Beamtentum abschaffen?

  • Belege deine Aussagen einfach mal und hör auf irgendwelchen Quatsch, der sich aus deiner Sicht der Dinge ergibt zu verallgemeinern.

    Allein der Begriff Nettosteuerzahler ist völliger Blödsinn! Das ist so ein neoliberaler Kampfbegriff, der Bürger in Bürger 1. und 2. Klasse einteilt.

    Ich bin in A 15 und bin aufgrund meiner familiären Situation und meiner Art der Freizeitgestaltung wahrscheinlich nicht mal Nettosteuerzahler.

    Nein, der Begriff ist kein Blödsinn. Diese Gruppe braucht es schon, um den Wumms hier (inkl. des ÖD) zu tragen.

    Die "Belege" dafür, dass schlecht qualifizierte Schüler und die steigende Anzahl an Schülern ohne Abschluss eher Kosten verursachen, als volkswirtschaftlichen Nutzen zu generieren, kannst du dir selbst zusammensuchen, wenn du ernsthafte Zweifel daran hast. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal klarstellen: die Aussage, Migration würde langfristig die Sozialkassen belasten, hast du mir untergejubelt und ich habe sie weder getätigt und noch weiter kommentiert. Die ganze Diskussion hier beschränkt sich auf die Schülergruppe, die nachweislich miserabel in Lernstandserhebungen abgeschnitten hat und deren erwartbaren fiskalischen Impact.

  • Ich bin in A 15 und bin aufgrund meiner familiären Situation und meiner Art der Freizeitgestaltung wahrscheinlich nicht mal Nettosteuerzahler.

    Da Beamte komplett aus Steuermitteln alimentiert werden, dürften wir in den wenigsten Fällen "Nettosteuerzahler" sein. Auch Maylin85 vermutlich nicht.

  • Da Beamte komplett aus Steuermitteln alimentiert werden, dürften wir in den wenigsten Fällen "Nettosteuerzahler" sein. Auch Maylin85 vermutlich nicht.

    Falls wir unsere Arbeit richtig machen, generieren wir Nettosteuerzahler und werden so - weil wir mehr Steueraufkommen generieren als wir kosten - selbst zu Nettozahlern. :aufgepasst:

    Vor Kurzem eine Nachricht im Radio: Menschen mit qualifizierter Berufsausbildung zahlen im Lauf ihres Lebens 300.000 € mehr Steuern ein, als sie "verbrauchen". Beim Verbrauch werden auch die Nutzung von Straßen, öffentlichen Einrichtungen ecpp. in die Berechnung eingezogen. Schüler ohne Abschluss kosten im Verlauf ihres Lebens netto - tata! - 300.000 € mehr, als sie einzahlen.

    Bei "Einzahlen" werden auch Konsumsteuern (Mehrwertsteuer, Alkoholsteuer, Benzinsteuer etcpp) eingerechnet. Wer nix verdient, kann sich auch nicht an den Kosten des Straßenbaus beteiligen.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Du merkst aber schon, das du unsere Schüler, die man zu Beginn des Tages nicht differenzieren durfte, weil sie alle unsere Schüler sind, jetzt fröhlich ausdifferenzierst?

    Schon ein kleines bißchen scheinheilig dein Gerede?

    Ich habe nie gesagt, dass Schüler ein monolithischer Block sind.

  • Ist bei mir ebenfalls anders. Weder empfinde ich diese ukrainischen SuS als unsympathisch noch als ziemlich arrogant und auch nicht als rassistisch. Ich unterrichte in den letzten Schuljahren in allen Bildungsgängen, in denen ich eingesetzt bin (Berufliches Gymnasium, Berufsfachschule, Berufseinstiegsschule, Berufsschule Einzelhandel sowie einer Sprach- und Integrationsklasse), SuS aus der Ukraine und finde diese jungen Menschen - bis eben auf den Umstand, dass einige, wie gesagt, sehr unmotiviert sind und durch häufiges Fehlen auffallen - als nett und umgänglich.

    Ich habe auch viele nette ukrainische Schüler in meiner IFK (nur sind es insgesamt zu viele). Aber es ist auch die einzige Schülergruppe, aus der ich – mehr als einmal wohlgemerkt – gefragt wurde, ob sie nicht einen "deutschen" Deutschlehrer kriegen könnten. Und dann kommen immer noch die Vorwürfe, ich würde Afghanen und arabischstämmige Schüler bevorzugen. Am Ende kann ich das als betroffene Person nicht sicher beurteilen, ich halte die Vorwürfe aber persönlich nicht für haltbar. Nur nerven tut es dann eben doch.

    Aber auch hier der Hinweis: ich spreche von den Ukrainern in der IFK. Am Beruflichen Gymnasium ist das auch anders. Berufsfachschule unterrichte ich nicht, nur noch ein bisschen Fachoberschule Klasse 13, da sind aber keine Ukrainer drin.

  • Ich weiß nicht, ob deine Vorfahren zur ersten Generation der Gastarbeiter (m/w/d) gehören, aber wenn ja, dann erreichen wir eh langsam einen Zeitpunkt, an dem der eigentliche Migrationsprozess so lang zurück liegt, dass deren Nachkommen formal als Deutsche ohne Migrationshintergrund gelten. Damit könntest du ggf. bereits ein (um dich mal zu zitieren) "deutscher Deutschlehrer" sein.

  • Ich weiß nicht, ob deine Vorfahren zur ersten Generation der Gastarbeiter (m/w/d) gehören, aber wenn ja, dann erreichen wir eh langsam einen Zeitpunkt, an dem der eigentliche Migrationsprozess so lang zurück liegt, dass deren Nachkommen formal als Deutsche ohne Migrationshintergrund gelten. Damit könntest du ggf. bereits ein (um dich mal zu zitieren) "deutscher Deutschlehrer" sein.

    Na, wie ich mich sehe ist doch egal. Es geht eben darum, dass ich einigen Schülern nicht Deutsch genug bin.

  • Naja, die Gedanken sind frei. Sie müssen aber damit leben, dass du die ihnen zugeteilte Lehrkraft bist. In Deutschland können sich Schüler (m/w/d) nicht ihre Lehrkraft aussuchen und ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass das in der Ukraine der Fall ist.

  • Wenn man schon daran denkt, das Beamtentum abzuschaffen (für welche Berufsgruppen auch immer, die Sau wird ja immer wieder durchs Dorf getrieben), sollte man auch schauen, dass die angestellten Kolleginnen und Kollegen das gleich Geld verdienen (auch im Alter) wie die verbeamteteten Kolleg:innen.

    Inwiefern man in diese Debatte die Aspekte "Bürgerversicherung", PKV, GKV, Einzahlung in die Pflegekasse mit aufgreifen sollte, bleibt jeder Person selbst überlassen, ebenso ob der Lehrkräfteberuf dann ggf weniger attraktiv ist.

  • Sehr verkürzte Aussage. Angestellte verdienen heute mehr Brutto als verbeamtete Lehrer. Kosten also in der aktiven Zeit mehr. Netto hat in der Regel der Beamte mehr. Mit dem Ruhestand ist es andersrum.

    Wenn die Verbeamtung gestoppt wird, kann ich mir nur eine Anpassung auf das heute Angestelltenniveau vorstellen und damit wird der Lehrerberuf deutlich unattraktiver. Damit wird es für Mangelfächer wahrscheinlich Aufschläge geben müssen, sodass die Ungleichheit im Lehrerzimmer erhalten bleibt. Ein Vorteil bei Angestellten ist auch der einfachere Jobwechsel und eine einfachere Versetzung.

    Von meinen Mintkollegen sind fast nur Quereinsteiger vorhanden, die ohne Verbeamtung nicht zum Lehramt gewechselt hätten.

  • Ein Vorteil bei Angestellten ist auch der einfachere Jobwechsel und eine einfachere Versetzung.

    Das hört man oft, ist aber tatsächlich nicht so. Für eine Versetzung muss noch immer derselbe Arbeitgeber mitspielen, der noch immer Interesse an der Versorgung von Mangelgebieten hat. Und ein Jobwechsel in ganz andere Berufsfelder ist für Lehrkräfte mit ihrer sehr spezifischen Ausbildung eher schwer. Letztlich ist und bleibt es so, dass wir von nur sehr wenigen Arbeitgebern, bei Ortsgebundenheit von de facto einem einzigen, abhängig sind. Das bringt Lehrkräfte - auch als Angestellte - nicht gerade in die beste Verhandlungsposition.

  • Falls wir unsere Arbeit richtig machen, generieren wir Nettosteuerzahler und werden so - weil wir mehr Steueraufkommen generieren als wir kosten - selbst zu Nettozahlern. :aufgepasst:

    Vor Kurzem eine Nachricht im Radio: Menschen mit qualifizierter Berufsausbildung zahlen im Lauf ihres Lebens 300.000 € mehr Steuern ein, als sie "verbrauchen". Beim Verbrauch werden auch die Nutzung von Straßen, öffentlichen Einrichtungen ecpp. in die Berechnung eingezogen. Schüler ohne Abschluss kosten im Verlauf ihres Lebens netto - tata! - 300.000 € mehr, als sie einzahlen.

    Bei "Einzahlen" werden auch Konsumsteuern (Mehrwertsteuer, Alkoholsteuer, Benzinsteuer etcpp) eingerechnet. Wer nix verdient, kann sich auch nicht an den Kosten des Straßenbaus beteiligen.

    Richtig, das sage ich den Klassen auch oft. Sie sollen sich anstrengen, damit ich weiter bezahlt werde.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Als ich Lehrerin geworden bin, habe ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken darum gemacht, dass das bedeutet, dass ich später verbeamtet werde. Ich komme erstens aus - sagen wir mal: finanziell schwierigen Verhältnissen - und zweitens war es solange ich denken kann mein Wunsch, Lehrerin zu werden. Ich habe auch zu einer Zeit studiert, als es nicht unbedingt sicher war, dass man automatisch mit einer festen Stelle rechnen kann. Ich habe drei Kinder bekommen, ohne fest im Dienst zu sein, und ich habe mich damals auch anderweitig umgeschaut, weil ich familiär bedingt wohnraumtechnisch gebunden war und nicht wusste, ob ich jemals Chancen im Schuldienst in näherer Umgebung hatte. Selbst da - Anfang der 2000er - habe ich für mich noch nicht damit gerechnet, jemals Beamtin zu sein.
    Dann hat es ja irgendwie doch geklappt.
    Und heute habe ich drei Kinder in der Ausbildung. Ich finanziere diese meine Kinder weitestgehend allein. Ich bin Schulleiterin und engagiere mich wirklich für meine Schule, die Kinder, die Eltern, für mein Team. Ich bin sehr dankbar, dass die Alimentation in Form des Familienzuschlags dazu führt, dass ich meine Kinder zumindest teilweise darüber finanzieren kann, denn die Alternative wäre wohl, dass ich einen Nebenjob benötigen würde, und das würde mir wohl kaum ermöglichen, die Menge an Aufgaben, die in meinem Job anfallen, so zu erledigen, dass ich gesund und leistungsfähig bleibe. Ja klar, mit 38 Stunden die Woche Arbeitszeit und der Rest bleibt liegen wäre das schon möglich. Aber entweder bin ich dienstverpflichtet und erledige als Beamtin in meiner Funktion das, was von mir erwartet wird, oder ich bin angestellt und lasse den Stift fallen, wenn die Arbeitszeit vorbei ist.
    Für mich kann ich also sagen: Ich habe nicht mit diesem Luxus des Familienzuschlags gerechnet. Ich habe aber auch nicht gewusst, wie teuer Kinder werden können 😁. Ich könnte aber heute ohne diesen Familienzuschlag nicht meinen Job so machen, wie ich das jetzt tue.
    Und da ich nicht glaube, dass ich ein Einzelfall bin, erscheint mir für Lehrkräfte die Verbeamtung sinnvoll. Also für alle. Mit Familienzuschlag für die, die Familie haben.

    Unabhängig davon ist natürlich die Frage der Krankenversicherung….

    Und wie sollen es dann die anderen Familien stemmen? Mit weniger Einkommen, weniger Sicherheit und ohne Familien- und Kinderzuschläge?

  • Und wie sollen es dann die anderen Familien stemmen? Mit weniger Einkommen, weniger Sicherheit und ohne Familien- und Kinderzuschläge?

    Entschuldige, wenn ich nun ein bisschen ausholen muss.

    Wir neigen immer dazu nur uns selbst, die Lehrerschaft, zu betrachten und diese Betrachtung dann Pars pro toto auf alle Beamten übertragen. Diese Betrachtung ist insofern schwierig als das die Besoldung Beamten aus der niedrigsten Besoldungsgruppe eines Landes entwickelt. Je nach Dienstherr ist das irgendwas zwischen A3 und A5. Wer wissen möchte wieviel oder besser wie wenig das ist, kann sich Jessy Wilmers Reportage angucken. Dort wird anhand von A3 vorgerechnet was „da unten“ am Ende auf der Bezügemitteilung steht.
    Nun soll die Besoldung ja nicht nur für den einzelnen Beamten reichen, sondern eben für seine 4 köpfige Familie. Es gibt also eine Summe x , die einem Beamten an Bezügem zusteht. Ein Teil dieser Summe, wie viel dies in % sein darf, wird das BverfG. irgendwann noch entscheiden, darf durch Familienzuschläge abgedeckt werden. Es ist also nicht so, dass Familenzuschläge ein Zusatz sind. Sie sind ein Mittel um die Summe x, die einem Beamten zusteht, realistischer zu gestalten, wissend, dass nicht jeder Beamter 1 Frau und 2 Kinder hat.
    Da 3 ff. Kinder nicht in den Grundbezügen enthalten sind, steigen dann bei diesen die Zuschläge nochmal so kräftig an.
    Da Besoldung ein Gesetz ist und kein privatrechtlicher Vertrag können die Bezüge nicht abschmelzend konstruiert werden. Vor dem Gesetz sind alle gleich, egal ob A3, A13 oder B4, daher müssen die Zuschläge allen Beamten gleich gewährt werden.

    Wie sieht es nun im Vergleich mit Arbeitnehmern außerhalb des Beamtentums aus?

    Der Beamte ist durch die aktuelle Rechtssprechung davor geschützt mit seinem Bezügen auf ein Niveau des Bürgergeld zu fallen. Ein Arbeitnehmer erhält immer (sofern er es beantragt) mindestens Bürgergeld als Basisversorgung durch den Staat. Sollte Max Mustermann mit seinem Job auf Mindestlohn, die Familie nicht versorgen können, wird ihm vom Staat aufstockendes Bürgergeld gewährt. Sollte Bürgergeld nicht gewährt werden, weil das Einkommen zu hoch ist, stehen ihm ggf. andere Leistungen zu. Mir fallen Wohngeld und BuT ein.

    Der Staat lässt Familien weder bei Beamten noch bei Arbeitnehmern allein.

    Bei Beamten wird es nur direkt gemacht und bei Arbeitnehmern durch Sozialtransfers.

    Qui legere potest, plane praevalet

Werbung