Ist die AfD eine demokratische Partei?

  • Meine Schwester zittert jetzt schon, was sie machen, wenn der Neffe in 2 Jahren keinen Platz an der einzigen konfessionellen Schule im Ort bekommen sollte. Hier mit Homeschooling eine ergänzende Option zu schaffen, fände ich sinnvoll. Wir sollten doch alle ein Interesse daran haben, dass möglichst viele Kinder möglichst gute Grundlagen mit auf den Weg bekommen - wo auch immer das dann passiert.

    Wenn das so ist, dann läuft bei euch in der Gegend einiges falsch. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das die normale Situation in Deutschland ist. Ich kenne natürlich auch Schulen, wo ich mein Kind nicht haben wollte. Aber sicherlich 2/3 der Schulen sind vollkommen ok.

  • Nein, aber die Lösung ist nicht eine Option für die Reichen zu schaffen, die gleichzeitig noch massive Nachteile hat. Nämlich die Eltern, die ihr Kind aus idiologischen Gründen und nicht aus Bildungsgründen rausnehmen. Sind wir doch mal ehrlich. Die Eltern, die ihr Kind aufgrund der besseren Bildungschancen zu Hause betreuen wollen, sind relativ wenige. Diejenigen, die mit unserem Wertesystem nicht einverstanden sind oder bestimmte Werte vermittelt haben wollen, sind doch die große Mehrheit der Home-Schooling-Nutzenden.

    Zu 2)
    Das ist eine Sicht, die dann passiert, wenn die Schule schlechte Arbeit leistet oder die Situation an der Schule schon problematisch ist. Im Idealfall sind die Leistungsträger Vorbild für die anderen Kinder und tragen positiv zum Klassenklima bei. Und trotzdem werden sie gefördert und gefordert. Ich würde sogar behaupten, dass das in meinen Klassen zu 90% funktioniert. Und diese Kinder werden sogar besser gefördert als im Homeschooling. Einerseits lernen sie im Kontakt mit schwächeren Schülern Dinge, die sonst nicht lernen. Einem schwächeren Kind etwas zu erklären, bringt auch für das leistungsstarke Kind Vorteile. Dann profitieren leistungsstarke Kinder auch von anderen leistungsstarken Mitschülern. Vielleicht gibt es auch mal Kinder, die in Sprachen schlecht aber in Mathematik gut sind. Und letztlich haben wir als Schule viel mehr Forder- und Fördermöglichkeiten als die Eltern Zuhause. Auch sind wir in der Regel besser ausgebildet. usw.

    Zu 1: Dazu hätte ich gerne Zahlen (konkret auf Deutschland bezogen, nicht auf amerikanische Evangelikale o.ä.). Ich erlebe das anders, aber das kann natürlich auch an meiner Blase liegen.

    Zu 2: Zeige mir eine einzige Schule im Ruhrpott, wo die Situation NICHT "schon problematisch ist" 😉
    Die Mär von dem leistungsstarken Schüler, der davon profitiert dem Schwächeren was zu erklären (statt in der Zeit selbst Neues zu lernen) ist so ausgelutscht, ich kann das nicht ernst nehmen. Sorry. Und auch nicht die angeblich so tollen Forder/Fördermöglichkeiten zwischen Personalmangel, Inklusion, Verhaltensauffälligkeiten, etc. pp. Einerseits sehen sich viele Kollegen mittlerweile primär als Brandlöscher, andererseits wird dort angeblich so toll individualisiert gefördert (schlägt sich nur leider nicht in Leistungsstudien nieder, sehr komisch).
    Ich kanns nicht mehr hören und ich glaube es auch nicht. Jede einzelne Leistungserhebung zeigt sehr klar auf, dass die Bildungsqualität schlecht ist und keine Trendwende zu erkennen ist. Also lasse man die Eltern doch bitte selbst nach erfolgreicheren Alternativen schauen, wenn sie das möchten und können.


    Aber ich nehme zur Kenntnis, dass die Ansichten weit auseinandergehen, und widme mich jetzt dann doch mal meinen lange ignorierten Klausurstapeln 😊

  • Zu 1) Wie willst Du diese Zahlen für Deutschland ermitteln? Wir haben doch eine Schulpflicht.

    Zu 2) Ich kenne mich mit dem Schulsystem im Ruhrgebiet nicht aus. Es wäre schlimm, wenn es dort keine normalen Schulen mehr gibt. Vielleicht mögen sich da andere zu äußern.
    Die Mär, dass starke auch von schwachen profitieren, entspricht meinen Erfahrungen. Man müsste mal prüfen, ob es dazu Forschungsergebnisse gibt. Wichtig sind natürlich die Rahmenbedingungen und wie die Lehrkraft es umsetzt. Wenn ich eine Klasse mit 19 Problemfällen und da einen starken Schüler reinsetze, wird das sicherlich nicht klappen.

  • Okay, in meiner Utopie würden die freigesetzten Ressourcen dorthin fließen, wo es nötig ist. Du magst Recht haben, dass es in der Praxis anders aussähe.

    Wo hat man denn wirklich in letzter Zeit Ressourcen freigesetzt und dann dort eingesetzt, wo es nötig war? Es geht doch ums Sparen. Sprachförderung vor der Einschulung - in NDS eingestellt, ja, die 500 Lehrerstellen sind bestimmt in den GS gelandet, haben aber nicht ausgereicht, anderes wird auch gestrichen.

    Wenn sich die Bedingungen bessern sollen, könnte man ja die Bedingungen verbessern, ohne Kinder ins Homeschooling zu geben.

    Ich kann es mir übrigens gar nicht vorstellen, ich unterrichte an einer Schule, in die die anderen Kinder gehen. Denn...

    Dazu hätte ich gerne Zahlen (konkret auf Deutschland bezogen, nicht auf amerikanische Evangelikale o.ä.). Ich erlebe das anders, aber das kann natürlich auch an meiner Blase liegen.

    ... ich habe die evangelikale Blase direkt vor der Nase. Es gibt nicht-evangelikale auf dieser Schule, aber dazu gehören werden sie nie, wenn sie nicht in einer der Gemeinden sind uns sich auch sonst an die ungeschriebenen Gesetze der evangelikalen Gemeinschaften halten - egal wie christlich die anderen Familien sind. ... dann trifft man sich im Pfingst-Camp, um den Ehemann oder die Ehefrau zu wählen ... und lässt die Kinder nach deinem Modell zu Hause, damit sie nicht mal auf der evangelikalen Schule einem anderen Kind begegnen müssen. Die Frauen bleiben dann auch zu Hause, eine win-win-Situation, die man mit Bibelzitaten belegen möchte.

  • Die Mär von dem leistungsstarken Schüler, der davon profitiert dem Schwächeren was zu erklären (statt in der Zeit selbst Neues zu lernen) ist so ausgelutscht, ich kann das nicht ernst nehmen.

    Dazu gibt es Studien,

    z.B. zum Lesetandem, bei dem ein besser lesendes Kind mit einem weniger gut lesenden Kind übt.

    Ich halte gar nicht so viel von dauerhaft helfenden Kindern, die Starken sollen Herausforderungen bekommen und sich ausprobieren oder strecken müssen. Die anderen dürfen das mitbekommen und wenn sie wollen, dürfen sie sich auch ausprobieren. Es gibt durchaus Kinder, die dann sagen: Das will ich auch! Dabei wechsle ich auch zwischen Angebot und Pflicht hinsichtlich der Herausforderungen, man kann nicht immer nur die Rosinen picken und die schwächeren Schüler:innen müssen sich auch anstrengen. Letztlich geht es da nicht allein um die Hinhalte, sondern gerade auch um das Lernverhalten.

    Aber eine Mär ist es ganz sicher nicht.

    Davon abgesehen kenne ich kein Kind, das in allen Fächern herausragende Leistungen bringt. Und ich kenne auch kein Kind, das in keinem Fach etwas kann. Es gibt immer Anlässe, zu denen ich zeigen kann, was ein Kind wirklich toll gemacht hat, selbst die zieldifferenten Kinder mit Unterstützungsbedarf L oder GE können den anderen in bestimmten Bereichen überlegen sein. Und das darf man auch erfahren, lernen und aushalten.

  • Ich bin in keinem Fall für Heimbeschulung,

    aber zu erklären, man würde stets merken, dass im häuslichen Umfeld etwas nicht richtig läuft, ist falsch.

    Dennoch haben Kinder eher die Chance, sich einer Lehrkraft oder einer Freundin oder jemand anderem außerhalb der Familie zu öffnen, als wenn sie allein in der Familie (und extremen Gemeinschaft) leben.

    Absolut, außerdem hat man doch als Kind nur so die Chance zu sehen, wie es außerhalb der eigenen Familie zugeht. Das wünsche ich allen Kindern und insbesondere denen, die Gewalt erleben und den im wahrsten Sinne verrückten Psychoverstrickungen der ursprünglichsten Vertrauenspersonen ausgeliefert sind.

  • Schlimm finde ich die Vorstellung wie schnell die AfD den Staat umbauen kann. Es ist mir ein Rätsel, dass man diese Partei nicht verbieten kann.

    Viele unterschätzen die "Macht der Politik". Wir haben zwar keine "Monarchie" wie die USA, aber es könnte bei einer AfD an der Macht ähnliche Folgen geben wie in der Slowakei:
    Unter der rechtsnationalen Regierung von Robert Fico erlebte die Slowakei eine massive Umstrukturierung im Kulturbereich, geprägt von Entlassungen, Kürzungen und Protesten. Kulturministerin Martina Šimkovičová tauschte gezielt Leitungen führender Institutionen wie Nationalgalerie und Nationaltheater aus.

    Die Maßnahmen, einschließlich Schließungen (Kunsthalle Bratislava) und Budgetkürzungen, richteten sich gegen liberale Kulturschaffende und zielten auf eine „nationale slowakische Kultur“ ab. Die AfD hat Ähnliches bereits direkt angekündigt, falls sie die Hebel in der Hand hätte. In Ungarn wurde Weltliteratur aus dem Schulunterricht verbannt und im Lehrplan durch zweitklassiges völkisches Schriftgut ersetzt.

    Von Amerika, wo missliebigen Universitäten Milliarden aus den Etats gestrichen wurden, muss man gar nicht reden.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Die Mär von dem leistungsstarken Schüler, der davon profitiert dem Schwächeren was zu erklären (statt in der Zeit selbst Neues zu lernen) ist so ausgelutscht, ich kann das nicht ernst nehmen. Sorry.

    Dann kennst du auch die didaktische Methode vom "Lernen durch Lehren" nicht? Schüler eignen sich einen Unterrichtsstoff an, um diesen ihren Mitschülern zu vermitteln. Da man als Lehrkraft immer einen Informationsvorsprung braucht, profitieren somit leistungsstärkere Schüler, da sie diesen Wissensvorsprung erarbeitet haben. Durch das Wiederholen und die Weitergabe verfestigt sich ihr Wissen - und es kommt zu einem Erfolgserlebnis, das weitere intrinsische Motivation erzeugt.

    Selbstverständlich profitieren die leistungsstarken Schüler, wenn sie den anderen etwas erklären. Deinen Einwand kann ich nicht ernst nehmen. Sorry.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Ein Bekannter erzählte mir letztens, dass er sich ein Studium an einer privaten Hochschule nicht leisten könne, dass er aber sich lieber mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und keine Ausbildung machen möchte, da er dafür nicht hätte Abitur machen müssen.

    Ich sach auch immer: Wenn ich hätte arbeiten wollen, hätte ich nicht studieren brauchen.

    Kein Kontakt zu Migranten.

    Ich hatte während meiner Schulzeit auch keinen Kontakt zu Migranten. Wo ist jetzt bitte das Problem?

    Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :P

    8) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:

    Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.

  • Leider auch im Schuldienst.

    Das ist doch in diesem Kontext ein sinnloser Einwand. Es gibt sicher auch Lehrer, die ihre Frau schlagen oder fanatisch religiös sind und trotzdem können wir unserem Schulsystem trauen mit sehr gut ausgebildeten Lehrkräften, einem System von Vereidigung aufs GG usw. dass die große Mehrheit der Lehrkräfte vernünftige Menschen sind, die einigermaßen kontrolliert staatliche Lehrpläne vermitteln und dies im Klassenverband so tun, dass niemand zu Schaden kommt.

  • Aber man kann wohl entsprechend schlecht benoten?

    Oder geht das auch nicht? Würfelt ihr die Noten oder was?

    Ich werde das Gejammer auch nie verstehen. An mir bekannten Gymnasien wird die Orientierungsstufe als das genutzt, wofür sie gedacht ist.

    Die Klage scheint mir übrigens immer aus NRW zu kommen, obwohl inzwischen alle Bundesländer Wahlfreiheiten haben. Vielleicht bilde ich es mir aber auch ein.

Werbung