Schulbegleiter

  • Wir haben an unserem Gymnasium erstmals einen ständigen Schulbegleiter für einen Autisten in der 8. Klasse erhalten.
    Da ich noch nie mit Schulbegleitern zu tun hatte, würden mich Erfahrungen von Kollegen interessieren, die bereits im Unterricht damit konfrontiert waren.

  • Hatte ich schon zweimal ... gab nie Probleme. Die Frau hatte einmal den Platz neben dem Schüler, den sie begleitete und half beim Abschreiben / achtete darauf, dass Hausaufgaben etc notiert wurden. Das andere Mal war sie im Klassenzimmer ganz hinten und nur dazu da, einzugreifen, wenn etwas aus dem Ruder lief (der Schüler hatte sich manchmal nicht unter Kontrolle ...). Hängt wohl auch mit der entsprechenden Situation des Kindes zusammen.

  • Hab viel mit Schulbegleitern zu tun und es läuft sehr unterschiedlich. Offiziell ist die Ressource ja ans Kind gebunden, je nachdem wie intensiv das ist helfen die aber auch mal in Arbeitsphasen bei anderen Kindern. Das wichtigste ist eine gute und klare Absprache. Mich stört es beispielsweise nicht, wenn sie selbstständig Kinder der Klasse unterstützen, andere Kollegen haben das nicht so gern.

  • Ich hatte auch einen Schüler über drei Jahre mit drei verschiedenen Schulbegleitern, alles FSJler, die gerade selber Abitur gemacht hatten. Der erste war gut, die beiden danach unbrauchbar. Wenn es gut läuft unterstützen sie den Schüler selbständig wo notwendig, helfen ihm beim Organisieren, etc. Der letzte der drei war die absolute Pfeife, er ist regelmäßig in den Klassenraum gekommen, hat sich hinter den zu betreuenden Schüler gesetzt um dann die nächsten 85 Minuten in seinem Taschenbuch zu lesen. Am Ende der Stunde ist er aufgestanden, hat zu dem Schüler etwas wie "Denk daran, deine Sachen mitzunehmen" (das war die einzige Interaktion mit dem zu betreuenden Schüler) gesagt und ist gegangen. Trotz angeblicher Ausbildung durch die stellende Organisation und diversen Gesprächen in der Schule war bei dem Begleiter nicht mehr zu holen.

  • Wie es läuft, hängt einerseits vom Betreuungsbedarf des Schülers und andererseits von den Interessen bzw. der Arbeitseinstellung des Schulbegleiters ab. Normalerweise sollten sie sich nur um ihr zu betreuendes Kind kümmern und bei Bedarf unterstützen. Manche engagieren sich auch für andere Schüler und unterstützen die Lehrkraft, wenn diese das will. Es kann jedoch auch passieren, dass eine Schulbegleitung den ganzen Vormittag nur mit Zeitschriften/Büchern/Smartphone beschäftigt ist oder sich als Lehrkraft aufspielt. Es ist erschreckend, was man hier alles erlebt!

  • Wie die anderen schon schreiben. Von "absoluter Jackpot" für die gesamte Klasse über "kümmert sich selbstständig und sinnvoll um das Kind, dem er zugeteilt ist und stört dabei niemanden" bis zu "hat mal jemand einen Begleiter für unseren Begleiter?" alles schon gesehen. Wobei wir meist Glück haben und die, mit denen ich aktuell arbeite (in drei verschiedenen Klassen) sind super. Letztes Jahr hatte ein Kind in meiner sechsten einen älteren Herrn, der war besagter Jackpot. Absolut passend für dieses Kind, was das Temperament anging, wusste, wie er mit schwierigen Situationen umgehen musste, machte das alles selbstständig. Hat nebenher Ruhe ausgestrahlt und andere Kinder unterstützt, die ähnliche Problematik hatten, aber aus verschiedenen Gründen keinen Schulbegleiter abbekommen haben. Nebenher hat er unser Geländer repariert (was der Hausmeister seit Wochen verschoben hat), im richtigen Moment Süßkram rausgeholt, wenn irgendwo was kurz vorm explodieren war... So könnte ich stundenlang weiter machen. Leider ist das Kind umgezogen :(


    Absprache ist das Wichtigste. Wie Kinder sollten auch Schulbegleiter in der Lage sein, sich den verschiedenen Unterrichtsstilen der Kollegen anzupassen und da nicht zwischenzufunken.

    Bolzbold #5

    Gutmensch und Spaß dabei (= das GG und der Diensteid sind schon 'ne gute Sache 😉)

    "Und hast du die Ausrufezeichen bemerkt? Es sind fünf. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt." (T. Pratchett)

  • Ich kann bestätigen, was die anderen bereits geschrieben haben.


    Wichtig erscheint mir, davon abgesehen auch die Hilfe auszuloten, die das Kind tatsächlich nötig hat.
    Direkt neben dem Kind zu sitzen und die Handlungsplanung zu übernehmen, ist bei manchen Kindern ratsam, bei anderen kontraproduktiv, da manche Kinder das derart ausnutzen, dass am Ende die I-Hilfe die gestellten Aufgaben übernimmt und das Kind zuschaut :_o_D


    Entsprechend ist es sinnvoll, gemeinsam auszuloten, welche Hilfe zu welcher Zeit notwendig ist.


    Davon abgesehen finde ich einen offenen Umgang und klare Erläuterungen der Situation gegenüber den MitschülerInnen hilfreich. Die Person unterstützt, sie sagt nicht vor und - wie bei einem Nachteilsausgleich - wird ausgeglichen, was der Schüler selbst (noch) nicht schaffen kann.


    Die Hilfe bei anderen Kindern ist umstritten und wird von den Kostenträgern nicht gern gesehen, es kann auch zum Platzen des Vertrages bzw. der Zuwendung führen.

  • Wie es läuft, hängt einerseits vom Betreuungsbedarf des Schülers und andererseits von den Interessen bzw. der Arbeitseinstellung des Schulbegleiters ab.

    ...und von seinen/ihren Fähigkeiten :grimmig:


    Stimme euch zu, hatte auch von "daddelt auf dem Smartphone" über "trägt den Ranzen hinterher" bis "baut Beziehung auf und sagt im richtigen Moment die richtigen Sachen" alles dabei.
    Generell finde ich Schulbegleitung mehrheitlich überflüssig, ich will, dass die Kids sich beteiligen und dazugehören und keine Extrarolle kriegen. Liegt aber auch daran, dass es meist um Förderbedarf sozial-emotional geht. Für ein körperbehindertes Kind kann das sicher super sein.


    Wie kam der Schüler bisher klar?

  • Ich war in diesem Schuljahr mit ein paar Stunden kurzzeitig als begleitet für zwei Förderschule am Gym eingesetzt wo ich auch Normalunterricht erteile (einfach aufgrund meiner Erfahrung mit Förderschülern) und kenne auch die Seite, auf der du jetzt stehst:


    Wichtig ist, das wurde ja schon mehrmals gesagt, dass du dich mit dem Begleiter absprichst und die Aufgaben aufteilst. Mich stört es zB auch nicht, wenn bei mir ein Begleiter rumgeht und auch andere unterstützt, ich kenne aber Kollegen (und hab es auch als Begleiter schon direkt mitbekommen) die sehr allergisch reagieren (eine Kollegin hatte zB starke Unsicherheiten und war deswegen echt angepisst).
    Ich drück dir jedenfalls die Daumen das der Begleiter gut ist :)

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Das betrifft mich in diesem Schuljahr auch zum ersten Mal. Habe eine Klasse mit einem knappen halben Dutzend Inklusionsschülern und einem Schulbegleiter der in allen Stunden mit im Unterricht sein wird. Ich bin sehr gespannt, wie das wird und sich entwickelt, hoffe vor allem, dass es möglich ist, diesen bei Bedarf mit SuS dieser Gruppe in den Differenzierungsraum zu schicken, wenn wir Themen bearbeiten, die nicht Teil des Bildungsplans einzelner SuS sind und diese inhaltlich völlig überfordern würden, so dass sie sinnvollerweise an ihrem Bildungsplan weiterarbeiten in dieser Zeit (Wochenplanarbeit Hauptfächer).

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ja, wie schon gesagt: Klare Absprachen sind wichtig. Mir ist es immer sehr schwer gefallen, den Schulbegleitungen zu sagen, was mich stört, aber man muss es tun, da führt kein Weg vorbei. Ich bin z.B. ein sehr ruhiger Mensch, auch im Umgang mit den Kindern. Ich mag es auch, wenn es in der Klasse ruhig ist und mich regt es unheimlich auf, wenn die Lernbegleitung sich lauthals mit dem zu begleitenden Schüler auseinandersetzt und alle anderen davon abgelenkt werden.

  • Die Schulbegleiterin für eine Oberstufenschülerin, die ich seinerzeit erleben durfte, war bestenfalls zwei Jahre älter als sie und schaffte es selten, mal ihr Handy aus der Hand zu legen. Als ich sie darauf hinwies, dass dies in unserer Schule während der Schulzeit nicht erlaubt sei, informierte sie mich, dass sie eine Schulbegleiterin sei. Optisch und vom Verhalten her wäre sie in der Schule nicht von einer Abiturientin zu unterscheiden gewesen. Das war dann eher kein Jackpot.

  • Die Schulbegleiterin für eine Oberstufenschülerin, die ich seinerzeit erleben durfte, war bestenfalls zwei Jahre älter als sie und schaffte es selten, mal ihr Handy aus der Hand zu legen. Als ich sie darauf hinwies, dass dies in unserer Schule während der Schulzeit nicht erlaubt sei, informierte sie mich, dass sie eine Schulbegleiterin sei. Optisch und vom Verhalten her wäre sie in der Schule nicht von einer Abiturientin zu unterscheiden gewesen. Das war dann eher kein Jackpot.

    Ja, es ist sehr unterschiedlich, wie Schulbegleiter sind. irgendwie ein kleines Glücksspiel...

  • Schulbegleiter werden (bei uns zumindest) über 35 a SGB VIII organisiert und bezahlt. Das heißt, irgendwer bezahlt einen Haufen Geld dafür, dass ein Kind Unterstützung bekommt. Verständlicherweise gibt die zahlende Stelle auch verbindliche Aufgabenbeschreibungen raus.


    Es ist daher sinnvoll, diese Aufgaben zu kennen. Schulbegleiter (m/w/d) dürfen (bei uns zumindest) definitiv nicht anderen Kindern zugeteilt werden und auch nicht in einem extra Raum Unterricht machen. Sie dürfen nur und ausschließlich dem Kind dabei helfen, umzusetzen, was der Lehrer (m/w/d) ansagt, Lehrende sind von keiner Aufgabe entbunden. (Neben Kontakt zu Eltern und Schule halten/vermitteln steht dort sowas wie Sachen auspacken. Ich sehe da ein so dermaßen eingeschränktes Kind vor meinem geistigen Auge, dass ich mich auch aus Sicht der Schulbegleiter frage, wieso die so gießkannenartig eingesetzt werden. Die Kinder, die aus der Psychiatrie kommen, sollen ja gerade lernen, ihr Zeug selbst auszupacken, wenn die Stunde beginnt und nicht trotzig alles in die Ecke zu werfen. Da ist der hinterhertragende Schulbegleiter nicht nur überflüssig, sondern wirklich kontraproduktiv). Aus diesem Grund habe ich auch noch nie einen beantragt. Entweder wollen die Eltern oder das Jugendamt mit Gewalt einen...


    Ich fände ja in obigem Fall interessant, wie der Schüler bisher klarkam und wer den Schulbegleiter beantragt hat?

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  • Bei uns dürfen sie durchaus den Raum verlassen,
    das ist durchaus sinnvoll, wenn das Kind im Bereich Kommunikation/ Sprache/ Hören eingeschränkt ist und die Gruppenarbeit oder eine Aufgabe zum Zuhören dann in einem anderen Raum erfolgen kann.
    Alle Maßnahmen hat dennoch die Lehrkraft geplant.


    Auch die Begleitungen der GE-Kinder gehen mit diesen aus dem Raum, um komplett andere Inhalte, um gleiche Inhalte sprachlich vereinfacht oder mehr Pausen zu ermöglichen.


    Zudem gehen die I-Hilfen mit in die Pause und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung (Kommunikation) oder haben die ihnen zugewiesenen Kinder genauestens im Blick (ESE).


    Die Gewährung wird immer schwieriger und ist immens aufwändig für Eltern UND Lehrkräfte. Ich könnte mir anderes vorstellen, aber da dies nicht gewährt wird, bin ich über die Hilfe der Einzelfallhilfen dankbar.
    In der Regel helfen sie genau diesem Kind, als Erwachsener im Klassenraum werden sie dennoch auch von den anderen Kindern angesprochen und wie jedeR sonst mit einbezogen, das finden ja andere Besucher oder von anderen Schulformen Abgeordnete Lehrkräfte auch häufig verwunderlich.

  • In meinem Fall handelt es sich um einen Autisten, der aus Therapiegründen (nicht den Autismus betreffend) das Gymnasium wechseln musste. Er wird vom Jugendamt betreut, da er keine Eltern mehr hat. An der alten Schule hatte er bereits Schulbegleiter, die zumindest im ersten Halbjahr anwesend waren. Das Zurechtfinden in einer neuen Umgebung ist für Autisten bekannterweise problematisch, allein deshalb macht der Schulbegleiter wohl Sinn, den das Jugendamt hier einsetzt.
    Eure Erfahrungsberichte sind interessant und ich bin gespannt, wie sich das bei mir darstellen wird.

  • Habe bisher nur 2 Schulbegeliter erlebt.
    Was ich kritisch finde ist, dass einer davon eine unausgebildete Person - ohne pädagogische Erfahrung - diese Aufgabe hatte. Theoretisch kann sich "jeder" für eine solche Stelle bewerben.
    Dem stehe ich sehr skeptisch gegenüber, weil ich denke, dass diese dann eher einen negativen, als positiven, Einfluss auf die Schüler haben.

  • Na ja, ob der Einfluss am Ende positiv oder negativ ist, hängt bei der Schulbegleitung doch vor allem von der Person, ihren Haltungen, ihrer Empathie und Aufmerksamkeit etc. ab. Natürlich sind pädagogische Vorerfahrungen hilfreich, wenn ich aber an unsere bisherigen Schulbegleiter denke, dann war die studierte Pädagogin mit jahrelanger Berufserfahrung die wir schon hatten höflich formuliert suboptimal (und wurde aufgrund ihrer Herangehensweise als "schädlich" empfunden, da sie Vorgehensweisen der Fachlehrer bzw.Sonderpädagogin eigenmächtig verändert hat, weil sie meinte, diese seien nicht sinnvoll mit problematischen Ergebnissen für die betroffenen Schüler), wohingegen unsere Buftis bislang -toi toi toi- (immer ganz ohne Ausbildung und mit gerinfügigen Vorerfahrungen) das immer sehr gut gemacht haben (deren Weggang war jedes Mal ein herber Verlust).


    Ich weiß, es gibt auch richtig ausgebildete Integrationshelfer als Schulassistenzen. Die habe ich aber im schulischen Einsatz noch nie erlebt und kenne sie auch aus meiner Zeit bei der Lebenshilfe gar nicht. Hatte jemand von euch schon mit einschlägig ausgebildeten Schulassistenzen zu tun (heilpädagogische Assistenten wären da ja auch eine Möglichkeit)? Macht es in der Praxis für eure Arbeit einen Unterschied mit diesen zusammenzuarbeiten?

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Jaaaa, macht eine großen Unterschied! Blöderweise bekommt man die Ausgebildeten fast gar nicht. Da müssen bei uns im Antrag die Schlüsselwörter "Fremdgefährdung" und "Selbstgefährdung" stehen. Dabei finde ich, dass gerade bei den harten ES-Fällen der Begleiter ausgebildet sein muss.
    Bisweilen gibt es aber auch sehr engagierte Unausgebildete, die sich richtig intensiv einlesen und dann das ganze TEACCH-Konzept für den Schüler auf die Beine stellen. Aber das machen bei der miesen Bezahlung nur die ganz hellen und richtig idealistischen Assistenten.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

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