Inklusionsassistenz in der Schule - Eure Erwartungen

  • Ich hatte mal eine Schulbegleiterin (heißen die nicht InklusionshelferInnen?), die selbst erst gerade aus der Schule heraus war und eine körperbehinderte S. begleitete.

    Mit der war es lustig, weil sie sich immer meldete und freute, jetzt in Mathe was zu verstehen. Sie hat sich ansonsten aber korrekt und prima um ihren Schützling gekümmert und ich musste sie leider bezüglich ihrer Beteiligung im U. bremsen; habe ihr dann immer auch die Arbeitsblätter gegeben, damit sie was zu tun hatte. :)

    Ansonsten galt natürlich auch für sie: Handy weg, Kappe ab usw. Da würde ich mich nie auf einen Kompromiss für anderenRegeln einlassen. Das wäre nur in nachvollziehbaren Ausnahmefällen möglich, aber bestimmt nicht fürs Daddeln.

  • gut fand ich mitdenkende, offene und aufgeschlossene schulbegleiterInnen, die ihren job ernst nehmen, leistungsbereit sind, wertschätzend und erwachsen (vollzogener rollenwechsel...) mit ihrem schüztling umgehen und auch verstehen, dass sie weder zweitlehrer noch erzieher für andere kinder sind.


    nicht hilfreich fand ich übermäßig passive begleiter, die man als l. mit anschieben musste, wenn man mehr haben wollte, als einen weiteren besetzten stuhl im raum, und sb wird ja nicht ohne grund genehmigt.


    einer sehr kompetenten kollegin, die aber sehr jung aussieht, hat eine ältere, weibliche sb ständig versucht, in den unterricht reinzureden - das geht gar nicht und es war leider auch im gespräch nicht zu klären, auch nicht nach einschaltung des trägers. die dame musste dann gehen.

  • Viele Lehrkräfte finden es unangenehm, wenn andere Erwachsene mit in den Unterricht kommen, weil ihnen das Referendariat und deren schlechte Erfahrungen ihr Lehrerleben lang im Nacken hängen.

    Mir geht es zum Glück nicht so.


    Die von mir bisher erlebten SchulbegleiterInnen waren fast alle wirklich gut. Ich finde es anerkennenswert, wenn sie sich trotz Hungerlohn um diese Kinder kümmern und in der Regel bin ich sehr froh, dass jemand da ist, der diesen Kindern hilft und Zeit dafür hat.

    Wir haben viele Schulbegleitungen und ich bin inzwischen eher irritiert, wenn ich ohne weitere Erwachsene im Klassenraum bin.


    Zu den Aufgaben oder den Erwartungen ist es schwierig, eine generelle Aussage zu treffen, häufig ist es auch eine Gratwanderung:

    - Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe der Schulbegleitung (auch Einzelfallhilfe) sich um dieses bestimmte Kind zu kümmern. Ich möchte nicht, dass sie sich um sämtliche andere Kinder kümmert und im Unterricht ermahnt und sanktioniert. Andererseits ist eine erwachsene Person im Raum, die bestimmtes Verhalten nicht per se ignorieren darf. Und ich weiß auch, dass es in anderen Klassen anders gehandhabt wird.

    - Ebenso ist es den Kindern ja nicht untersagt, die Begleitung - also erwachsene Person im Raum - um Hilfe zu bitten, mal etwas zu fragen, sich die Flasche öffnen zu lassen etc., ABER es ist nicht generell ein Anlaufpunkt, sodass man sich da Hilfe oder Ergebnisse holen könnte. Auch dies muss man irgendwie abstecken, für sich, miteinander UND für die Kinder.

    - Sicherlich ist es ein Unterschied, welchem Kind geholfen wird und wie viel Aufmerksamkeit oder Hilfe dieses benötigt. Ist das Kind körperlich-motorisch eingeschränkt, benötigt aber nur für bestimmte Aktionen Hilfe, würde mich eine sonst lesende Hilfe womöglich nicht stören. Hat das Kind andere Einschränkungen und braucht zumindest eine aufmerksame Beobachtung, wäre das Lesen unangebracht.

    - Schwierig finde ich auch, an welcher Stelle Aufgabenstellungen oder Erleichterungen diskutiert werden. Einerseits ist es die Aufgabe der Begleitung, hier auf Angemessenheit der Aufgaben zu achten, andererseits bleibt es die Aufgabe der Lehrkraft, die Aufgabe zu stellen und das Voranschreiten oder den Anspruch einzuschätzen.


    Bei manchem ist eine klare Regel oder Grenze zu ziehen:

    - Das Handy gehört nicht in den Raum/ sichtbar in den Unterricht, von Ausnahmen abgesehen. Nach Vorfällen gibt es an unserer Schule inzwischen Vereinbarungen: Es ist nicht in Ordnung, wenn Personen im Unterricht mit dem Handy Aufnahmen machen und diese speichern oder gar verschicken.

    - Begleitungen, die köperlich übergriffig werden, indem sie mit einem sozial-emotional auffälligen Kind rangeln oder kämpfen oder Tritte einstecken oder austeilen, haben ihre Rollen und Aufgabe offenbar nicht verstanden.


    Es bieten sich also eine Menge Reibungspunkte. Manchmal versteht man sich auf Anhieb, manchmal muss man sehr viel kommunizieren.

    Zeit fehlt leider häufig, wenn es dann noch Wechsel gibt oder ständige Vertretungen, wird dies nicht einfacher.

    Unzufrieden werden Lehrkräfte dann, wenn der Aufwand (Beantragung mit viel Bürokratie, Hilfeplangespräche, Absprachen im Alltag, zusätzliche Kommunikation mit Eltern und Ämtern etc.) den selbst wahrgenommenen Nutzen übersteigt.


    Davon ganz abgesehen denken bei uns viele Lehrkräfte, dass die Einzelfallhilfe nur wenige Kinder "am Mann" bräuchten, es aber durchaus eine Menge Kinder gibt, die Unterstützung benötigen, für die die Schulen aber nicht angemessen ausgestattet sind. Hätten wir eine pädagogische Assistenz im Team, die z.B. als zweite Kraft mit in der Klasse wäre, könnte darüber etliches aufgefangen und aufgeholt werden und auch für die Integration etlicher Kinder würde dies helfen.

  • ...

    Natürlich gibt es Kinder die mich schaffen...

    du verstehst mich falsch. Es geht nicht darum, wie anstrengend ein Kind ist, sondern um die Art des Problems. Wenn ein motorisch beeinträchtigter Mensch Hilfe beim Schreiben braucht wird es m.M.n. keine Probleme zwischen den beteiligten Erwachsenen geben. Wenn sich ein sozial-emotional gestörtes Kind schreiend auf den Boden wirft, DANN gibt es meiner Erfahrung nach Probleme zwischen den Erwachsenen.

  • Unsere "Schulbegleiter*innen" betreuen das jeweilige Kind den ganzen Vormittag, also auch in der Pause. Bei einem Jungen im Spektrum ist es so, dass, wenn sie auf sie Toilette muss, er mit raus geht und am Gang wartet. Die sind ein eingespieltes Zeam, da klappt das gut!

    Es geht immer darum, wie man sowas wie,- "die" dürfen sich nicht ins Lehrerzimmer - verpackt! Für mich ist das Zimmer ein Raum zum Austausch, zur Ruhe, warum sollten dort Nicht-LKs ausgeschlossen werden?

    Lala

  • Im Lehrerzimmer haben Inklusionsassistenten auch nichts zu suchen

    Das finde ich tatsächlich schwierig. Im Rahmen von Inklusion verändern sich Schulen und müssen das auch. Inklusionsassistenzen sind Erwachsene, die in der Schule arbeiten. Also Mitarbeiter. Ich finde nicht, dass sie wie Schüler behandelt werden sollten!

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