Sehr geehrte Forumsteilnehmer,
ich bin 32 Jahre alt und habe ca. 6-7 Jahre Berufserfahrung als Softwareentwickler und -architekt. Ich habe ein Bachelorstudium in Physik und ein Masterstudium in Informatik absolviert und würde gerne an einem bayerischen Gymnasium unterrichten. Ich habe bereits eine Zusage für eine Sondermaßnahme in den Fächern Mathematik und Physik bekommen, die nach meinem Verständnis einem Referendariat ähnelt und im Februar 2026 anfangen soll.
Mein Ziel ist es, zu lernen, so zu unterrichten, dass möglichst viele SuS Interesse an den Inhalten entwickeln und in den fachverwandten Disziplinen ausbildungs- und studierfähig werden. Wie genau habt ihr euch auf das Referendariat oder die Sondermaßnahme fachlich und didaktisch vorbereitet? Mich würden dabei insbesondere folgende Punkte interessieren:
- Beim Durchlesen einiger Beiträge zum Thema "Referendariat" stellte ich fest, dass für viele Referendare die Kommunikation mit den Fach- und Seminarleitern eine Herausforderung darstellt. Wie habt ihr gelernt, eure Kommunikation so zu verbessern, dass ihr beim Feedback auch versteht, was man von euch haben will? Wie konntet ihr außerdem eure Unterrichtsvorstellungen und Ideen gegenüber euren Prüfern durchsetzen?
- Wie würdet ihr euch mit eurer heutigen Erfahrung didaktisch auf das Referendariat vorbereiten, wenn ihr zwei Monate Zeit habt? Aktuell habe ich keine didaktischen Vorkenntnisse. Welche Bücher und Ressourcen würdet ihr mir dafür empfehlen? Welche davon haben euer Mindset verändert?
- Leider habe ich festgestellt, dass meine fachliche Vorbereitung im Fach Physik ebenfalls einige Lücken aufweist, da mein Physikstudium schon 10 Jahre zurückliegt. Bis zur Oberstufe kann ich die meisten Aufgaben verstehen und lösen. Im Abitur sind die Aufgaben allerdings schon relativ textlastig und da musste ich schon länger überlegen, wie man die Aufgabe modellieren und auf eine Lösung kommen soll. Wie kann man die fachlichen Lücken am besten schließen?
Danke im Voraus
Vorbereitung auf die Sondermaßnahme als Quereinsteiger
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LuckyPond33537 -
6. Dezember 2025 23:06
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ie würdet ihr euch mit eurer heutigen Erfahrung didaktisch auf das Referendariat vorbereiten, wenn ihr zwei Monate Zeit habt? Aktuell habe ich keine didaktischen Vorkenntnisse. Welche Bücher und Ressourcen würdet ihr mir dafür empfehlen? Welche davon haben euer Mindset verändert?
ich würde unbedingt versuchen, ein Praktikum an der Schulform deiner Wahl zu machen, bestehend aus Hospitation und eigenen Unterrichtsversuchen. Das hilft vermutlich viel besser, einen Überblick über Alltagspraxis an einer Schule zu bekommen als eine lange Literaturliste.
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- Beim Durchlesen einiger Beiträge zum Thema "Referendariat" stellte ich fest, dass für viele Referendare die Kommunikation mit den Fach- und Seminarleitern eine Herausforderung darstellt. Wie habt ihr gelernt, eure Kommunikation so zu verbessern, dass ihr beim Feedback auch versteht, was man von euch haben will? Wie konntet ihr außerdem eure Unterrichtsvorstellungen und Ideen gegenüber euren Prüfern durchsetzen?
Vorsichtig nachfragen. Bei weiterem Unverständnis mit Kolleginnen oder Deinem Mentor (der Dir hoffentlich zugeteilt wird) sprechen.
Von dem letzten Punkt würde ich ersteinmal Abstand nehmen. Eigne Dir die Art zu unterrichten an, wie Deine Prüferinnen es sehen wollen und modifiziere die danach nach Deinen Wünschen.
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ich würde unbedingt versuchen, ein Praktikum an der Schulform deiner Wahl zu machen, bestehend aus Hospitation und eigenen Unterrichtsversuchen. Das hilft vermutlich viel besser, einen Überblick über Alltagspraxis an einer Schule zu bekommen als eine lange Literaturliste.
Danke für diesen Tipp. Ich gehe nicht davon aus, dass ich ein Praktikum innerhalb der zwei Monate bekomme, die mir bis zum Ref bleiben, aber ich kann es versuchen. Für Literaturvorschläge wäre ich daher ebenso dankbar.
Vorsichtig nachfragen. Bei weiterem Unverständnis mit Kolleginnen oder Deinem Mentor (der Dir hoffentlich zugeteilt wird) sprechen.
Von dem letzten Punkt würde ich ersteinmal Abstand nehmen. Eigne Dir die Art zu unterrichten an, wie Deine Prüferinnen es sehen wollen und modifiziere die danach nach Deinen Wünschen.
Danke, aus pragmatischer Sicht ist es selbstverständlich, dass gute Beziehungen zu den Prüfern wichtig sind. Welcher Zeitraum ist im letzten Satz mit dem Begriff "danach" gemeint? Ist es die Zeit nach dem bestandenen Referendariat?
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Welcher Zeitraum ist im letzten Satz mit dem Begriff "danach" gemeint? Ist es die Zeit nach dem bestandenen Referendariat?
So ist es.
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Ziel ist es, zu lernen, so zu unterrichten, dass möglichst viele SuS Interesse an den Inhalten entwickeln und in den fachverwandten Disziplinen ausbildungs- und studierfähig werden.
Das ist ein löbliches Ziel, jedoch solltest Du Dich mit der (für mich ebenfalls) unerfreulichen Tatsache anfreunden, dass insbesondere Deine Fächer bei den wenigsten SuS auf Interesse stoßen. In vielen Fällen werden sie sich schwer tun, manche haben schlechte Erfahrungen in diesen Fächer. Die Umgebung befeuert das noch mit "das konnte ich auch nie" und "wofür braucht man das?"
- Beim Durchlesen einiger Beiträge zum Thema "Referendariat" stellte ich fest, dass für viele Referendare die Kommunikation mit den Fach- und Seminarleitern eine Herausforderung darstellt. Wie habt ihr gelernt, eure Kommunikation so zu verbessern, dass ihr beim Feedback auch versteht, was man von euch haben will? Wie konntet ihr außerdem eure Unterrichtsvorstellungen und Ideen gegenüber euren Prüfern durchsetzen?
Zunächst sitzen dort Leute, die viel Erfahrung im Unterrichten mitbringen, daher ist mein Rat, das Feedback anzunehmen und Tipps auch mal auszuprobieren, auch wenn sie sich im ersten Step vielleicht komisch anhäören. Ganz schlecht kommt es an, wenn man a la: "Ich hab x-Jahre Erfahrung als Softwareentwickler" ankommt und alle Hinweise in den Wind schlägt. Denn stell Dir vor, jemand käme in Deinen jetzigen Beruf als Quereinsteiger und würde Dir die Welt erklären sollen: Kommt nicht gut an. Deine Erfahrung im Unterrichten ist gleich Null, auch wenn Du schon mal Nachhilfe gegeben hast oder im Sportverein eine Jugendgruppe leitest. Schule ist einfach damit nicht vergleichbar.
- Wie würdet ihr euch mit eurer heutigen Erfahrung didaktisch auf das Referendariat vorbereiten, wenn ihr zwei Monate Zeit habt? Aktuell habe ich keine didaktischen Vorkenntnisse. Welche Bücher und Ressourcen würdet ihr mir dafür empfehlen? Welche davon haben euer Mindset verändert?
Mir haben Bücher zum Classroom-Management geholfen. EDIT: zB sowas hier: https://www.cornelsen.de/produkte/99-ti…h-9783589228232
- Leider habe ich festgestellt, dass meine fachliche Vorbereitung im Fach Physik ebenfalls einige Lücken aufweist, da mein Physikstudium schon 10 Jahre zurückliegt. Bis zur Oberstufe kann ich die meisten Aufgaben verstehen und lösen. Im Abitur sind die Aufgaben allerdings schon relativ textlastig und da musste ich schon länger überlegen, wie man die Aufgabe modellieren und auf eine Lösung kommen soll. Wie kann man die fachlichen Lücken am besten schließen?
Schnall Dir ein Schulbuch und arbeite das erstmal durch.
Viel Erfolg!
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Das ist ein löbliches Ziel, jedoch solltest Du Dich mit der (für mich ebenfalls) unerfreulichen Tatsache anfreunden, dass insbesondere Deine Fächer bei den wenigsten SuS auf Interesse stoßen. In vielen Fällen werden sie sich schwer tun, manche haben schlechte Erfahrungen in diesen Fächer. Die Umgebung befeuert das noch mit "das konnte ich auch nie" und "wofür braucht man das?"
Zunächst einmal danke für deinen Kommentar und für die Erfolgswünsche.
Ich sehe ein, dass viele Menschen kein intrinsisches Interesse an den MINT-Fächern mitbringen. Daher habe ich den approximativen Begriff "möglichst viele" verwendet.
Es ist möglich, ein angstfreies und gerechtes Unterrichtsklima zu erzeugen, um schlechte Erfahrungen zu minimieren. Es ist auch möglich, den Sinn des Unterrichts mit Hilfe von Anwendungsbeispielen aus realer Welt zu vermitteln. Das Problem mit der Denkweise "das konnte ich nie" lässt sich meines Erachtens auch minimieren, z. B. habe ich heute gehört, dass einige Lehrkräfte kleinschrittige Aufgaben verwenden, damit den SuS klar wird, dass sie schon viele Dinge verstehen, keine Angst vor der Komplexität der Aufgabe haben müssen und nur Kleinigkeiten verbessern sollen.
Wo ich aber Schwierigkeiten sehe, ist, den SuS zu vermitteln, wofür sie selbst die MINT-Fächer brauchen (also nicht "Wofür braucht man das?", sondern "Wofür brauche ich das?"). Wenn mir jemand sagt "Ich will eigentlich Journalist werden und brauche dafür ein Abitur mit Mathe als Pflichtfach, verstehe aber nicht, wofür ich Ableitungen und Integrale im späteren Leben benötige.", dann wird so ein Schüler selbst bei bester Didaktik abschalten. Ich kann zwar vermitteln, dass guter Journalismus in meinen Augen logisch-kausalen Zusammenhängen folgen muss, was im Mathematikunterricht vermittelt wird. Nur braucht ein Journalist dafür immer noch keine Oberstufenmathematik.
Deswegen würde ich das Wecken vom Interesse eher in den unteren Jahrgangsstufen als oberste Priorität setzen, wo die SuS noch keine endgültige Vorstellung über ihren Traumjob entwickelt haben. In den höheren Jahrgangsstufen würde ich mich gerne darauf konzentrieren, möglichst viele ausbildungs- und studierfähig zu unterrichten.Zunächst sitzen dort Leute, die viel Erfahrung im Unterrichten mitbringen, daher ist mein Rat, das Feedback anzunehmen und Tipps auch mal auszuprobieren, auch wenn sie sich im ersten Step vielleicht komisch anhäören. Ganz schlecht kommt es an, wenn man a la: "Ich hab x-Jahre Erfahrung als Softwareentwickler" ankommt und alle Hinweise in den Wind schlägt. Denn stell Dir vor, jemand käme in Deinen jetzigen Beruf als Quereinsteiger und würde Dir die Welt erklären sollen: Kommt nicht gut an. Deine Erfahrung im Unterrichten ist gleich Null, auch wenn Du schon mal Nachhilfe gegeben hast oder im Sportverein eine Jugendgruppe leitest. Schule ist einfach damit nicht vergleichbar.
Ich habe da ein anderes Mindset. Wenn mir jemand in meinem bisherigen Beruf Verbesserungsvorschläge liefert, ist es mir egal, was seine / ihre Erfahrung ist. Wenn ich in einem Unternehmen arbeite, welches Handys herstellt, ich einem zehnjährigen Kind ein Handy dieser Firma in die Hand gebe und das Kind mir mitteilt, dass es die Schrift auf dem Handy nicht lesen kann, der Akku nicht lange hält und ein Internetzugang schön wäre, dann nehme ich solche Vorschläge schon ernst. Das Kind mag technisch keine Ahnung haben, aber die Benutzersicht wird es auch verstehen. Wer solche Ratschläge in der freien Wirtschaft als Unternehmer nicht ernstnimmt, kann schnell insolvent gehen.
Wichtig ist allerdings die Qualität des Ratschlags und die richtige Kommunikation. Eine Kommunikation vom Typ "Ich hab x-Jahre Erfahrung als Softwareentwickler" argumentiert nicht mit Fakten und kommt in der Tat auch bei mir zunächst nicht gut an. Eine Kommunikation vom Typ "Prinzipiell bin ich für Ihre Lösung offen, aber ich habe hier und da gelesen, dass der Ansatz A wegen des Problems P nicht so gut funktioniert, wie der Ansatz B. Warum verwenden wir den Ansatz A und wie haben Sie den Ansatz A dahingehend optimiert, dass das Problem P keine große Rolle mehr spielt?" kommt bei mir deutlich besser an. Doch auch mit der letzteren Art der Kommunikation können manche Menschen nicht unbedingt immer umgehen. Ich habe ebenfalls gehört, dass der öffentliche Dienst konservativer denken kann.
Es geht mir zu keiner Zeit darum, alle Ideen der Prüfpersonen zu ignorieren. Auch zunächst unlogisch klingende Vorschläge lassen sich umsetzen. Es ist mir aber schon wichtig, solchen Unterricht zu minimieren, der dem Lernfortschritt der SuS schaden kann. Deshalb bin ich offen dafür, im Unterricht neue Ideen zu testen, gleichzeitig sehe ich aber auch Bedarf an einer Auswertung, wie sich der Lernfortschritt der Klassen vor und nach der Einführung neuer Methoden ändert.Mir haben Bücher zum Classroom-Management geholfen. EDIT: zB sowas hier: https://www.cornelsen.de/produkte/99-ti…h-9783589228232
Diesen Literaturvorschlag würde ich mir definitiv gerne zu Herzen nehmen. Ich habe im Unterrichten keine Erfahrung, aber für mich ergibt es schon einen Sinn, so zu unterrichten, dass man auf Veränderungen schnell reagieren kann, dass die Anfälligkeit gegen Störungen minimiert wird und dass es im Verlauf des Unterrichts leicht sein soll, notwendige Anpassungen vorzunehmen. Insofern denke ich, dass Bücher zum Classroom Management für mich wirklich nützlich sein können.
Schnall Dir ein Schulbuch und arbeite das erstmal durch.
Welche Schulbücher eignen sich dafür besonders gut? Eher die klassischen oder die modernen?
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Eine Kommunikation vom Typ "Prinzipiell bin ich für Ihre Lösung offen, aber ich habe hier und da gelesen, dass der Ansatz A wegen des Problems P nicht so gut funktioniert, wie der Ansatz B. Warum verwenden wir den Ansatz A und wie haben Sie den Ansatz A dahingehend optimiert, dass das Problem P keine große Rolle mehr spielt?" kommt bei mir deutlich besser an.
Das ist gut, dass Dir das so bewusst ist. Ich habe so viele beratungsresistente Quereinsteigende erlebt, dass ich Dir diesen Ratschlag gern mitgeben wollte. Damit möchte ich nicht suggerieren, dass man einfach alle Ratschläge hinnehmen sollte, aber man sollte eben auch anerkennen, dass Erfahrung in diesem Beruf anders ist, als Fachwissen, dass man durch Berufserfahrung erlangt hat. Man arbeitet mit Menschen und das sind täglich so viele Variablen, auf die man reagieren muss. Und die Variable, die heute x heißt und mit y Eigenschaften in die Schule kommt, heißt vielleicht morgen q und hat die Eigenschaften h. Das kann man sich nicht anlesen, das muss man erfahren. Vergleichbar mit einer Fertigkeit im Handwerk.
Es geht mir zu keiner Zeit darum, alle Ideen der Prüfpersonen zu ignorieren. Auch zunächst unlogisch klingende Vorschläge lassen sich umsetzen. Es ist mir aber schon wichtig, solchen Unterricht zu minimieren, der dem Lernfortschritt der SuS schaden kann. Deshalb bin ich offen dafür, im Unterricht neue Ideen zu testen, gleichzeitig sehe ich aber auch Bedarf an einer Auswertung, wie sich der Lernfortschritt der Klassen vor und nach der Einführung neuer Methoden ändert.
Ich befürchte, für eine "Auswertung" (wie soll die aussehen? Du hast ja die Rückmeldung durch Klassenarbeiten bzw. Proben oder Exen) hast Du keine Zeit. Zu Beginn versucht man eigentlich eher irgendwie die Stunden zu überstehen, da man zB eine Stunde geplant hat, die aber entweder nach 5 Minuten fertig ist, gesprengt wird durch Dinge, die man vergessen hat zu planen, aus dem Ruder läuft, weil überfordernd und leider keine didaktische Reserve hat, weil einem der Fundus und das Erfahrungswissen fehlt. Das bairische Schulsystem ist auch ein sehr stark auf Leistungsmessung ausgelegtes System. Und auch diese müssen ordentlich vorbereitet werden. Das kostet Zeit.
Welche Schulbücher eignen sich dafür besonders gut? Eher die klassischen oder die modernen?
Was sind klassische und was sind moderne?
Nimm Dir eins, das für Deine Schulform und zu Deinem Bundesland passt und arbeite es durch. Weißt Du denn schon, wo Du eingesetzt wirst? Dann kann man auch da mal fragen, welches Lehrwerk die haben. Für Physik wird es ja nicht unendlich viele geben. Mittlerweile gibts auch nur noch wenige große Verlage, wie Westermann, Klett, Cornelsen.
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Ich befürchte, für eine "Auswertung" (wie soll die aussehen? Du hast ja die Rückmeldung durch Klassenarbeiten bzw. Proben oder Exen) hast Du keine Zeit. Zu Beginn versucht man eigentlich eher irgendwie die Stunden zu überstehen, da man zB eine Stunde geplant hat, die aber entweder nach 5 Minuten fertig ist, gesprengt wird durch Dinge, die man vergessen hat zu planen, aus dem Ruder läuft, weil überfordernd und leider keine didaktische Reserve hat, weil einem der Fundus und das Erfahrungswissen fehlt. Das bairische Schulsystem ist auch ein sehr stark auf Leistungsmessung ausgelegtes System. Und auch diese müssen ordentlich vorbereitet werden. Das kostet Zeit.
Ganz genau, Klassenarbeiten und die mündliche Mitarbeit sind gute Indikatoren, wie gut der Stoff verstanden wird.
Inwiefern ich dazu Zeit haben werde, kann ich ohne Erfahrung als Lehrer nicht beurteilen, aber ich denke, da helfe eine gute Kommunikation mit den anderen KuK.Was sind klassische und was sind moderne?
Nimm Dir eins, das für Deine Schulform und zu Deinem Bundesland passt und arbeite es durch. Weißt Du denn schon, wo Du eingesetzt wirst? Dann kann man auch da mal fragen, welches Lehrwerk die haben. Für Physik wird es ja nicht unendlich viele geben. Mittlerweile gibts auch nur noch wenige große Verlage, wie Westermann, Klett, Cornelsen.
Ich würde unter klassischen Büchern solche Bücher verstehen, die im bayerischen G9-Gymnasium vor der Umstellung auf G8 verwendet wurden, also z. B. Bücher aus den 1980ern und frühere Bücher. Moderne Bücher sind solche Bücher, die im heutigen Lehrplan verwendet werden.
Was ich von einigen erfahrenen Lehrkräften gehört habe, ist Folgendes:
An klassischen Büchern ist gut, dass dort relativ wenige didaktischen Fehler auftauchen. Beim Durchlesen moderner Schulbücher können die SuS hin und wieder verwirrt werden. Zusätzlich gibt es bei klassischen Büchern kaum Überlastung durch übertriebene Grafik- und Textlastigkeit der Erklärungen und Aufgaben.
Der Vorteil moderner Bücher ist, dass sie an moderne Lehrpläne und Unterrichtsmethoden optimiert wurden, was für die Abiturnote besser sein kann. Aber es wirkt sich möglicherweise negativ auf die späteren Fähigkeiten der Schulabsolventen z. B. im Studium und der Ausbildung aus.
Kurz gefasst: Klassische Schulbücher fördern die Rechenkompetenz (wichtiger für das Studium und die Ausbildung), moderne versuchen eher die Textverständniskompetenz zu fördern (wichtiger für die Abiturnote).
Wo ich eingesetzt werde, weiß ich leider noch nicht. Das werde ich erst Ende Januar erfahren. -
eine "Auswertung" (wie soll die aussehen?
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Das ist mir schon klar, aber ein Seiteneinsteiger ist damit m.E. überfordert.
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Klassenarbeiten und die mündliche Mitarbeit sind gute Indikatoren, wie gut der Stoff verstanden wird.
Klassenarbeiten ja, aber die mündliche Mitarbeit nicht unbedingt. Es gibt viele sehr schweigsame und/oder schüchterne SuS, die den Lernstoff gut verstanden haben (was sich dann in Klassenarbeiten/Klausuren zeigt), sich aber typbedingt selten bis gar nicht von sich aus am Unterricht beteiligen.
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Es ist möglich, ein angstfreies und gerechtes Unterrichtsklima zu erzeugen, um schlechte Erfahrungen zu minimieren. Es ist auch möglich, den Sinn des Unterrichts mit Hilfe von Anwendungsbeispielen aus realer Welt zu vermitteln.
ja, so arbeiten Lehrkräfte seit 2 Jahrzehnten
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Leider habe ich festgestellt, dass meine fachliche Vorbereitung im Fach Physik ebenfalls einige Lücken aufweist, da mein Physikstudium schon 10 Jahre zurückliegt. Bis zur Oberstufe kann ich die meisten Aufgaben verstehen und lösen. Im Abitur sind die Aufgaben allerdings schon relativ textlastig und da musste ich schon länger überlegen, wie man die Aufgabe modellieren und auf eine Lösung kommen soll. Wie kann man die fachlichen Lücken am besten schließen?
Bezüglich der fachlichen Anforderungen würde ich mir erstmal keine Sorgen machen. Die Prüfungsfragen basieren auf dem Lehrplan und ähneln sich immer wieder stark. Als „Studierter“ hat man i. Allg. keine Probleme, sich da schnell einzulesen. Zumal man als Quereinsteiger in den ersten Jahren i. d. R. auch keinen Oberstufenkurs bekommt, der unmittelbar vor dem Abitur steht. Die anderen Fragen sind aber durchaus berechtigt und es loht sich, darüber nachzudenken. Am Anfang ist m. E. Klassenführung das zentrale Thema, zu dem man sich Gedanken machen sollte.
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Ich habe aktuell etwa sechs Wochen im bayerischen Referendariat in Mathematik und Physik hinter mir und wollte gerne meine bisherigen Erfahrungen teilen.
Das Referendariat in Bayern dauert insgesamt zwei Jahre. In den ersten Wochen unterrichtet man entsprechend noch recht wenig – bei mir waren es bisher sechs eigene Stunden und zwei Vertretungsstunden. Auch nach den Osterferien werde ich zunächst zwei Klassen mit insgesamt sechs Wochenstunden übernehmen. Erst im Einsatzjahr steigt das Ganze dann auf etwa 17 Stunden an. Bayern setzt am Anfang bewusst stark auf Hospitationen, um erst einmal zu lernen, wie guter Unterricht funktioniert, bevor man selbst viel unterrichtet. Ich hätte mir persönlich zwar anfangs etwas mehr eigene Praxis gewünscht, merke aber auch, dass man durch das Beobachten wirklich viel mitnimmt.
Das Niveau unter den Referendaren würde ich insgesamt als hoch einschätzen. Alle haben das Staatsexamen mit praktischen Anteilen durchlaufen. Gleichzeitig habe ich aber auch den Eindruck, dass Quereinsteiger gut mithalten und soliden Unterricht machen können. Im Unterricht merkt man deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler die Referendare ernst nehmen und gut mitarbeiten. Eine Klasse war sogar schon etwas unzufrieden, weil wir bei ihnen weder hospitiert noch unterrichtet hatten – das haben wir dann natürlich nachgeholt. Unser Seminar wurde auch schon von der Seminarleitung mit anderen verglichen und gelobt. Wir übernehmen auch gerne extracurriculäre Aktivitäten, ich engagiere mich beispielsweise in der schulischen Schach-AG, andere Referendare im Chor oder im Fußball.
Die Unterrichtsvorbereitung war bei mir am Anfang ziemlich intensiv – meine erste Stunde hat etwa 32 Stunden gedauert, selbst mit Unterstützung durch ChatGPT. Gerade passende Aufgaben zu finden, fand ich zunächst schwierig. Gleichzeitig ist der Anspruch aber auch klar: Man darf problemlos mit dem Buch arbeiten, solange man sich am LehrplanPLUS orientiert. Methodische Vielfalt wird am Anfang nicht übermäßig eingefordert. Wichtiger sind fachliche Klarheit, eine saubere Struktur, gute Visualisierung und eine sinnvolle Fragetechnik. Mit der Zeit wird man deutlich schneller – viele Stunden lassen sich dann auch in 1–3 Stunden solide planen. Das Prinzip „weniger ist mehr“ trifft es ganz gut.
Die Zusammenarbeit empfinde ich als sehr angenehm. Unter den Referendaren herrscht ein gutes Miteinander, und auch das Verhältnis zu Seminarlehrkräften und Schulleitung ist durchweg positiv. Die Schülerinnen und Schüler erlebe ich ebenfalls als freundlich und kooperativ. Schlägereien gibt es so gut wie keine, und auch der Zusammenhalt in den Klassen wirkt gut. Interessant finde ich, dass viele Schülerinnen und Schüler heute nicht mehr so gewohnt sind, an die Tafel zu kommen.
Apropos Tafel: Ein Punkt, den ich wirklich kritisch sehe, ist die aus meiner Sicht übertriebene Digitalisierung. In vielen Räumen gibt es gar keine klassische Tafel mehr. Gerade in Mathematik und Physik finde ich es aber extrem hilfreich, Gedanken Schritt für Schritt an der Tafel zu entwickeln. Smartboards bieten oft weniger Platz, und auch die Arbeit damit ist nicht immer so übersichtlich. Dazu kommt, dass Technik eben auch ausfallen kann – komplett oder teilweise. Besonders unpraktisch finde ich, dass Smartboard, Beamer und DokuCam oft auf denselben Bereich projizieren. Dadurch kann man praktisch nie zwei Medien parallel sinnvoll nutzen. Für mich schränkt das den Unterricht eher ein, als dass es ihn verbessert. Umso mehr schätze ich die Räume, in denen ich noch klassisch an der Tafel arbeiten kann.
Was ich ebenfalls als Herausforderung wahrnehme, ist das teilweise sinkende Niveau bei grundlegenden Rechenfertigkeiten. Termumformungen oder das Lösen von Gleichungen sitzen oft selbst in höheren Klassen nicht sicher. Gleichzeitig liegt im Lehrplan ein stärkerer Fokus auf dem Verständnis von Strukturen. Beides unter einen Hut zu bringen, ist nicht ganz einfach. Gerade bei Themen wie Beweisen merkt man, wie wichtig eine sichere Grundlage ist.
Positiv ist auf jeden Fall, dass unsere Wünsche bei der Klassenzuteilung berücksichtigt wurden. In Mathematik habe ich mich bewusst für eine etwas schwierigere Klasse entschieden, um mehr Praxiserfahrung zu sammeln. Die Klasse arbeitet nicht immer zuverlässig, aber gerade daraus lernt man viel über den „echten“ Unterricht. In Physik habe ich dafür eine naturwissenschaftliche Klasse bekommen, wo ich viel über Schülerexperimente lernen kann.
Ein großer Teil der Arbeit steckt auch in der Organisation. Es gibt viele verschiedene Plattformen und Informationswege, in die man sich erst einfinden muss. Das kostet Zeit, wird aber nach und nach übersichtlicher. Auch Fachsitzungen nehmen Zeit in Anspruch – gerade in Physik, wo Experimente inklusive Gefährdungsbeurteilungen vorbereitet werden müssen. Das ist aufwendig, aber auch sinnvoll und lehrreich.
Zusätzlich gab es bereits einige Termine und Veranstaltungen: Fortbildungen, eine BPV-Veranstaltung, Aufsichten (z. B. beim Känguru-Wettbewerb) und einen Ausflug ins Deutsche Museum mit einer siebten Klasse. Gerade solche Situationen sind sehr hilfreich, um Klassenführung auch außerhalb des Unterrichts zu lernen. Es kommt dabei durchaus vor, dass man mehrere Tage bis in den späten Nachmittag in der Schule ist und den Unterricht dann erst abends vorbereitet.
Auch erste Korrekturerfahrungen habe ich gesammelt: In Mathematik zwei fiktive Leistungsnachweise und in Physik Teile einer echten Ex sowie die Korrektur einer Hälfte der Klasse. Der Aufwand war insgesamt gut machbar, aber man merkt schnell, dass Schulaufgaben deutlich sorgfältiger und rechtssicher korrigiert werden müssen als viele Uniklausuren.
Insgesamt empfinde ich das Referendariat trotz des hohen Arbeitsaufwands als sehr interessant und bereichernd. Es macht mir Spaß und ich freue mich darauf, bald mehr zusammenhängenden Unterricht in meinen eigenen Klassen zu übernehmen.
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