Kompakter Stundenplan und Vertretungen

  • Wir haben hier schon oft über Frei- bzw. Springstunden und Stundenplangestaltung diskutiert.


    Wenn man im Kollegium insgesamt sehr viele kompakte Pläne hat, die viele als angenehm empfinden, weil sie dann z.B. für 4 Unterrichtsstunden auch nur 4 Stunden vor Ort sein müssen, wird es schwierig, Leute zu finden, die vertreten können. Wenn z.B. montags in der 3./4. Stunde nur 2 Leute eine Freistunde haben, sind die automatisch häufiger dran, als wenn z.B. 7 Leute eine Freistunde hätten.


    Gibt es in euren Kollegien ein Verfahren, wie damit umgegangen wird? Denkbar wäre z.B.
    1) Viele kompakte Pläne sind allgemein gewünscht, was dazu führt, dass die Vertretungsbelastung auf wenige Schultern verteilt wird.
    2) Es wird eine gleichmäßige Belastung mit Vertretung gewünscht, dadurch ergeben sich im Schnitt Pläne, die von vielen als schlecht empfunden werden.
    3) Es werden, wenn möglich, vermehrt Kollegen zur Vertretung rangezogen, die eigentlich noch gar nicht da/schon weg sind ==> Problematik bei Teilzeitkräften mit Kinderbetreuung.


    Mir ist klar, dass diejenigen, die den Stundenplan erstellen, eine ziemliche Herkulesaufgabe vor sich haben, mit der man sich oft unbeliebt macht. Mir geht es auch nicht darum, das zu betonen oder über die Pläne allgemein zu schimpfen. Auch bitte keine Diskussion darüber, ob alles vertreten werden muss o.ä.
    Mich interessiert vor allem, ob die Varianten 1) bis 3) mal thematisiert wurden bzw. wie an euren Schulen der Spagat geschafft zwischen den verschiedenen Ansprüchen geschafft wird, falls die o.g. Dinge überhaupt ein Kriterium bei der Planerstellung sind.

  • Wir haben Präsenzstunfen im Plan. In diesen können wir zur Vertretung herangezogen werden. In den anderen nicht (Außer es ist eine riesige Krankheitswelle).
    Die können auch vor/nach den Stunden liegen, die man an dem Tag hat aber nie mit großem Abstand. Z.B. 1-4 Unterricht, 5 Präsenz ginge, 1-4 Unterricht, 6 Präsenz nicht.
    Fallsan in seiner letzten Stunde Präsenz hat und on den ersten 5-10 min nichts passiert ist, darf man auch gehen.


    Das System ist sicher nicht optimal aber immerhin relativ berechenbar.

    Einmal editiert, zuletzt von Milk&Sugar () aus folgendem Grund: E statt w

  • Es ist bei uns (zwar nicht häufig, aber doch) auch durchaus üblich, KuK z.B. auch in ihren Randstunden zur Vertretung einzuteilen (z.B. fang ich am Freitag erst nach der Pause an, aber es kommt schon mal vor, dass ich eine Stunde eher rein muss).
    Man versucht schon, Stundenpläne relativ kompakt zu machen, aber jeder von uns hat in der Woche mehrere Freistunden. Solange das nicht zu viele sind, stört es mich nicht zu sehr, denn ich hab an der Schule auch immer was zu tun (korrigieren, kopieren, Leistungserhebungen archivieren etc).
    Es wird darauf geachtet, dass Vertretungen auf alle Schultern verteilt werden - wer so "privilegiert" ist, dass er (oder sie) wenig Freistunden hat, der muss halt schlucken, dass er/sie auch mal eher rein muss oder länger bleiben muss. Planbare Vertretungen sind sowieso immer Tage vorher bekannt, da muss sich dann halt auch einmal eine Teilzeitkraft mit Kinderbetreuung darauf einstellen können.


    Dennoch: gemeckert wird immer ... egal wie es gehandhabt wird.

  • Wir haben Präsenzstunfen im Plan. In diesen könnwn wir zur Vertretung herangezogen werden. In den anderen nicht (Außer es ist eine riesige Krankheitswelle).

    Genau, bei uns heißen sie Bereitschaftsstunden. Jeder hat eine gewisse Anzahl davon im Stundenplan (je nachdem ob TZ/VZ), wer mehr hat, bekommt sie z. T. auch angerechnet. So ist aber sichergestellt, dass es in jeder einzelnen Unterrichtsstunde mehrere Bereitschaften gibt. Man hat dann anwesend zu sein und muss notfalls auch spontan einspringen können.
    Finde es eigentlich ein ganz gutes System, da es recht planbar ist (oft weiß ich vorher schon, wann/wo ich Vertretung habe) und weil kaum Unterricht ausfällt (außer mal eine letzte Stunde).

  • In Hamburgs Arbeitszeitmodell wird eine V-Stunde eingeplant, die fest im Plan verankert ist. So haben wir eine Reserve in jeder Stunde.

  • Die Befürchtung, dass sich bei wenigen Springstunden die Vertretung auf wenige Schultern verteilt, halte ich für unbegründet.
    Die Gründe hören sich im ersten Moment logisch an, aber guckt man in die Praxis:
    - bevor wirklich jemand Mehrarbeit machen muss, kann man die VR (Vertretungsreserve) nehmen. Danach kann man jemand aus einer Teamteaching/Förderstunde nehmen. Im Optimalfall müssten dann also schon mal mehr als 2 Personen krank sein bevor ein anderer Lehrer Mehrarbeit machen muss.
    - das Problem mit dem "es müssen Lehrer früher kommen bzw. länger bleiben" hat man IMMER! Egal wie viele Springstunden im Plan sind! Warum? Weil es auch eine erste und eine letzte Stunde gibt. Dort tritt das Problem immer auf! An vielen Schulen hat man dieses Problem also immer in 1/3 aller Stunden; ganz egal wie viele Springstunden im Plan sind; egal ob 0 oder 20 Springstunden.
    - An Grundschulen werden sehr gerne alle Pläne mit 0 Springstunden erstellt (weil es dort viel einfacher zu machen ist) und dort gibt es auch viele Teilzeitkräfte, die Kinder in Betreuung haben. Trotzdem setzen die (mir bekannten) Grundschulen seit Jahren die Pläne immer mit 0 Springstunden für Lehrer und können das Problem mit den Teilzeitkräften lösen (und/oder halten es für nicht gravierend, wenn da an einem Tag mal ein Lehrer bekanntermaßen in der 6 Stunde sein Kind abholen muss, er aber an einem anderen Tag mal in der 3. Stunde länger bleiben kann in der Schule.)


    Die Belastung der immer gleichen Lehrer rührt oft gar nicht daraus, dass die Anzahl der Springstunden gering ist, sondern aus dem Vertretungskonzept der Schule. Dort sind oft Regeln wie "Als nächstes ein Lehrer mit dem gleichen Fach einsetzen" und/oder "Als nächstes einen Lehrer, der die Schüler kennt" nehmen und die Regel "Verteile möglichst gleichmäßig" kommt erst ganz zum Schluss.
    Ein weiterer Punkt ist, dass oft die gleichen Lehrer krank sind und somit auch immer die gleichen Stunden, Fächer und Schüler betroffen sind; dadurch ergibt sich oft automatisch, dass immer der gleiche Lehrer "dran" ist. Wenn man genau darüber nachdenkt, kann man das sogar als Vorteil sehen. Der Lehrer kennt dann die Schüler, kennt das Thema, ... Kann also viel besser weiterarbeiten.

  • So habe ich das mit dem Vertretungskonzeot noch gar nicht gesehen.
    Dass auch die Randstunden vertreten werden, ist ebenfalls klar, aber ich glaube trotzdem, dass die Springstunden doch Einfluss haben. Jedenfalls dann, wenn man kein Teamteaching und Vertretungsreserven bzw. Bereitschaften hat.

  • wie viele Bereitschaftsstunden habt ihr denn? Bei uns sind es 3 bis 2 pro Woche, je nachdem ob Vollzeitst oder Teilzeit. Wenn Doppelbesetzungen aufgelöst werden müssen rumort es schon kräftig im Kollegium. Und bei der aktuellen Grippewelle ist jeder eigentlich in jeder seiner Bereitschaften dran (hab diese Woche bereits 4 Vertretungen gemacht).
    Gibt es an anderen Schulen denn andere oder bessere Konzepte?

  • Wenn es bei Doppelbesetzungen rumort, dann muss man den Kollegen auch klar machen, dass dann ein anderer Kollege in der konkreten Stunde (ggf. unbezahlte!) Mehrarbeit macht. Umgekehrt: Wenn man selbst unbezahlte Mehrarbeit machen muss, dann nur, weil jemand unbedingt seine Doppelbesetzung behalten will?!
    Ich würde einfach in der Lehrerkonferenz mal ein Stimmungsbild einholen:
    "Was ist auch lieber, Doppelbesetzung aufheben oder (ggf. unbezahlte!) Mehrarbeit?"
    Abstimmen braucht man dafür nicht: Diese Stunden sind extra dafür gedacht im um sie für Vertretungen nutzen zu können!


    VR Stunden haben wir im Schnitt weniger als 1 pro Lehrer. Bereitschaft 0.


    Auch bei den Bereitschaftsstunden sollte man sich überlegen wie sinnvoll ist:
    Positive: (Viele) Bereitschaftsstunden -> weniger Überraschung plötzlich Mehrarbeit zu machen
    Negative: (Viele) Bereitschaftsstunden -> im Grunde erhöht dies nur indirekt die Anzahl der Springstunden. Und Grundschulen kommen mit 0 Springstunden aus! Sinn?!
    Klar: Im Januar und Dezember freut man sich evtl. über solche Stunden. Und in den anderen Monaten? Da ärgert man sich, weil man nur unnötig "abhängt".

  • Bei uns vertreten in erste Linie Kollegen, die eben an der Stelle doppelt gesteckt sind oder wo Leute wegfallen. Freistunden werden erst sehr spät als Vertretung rangezogen, denn es sind ja Plusstunden, die zusätzlich bezahlt werden müssen (zumindest bei den Teilzeit-Angestellten).
    Daher ist es egal, wie kompakt die Pläne sind, das sind ja eh Plusstunden und daher erst zum Schluss dran, vorher fällt Teilung, Sopäd oder ähnliches eben weg.

  • Wir haben auch Bereitschaftsstunden (bei Vollzeit 2). Das klappt auch ziemlich gut und ist berechenbar. Doppelsteckungen gibt es sowieso nicht, insofern muss auch alles vertreten werden.


    Als Gedankenspiel fände ich ein System toll, bei dem es für jedes Fach irgendwo vorbereitete Freiarbeitsmaterialien gibt. Bei Unterrichtsausfall bedienen sich die Klassen am Material und arbeiten in Stillarbeit in einem dafür vorgesehenen (groooooßen^^) Raum oder der Aula oder sowas. Alle zusammen. Mit einer einzigen Aufsichtskraft (oder meinetwegen auch 2, falls da mal jemand ausfällt).

  • hmm.. Maylin85: Bist du dir da sicher?
    a) Du kommst doch aus NRW, da haben die Schulen VR Stunden. Warum ihr nicht?
    b) Vielleicht verstehe ich in deinem Profil die Schulform falsch, aber habt ihr nicht eine Oberstufe (Sek II)? Da lassen die Schulen doch gerne die Schüler selbstständig arbeiten ohne Lehreraufsicht. Sprich: In gut 1/3 aller Stunden werden überhaupt keine Vertretungen gemacht. Stichwort "Eigenverantwortliches Lernen" (EVA).

  • Daher ist es egal, wie kompakt die Pläne sind, das sind ja eh Plusstunden und daher erst zum Schluss dran, vorher fällt Teilung, Sopäd oder ähnliches eben weg.

    Interessant, bei uns sind als erstes die bezahlten Bereitschaften ("VR") dran, dann Kollegen in ihren Springstunden, dann Doppelbesetzung und dann als letztes der Sonderpädagoge.
    Ob die Kollegen Geld für ihre Mehrarbeit bekommen ist mir eigentlich egal, ist nicht mein Geld oder das der Schule.

  • Ich empfinde unbezahlte Bereitschaften als Zumutung und meiner Meinung nach müssten diese auch bezahlt werden, auch wenn sie nicht beansprucht werden.

    Bei uns regelt die Schulleitung das "geschickt", indem sie einfach viele Freistunden in die Stundenpläne baut und das Ganze mit Kopplungen von Kursen begründet.
    Als Vollzeitkraft habe ich es da noch ganz gut mit durchschnittlich 5 Freistunden pro Woche mit 5 Arbeitstagen, die Teilzeitler trifft es schlimmer, die erreichen bei uns immer die Maximalwerte an Freistunden.
    (Begründung: Ihr habt ja einen freien Tag, um den zu ermöglichen habt ihr nun also 7 bis 8 Freistunden an den übrigen vier Tagen).
    Und zack: Hat man schön viel Vertretungsmöglichkeiten

  • Solche (individuell nachvollziehbare) Vorwürfe übersehen aber die systemisch bedingten Rahmenbedingungen. Keine Schule hat irgendein Interesse daran, "schlechte" Stundenpläne zu basten (und hier ist wichtig zu sagen, dass "schlecht" im Auge des Betrachters liegt. Da ich davon ausgehe, dass du deine "Mittagspause" auch als Freistunde wertest, @Firelilly, zum Beispiel, würde _ich_ einen solchen kompakten Plan mit maximal einer freien Stunde am Tag furchtbar finden.)
    Nicht nur, dass ein unzufriedenes Kollegium sich schlecht führen lässt und regelmässige Versetzungsanträge dem Schulklima nicht förderlich sind, das absichtliche "Benachteiligen" von Teilzeitkräften ist nicht besonders schlau. Es sind diejenigen, die am besten geschützt sind und sofort und proportional mehr Geld kosten. Es gibt ja mal Zeiten, wo die Bezirksregierungen nicht besonders erfreut gucken, wenn die Kosten für die Vertretungen durch eine übermäßige Beanspruchung der TZ-Kräfte (und nicht eine "gerechte" Verteilung auf alle Lehrkräfte) in die Höhe steigen.

  • Es sind diejenigen, die am besten geschützt sind und sofort und proportional mehr Geld kosten. Es gibt ja mal Zeiten, wo die Bezirksregierungen nicht besonders erfreut gucken, wenn die Kosten für die Vertretungen durch eine übermäßige Beanspruchung der TZ-Kräfte (und nicht eine "gerechte" Verteilung auf alle Lehrkräfte) in die Höhe steigen.

    Oh, moment, du gehst davon aus, dass die Teilzeitkräft oder auch Vollzeitkräfte Vertretungsstunden bezahlt kriegen?
    Das läuft so, ab dem Moment, wo man einen Antrag wegen Mehrarbeit dabei hat, dann bekommt man nur noch exakt so viele Vertretungsstunden, dass man sie nicht einreichen kann. Aber dieses Limit wird dann immer ausgereizt.
    Und einen Stundenplan, der sich gewaschen hat. Deshalb reichen viele Kollegen das gar nicht als Mehrarbeit ein.
    Gezielt werden die Vertretungsstunden über dem Limit auch an KuK gegeben, die noch in der Probezeit sind, oder an welche, die sichtbar Ambitionen auf A14 haben. Da geht man in der SL davon aus, dass sie keine Mehrarbeit einreichen werden und liegt damit auch bei den meisten richtig.
    Am besten geschützt? Wie sollen TZ-KuK vor einem Stundenplan mit vielen Hohlstunden geschützt sein? Die sind Freiwild wie andere auch. Man gibt ihnen einen freien Tag und kann den immer als Argument ranziehen, warum jemand dann acht Freistunden hat. Solche Gespräche habe ich mehr als einmal überhört. Da wird es so verkauft, als sollten sie noch dankbar sein überhaupt einen freien Tag zu haben, wenn sie auf mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten.

  • Ich bin am BK, da wird bekannterweise wenig vertreten, sondern viel über EVA (eigenverantwortliches Arbeiten) geregelt. Aber damit die Schülerpläne nicht so schlecht werden wenn Leute fehlen versuchen wir schon über Verlegungen die Freistunden zu minimieren und EVA an den Rand zu legen. Daher versuchen wir die Pläne nicht komplett ohne Freistunden zu erstellen, aber manchmal kommt das halt schon vor.


    Aber!
    in Englisch sind bei uns gerade zu viele Leute in EZ und dann ist noch jemand schwanger und im BV und eine Kollegin fehlt seit den Herbstferien. Vertretungslehrer haben wir einen, finden aber gerade keinen weiteren. Der Unterricht kann nicht ausfallen, es machen also Leute Mehrarbeit. Bisher bin ich (bin in TZ) immer dafür bezahlt worden, ist absolut kein Problem gewesen. Ich gebe den Antrag ab und spätestens 2 Monate später habe ich das Geld. Das klappt seit Jahren.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Teilzeitkräfte bekommen JEDE Stunde Mehrarbeit bezahlt. und zwar zu einem höheren Satz. Da ich diese Regelung von mindestens 3 Bundesländern kenne und hier mehrmals gelesen habe, bin ich ziemlich sicher, dass es auch in SH gilt. Genauso wie die 3 "kostenlosen" Mehrarbeitsstunden der VZ-lerInnen (die das Ganze eben erst ab der 4. Stunde bezahlt bekommen).
    Auch die Regelung der anzurechnenden Ausfallstunden ist bei TZ-KollegInnen günstiger.


    So lange man mit anerkannten Gründen TZ macht, kann man sich einfacher gegen andeordnete, langfristige Mehrarbeit wehren (das, was im Stundenplan auftaucht und nicht nur im Vertretungsplan ist).


    Ebenfalls bin ich sicher, dass in deinem Bundesland das Kollegium selbst dabei ist, wenn es um Entscheidungen wie Teilzeitkonzept / Vertretungskonzept geht. Man muss auch mal seine Rechte kennen UND wahrnehmen.

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