Lehrer in der heutigen Zeit - würdet ihr es wieder studieren?

  • Kann noch ein bisschen mehr zum Promovieren sagen. Tatsächlich hat keckks den Nagel auf den Kopf getroffen. Wobei es bei mir ein bisschen anders war - geforscht habe ich gerne. Allerdings habe ich während meiner Promotionszeit über mich herausgefunden, dass ich zwar ein passabler Problemlöser, aber kein guter Problemerfinder bin. Sehr viel Zeit ging dafür drauf, überhaupt zu überlegen, was ich tun könnte - in einem sehr kompetitiven Umfeld mit Konkurrenten, die über deutlich mehr Know-How und Ressourcen verfügten als ich. Quasi als Outsider habe ich damals aus Interesse eine neue Forschungsrichtung am Lehrstuhl im Alleingang etabliert, mit Unterstützung von Arbeitsgruppen an anderen Unis. Hoffnungslos naiv, rückblickend betrachtet. Aber was tut man nicht alles aus intrinsischer Motivation ;)

  • Geforscht habe ich schon gerne und ich hätte an der Promotion sicher Spaß gehabt. Allerdings wären die Stelleaussichten eher schlecht gewesen und ich wäre dann wahrscheinlich über kurz oder lang sowieso in der Schule gelandet.
    Ich kenne tatsächlich gleich mehrer Fälle, wo jemand promoviert hat, sich ein paar Jahre von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag gehangelt hat und dann doch ins Lehramtsreferendariat gegangen ist.

  • das ist doch auch nichts schlechtes. die oberstufenschüler können sich glücklich schätzen, einen lehrer zu haben, der eine wirklich das fach voranbringende längere wissenschaftliche arbeit verfasst hat. es ist doch keine verlorene zeit, wenn es einem freude gemacht hat und auch noch was neues dabei rausgefunden worden ist.

  • Aber wenn ich an systembedingte Beschränkungen, eine horrende Bildungspolitik und damit verbundenes Weiterwurschteln, eine nicht leistungsgerechte Bezahlung, kaum Karrieremöglichkeiten und keine beruflichen Herausforderungen denke, stelle ich mir andere Berufe deutlich attraktiver vor.
    ...
    Im nächsten Leben würde ich wahrscheinlich Medizin oder Jus studieren, da das einfach "brauchbarer" ist.

    Diesen beiden Aussagen kann ich vollumfänglich zustimmen.


    Lehramt ist mittlerweile eigentlich nur noch für diejenigen attraktiv, die mit möglichst wenig Einsatz einen sicheren Job mit mittelmäßiger Bezahlung suchen und die auf Karrieremöglichkeiten keinen Wert legen (nein, A14 ist keine "Karriere"). Der Job zieht schon seit mindestens 10 Jahren keine "Performer" mehr an. Schonhaltung ist angesagt, sieht man insbesondere bei den Junglehrern. Für Frauen ist der Job sicherlich in der Hinsicht noch attraktiv, als das man ohne Probleme jahrelang für die Kindererziehung aussteigen und danach wieder einsteigen kann oder die Teilzeit-Lehrerin spielen kann (und der Mann schafft dabei in einem "richtigen" Job die echte Kohle ran).


    Lehrer sein ist mittlerweile nur noch ein Traumjob für Low-Performer oder für Leute, die jedes Jahr einen Großteil des Arbeitszeit mit irgendwelchen Wehwehchen krank zu Hause bleibem, während die Kohle dank des Alimentationsprinzips in voller Höhe weiter fließt.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    Einmal editiert, zuletzt von Mikael ()

  • Diesen beiden Aussagen kann ich vollumfänglich zustimmen.
    Lehramt ist mittlerweile eigentlich nur noch für diejenigen attraktiv, die mit möglichst wenig Einsatz einen sicheren Job mit mittelmäßiger Bezahlung suchen und die auf Karrieremöglichkeiten keinen Wert legen (nein, A14 ist keine "Karriere"). Der Job zieht schon seit mindestens 10 Jahren keine "Performer" mehr an. Schonhaltung ist angesagt, sieht man insbesondere bei den Junglehrern. Für Frauen ist der Job sicherlich in der Hinsicht noch attraktiv, als das man ohne Probleme jahrelang für die Kindererziehung aussteigen und danach wieder einsteigen kann oder die Teilzeit-Lehrerin spielen kann (und der Mann schafft dabei in einem "richtigen" Job die echte Kohle ran).


    Lehrer sein ist mittlerweile nur noch ein Traumjob für Low-Perfermer oder für Leute, die jedes Jahr einen Großteil des Arbeitszeit mit irgendwelchen Wehwehchen krank zu Hause bleibem, während die Kohle dank des Alimentationsprinzips in voller Höhe weiter fließt.


    Gruß !

    ...bist du jetzt eigentlich Statler oder Waldorf?

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)


  • Lehramt ist mittlerweile eigentlich nur noch für diejenigen attraktiv, die mit möglichst wenig Einsatz einen sicheren Job mit mittelmäßiger Bezahlung suchen und die auf Karrieremöglichkeiten keinen Wert legen (nein, A14 ist keine "Karriere"). Der Job zieht schon seit mindestens 10 Jahren keine "Performer" mehr an.

    Ich habe mich zwar berufen gefühlt, Lehrer zu werden, bzw. fühle es immer noch, aber was du hier schreibst, fasst die Problematik gut zusammen: Lehrersein kann sehr bequem sein und schützt Unfähige oder Nichstuer. Von untauglichen Kollegen verabschiedet man sich bei uns erst bei der Pensionierung, davor richten sie Jahrzehnte schaden an. Im Idealfall sind sie jahrelang auf "Kur" oder im "Krankenstand", wobei auch das für die Administration schwierig zu verwalten ist. Zwar gibt es (vor allem in Deutschland) eine vergleichsweise strenge Ausbildung, aber einmal im System ist es offensichtlich sehr einfach, eine ruhige Kugel zu schieben.


    Insofern ja, auch solche Kollegen und die Machtlosigkeit der Zuständigen, diese zu entfernen, machen den Job sehr unattraktiv.

  • Ich bin wirklich irritiert, was hier in diesem Forum oft als ‚mittelmäßiges Gehalt‘ abgestempelt wird. Verglichen wird dann häufig mit den gefühlt 5%, die in ‚der Wirtschaft‘ absahnen und die 95%, die weit unter einem Lehrer-Teilzeitgehalt verdienen, werden ausgeblendet. Unglaublich weltfremd.

  • Ich bin wirklich irritiert, was hier in diesem Forum immer oft als ‚mittelmäßiges Gehalt‘ abgestempelt wird. Verglichen wird dann häufig mit den Gefühlt 5%, die in ‚der Wirtschaft‘ absahnen und die 95%, die weit unter einem Lehrer-Teilzeitgehalt verdienen, werden ausgeblendet. Unglaublich weltfremd.

    Ich versteh's auch nicht. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis verdiene ich mit das meiste. Manche haben in etwa den gleichen Verdienst, nur Einzelne verdienen etwas mehr, aber auch nicht so viel mehr. Da sind auch viele Akademiker drunter mit spürbar weniger als ich. Der Verdienst ist es wirklich nicht, der den Lehrerberuf unattraktiv macht.

  • Ich habe mich zwar berufen gefühlt, Lehrer zu werden, bzw. fühle es immer noch, aber was du hier schreibst, fasst die Problematik gut zusammen: Lehrersein kann sehr bequem sein und schützt Unfähige oder Nichstuer. Von untauglichen Kollegen verabschiedet man sich bei uns erst bei der Pensionierung, davor richten sie Jahrzehnte schaden an. Im Idealfall sind sie jahrelang auf "Kur" oder im "Krankenstand", wobei auch das für die Administration schwierig zu verwalten ist. Zwar gibt es (vor allem in Deutschland) eine vergleichsweise strenge Ausbildung, aber einmal im System ist es offensichtlich sehr einfach, eine ruhige Kugel zu schieben.
    Insofern ja, auch solche Kollegen und die Machtlosigkeit der Zuständigen, diese zu entfernen, machen den Job sehr unattraktiv.

    Umgekehrt ist es aber eben auch so, dass sich Einsatz und Engagement häufig für den/die Betreffende nicht auszahlt. Entweder, es wird nicht wahrgenommen oder ignoriert, oder es wird nur wahrgenommen, was mal nicht gut geklappt hat, und die Team-Kollegen nehmen Dein Material dankbar an, geben aber nie etwas zurück.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Ich versteh's auch nicht. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis verdiene ich mit das meiste. Manche haben in etwa den gleichen Verdienst, nur Einzelne verdienen etwas mehr, aber auch nicht so viel mehr.

    Seh ich auch so.



    Umgekehrt ist es aber eben auch so, dass sich Einsatz und Engagement häufig für den/die Betreffende nicht auszahlt.

    Seh ich ebenfalls so.


    Und außerdem wären wir hier wieder bei der unterschiedlichen Bezahlung, Angestellte/Beamte, verschiedene Schularten, verschiedene Bundesländer. Kommt darauf an, aus welcher Perspektive man das versucht zu überblicken und wie im einzelnen die Arbeitsbedingungen an der jeweiligen Dienststelle auch sind. Jeder hat da sozusagen ein anderes Verhältnis.

  • Es kommt sicher sehr darauf an, wo man guckt. Wenn man in der Gruppe der Akademiker schaut, sind bei Ärzten oder Ingenieuren teils deutlich höhere Gehälter drin, bei vielen Geisteswissenschaften kommt man außerhalb der Schule in der Regel nicht auf das Gehalt eines Lehrers. In der Schule kommen nun mal viele Fachrichtungen zusammen und müssen unter einen Hut gebracht werden. Alles in allem finde ich die Besoldung von Lehrern angemessen für die erwartete Ausbildung und die Anforderungen im Beruf. Aber eben nur als "Mittelwert".

  • Ich bereue es aber trotzdem nicht mit Mathe und Physik an der Schule zu sein. Man verdient vielleicht weniger als woanders möglich
    wäre, dafür sind sie aber auch sehr angenehm zu unterrichten (und zu korrigieren).


    Ich hätte aber auch keine Lust auf einen Job, in dem man für sehr viel Geld aber auch sehr viel arbeiten muss. Wenn ich keine Zeit mehr habe es auszugeben, bringt das ja auch nichts.


    Und der deutlich besser als A13 bezahlte, 40 Stunden Bürojob, ohne große Verantwortung, den hat mir auch noch keiner gezeigt.

  • Ich versteh's auch nicht. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis verdiene ich mit das meiste. Manche haben in etwa den gleichen Verdienst, nur Einzelne verdienen etwas mehr, aber auch nicht so viel mehr. Da sind auch viele Akademiker drunter mit spürbar weniger als ich. Der Verdienst ist es wirklich nicht, der den Lehrerberuf unattraktiv macht.


    Das kann ich nur unterschreiben, auch wenn das einige hier im Forum schon aus Prinzip heraus anders sehen mögen. Als wir im Juni/Juli hier schon einmal darüber diskutiert haben, bin ich diesbezüglich sehr scharf angegangen worden. Schön, dass es hier noch mehr Leute gibt, die nicht nur auf die oberen 5-10% der Einkommen in Deutschland schauen und die zugehörigen Arbeitsbedingungen ausblenden.


    Ich bin durchaus zufrieden mit dem Einkommens-/Arbeitszeit-Verhältnis, insbesondere wenn man doch etwas Karriere machen kann im Schulsystem. Und auch auf Funktionsstellen ist man, wenn man sich halbwegs organisieren kann, weit weg von den öfter besungenen 50-60+ Stunden/Woche als Dauerzustand.

  • Ich bereue jedenfalls nichts an meinem Berufsweg. Ich bin sehr gerne Lehrerin gewesen. Gerade Berufskolleg fand ich super wegen der sehr vielfältigen Tätigkeit in unterschiedlichen Bildungsgängen. Und die Fächerkombination würde ich so auch wieder nehmen.

  • Ich versteh's auch nicht. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis verdiene ich mit das meiste.

    Tja, da sind sie wieder, die "Lehrer-Gehaltskönige" aus der Uckermark, aus Ostfriesland oder aus "hinter den Kassler Bergen, bei den sieben Zwergen"...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

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