten eher eine Frage des Prinzips ist, völlig abgekoppelt von der Realität.

    Ich habe keine Lust, mich mit so etwas aufzureiben.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Bei uns wird argumentieren, Sie können Ihr Kind auch nicht von Englisch abmelden, das hilft meistens (zumindest wird immer der Geldbetrag überwiesen). Hin und wieder ist das Kind spontan krank, die Eltern enthalten dann nur den Betrag zurück, der durch die Nichteilnahme nicht fällig wurde, den Fahrtanteil z. B. nicht.

    Es wird darauf hingewiesen, sich evtl. zu versichern. Aber das muss privat gemacht werden.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ja, das ist so. Ich bin nicht in der Position, das zu ändern und werde mich daran auch nicht aufreiben. Viele Dinge nerven mich am Schulsystem, ich hätte 1000 Ideen, wie es anders gehen könnte. Ich bin aber keine Bildungsministerin. Daher arbeite ich mit den Rahmenbedingungen, die mir vorgegeben werden. Wenn ich mal Gelegenheit habe, das an höherer Stelle vorzubringen, mache ich das. Hat auch schon mal geholfen. Aber ansonsten arbeite ich mit dem, was ich habe und in meiner regulären Arbeitszeit, die 41- 46 Stunden beträgt. Der Dienstherr will das anscheinend so...

    Ich dachte, du hast erwachsene SuS?

  • Wir scheitern als Schule mittlerweile schon oftmals daran den Kindern Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Die vorhandenen Ressourcen sollten meiner Meinung nach darauf konzentriert werden, diese Leistung in ausreichendem Maße zu erbringen, wenn nötig auch mit Zwang, der dann aber auch konsequent durchgesetzt wird, was es auch kosten mag.

    Das ist für mich ein sehr altmodisches Weltbild. Ich bin im Verein aktiv und wir sind oft mit den Kids in Jugendherbergen etc. unterwegs. Was die dort lernen, ist oft mindestens genauso wichtig. Und damit meine ich kein gezieltes Teambuilding oder Sozialtraining. Einfach mit anderen gleichaltrigen Kindern unterwegs sein, sein Leben organisieren, etc.

    Auf der anderen Seite einen Jungen aus meiner Klasse vor mir. Eltern sind etwas viel komisch. Aber der Junge kann lesen, schreiben und rechnen. Er hat aber Probleme mit Menschen, die nicht so ganz deutsch aussehen, die homosexuell oder ähnliches sind. Er hat keinerlei Kompetenzen im Sozialverhalten. Er lebt in einer Welt mit sich und seinen Eltern. Er weiß nicht, wie man Freundschaften zu anderen Kindern aufbaut. Er weiß noch nicht mal, wie man vernünftig mit diesen in Kontakt kommt. Er ist natürlich auch nicht in einem Sportverein oder ähnlichen. Er lebt in seiner kleinen Blase mit seinen Eltern und für ihn ist das normal. Hier ist ein Deutscher. Genauso gibt es das natürlich auch mit religiösen Bezügen und so weiter.

    Und dann weigere ich mich, dass Lernen von Deutsch und Mathematik als wichtigste Aufgabe der Schule so sehen. Es ist eine sehr wichtige Aufgabe. Aber die Erziehung mündiger Bürger ist so viel mehr.

  • Der Rechtsstatt basiert auch auf dem gesellschaftlichen Konsens, dass man seine Pflichten erfüllt. Bei Nichterfüllung ist das bürokratische Prozedere in unserem Bereich so aufwändig und fruchtlos, dass die Frage nach der Durchsetzung der Pflichten eher eine Frage des Prinzips ist, völlig abgekoppelt von der Realität.

    Das greift sehr kurz. Dann muss ich auch keine Steuern bezahlen, die mir nicht gefallen.

    Ich denke aber auch, dass Vorschriften nur dann Sinn ergeben, wenn sie auch durchgesetzt werden können. Sonst sollte es freiwillig sein.

    Ich denke auch genauso wie du, dass wir Lehrkräfte uns daran nicht aufreiben sollten.

    Ich hätte eine einfache Möglichkeit: Bei Nichtteilnahme an einer Klassenfahrt wird das Kindergeld automatisch ein Jahr lang um 1/3 gekürzt. Um dem zu entgehen, kann ein amtsärztliches Attest eingereicht werden.

  • Man lernt wahrscheinlich nicht automatisch super Sozialverhalten, nur weil man mit Klassenkameraden im Zimmer schlafen muss. Den meisten Kindern macht es aber einfach Spaß, am Lagerfeuer zu sitzen und nachts noch kichernd Chips zu essen. Und ich sehe einen wichtigen Aspekt von Schule darin, dass Kinder andere Lebensrealitäten kennenlernen. Inhaltliches vergisst man viel wieder, aber reale Erlebnisse bleiben hängen.

Werbung