Leistungen Schüler:innen in Mathe und in Deutsch

  • Schmidt : Was wäre deiner Meinung nach das ideale Einstiegsalter in Sachen Leistungsorientiertheit?

    Du hast Recht, dass Deutschland die drittgrößte Volkswirtschaft ist, aber das Wirtschaftswachstum stagniert seit einigen Jahren, während im ostasiatischen Raum viele Länder zuletzt ordentliche Wirtschaftswachstumsraten von teilweise +5% oder mehr verzeichneten. Ich hob auch den Bildungsaspekt hervor und da liegen Japan, Singapur, Südkorea und Taiwan weltweit sehr weit vorne.

  • Wenn die Kinder immer nur Hefte ausfüllen, dann fehlt ihnen die Übung, auch mal selbst Tabellen zu zeichnen ... Früher gab es in der Grundschule auch Schulbücher, aus denen bereits Erstklässler Aufgaben abschreiben mussten. Ich musste sogar Aufgaben von der Tafel abschreiben!

    Heute füllt man bis zur vierten Klasse Lücken in Heften aus... Dann fehlt die Übung. Da können die Kinder nicht dafür.

    Aber nicht überall. Bei uns werden ab Klasse 2 die Aufgaben aus dem Buch abgeschrieben und im Heft gerechnet. Mit Tabellenzeichnen und allem pipapo. Ist in Klasse 2 anfangs recht stressig, aber wir ziehen es durch und nach ein paar Wochen klappen eigene Hefteinträge sehr gut.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Schmidt : Was wäre deiner Meinung nach das ideale Einstiegsalter in Sachen Leistungsorientiertheit?

    Wie machst du es denn in deinen Klassen? Wie gehst du mit unterschiedlichen Leistungen in Mathe und Französisch um? Wie förderst du schwache Kinder?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Die Lehrkräfte in diesen (Abschluss nicht verschenkenden) BL sind auch nichts besonderes. Sie machen einfach ihren Job, aber mit anderen Bedingungen (Abschulung, verbindliche Schulformempfehlung, Klassenarbeiten in allen Fächern, gewisserer Schuldruck...)

    Nee, sicher nicht besonders, einfach nur nicht zimperlich. Ich sehe es doch im nächsten Umfeld: Bei mehreren Vieren wird empfohlen, auf die Oberschule zu wechseln und das auch noch in Klasse 8 oder 9.

    Ihr habt doch in NRW sicher auch eine Versetzungsordnung? Wenn einer nicht vernünftig lesen und schreiben kann, dann hat er ja in allen Fächern Probleme, nicht erst im Geschichts-LK. Wie mogelt man sich da bis in die Sek II?

  • Die Parallelschule ist voll und nicht auf.
    Und eine ‚Empfehlung‘?! Muhahah… die Kids sind eh schon mit Realschulempfehlung aufs Gym, warum sollten sie freiwillig runter? Und da die Versetzungsbestimmungen eben sehr locker sind, bleiben sie, bis es nicht mehr geht..

  • Ihr habt doch in NRW sicher auch eine Versetzungsordnung? Wenn einer nicht vernünftig lesen und schreiben kann, dann hat er ja in allen Fächern Probleme, nicht erst im Geschichts-LK. Wie mogelt man sich da bis in die Sek II?

    • LRS Nachteilsausgleich (Rechtschreibleistung in der SI wird nicht gewertet)
    • Noteninflation/ sinkende Anforderungen an die Schüler:innen
    • Vielleicht auch: "Oh für eine 5 müsste ich ne Lern- und Förderempfehlung schreiben, da geb ich lieber ne 4"
    • Ggf. Aussagen wie "Kannst du Karl Gustav keine 4 in Physik geben? Dann kommt er in die Oberstufe und ist eh nur ein Nebenfach.
    • Dann beratungsresistente Eltern. Selbst wenn man empfiehlt auf die Realschule z.B. zu wechseln, machen es nicht alle Eltern. Und am Ende kann man ja - zumindest am Gymnasium - mit alles 4 in die Oberstufe kommen, an einer Gesamtschule sind die Anforderungen höher (bestimmte Anzahl von E Kursen mit entsprechenden Noten und entsprechendes Notenbild in den "übrigen" Fächern)
  • Tukan: Da du näher an den "Kleinen" dran bist als ich: Würdest du sagen, dass diejenigen, die Rückstände in der ersten Klasse haben, sich dem Umstand bewusst sind, dass sie eigentlich hinterherhinken, und das Bedürfnis haben, sich den anderen Mitschülern (m/w/d) bzw. der Erwartungshaltung von dir bzw. den Lehkräften anzugleichen, oder ist dieses Gefühl (noch?) gar nicht vorhanden und du bzw. die Kollegen (m/w/d) müssen eher noch darauf achten, dass der Abstand zwischen Ist und Soll mit der Zeit nicht noch größer wird?

    1. Nein, 6-Jährige können ihren Lernstand noch nicht exakt differenziert einschätzen.
    2. Nein, 6-Jährige könnten, selbst wenn sie wollten, sich nicht mit Willenskraft dem Lernstand anpassen. Sie müssen nicht einfach nur alleine Vokabeln lernen, sondern den Zahlenraum erfassen und Lesen lernen und wer da bereits große Schwierigkeiten hat, ist nicht einfach nur faul.
    3. Nein, SuS müssen sich in keinem Alter "der Erwartungshaltung der Lehrkraft" anpassen. Es gibt Lehrpläne, deren Ziele zu erfüllen sind, die Unterrichtszele denkt sich nicht jeder selbst aus.

      Und ja, wer das alles nicht weiß, von dem vermute ich, dass er noch niemals unterrichtet hat und sich auch nicht schon 15 Jahre theoretisch damit beschäftigt, Gymshark.

      So viele Sätze zum zitierten Nonsens zu schreiben schien mir unnötig, aber weil jemand, der dich offenbar als Forenuser nicht kennt, meinen Beitrag zu unhöflich fand, habe ich ihn nochmal ausführlich erläutert.

    • Noteninflation/ sinkende Anforderungen an die Schüler:innen
    • Vielleicht auch: "Oh für eine 5 müsste ich ne Lern- und Förderempfehlung schreiben, da geb ich lieber ne 4"
    • Ggf. Aussagen wie "Kannst du Karl Gustav keine 4 in Physik geben? Dann kommt er in die Oberstufe und ist eh nur ein Nebenfach.
    • Dann beratungsresistente Eltern. Selbst wenn man empfiehlt auf die Realschule z.B. zu wechseln, machen es nicht alle Eltern. Und am Ende kann man ja - zumindest am Gymnasium - mit alles 4 in die Oberstufe kommen, an einer Gesamtschule sind die Anforderungen höher (bestimmte Anzahl von E Kursen mit entsprechenden Noten und entsprechendes Notenbild in den "übrigen" Fächern)

    Eben, genau das sage ich ja, hausgemachte Probleme. Es sind nicht alle SuS plötzlich dumm, ihr schleift offenbar alle mit und passt eure Anforderungen nach unten an.

    Oder beweist das Gegenteil und zitiert eine Studie zum sinkenden IQ in NRW.

  • Eben, genau das sage ich ja, hausgemachte Probleme. Es sind nicht alle SuS plötzlich dumm, ihr schleift offenbar alle mit und passt eure Anforderungen nach unten an.

    Oder beweist das Gegenteil und zitiert eine Studie zum sinkenden IQ in NRW.

    Nein dümmer werden die Schüler:innen nicht. Es reduzieren sich "nur" die Anforderungen (seitens des Schulministeriums via Abschlussprüfungen; seitens der Lehrkräfte, ...)

    Meine Mutter kann heute noch problemlos den Dreisatz, die Zins- und Prozentrechnung und schnell etwas im Kopf überschlagen - Kompetenzen, an denen heute viele Schüler:innen scheitern und/ oder es schnell wieder vergessen. Zu ihrer Zeit war es aber auch eine Ausnahme, dass Schüler:innen aufs Gymnasium kamen. Da war auch noch ein Volksschulabschluss etwas wert.

    Ist meine Mutter klüger als heute Schüler:innen? Nein! Es wurde damals "nachhaltiger" gelernt und nicht so schnell alles wieder vergessen. 1en gab es sehr sehr selten. Insofern haben sich die Anforderungen eben geändert (Wechsel aufs Gym; Anforderungen im Abi/ bei anderen Abschlussprüfungen).

  • Quittengelee : Wäre es möglich, diese provokante Grundhaltung in deinen Beiträgen etwas zu reduzieren? Es wurde bereits von mehreren Mitgliedern angesprochen und jetzt würde ich auch noch einmal auf dieses Anliegen hinweisen.

    Du hast viel Erfahrung im Bildungswesen, die ich als für den Austausch als potentiell sehr bereichernd fände, wenn es nicht gelegentlich bestimmte unterschwelligen Wertungen Richtung verschiedener Mitglieder des Forums gäbe, die dazu führen, dass das Gesamtbild getrübt wird. Das finde ich sehr schade.

  • Ich notiere mir seit einiger Zeit gelegentlich bestimmte Begriffe zu denen im Unterricht Verständnisfragen kamen wenn sie in Buchtexten o.ä. auftauchten. Ich möchte mein Gefühl dafür schärfen, welche Art von Begriffen ich ggfs. von vornherein durch Fußnoten erklären oder im Unterrichtsgespräch direkt erläutern könnte/sollte.

    Auf meiner Liste stehen so Wörter wie: Bittsteller, zweckmäßig, zuversichtlich, Boykott, Schlagzeile, skizzieren, bagatellisieren, objektiv, dynamisch. (Alles gefragt in Stufe 9 aufwärts.) Eine Mischung aus Fachbegriffen, eventuell leicht altmodischen Wörtern aber auch solchen die ich für völlig banal (<- das dürfte wohl ebenfalls erklärungsbedürftig sein) oder längst etabliert (<- das auch) halten würde.

    Ich nehme an, dass hier - ähnlich wie bei der Rechtschreibung - ein Teil der Ursache in fehlendem Freizeitlesen liegen dürfte?

  • Sinkender IQ ist weltweit in entwickelten Ländern ein Problem, aber da speziell nach Deutschland gefragt wurde: Measurement-Invariant Fluid Anti-Flynn Effects in Population : Representative German Student Samples (2012–2022)

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Ich glaube einige von euch werden noch überrascht sein, was noch auf euch zukommt. Ich bin relativ sicher, dass die Schüler nicht per se dümmer werden. Die Schere geht nur auseinander. Ich haben "traumhafte" Schüler. Letztens erzählte mir ein Schüler, dass sie in der Elbphilharmonie waren. Das Stück im Monat fand er aber deutlich besser. Und das sind keine Einzelfälle. Ich habe in jedem Jahrgang 10% Schüler, die maximal gefördert und vorbereitet sind. Die haben während der Woche und am Wochenende das optimale Betreuungs- und Bildungsprogramm. Viele dieser Schüler können deutlich mehr als die Kinder vor 10 Jahren.
    Aber ich habe auch in jedem Jahrgang ganz viele Schüler, die mit großen Defiziten kommen. Und diese kommen fast alle aus sozialschwachen und bildungsfernen Familien. Und bevor sich Q. gleich aufregt: Es gibt auch tolle Schüler aus sozial schwachen Familien. Aber die sind leider die Ausnahme.
    Viele haben Elternhäuser, wo die Eltern selbst schon "Schulversager" waren. Berufswunsch: Bürgergeldempfänger. Diese Kinder werden teilweise 0 gefördert. Wir haben immer mehr Kinder, die nie im Schwimmbad gehen. Die nie an der Nordsee waren, obwohl sie in der Nähe wohnen. Die kein Mittagessen bekommen. Die noch nie eine Schere benutzt haben. Eltern, die selbst am Stoff der Grundschule in Deutsch und Mathematik scheitern. Mein Höhepunkt war ein Vater, der im 20er-Raum kein Minus rechnen konnte. War für ihn aber auch kein Problem. Wofür brauchen wir das heute?

    Und dann kommt das nächste Problem. Durch veränderte Kindheit, durch Medien etc. haben wir immer mehr schwierige Problem.

    Und eine Sache, die viele gar nicht sehen. Wir haben einerseits zu wenig Kinder und andererseits bekommen sozial schwache Elternhäuser deutlich mehr Kinder als bildungsnahe Familien. Wir so viele Familien mit schwierigen Hintergrund, wo wir 3-4 und manchmal auch 5 Kinder bekommen. Bei den besser gestellten Eltern sind es in der 1-2 Kinder. Und dieser Effekt ist nicht neu. Die sozial schwache Kinder aus den 80er, die es nicht geschafft haben gesellschaftlich aufzusteigen, landen wieder beim Bürgergeld und bekommen wir 3-5 Kinder. Unter Umständen haben wir im ersten Szenario heute 25 Kinder aus sozial schwachen Familien, die heute in die Schule kommen und aus den bildungsnahen Familien kommen nur 4. Während es in den 80er nur 5 kontra 2 waren....

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