Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Grundrechte beschränken sich im Alltag oft auch gegenseitig, woraus sich die Frage ableitet, welches Grundrecht in konkreten Situationen schwerer wiegt.

    Danke, genau das meine ich.

    Der Schutz von Familie und Ehe kontra Recht auf Bildung kontra Treueverhältnis der Beamten kontra Fürsorgepflicht kontra Rechte von (Schwer)behinderten Lehrkräften kontra ...

    Und um genau das auszugestalten, gibt es Gesetze, Erlasse, Verfügungen etc.


  • Wie sollte das auch in der Praxis gehen? Alle Familien und Ehepaare haben das Recht das ihre Arbeitszeiten familienfreundlich sind? Wie klappt so was im Krankenhaus bei Ärzten? Oder bei Feuerwehrleuten oder Polizisten?

    In vielen Berufen gibt es gleitende Arbeitszeit. Da kann man auch mal eine halbe Stunde später anfangen, wenn die Kita noch zu hat. Ich bin froh, dass heutzutage in der Schule versucht wird, jungen Eltern zu helfen, so dass sie z.B. erst zur 2. Stunde Unterricht haben.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • In vielen Berufen gibt es gleitende Arbeitszeit. Da kann man auch mal eine halbe Stunde später anfangen, wenn die Kita noch zu hat. Ich bin froh, dass heutzutage in der Schule versucht wird, jungen Eltern zu helfen, so dass sie z.B. erst zur 2. Stunde Unterricht haben.

    Genau. Und das ist auch gut so. Das entscheidende Wort ist "versucht". WillG schrieb, dass die verbleibende Arbeitszeit so gestalten werden muss, dass sie familienfreundlich ist. Und das muss geht nicht und es leitet sich auch nicht aus dem GG ab. Die Erlasse geben vor, was beachtet werden muss. Bei uns z.B. gibt es einen Rechtsanspruch auf einen freien Tag ab einer bestimmten Reduzierung. Wenn die Lehrkraft das möchte, bekommt sie diesen. Egal ob das schulisch passt oder nicht. Aber alles andere versuchen wir aber oft sind es Kompromisse.

    Die eine Lehrkraft hat kleine Kinder, die andere eine Schwerbehinderung und der Schulträger gibt mir bestimmte Zeiten vor, wo der Schwimmunterricht stattfinden muss. Und wenn wir halt Mittwochs um 9:00 Uhr die Bahnen im Hallenbad haben, kann die einzige Schwimmlehrkraft an dem Tag nicht später kommen.

    Da muss man gucken und Kompromisse eingehen. Dieser Absolutismus "Ich habe einen Anspruch." klappt weder in der Praxis noch leitet er sich aus dem GG ab.

  • Zerstückelte Pläne, fixe Termine, die teils weit auseinander liegen (Unterricht, Konferenzen...), kaum Möglichkeiten, da spontan was zu schieben, in der Regel Einsatz über das TZ-Maß hinaus... Das sind dann eben Aspekte, die die Arbeit im Lehramt familienunfreundlicher machen. In einem Bürojob mit größeren Homeoffice-Anteilen und mit flexibler Arbeitszeit sind da in den Schulwochen oft mehr Möglichkeiten da, flexibel zu reagieren.

    Auf der anderen Seite sind besonders in den Ferien die Probleme bei der Betreuung der Kinder nicht da. Und mit meinem VZ-Job als Lehrer hatte ich - als die Kinder kleiner waren - doch ziemlich viele Möglichkeiten, sehr vieles mitzumachen am Nachmittag, was in meinem vorherigen Industriejob so nicht möglich gewesen wäre. Damals hatte ich zwar flexible AZ, Minderstunden mussten aber an anderer Stelle rausgearbeitet werden, wodurch andere Tage länger wurden. Als Lehrer kann ich das halt in den Abend schieben und muss es da rausarbeiten.

    Zu dem Aspekt, der manchmal genannt wird, dass in der Wirtschaft auch Überzeit im Vertrag festgeschrieben ist: In meinem damaligen IGM-Tarifvertrag war das für mich als normaler Ingenieur (39h-Woche) nicht der Fall. Da wurde jede Minute aufs Zeitkonto gebucht. Was anderes wäre es gewesen, wenn ich AT gegangen wäre. Das hätte dann aber auch das normale Ingenieursgehalt nach oben deutlich verlassen. Das Argument, dass in der Wirtschaft auch unbezahlte Überstunden mit drin sind und man das auch als LK tun müsste, zieht da nicht, da man da finanziell mit AT vergleicht!

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Und das muss geht nicht

    Wenn es an einigen Schulen geht, dann sehe ich nicht, warum es an anderen nicht gehen kann. Das hat sehr viel mit der allgemeinen Organisationsstruktur zu tun. Und die ist Sache der SL. Und wenn ich mir die Themen Schulleitungsqualifizierung in NRW ansehe, wundert es mich auch nicht, dass es mal klappt und mal nicht.

  • Es ist eben ein bisschen heuchlerisch, wenn ein BL als besonders familienfreundlicher Arbeitgeber wirbt und dann besonders bei TZ-Kräften klar ist, dass das in Schulen eben nicht der Fall ist.

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  • Wenn es an einigen Schulen geht, dann sehe ich nicht, warum es an anderen nicht gehen kann. Das hat sehr viel mit der allgemeinen Organisationsstruktur zu tun. Und die ist Sache der SL. Und wenn ich mir die Themen Schulleitungsqualifizierung in NRW ansehe, wundert es mich auch nicht, dass es mal klappt und mal nicht.

    Das ist einfach sachlich zu begründen. Die Situationen an den Schulen ist einfach unterschiedlich. Dazu die Situation der einzelnen Lehrkräfte. Insbesondere bei kleineren Grundschulen geht es einfach nicht anders.

    Wir haben z.B. so eine Minischule mit 4 Klassen und 7 Lehrkräften in der Nähe. Da ist nicht viel mit Gestaltungsspielraum.

    Wir sind größer aber bei uns haben auch fast alle Teilzeit. Wir haben vorgegebene Schwimmzeiten. Es muss in der jeder Stunde eine Klasse in die Turnhallte, sonst kriegen wir unseren Sportunterricht nicht hin. Einige Lehrkraft haben aufgrund ihrer Teilzeit Anspruch auf einen freien Tag. Wir haben Anwärter, die betreut werden müssen und nur zu bestimmten Zeiten unterrichten können. Auch wenn wir keine VZ-Kräfte haben, muss der Nachbar abgedeckt werden. Dann ist die große Frage, was die Lehrkraft unterrichtet. Wir haben eine Kollegin mit wenig Stunden, die den DaZ-Unterricht macht. Die kann sich ihren Stundenplan fast aussuchen. Ebenso unsere Förderschullehrkraft. Andere machen mit Teilzeit 3 Hauptfächer. Da wird es schwierig. An der einen Schule gibt es vielleicht mehrere Lehrkräfte mit Kindern oder noch andere Aspekte wie Schwerbehinderungen. Ein anderes Kollegium hat ganz viele Lehrkräfte um 50 Jahre und eine junge Lehrkraft mit Kind. Die können dann ganz anders reagieren.

    Deine Argument ist genau das, was die Sache schwierig macht. Das muss irgendwie gehen. Das muss die SL hinbekommen. Das ist das gleiche wie die Person, die hier groß über Ausgleich von unteilbaren Aufgaben spricht aber selbst keine Lösung hat. Das sind alles legitime Forderungen. Aber man muss in der Praxis gucken, was möglich ist und was nicht. Und wenn sich jemand in seinen Grundrechten verletzt sieht, sollte er klagen.

  • Es ist eben ein bisschen heuchlerisch, wenn ein BL als besonders familienfreundlicher Arbeitgeber wirbt und dann besonders bei TZ-Kräften klar ist, dass das in Schulen eben nicht der Fall ist.

    Das ist aber auch ein wenig absolut, oder? Für Vollzeitkräfte ist er ein besonders familienfreundlicher Arbeitgeber. Und bei Teilzeitkräften würde ich sagen, dass es Licht und Schatten gibt. Es gibt auch genug Familienkonstellationen, wo das super passt. Wir haben eine Kollegin, die um die Ecke wohnt. Oma und Opa haben eine Einliegerwohnung. Die hat überhaupt keine Probleme mit Teilzeit. Wenn ich 50 km weg wohne, alleinerziehend bin und einen schlechten Stundenplan habe, ist es natürlich der Horror.

  • Das ist aber auch ein wenig absolut, oder?

    Wenn das Land mit besonderer Familienfreundlichkeit wirbt und dabei auch TZ hervorhebt (und das hatte mein BL vor einigen Jahren getan, als ich das da mal gelesen hatte), dann ist das durchaus ein bisschen heuchlerisch. Und ich hatte einschränkend geschrieben "ein bisschen heuchlerisch". Da erkenne ich jetzt nicht die Absolutheit, die du meiner Aussage unterschieben willst.

    Für Vollzeitkräfte ist er ein besonders familienfreundlicher Arbeitgeber.

    Das schrieb ich ja, dass es für VZ-Kräfte ein relativ familienfreundlicher Arbeitgeber ist.

    Und bei Teilzeitkräften würde ich sagen, dass es Licht und Schatten gibt.

    Und ich sehe da den ganz großen Schatten, dass TZ-Kräfte eben sehr häufig deutlich über ihren TZ-Anteil heraus arbeiten müssen. (Aber das hatten wir ja schon mehrfach durchgekaut.) Und besonders die zerstückelte AZ mit Unterricht am Vormittag und Konferenzen am Nachmittag etc. macht es auch eher schattiger.

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  • Wenn es an einigen Schulen geht, dann sehe ich nicht, warum es an anderen nicht gehen kann. Das hat sehr viel mit der allgemeinen Organisationsstruktur zu tun. Und die ist Sache der SL. Und wenn ich mir die Themen Schulleitungsqualifizierung in NRW ansehe, wundert es mich auch nicht, dass es mal klappt und mal nicht.

    Ich mache als SL vieles möglich. Sogar freie Tage (die in NRW nicht verpflichtend vorgesehen sind, sondern nur, wenn möglich), aber wenn etwas nicht geht, geht es nicht.

    Und dann lasse ich mir als Schulleiter auch kein schlechtes Gewissen machen. Oder Vorwürfe machen.

    Schule ist schön ... und macht Spaß.

  • Ich mache als SL vieles möglich. Sogar freie Tage (die in NRW nicht verpflichtend vorgesehen sind, sondern nur, wenn möglich), aber wenn etwas nicht geht, geht es nicht.

    Und dann lasse ich mir als Schulleiter auch kein schlechtes Gewissen machen. Oder Vorwürfe machen.

    Da gehe ich voll mit. Aber hier wird von ganz anderen Zuständen berichtet. Da gehe ich eben nicht mit.

  • Man kann auch mit TZ-Kräften durchaus sprechen.
    "Du MUSST mittwochs und donnerstags früh in die Schwimmhalle. Was wäre eine andere, zuverlässige Entlastung?"

    Ich erlebe die ständigen Veränderungen als enorme Belastung und ich werde trotz Empathie nie genau nachvollziehen können, was "Kita-Abholen" für einen Stress bedeutet.
    Ich möchte einen freien Tag. Wenn die Schule mir garantiert, dass es das ganze Jahr der Donnerstag ist, dann ist es super. Ist mir egal (es gibt vielleicht Leute, denen ein bestimmter Tag wichtiger ist. Auch da kann man reden zwischen "wichtig" und "unerlässlich".)
    Das Problem ist: Wenn sich schlechte Kommunikation verselbstständigt und Leute dazu übergehen, Fakten zu schaffen, weil sie eh kein Vertrauen mehr haben.

  • Wenn es an einigen Schulen geht, dann sehe ich nicht, warum es an anderen nicht gehen kann. Das hat sehr viel mit der allgemeinen Organisationsstruktur zu tun. Und die ist Sache der SL. Und wenn ich mir die Themen Schulleitungsqualifizierung in NRW ansehe, wundert es mich auch nicht, dass es mal klappt und mal nicht.

    Da muss ich deutlich widersprechen. Du führst oben an, dass von anderen, krasseren Bedingungen hier berichtet wurde - das passt dann aber eben nicht zu dem Generalvorwurf, dass Du nicht siehst, wieso es an anderen Schulen nicht gehen kann.
    Die SL hat auf viele Faktoren, die den Stundenplan beeinflussen, überhaupt keinen Einfluss. Sie kann versuchen, im Rahmen des Möglichen, unter den gegebenen Bedingungen das Beste herauszuholen. Aber das Beste an Schule A ist vielleicht nur Mittelmaß an Schule B - trotz gleicher Qualität der Schulleitung.

    Mit der SLQ hat das überhaupt nichts zu tun - oder andersherum: Sie ist dafür nicht verantwortlich. Stunden- und Vertretungsplanung lernt man dort nicht. Das ist auch nicht die Aufgabe der SLQ, weil sie dem EFV vorgeschaltet ist und damit gar nicht primär für stv. SL oder FunktionsstelleninhaberInnen, die das übernehmen sollen, gedacht ist. Es gibt zahlreiche Fortbildungen für Untis und andere Programme, die man unbedingt machen sollte, wenn man diese Aufgabe übernimmt. Vieles ist auch Learning by Doing, unterstützt durch ein im Idealfall bereits erfahrenes Team.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • das passt dann aber eben nicht zu dem Generalvorwurf, dass Du nicht siehst, wieso es an anderen Schulen nicht gehen kann.

    Ok, ich präzisiere: Warum es anderen Schulen einfach komplett nicht klappen kann. Und kategorisch abgelehnt wird, es auch nur zu versuchen, mit dem Hinweis: Geht nicht.

    Mit der SLQ hat das überhaupt nichts zu tun - oder andersherum: Sie ist dafür nicht verantwortlich. Stunden- und Vertretungsplanung lernt man dort nicht. Das ist auch nicht die Aufgabe der SLQ, weil sie dem EFV vorgeschaltet ist und damit gar nicht primär für stv. SL oder FunktionsstelleninhaberInnen, die das übernehmen sollen, gedacht ist. Es gibt zahlreiche Fortbildungen für Untis und andere Programme, die man unbedingt machen sollte, wenn man diese Aufgabe übernimmt. Vieles ist auch Learning by Doing, unterstützt durch ein im Idealfall bereits erfahrenes Team.

    Da hast Du natürlich Recht. Es schadet m.E. aber auch nicht, wenn man über Stunden- und Vertretungsplanung soweit Bescheid weiß, dass man da auch mitreden kann. Und damit meine ich nicht die technische Umsetzung über Untis.
    Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die SL nämlich verantwortlich.

  • Man kann auch mit TZ-Kräften durchaus sprechen.
    "Du MUSST mittwochs und donnerstags früh in die Schwimmhalle. Was wäre eine andere, zuverlässige Entlastung?"
    ...
    Das Problem ist: Wenn sich schlechte Kommunikation verselbstständigt und Leute dazu übergehen, Fakten zu schaffen, weil sie eh kein Vertrauen mehr haben.

    Das trifft es natürlich. Problem ist natürlich, dass es oft auch die Entlastung einfach nicht gibt. Das hatten wir ja schon. Man bräuchte einfach eine Menge X an zusätzlichen Entlastungsstunden im System.

    Und sind wir mal ehrlich, oft liegt es auch einfach daran, was es für eine Persönlichkeit die Lehrkraft ist. Ich habe eine Person, wo ich oder die SL schon immer sagen, dass sie nicht die dritte Springstunde oder den nächsten Ganztag machen soll sondern auch mal an sich denken muss. Auf der anderen Seite ist jemand ausgeflippt, weil die Person an einem Tag vierzehntägig zwei Freistunde hatte. Ansonsten allerdings keine Springstunden.

    Je nachdem wie kompromissbereit die Mehrheit im Kollegium ist, desto einfach wird es. Das hat natürlich auch was mit Kommunikation zu tun, um diese Kompromissbereitschaft zu schaffen.

  • Teilzeit IST ein Verlustmodell in der Schule, man muss es aber NICHT noch schlimmer machen.
    und dass jede*r unterschiedliche Kompromisse braucht, macht es schwieriger, aber wenn sie fair und transparent sind, ist es okay. Machen wir auch mit unseren SuS immer (Nachteilsausgleich). Sich darauf verlassen können, dass ich meine Arbeit länger schreibe - auch wenn ich es nicht brauche - oder eine Sehhilfe habe, ist viel wert. Sich darauf verlassen können, dass ich meine Nachmittage frei habe, motiviert mich, morgens immer die erste Stunde zu haben.
    Und wenn mein "Kompromiss" wäre: VZ nie zur ersten und kein Nachmittag, dann muss mir der Zahn gezogen werden, dass DAS nicht unter "Familienfreundlichkeit" fällt.

  • Das trifft es natürlich. Problem ist natürlich, dass es oft auch die Entlastung einfach nicht gibt. Das hatten wir ja schon. Man bräuchte einfach eine Menge X an zusätzlichen Entlastungsstunden im System.

    Und da sind wir bei dem Grundproblem: Viele Schulen - insbesondere GSen und diese in Brennpunkten - sind strukturell überlastet. Und diese strukturelle Überlastung wirkt sich dann bei TZ noch einmal besonders aus. Eine KL in einer Brennpunkt-GS ist ein übler Haufen Arbeit. Eine volle KL ist da schon überlastet. Besonders dann aber auch die TZ-Kraft, die eigentlich nur für eine halbe KL bezahlt wird (nicht teilbare Aufgabe, für die Entlastung stattfinden müsste, aber in der Regel nicht stattfindet). Und an der Stelle wäre eine Berechnung: KL entspricht 2 Schulstunden Aufwand in der Woche und wird dementsprechend relativ zur Reduktion des Deputats der TZ-Kraft genutzt.

    Und da sind wir schon wieder beim Problem: Die Ressourcen sind nicht da. Und die Dienstherren machen sich einen schlanken Fuß, weil sie so tun, als könnte das vor Ort geregelt werden.

    Und da könnte eine AZ-Erfassung ansetzen, die die KMK wie der Teufel das Weihwasser meidet.

    Und sind wir mal ehrlich, oft liegt es auch einfach daran, was es für eine Persönlichkeit die Lehrkraft ist. Ich habe eine Person, wo ich oder die SL schon immer sagen, dass sie nicht die dritte Springstunde oder den nächsten Ganztag machen soll sondern auch mal an sich denken muss. Auf der anderen Seite ist jemand ausgeflippt, weil die Person an einem Tag vierzehntägig zwei Freistunde hatte. Ansonsten allerdings keine Springstunden.

    Ich schreibe aber nicht von anekdotischen schrägen Vorstellungen sondern von einem systemischen Problem.

    Je nachdem wie kompromissbereit die Mehrheit im Kollegium ist, desto einfach wird es. Das hat natürlich auch was mit Kommunikation zu tun, um diese Kompromissbereitschaft zu schaffen.

    Kommunikation bedeutet aber auch, dass im Vorfeld die SL sich des Problems der nicht teilbaren Aufgaben bewusst wird und dann auf dieser Basis Lösungen sucht. Und da sehe ich mit meiner anekdotischen Evidenz (im deutlich zweistelligen Bereich GS-LK in TZ, die ich kenne):

    * TZ-Konzepte gibt es an deren Schulen nicht.

    * Umgang mit Konferenzen: Du hast Dienstpflicht (was ja prinzipiell richtig ist.) Aber: Entlastung gibt es nicht.

    * Zusatzaufgaben: Du bist TZ, da hast du doch Zeit. Die VZ-KuK sind am Limit.

    * Projektwoche? Machst du voll. Mehrarbeit? Nein, kannst du nicht abrechnen. Das ist Dienstpflicht. Entlastung? Ach nee.

    etc. pp.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Ok, ich präzisiere: Warum es anderen Schulen einfach komplett nicht klappen kann. Und kategorisch abgelehnt wird, es auch nur zu versuchen, mit dem Hinweis: Geht nicht.

    Ja, beim Thema "kategorisch ablehnen" bin ich dann wieder bei Dir. Meine Frau war an einer solchen Schule. Das hat wahrlich keinen Spaß gemacht.

    Da hast Du natürlich Recht. Es schadet m.E. aber auch nicht, wenn man über Stunden- und Vertretungsplanung soweit Bescheid weiß, dass man da auch mitreden kann. Und damit meine ich nicht die technische Umsetzung über Untis.
    Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die SL nämlich verantwortlich.

    Ab dem Moment, wo Du als stv. SL in der Regel (laut ADO) diese Verantwortung hast, musst Du über die geltenden Regelungen Bescheid wissen. Im Extremfall musst Du Dich dann über die bis dato gelebte Praxis hinwegsetzen und Dein Team anweisen, künftig anders vorzugehen. Das stelle ich mir als Externer schwierig vor. (Ich hatte das Glück, dass mein Team da super unterwegs war und ich dadurch einen angenehmen Einstieg hatte.)

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Und besonders die zerstückelte AZ mit Unterricht am Vormittag und Konferenzen am Nachmittag etc. macht es auch eher schattiger.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street

    Ich habe eine Kollegin mit unterhälftiger Teilzeit, die ist dankbar darüber, weil sie so mittags zuhause kochen kann. Sie fängt am liebsten morgens früh an, ihr Mann kann später beginnen und hat kein Problem ab 14 Uhr wieder zu unterrichten. Sie wohnt in der Nähe und benötigt mit Rad nur wenige Minuten.

    Mich stört auch, wenn es woanders funktioniert, muss es überall funktionieren. Ich war einmal an einer neugegründeten Schule mit fast nur jungen KollegInnen (Durschnittsalter inkl. "alter" SL war 36). Fast alle hatten kleine Kinder. Wir hätten inkl. SL nur 4 KollegInnen für 16 Klassen in den ersten beiden Stunden gehabt. 12 Klassen hätten im Extremfall also nur 20 Stunden vormittags gehabt und wenn dann nachmittags auch noch frei gewünscht wird...

    In Baden-Württemberg gibt es daher keine Regelung von oben, jede Schule beschließt ihr eigenes Konzept. Und ja, wünschen kann man viel, Wünsche von KollegInnen mit kleinen Kindern oder Schwerbehinderung haben Priorität, aber erste Priorität hat der Stundenplan unserer Schüler.

    Wie geschrieben vor gut 2 Jahren hat sich der ÖPR dem Problem gestellt und viele Stunden Zeit hinein gesteckt, um den Stundenplan wirklich zu verstehen und evtl. zu optimieren. Sie haben es ausführlich auf einer Sitzung berichtet. Es wird bei uns bereits das beste zu den gegebenen Bedingungen erstellt.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

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