Das tägliche Risiko- Angst

  • Ich arbeite neben dem derzeitigen Homestudium (Uni geht hier noch nicht wieder) an einer Schule als Honorarfachkraft. Die Bezahlung ist gut (Coronabonus? :cash:), aber ich gehe mit wöchentlicher Angst in die 6 Stunden an 3 Tagen.

    Meine Oma, die ein hohes Alter hat, wohnt bei meinen Eltern, die beide als Lehrer arbeiten. Mein Bruder ist Erzieher, ich studiere auf Lehramt und verdiene mir so quasi etwas dazu. Im übertragenen Sinne sind wir vermutlich selbst zu Hause ein Hotspot, denn so viel Kontakt wie wir zu Kindern hat im ganzen Dorf keiner.

    Nun gibt es bei uns nur noch das eine Thema und wir haben uns dazu viele Gedanken gemacht.

    Die Oma ins Heim ausquartieren war keine Option, weil sie sich da erst recht anstecken kann und das will sie auch nicht.

    Mein Vater hat chronisches Asthma, meine Mutter Bluthochdruck.


    Ich gehe mit wöchentlicher Angst in die Stunden. Bei meinen Eltern schwankt die Stimmung zwischen Weltuntergang, Endzeitstimmung und Hoffnung, weil wir eigentlich ein Hochrisikohaushalt sind, aber alle Präsenzpflicht haben.

    Im Nachbarkreis haben etliche Schulen schon auf die gelbe Ampel umgeschaltet oder wurden geschlossen. In unserem Kreis hält es sich noch in Grenzen.

    Das wird aber nicht lange wehren, denn so wie ich mal herum gefragt habe, wer in den Herbstferien unterwegs ist oder sein wird und da schlotterten mir schon die Knie.


    Meine Strategie ist Lüften und die ersten Bankreihen frei lassen, aber letztendlich ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Wie schafft ihr es mit der Angst umzugehen oder damit zu leben? Befindet sich von euch jemand in einer ähnlichen Lage und wie geht eure Schulleitung damit um?

  • Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und lebe auch nicht mit Zugehörigen zu eben jener zusammen, ich möchte mich trotzdem nicht anstecken und fühle mich an der Schule derzeit nur begrenzt wohl. In der beschriebenen Situation möchte ich nicht stecken, das klingt sehr belastend.


    Was man machen kann: FFP2 oder FFP3 Masken und möglichst am geöffneten Fenster stehen bleiben. Schüler auf Abstand halten. Mehr Möglichkeiten sehe ich nicht.

  • Ich bin auf das Geld angewiesen. Daher ist ein anderer Job keine Option, da ich pro Stunde über 20 Euro verdiene.

    Meine Eltern und ich fühlen uns wie du nicht mehr wohl.

    Funktionieren tut das nur, indem man es ausblendet.

    Ansonsten würde ich vor Angst eingehen.

    Bei jedem Kratzen im Hals bekomme ich mittlerweile Panik, weil ich immer denke, jetzt hat es mich auch erwischt.

  • Ich glaube, dass viele in einer ähnlichen Situation sind.


    Ich habe 3 Kinder, eins davon nimmt Immunsuppressiva ein und gehört zur Hochrisikogruppe. Ich habe auch einige Risikofaktoren.

    Ich unterrichte an einer FöS Schüler mit körperlicher und geistiger Behinderung und Pflegebedarf. Da ist weder Abstand möglich noch werden Masken geduldet. Wir haben bereits einen Fall.

    Meine 3 Kinder besuchen verschiedene Schulen, die sie mit dem ÖPNV erreichen. Wir sind also an 4 verschiedenen Schulen in einer Großstadt, die Risikogebiet ist.


    Meinem Schulleiter ist das ziemlich egal, so ins Detail weiß er das aber auch gar nicht. Ich arbeite wie immer, meine Kinder gehen auch ganz normal zur Schule. Früher oder später muss sicher mal einer von uns in Quarantäne.

    Wir achten drauf, nicht auf Parties zu gehen und Masken zu tragen, mehr können wir nicht tun. Wir leben ansonsten unseren gewohnten Alltag.

    Wir können uns ja nicht 2 Jahre einsperren.


    Mit dem Risiko muss man wohl umgehen und leben lernen. Ich denk nicht jede Minute drüber nach, bleibe aber wachsam.

  • Ich bin auf das Geld angewiesen. Daher ist ein anderer Job keine Option, da ich pro Stunde über 20 Euro verdiene.

    Meine Eltern und ich fühlen uns wie du nicht mehr wohl.

    Funktionieren tut das nur, indem man es ausblendet.

    Ansonsten würde ich vor Angst eingehen.

    Bei jedem Kratzen im Hals bekomme ich mittlerweile Panik, weil ich immer denke, jetzt hat es mich auch erwischt.

    Und kann man nirgendwo sonst 20€ verdienen oder was?!

    Nichts ist ohne Risiko.

    Ansonsten empfehle ich dir echt dringend, mal bei nem Seelenklempner vorstellig zu werden.




    Ich will die Corona-Gefahr überhaupt nicht herunterspielen, aber bei 3000 Verkehrstoten im Jahr ist dein perönliches Risiko durch deine Arbeit in der Schule wohl eher vom Verkehrsmittel auf dem Weg zur Schule als vom Öffnungswinkel der Fenster im Klassenraum abhängig.

  • Meine Strategie ist Lüften und die ersten Bankreihen frei lassen, aber letztendlich ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Wenn du das ganz konsequent machst, finde ich ist das mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Zusätzlich könntest du noch Maske (FFP2) tragen.


    Was mich angeht, muss ich sagen, fühle ich mich im Lehrerzimmer gerade unwohler als in den Klassen. Dort steht die Luft und die Kollegen machen ständig die Fenster wieder zu, weil sie ja so frieren... (und haben die gleichen dünnen Pullis an wie sonst auch). Daher meide ich das Lehrerzimmer bzw. suche mir eine Alternative in Freistunden.


    Die Oma hat zu Hause ein eigenes Zimmer? Ihr solltet halt da auch möglichst Abstand halten und ebenso häufig lüften. Immer nur kurze "Zusammenkünfte" (bis 15 min.), für längere Gespräche lieber raus spazieren gehen.


    Wie sehen deine Eltern das?

  • Ich möchte nicht näher darauf eingehen. Die mehr als 20 Euro sind ein Betrag, den ich nirgendwo bekomme.

    Meine Kommilitonen sind ihre Jobs alle losgeworden, weil in der Gastro nichts mehr los ist und die Supermärkte genug Personal haben, das jetzt vermittelt wurde.


    Mir ist leider aufgefallen, dass ich die Einzige bin, die diese Hygiene scheinbar so genau nimmt. In den Räumen, in denen ich unterrichte ist die Heizung auf 3 (teilweise auf 5!), gelüftet wird laut den Kindern nie, weil die Lehrer ja immer frieren würden.

    Ich wäre auch die Einzige, die das so macht. Das hat mich schon sehr erschrocken.

    Die Vorhänge waren gestern sogar zugezogen, was mich darauf schließen lässt, dass die Schüler mich nicht anlügen und die Lehrer tatsächlich selten bis gar nicht das Fenster öffnen. Wenn das an der Schule immer so ist, wundert es mich, wenn sie nicht bald hot spot wird.


    Meine Oma hat ein eigenes Zimmer, aber das ist genauso pudelwarm, wie die Schule in der ich arbeite. Meine Oma ist älter und kapiert nicht, dass das Lüften wictig ist.


    Meine Eltern halten es nur aus, indem sie es verdrängen, aber eine angenehme Atmosphäre ist das nicht. Uns graut es vor der Zeit nach den Ferien.

  • Man gewöhnt sich daran, irgendwie^^


    Hier hatten wir schon einige C.Fälle, es sind auch immer wieder einzelne Schüler in Quarantäne. Im Moment ist die Inzidenzrate hier knapp vor Risikogebiet, wird wahrscheinlich auch nicht mehr lang dauern.

    Ich trage ständig Maske, lüfte wie verrückt und achte darauf, mir öfter die Hände zu waschen. Auch meide ich das Lehrerzimmer (laute Gespräche) und schmeiß mir zuhause Vitamin C und solches Zeugs ein :D


    Bei uns sind im Moment viele erkältet, ich bin nach wie vor fit, das gibt mir Hoffnung, dass meine Strategie aufgeht.

    Eine absolute Sicherheit gibt es nicht, und, sollte, irgendwo mal zufällig ein Superspreader sitzen, helfen dann wohl auch Masken nichts, bzw. ist das mit dem Lüften wohl auch eher ein Glücksspiel (den Luftaustausch genau zu bestimmen, sorry, das geht einfach nicht, wenn man nebenher unterrichtet).


    Ich hoffe auch sehr darauf, dass die politischen Entscheidungen hilfreich sind (z. B. finde ich die neue Vorlage vom RKI sehr gut, welche vorsieht, dass erkältete Kinder zuhause bleiben, und erst dann wieder kommen, wenn sie 48 Stunden lang symptomfrei sind. Im Moment ist es ja so, dass "leicht" erkältete Kinder nach einer kurzen Aufenthaltsdauer zuhause dann gleich wieder im Unterricht sitzen und ihre Taschentücher vollschnupfen etc.)

    Künftig (wenn es dann so richtig kalt wird) dürfen die Kids dann auch in Winterjacke, Schal und Handschuhen im Klassenzimmer sitzen, das mach ich dann natürlich auch. Wird bestimmt auch eine interessante Erfahrung. Ich überleg mir schon, ob wir dann nicht ein paar nette Fotos machen könnten, so, als Dokumentation der Ausnahmesituation^^


    Also, den Humor nicht verlieren, positiv denken, das ist so mein Umgang mit der Situation. Für die Kids ist es ja auch Mist, die haben auch oft Risikopatienten zuhause.

  • Ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber für mich klingt das panisch und hysterisch. Ich nehme Corona auch ernst, trage Maske, lüfte etc., aber extreme Angst davor, krank zu werden, habe ich keine. Respekt höchstens, deshalb wende ich ja die AHA+L-Maßnahmen an. Zugegebenermaßen wohnt in meinem Haus aber auch keine Großmutter oder ein Risikopatient.


    Nichtsdestotrotz denke ich, dass wir lernen müssen, mit der "Gefahr" zu leben. Eine (möglicherweise jahrelange) angstgeschwängerte Atmosphäre in eurer Familie macht auch krank, und zwar seelisch.


    Deshalb: DU lüftest den Klassenraum, in dem Du unterrichtest (und lässt Tür und Fenster zeitgleich auf, dann hast Du Durchzug und die Luft wird schnell ausgetauscht), DU trägst eine Maske, DU wäscht deine Hände. Wenn Du Dich (und Deine Eltern sich natürlich auch) so verhältst, wirst Du Dich höchstwahrscheinlich nicht anstecken.

  • Ja, ein ungutes Gefühl habe ich auch. Aber ich achte darauf, Abstand zu den Schülern zu halten und trage immer meine Maske.


    Meine eigene Klasse trägt nach dem Beschluss der Eltern auf der Klassenpflegschaftssitzung die Maske, bei den anderen Klassen habe ich darum gebeten, dass die Maske getragen wird, wenn ich rumgehe. Das funktioniert ganz gut.

    Außerdem habe ich die Fenster nonstop auf, im Moment ist es ja noch nicht so kalt.

  • Dreht ihr denn alle die Heizung voll auf? Ich bin erstaunt, dass das hier offenbar so gemacht wird. Hier ist die Heizung immer auf 3 und der Fensterschutz zugezogen, sodass man davon ausgehen kann, dass nicht gelüftet wird.


    Die Kinder tragen hier keine Masken im Klassenraum.

    Für mich als Laie ist es unmöglich zu unterscheiden ob nur ein Schnupfen vorliegt oder was ernstes.

    Ich frage mich ja selbst auch, wie ich das bei mir unterscheiden soll.

    Ich war in den letzten 3 Jahren im Winter mindestens einmal krank, von daher frage ich mich jetzt schon, wie das dann laufen wird.

    Zumal mein Hausarzt offene Sprechstunden hat, wo dann alle lustig nebeneinander sitzen und sich schön anstecken können.


    Mein hohes Honorar betrachte ich mittlerweile als Erschwerniszulage.

  • Wie es aktuell aussieht, wird uns diese Situation wohl noch Jahre so begleiten. Insofern muss man sich damit wohl einfach arrangieren und einen für sich passenden Weg finden. Jeden Tag mit Angst zur Arbeit zu gehen kann imho nicht die Lösung sein.

  • Wenn nicht gelüftet wird und die Heizng auf 3 ist, kannst du dir denken wie das Raumklima ist.

    Meine Heizung hat gar keine 3 ... was ich sagen will, Stufe 3 ist eine absolut nichtssagende Aussage über das Raumklima. Ohne Heizungstyp und Regelung dahinter, sagt das nichts aus.


    Und was für Kinder? Im Profil steht Berufsschule ...

  • Plattenspieler

    Ich denke, dass m Frühjahr die Ersten Impfungen kommen. Zusammen mit diesen Impfungen und dem Tragen einer FFP2 Maske würde ich das als Risikopatient mitmachen.

    Ohne dem lasse ich mich derzeit vom Präsenzunterricht befreien.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • unabhängig der eigenen realen Angst... ich finde es putzig, wie die Vertreungskräfte / Berufsanfänger*innen immer die _EINZIGEN_ sind, die [x bliebig eintragen]. Die anderen Lehrer*innen nicht, weil ihnen zu kalt ist, sie faul sind, die Regeln missachten, usw...

    Ich kann mir das so gut vorstellen, wie ein komplettes Kollegium Lust auf Corona hat und NIE lüftet (und da die Kinder das nur DIR erzählen, aber nie ihren Eltern, dann riskieren sie auch gar keine Rüge oder so...)

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