Videokonferenz kann von SL erzwungen werden - oder gibt es Möglichkeiten sich zu wehren?

  • Noch jemand, für den Ironie ein Fremdwort zu sein scheint...

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Die Eltern gucken zu, aber versteckt. Auch wurden bereits Sachen hochgeladen. Eine Konsequenz gab es nicht für die Täter. Die Datenschutzrechtliche Erklärung geben die zwar bei Schuleintritt ab, aber die ist lächerlich. Überhaupt nicht tauglich -> nicht rechtens! Außerdem dürfen Eltern doch auch Lehrer datenschutzrechtlich nicht über eine Videokonferenzsoftware oder Audiokonferenzsoftware sehen oder hören.

    Eltern schauen auch bei mir zu. Ich musste zunächst zwar kräftig schlucken, als ich das realisiert habe. Verhindern kann ich es nicht, wenn in manchen Familien kein Einzelzimmer für jedes Kind zur Verfügung steht. Hab mir dann gedacht, was eigentlich schlimm daran wäre, dass sie mich sehen (in Mathe wegen dem geteilten Dokument eher hören). Die Eltern sollen mal mitbekommen, wie gut ich bin 😅.

  • Unsere Schulleitung hat vor kurzem die Eltern und Schüler darüber informiert, dass in Videokonferenzen grundsätzlich nur die Schüler dabei sein dürfen, keine Eltern, keine Mitschüler, keine Geschwister. Sollte das wiederholt ignoriert werden, werden die entsprechenden Schüler vom Videounterricht ausgeschlossen und erhalten nur noch Aufgaben. Seitdem keine Eltern mehr gesehen, die "mal eben" durchs Bild huschen oder Aufgaben mit den Kindern zusammen machen wollen.

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Das Problem "Elternpräsenz im Homeschooling" ist in meinen Augen das erste echte in diesem Thread. Mein Unterricht ist kein Geheimnis, aber das Bewusstsein der Präsenz weiterer Personen, ohne dass man weiß, wer genau, ändert für mich die Atmosphäre von Unterricht. Ich unterrichte aus den genannten Gründen fast durchgängig ohne Kamera und mit der Whiteboardfunktion, aber natürlich hat man in den jüngeren Klassen regelmäßig Situationen, in denen ein Kind etwas falsches sagt und man die leise geflüsterte Korrektur vom benachbarten Sitzplatz am Küchentisch hören kann, bevor man als Lehrer reagiert.


    Außerdem kann ich für mich entscheiden, dass es mich nicht stört, wenn Eltern meinen Unterricht hören, ich kann das aber nicht für alle Kinder mit entscheiden - wenn der kleine Kevin eher schwach in Mathe ist, muss es eben nicht sein, dass neben den Mitschülern noch 10 Elternteile die falsche Antwort mithören und denken 'was für ein Depp'.


    Das ist für mich einer der Gründe, warum VKs eben kein Ersatz für Präsenzunterricht sind und ich es auch ablehne, Unterricht im gleichen zeitlichem Umfang durch VKs zu ersetzen. Ich mache in der Regel eine kurze Einführung in ein neues Thema mit Erarbeitung einer neuen Regel, bei der sich auch Schüler beteiligen, meist aber nur die leistungsstarken. Anschließende Übungsphasen finden ohne Kamera statt und die Kinder schicken mir ihre Ergebnisse.

  • Ich hatte im Frühjahr mehrfach Eltern in der VK und es hat mich wirklich gestört, eben wegen des Vorsagens und Unterstützens bei Aufgaben. Unsere SL hat jetzt auch die Eltern darüber informiert, dass ausser den betroffenen Kindern niemand an den VKs teilnehmen darf. Wer das zu Hause nicht leisten kann, darf sein Kind für den Zeitraum der VK in die Schule schicken. Dort wird aufgepasst, dass sie teilnehmen und bei technischen Problemen geholfen. Plötzlich bekommen es so gut wie alle Familien hin, den Kids entsprechend Freiraum zu geben. (Es reicht ja schon wenn die Kinder in der Ecke eines Raums sitzten, so dass niemand anderes auf den Bildschirm schauen kann und Kopfhörer zur Audioübertragung tragen).

  • Ich habe bisher noch keine Eltern gesehen. Manchmal hat man was aus anderen Zimmern gehört. Viele Personen aus meinen Lerngruppen leben aber gar nicht mehr bei den Eltern. Daher habe ich das Problem auch nicht. Wenn jemand bei der VK fehlt, dann lade ich die Person genau einmal als Erinnerung nochmals dazu ein (ist nur ein Knopfdruck) und damit hat sich die Sache. Ich würde da nicht hinterher telefonieren. Bei uns muss sicher aber niemand im Voraus abmelden (es sei denn er will beurlaubt werden).

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Ich höre manchmal im Hintergrund Geschwisterkinder bei ihrem Fernunterricht. Eltern habe ich noch gar keine gehört. Wären die mehrheitlich so präsent und fit, dass sie auch noch vorsagen könnten, würde wohl auch die Aufgabenmoral mancher SuS anders aussehen.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich hatte schon Eltern, Geschwister, Lebensgefährtinnen, Arbeitskollegen und Chefs im Bild (bei denen, die vom Betrieb aus teilnehmen). Gesagt hat noch keiner was.*


    Aber ehrlich: Selbst wenn, mir wäre das relativ Schnuppe. Mein "Unterrichtsselbstvertrauen" ist groß genug, dass ich für konstruktive Kritik offen bin und unkonstruktive abbügeln kann. Das gilt auch im Normalbetrieb, wenn jemand zugucken will und die SL das genehmigt, dürfte er das jederzeit.


    Heikel wird's nur, wenn "ernste Interna" besprochen werden. Da weise ich deshalb die Schüler deutlich darauf hin, dass sie in den nächsten paar Minuten alleine im Raum sein bzw. Kopfhörer verwenden müssen. Noten per VK gehen aber sowieso nicht, also beschränkt sich das auf die sehr wenigen Fälle, wenn mal was vorgefallen ist, was nur die Klasse angeht.




    *Naja, doch... ich: Als ein Kollege aus dem Prüfungsausschuss hinten vorbeilief hat das laute "Ouh, de Schdefaan. Wink mool!" für große Freude bei allen Beteiligten gesorgt :-)

  • Aber ehrlich: Selbst wenn, mir wäre das relativ Schnuppe. Mein "Unterrichtsselbstvertrauen" ist groß genug, dass ich für konstruktive Kritik offen bin und unkonstruktive abbügeln kann.

    Ja, das ist meines im Prinzip auch. In sofern hätte ich auch kein Problem damit, dass jemand "außer der Reihe" in meinen Unterricht kommt. Aber ich erbete mir dann doch die Ehrlichkeit, sich entsprechend vorher anzumelden und um Teilnahme zu bitten. Sich heimlich 'reinschleichen, zeugt einfach nicht von koscheren Absichten.


    Aber es geht nicht um mich. Unterricht — Schule insgesamt — ist ein Schutzraum für die Schülerinnen. Die müssen sich darauf verlassen können, dass sie wissen, wer am Unterricht teilnimmt. Deshalb ist die Teilnahme Dritter in unseren Video-Konferenz-Regeln explizit ausgeschlossen. Unter der Bedingung haben unsere Schülerinnen bzw. deren Eltern die Einverständniserklärungen abgegeben.


    Da kann ich nicht drüber weggehen. Allein deshalb wäre schon ordentlich was los, wenn ich da etwas mitkriegen sollte. Insbesondere bräuchte ich die Gewissheit, dass zukünftige Verstöße unterbleiben, wenn ich weiterhin Online-Unterricht anbieten soll.

    "Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert."
    Matthäus 10.34

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Das lässt sich, glaube ich, oft nur schwer verhindern. Eines meiner Kinder hat ein Zimmer, das vom WLAN nicht abgedeckt werden kann. Es sitzt zum Zoomen in der Küche. Ich schließe die Tür dann von außen und gehe in der Regel nicht hinein. Aber manchmal lässt es sich eben nicht verhindern. Ja, dann höre ich, was im Zoom-Unterricht geschieht. Ich ziehe mir nicht extra Kopfhörer auf.

    Ich hatte auch schon Schüler, deren Mütter im Hintergund gekocht haben. Wohnungsgrößen und Zeitpläne sind verschieden.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Ja, dann höre ich, was im Zoom-Unterricht geschieht. Ich ziehe mir nicht extra Kopfhörer auf.

    Ich hatte auch schon Schüler, deren Mütter im Hintergund gekocht haben. Wohnungsgrößen und Zeitpläne sind verschieden.

    Wieso trägt denn dann dein Kind keine Kopfhörer? Damit wären doch die Persönlichkeitsrechte seiner Mitschüler gewahrt, wenn du durchs Zimmer läufst und nicht auf den Bildschirm schaust. Du siehst sie nicht - du hörst sie nicht.

  • Eltern schauen auch bei mir zu. Ich musste zunächst zwar kräftig schlucken, als ich das realisiert habe. Verhindern kann ich es nicht, wenn in manchen Familien kein Einzelzimmer für jedes Kind zur Verfügung steht.

    Doch das kannst du verhindern. "In einer „normalen“ Unterrichtssituation nehmen im Klassenraum weder Geschwister, Eltern oder sonstige Dritte am Unterrichtsgeschehen teil. Dann ist dies LDI NRW –Pandemie und Schule13aber auch im Rahmen eines im Rahmen des Unterrichts erfolgenden Videokonferenzaustauschs grundsätzlich nicht zulässig. Dies muss durch geeignete organisatorische Maßnahmen sichergestellt werden"

    Quelle: https://www.ldi.nrw.de/mainmen…und-Schule-18_05_2020.pdf

  • Unsere Schulleitung hat vor kurzem die Eltern und Schüler darüber informiert, dass in Videokonferenzen grundsätzlich nur die Schüler dabei sein dürfen, keine Eltern, keine Mitschüler, keine Geschwister. Sollte das wiederholt ignoriert werden, werden die entsprechenden Schüler vom Videounterricht ausgeschlossen und erhalten nur noch Aufgaben.

    Das ist ja in etwa so als wenn die Schulleitung sagt, wenn wer ein Fahrrad aus dem Fahrradkeller klaut, hat er in Zukunft keinen Zutritt mehr zum Fahrradkeller.

  • Außerdem kann ich für mich entscheiden, dass es mich nicht stört, wenn Eltern meinen Unterricht hören, ich kann das aber nicht für alle Kinder mit entscheiden - wenn der kleine Kevin eher schwach in Mathe ist, muss es eben nicht sein, dass neben den Mitschülern noch 10 Elternteile die falsche Antwort mithören und denken 'was für ein Depp'.

    Wenn der große Kevin dunkelhäutige Mitschüler beleidigt und der mithörende Elternteil ihm in ein paar Jahren beim Bewerbungsgespräch gegenübersitzt in der Migrationsbehörde, dann wird es den Kevin auch nicht freuen. Oder der Mitguckende Vater erkennt ein körperliches Leiden von Kevin, und dieser bewirbt sich beim Startups seine Sohnes in ein paar Jahren...

  • Doch das kannst du verhindern. "In einer „normalen“ Unterrichtssituation nehmen im Klassenraum weder Geschwister, Eltern oder sonstige Dritte am Unterrichtsgeschehen teil.

    Das ist ein Trugschluss. Du wirst auch im Präsenzunterricht nicht mit Sicherheit ausschließen können, dass unerlaubte Ton- oder gar Videoaufzeichnungen mitlaufen. Im Präsenz- und Distanzunterricht ist dementsprechend darüber zu belehren, dass dies unzulässig ist und bei Verstößen entsprechend zu reagieren. Hierfür steht eine breite Palette an Disziplinarmaßnahmen sowie zivil- und strafrechtlichen Abwehrmaßnahmen zur Verfügung, um fallangemessen intervenieren zu können.

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