"Arbeitslosenkombi"

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    • "Arbeitslosenkombi"

      Ich möchte in NRW Lehramt auf Gymnasium mit den Deutsch und Geschichte als Unterrichtsfächer studieren.

      Nur höre und lese ich viel schlechtes bzgl. künftiger Jobaussichten: Deutsch und Geschichte/Geografie seien die „Arbeitslosen-Kombi“...

      Natürlich werden die wenigsten von Euch hellsehende Glaskugeln haben, wie es in 7 Jahren aussehen wird...

      Mir ging es allein um Meinungen, bestenfalls sogar Erfahrungen wie lange es bei euch dauerte, bis „sogar“ ein Deutsch-Geschichtslehrer eine Festanstellung fand.

      * Angenommen seien sehr gute Abschlussnoten und moderate Ortsflexibilität (150km um Wohnort).

      Danke im Voraus für Eure Meinungen und Erfahrungen.
    • Danke für den Link zur aktuellen Prognose. Kannte ich noch nicht. Volker hat natürlich recht, man kann hier nur raten.

      Ich rate auch mal, und zwar von diesem Studium ab, auch bei sehr guten Noten. Bayern bietet, im Gegensatz zu NRW, eine Information über die Grenznote an, bis zu der Bewerber eingestellt wurden. D/Ge war in 02/19 mit der Grenznote 1,8 angegeben, härter war nur noch E/Ge und E/Ek. Sehr gute Noten bedeutet, dass du im gesamten Studium und im anschließenden Ref inkl. der UPP kaum eine Note schlechter als 2 schreiben darfst. Kann man machen - ich kenn dich nicht - ist aber durchaus anspruchsvoll.

      Ich empfehle einen Blick ans Berufskolleg, wenn du SEK II unterrichten willst, oder auf HS/RS. Dort sind die Chancen um Welten höher.
    • Eine Glaskugel habe ich auch nicht, aber...

      Deutsch/Geschichte war schon zu meiner Studien- und Refzeit (mein Abi ist von '93, dann kannst du gerne rechnen) die "Todeskombi", und ist es auch zur Zeit noch (zumindest am Gymnasium).
      Auf Deutsch: Ich vermute, daran wird sich auch bald nicht allzu viel ändern.

      Warum das so ist - dazu haben wir einen eigenen Thread hier irgendwo.
      Faustregel: Germanisten/Historiker müssen sehen, wo was übrig bleibt, und sollten nicht gauben, ein Gymnasium hätte da so viel Bedarf (wenn da nicht grad wieder einer pensioniert wird).
      Und da ja viele nicht hören können oder wollen, wirst du mit diesen Fächern höchstwahrscheinlich immer eine Menge Mitbewerber haben.

      Wer sich seinen Arbeitsplatz (zumindest einigermaßen) aussuchen können möchte, sollte mMn NICHT diese Kombi studieren.

      aber wie gesagt... "wissen" kann das keiner.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • Die voraussichtliche Stundentafel lässt glaube ich nicht darauf hoffen, wieder Geschichtsunterricht in jedem Jahrgang zu haben.
      Ich sage es mal so: bei uns ist Geschichte die 4-größte Fachschaft nach Deutsch, Englisch und Mathe. Selbst wenn ein Drittel der Fachschaft in den nächsten 10 Jahren pensioniert wird, hätten wir rein rechnerisch immer noch keinen Bedarf. Mir fallen auf Anhieb 3 Kolleginnen, die maximal einen Kurs pro Jahr haben, eine Kollegin, die fast nie einen Kurs hat.
      Also: falls du dann eine Stelle bekommst: um 25,5 Stunden Deutsch zu unterrichten (Deutsch sollte also wirklich wirklich nicht das kleinste Zweitfachübel sein), oder für dein Drittfach Physik in Kombi mit der A-Trainerlizenz in einer Sportart, wo die Schule ein Leistungszentrum hat und keinen Trainer fand.
      Dann unterrichtest du allerdings immer noch keinen Geschichtskurs, sondern eben die anderen Sachen ;)
    • Vielen Dank Euch allen für Eure Meinungen.

      @Kalle29: Wo finde ich die Grenzewerte? Gibt es sie auch für andere Bundesländer?

      Im übrigen freue ich mich über jede weitere Erfahrung/Tipp.

      Die vielen Deutschlehrer fanden ja auch irgendwie eine Stelle. Vielleicht verrät einer von ihnen, wie sie doch eine Stelle fanden und v.a. wie lange es dauerte.
    • Also ich empfehle ja immer für das Studium Fächer, mit denen man auch außerhalb von Schule sein Geld verdienen kann (also angemessen, nicht auf Hartz-IV-Niveau).
      Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :_o_P

      8_o_) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:
    • GuRo schrieb:

      Vielen Dank Euch allen für Eure Meinungen.

      @Kalle29: Wo finde ich die Grenzewerte? Gibt es sie auch für andere Bundesländer?

      Im übrigen freue ich mich über jede weitere Erfahrung/Tipp.

      Die vielen Deutschlehrer fanden ja auch irgendwie eine Stelle. Vielleicht verrät einer von ihnen, wie sie doch eine Stelle fanden und v.a. wie lange es dauerte.
      Das bringt dir ja auch nichts.
      Im Endeffekt ist es so: die Kombi ist eine der aussichtsloseren, das weißt du. Hier im Lehrerforum wirst du natürlich eher nicht auf Leute stoßen, die trotz guter Noten keinen Job bekommen haben. Die haben sich dann wohl was anderes gesucht. Von daher bekommst du hier ein eher verfälschtes Bild.

      Du musst einfach für dich entscheiden, ob du es riskieren möchtest und ob du im Falle eines zu schlechten Abschlusses einen Plan B hättest. Viel Glück bei der Entscheidung, du wirst dich schon richtig entscheiden.
    • GuRo schrieb:

      Ich möchte in NRW Lehramt auf Gymnasium mit den Deutsch und Geschichte als Unterrichtsfächer studieren.

      Nur höre und lese ich viel schlechtes bzgl. künftiger Jobaussichten: Deutsch und Geschichte/Geografie seien die „Arbeitslosen-Kombi“...

      Natürlich werden die wenigsten von Euch hellsehende Glaskugeln haben, wie es in 7 Jahren aussehen wird...

      Mir ging es allein um Meinungen, bestenfalls sogar Erfahrungen wie lange es bei euch dauerte, bis „sogar“ ein Deutsch-Geschichtslehrer eine Festanstellung fand.

      * Angenommen seien sehr gute Abschlussnoten und moderate Ortsflexibilität (150km um Wohnort).

      Danke im Voraus für Eure Meinungen und Erfahrungen.
      Du bist bestimmt 18 oder so, oder? 2001 geboren :o

      Also als Erstes du bist extrem jung, aber ja D/G Gymnasium ist immer ein heißes Eisen und einbisschen so wie Lotto spielen. Geh in dich und überleg dir ganz genau ob es für dich nur D/G Gymnasium gibt, oder auch andere Fachkombinationen bzw. Schularten gehen würden. Kann man in NRW als Gymnasiallehrer auch in anderen Schularten arbeiten? Ich hab gehört das geht in manchen Bundesländern, wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Selbst hier in Bayern werden arbeitslosen Gymnasial- und Realschullehrern angeboten, sich für die Mittelschule, Grundschule oder Förderschule ausbilden zu lassen, da dort der Bedarf so groß ist.

      Zudem, du wirst wahrscheinlich schon mit 25 oder so fertig sein und das ist noch kein Alter um nicht etwas komplett anderes zu machen oder sich für eine andere Schulart ausbilden zu lassen, wenn du aber eine Garantie auf etwas haben möchtest, solltest du deine Fächerwahl bzw. Schulart stark überdenken ja.
    • SteffdA schrieb:

      Also ich empfehle ja immer für das Studium Fächer, mit denen man auch außerhalb von Schule sein Geld verdienen kann (also angemessen, nicht auf Hartz-IV-Niveau).
      was dann wohl jedes Fach ist. Nur weil eine Meinung zu einem Studienfach vorherrscht heißt es nicht, dass es nicht auch für Germanisten oder Philosophen gut bezahlte Jobs in der freien Wirtschaft gibt.

      Das Anforderungsprofil für solche Jobs ist aber deutlich unschärfer als bei Ingenieuren o.ä.
    • Hannelotti schrieb:

      Kalle29 schrieb:

      Ich empfehle einen Blick ans Berufskolleg, wenn du SEK II unterrichten willst, oder auf HS/RS. Dort sind die Chancen um Welten höher.
      Vielleicht kommt ja Berufskolleg im Frage? Ich spreche für NWR, Da sieht es mit deutsch ganz gut aus. Geschichte gibt es da kaum, aber man kann stattdessen auch SoWi als zweitfach nehmen.
      Ich habe auf einen Betrag des Berufskollegs gewartet. Ich bin ja am Weiterbildungskolleg, wir haben mehrere Kollegen mit Deutsch in den letzten Jahren eingestellt, darunter auch Deutsch Geschichte und Deutsch Sowi. Wobei an Sowi mehr Bedarf ist.

      Erdkunde ist schlecht, das Fach bieten wird beispielsweise gar nicht an und die Bks wohl auch kaum.

      Wenn du allerdings nicht mit älteren Schülern arbeiten willst, sondern auf ein Regelgymnasium hofftst, ignoriere die Ratschläge.

      Gerade am Gymnasium in den Großstädten wird es sehr schwer, da sind Top Noten Pflicht und 100+ Bewerber auf eine solche Stelle die Regel.
    • state_of_Trance schrieb:

      Ich habe auf einen Betrag des Berufskollegs gewartet. Ich bin ja am Weiterbildungskolleg, wir haben mehrere Kollegen mit Deutsch in den letzten Jahren eingestellt, darunter auch Deutsch Geschichte und Deutsch Sowi. Wobei an Sowi mehr Bedarf ist.
      Erdkunde ist schlecht, das Fach bieten wird beispielsweise gar nicht an und die Bks wohl auch kaum.

      Wenn du allerdings nicht mit älteren Schülern arbeiten willst, sondern auf ein Regelgymnasium hofftst, ignoriere die Ratschläge.



      BK kann man durchaus immer empfehlen, da würde ich aber von Beginn eher weg von Geschichte gehen. Dann eben eher Sowi. Aber der Deutsch-Bedarf am BK ist auch zurückgegangen. Da kommt es noch auf die Flexibilität an.

      Erdkunde gibt es in NRW gar nicht am BK. Hätte ich gerne als Drittfach studiert, war aber nicht möglich.

      SteffdA schrieb:

      Also ich empfehle ja immer für das Studium Fächer, mit denen man auch außerhalb von Schule sein Geld verdienen kann (also angemessen, nicht auf Hartz-IV-Niveau).
      Ich empfehle daher auch immer eine Ausbildung vorzuziehen. Auch um was anderes zu sehen und eben etwas zu haben wo man drauf zurückgreifen kann.
      Aber natürlich ist auch erst Studium und dann Ausbildung möglich. Aber erst Ausbildung, dann Studium bringt einen eher weiter wegen Reife und Studierfähigkeit.
    • Berufsschule93 schrieb:

      Das Beste ist definitiv eine duale Ausbildung zu machen, aber nicht nur als Lehrer an beruflichen Schulen. Ich glaube so eine duale Ausbildung vor dem Studium, schadet Niemanden.

      Ja klar, meinte auch für alle.
      Für die Sek I / Gym fast noch mehr. Wenn die Menschen nur Schule, Uni, Schule sehen fehlt da eben was, die wollen die SuS ja auf die Zukunft vorbereiten.


      Karl-Dieter schrieb:

      Kiggie schrieb:

      Ich empfehle daher auch immer eine Ausbildung vorzuziehen
      Lieber Wehrdienst, 12 Monate.
      Warum?

      Was hat man davon, wenn man später keine Anstellung in der Schule bekommt oder das Studium / Staatsexamen nicht schafft?
      Mehrwert einer abgeschlossenen Ausbildung sollte wohl jedem klar sein.
    • Also ganz ehrlich würde ich nicht nur wegen der Berufsaussichten davon abraten, sondern auch wegen der großen Korrekturlast. Man unterschätzt das im Studium ganz gewaltig und hält es nie für möglich, aber pro Oberstufenklausur in Deutsch brauchst du gut eine Stunde oder mehr. Pro Schüler wohlgemerkt, nicht pro Klassensatz. Geschichte Oberstufe unterrichte ich nicht, aber das dauert laut Kollegen ähnlich lange, und auch in den unteren Klassen bist du mit dieser Kombi am Wochenende oder in den "Ferien" sehr oft am Korrigieren. Ich habe das Glück, neben einem Korrekturfach noch Sport zu unterrichten, aber meine Kollegen mit Deutsch/Englisch/Geschichte haben z.T. kein Privatleben mehr.
      Also wenn es IRGENDWIE geht, würde ich an deiner Stelle schauen, dass ich eines dieser Fächer mit einem nicht so korrekturintensiven (und vielleicht einstellungsrelevanterem) Fach kombiniere.