Wahl der Schule nach dem Referendariat

  • Hallo zusammen,

    mein Referendariat (Gym) neigt sich dem Ende zu und so habe ich jetzt begonnen, mich auf schulscharfe Stellen zu bewerben und da beginnt auch schon mein "Problem".

    Ich habe mich bei mehreren Schulen beworben und habe nach den ersten Bewerbungsgesprächen auch schon mehrere Zusagen erhalten. Das ist zwar sehr erfreulich, aber wer die Wahl hat, hat auch die Qual und so frage ich mich: wie trifft man nun eine Entscheidung? Jede Schule hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, aber ich tue mich sehr schwer damit, einer Entscheidung näher zu kommen. Ich habe glücklicherweise noch etwas Zeit, um mich zu entscheiden.

    Deswegen suche ich hier bei euch ein paar Anregungen zum Thema Schulwahl. Wonach seid ihr gegangen? Welche Punkte sollte man vielleicht besonders beachten? Welche Dinge kann man vielleicht bei der Wahl der Schule auch eher vernachlässigen?

    Außerdem habe ich nicht nur Zusagen von Gymnasien, sondern auch von einem BSZ (Berufliches Schulzentrum). Mich reizt auch dieses Angebot sehr und ich habe auch schon während des Studiums eines meiner Praktika an einem BSZ absolviert und war auch von dieser Schulart/diesen Schularten sehr angetan. Also dreht es sich bei mir nicht nur um die Wahl der Schule sondern gegebenenfalls auch noch um einen Schulformwechsel hin zum berufsbildenden Bereich, wo ich dann natürlich trotzdem nur Allgemeinbildner bin. Hier kenne ich allerdings die Strukturen noch nicht so gut wie an einem allgemeinbildenden Gymnasium und hier stellt sich mir vor allem die Frage nach der Perspektive - was ist zum Beispiel, wenn ich irgendwann merke, dass ich die "Kleinen" irgendwann vermisse (auch wenn ich mir das momentan nicht wirklich vorstellen kann).

    Ich würde mich freuen, wenn ihr vielleicht ein paar Hinweise und Denkanstöße für mich hättet.

    Vielen Dank schon einmal!

  • Niemand hier kann für dich entscheiden, da es am Ende um deine Präferenzen geht. Diese solltest du dir genauer vergegenwärtigen und dir vor allem überlegen, was dir einerseits persönlich besonders wichtig ist (Schulort, Einzugsgebiet der Schule, Nähe zu einem Wunschwohnort, Entwicklungsmöglichkeiten an der Schule, Ausstattung der Schule,…) und andererseits welchen Eindruck von SL und ggf. weiteren KuK du während der Vorstellungsgesprächs jeweils gewonnen hast. Mit wem hattest du direkt einen guten Draht, in welchem Gespräch hat es vielleicht warum gehakt, welche SL hat dir den Eindruck vermittelt, dass sie deine besonderen Fähigkeiten über deine Fächer hinaus sieht, schätzt und gerne mit dir weiterentwickeln möchte,…


    Mir persönlich war eine Mischung wichtig, also in jedem Fall eine SL, bei der ich den Eindruck hatte, dass zentrale pädagogische Vorstellungen, demokratische Grundhaltungen, aber auch bestimmte Überlegungen zur Schulentwicklung zu mir passen bzw. übereinstimmen. Wichtig war mir auch, dass ich nicht nur den Eindruck hatte am Ende einfach nur deshalb gewollt zu werden, weil man halt Lehrermangel hat und jeden nehmen würde, auch wenn man jemanden mit meinem Profil noch etwas lieber für sich gewinnen würde, sondern ich tatsächlich auch den Eindruck hatte als Mensch gesehen zu werden und nicht nur als künftiges Arbeitstier im Stall, das zu funktionieren hat nach Wunsch (womit wir wieder bei Haltungen wären, also inneren, die müssen schließlich auch art- oder vielmehr wesensgerecht sein).


    Meine aktuelle Schulleitung ist diesbezüglich ein echter Glücksgriff, ich hatte aber auch zumindest ein weiteres Angebot einer ganz außergewöhnlichen Schulleiterin, das abzusagen mir sehr schwer gefallen ist, weil diese sofort gesehen hat, was wir gemeinsam machen könnten, sie also genau verstanden hat, was mich bewegt und wie sie mich als SL bei meiner Weiterentwicklung unterstützen kann. Das war ein extrem beeindruckendes Gespräch. Denn gefragt war ich dort zunächst vor allem wegen Framzösisch, das Potential darüber hinaus hat diese SL aber sofort in meinem Herzensfach Politik bei mir gesehen und wusste sofort, welches Projekt wir gemeinsam angehen könnten, welches ihr schon länger vorschwebte. (Diese SL hat mir bei meiner Absage, weil da noch nicht klar war, ob ich überhaupt direkt eine Stelle würde antreten können, dann auch gesagt, dass die Stelle für mich offen wäre, sollte ich mich im nächsten Jahr erneut bewerben.)


    Wichtig war mir aber auch der Schulort. Ich hatte mich auf zwei Regionen konzentriert in meinem Bundesland, die aus verschiedenen Gründen (Gesundheitsversorgung, Familie, Freunde, Wohlfühlfaktor,…) beide für mich in Ordnung gewesen wären.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Mir war die Schülerklientel (nicht zu snobbisch, aber tendenziell bildungsinteressierte Elternhäuser) wichtig, was mit dem Standort / typischen Einzugsgebiet der Schule einherging.


    Und, so blöd es auch klingen mag: Eines meiner Top-Kriterien war es, dass es einen ausreichend dimensionierten Lehrerparkplatz gibt. Ich hätte keine Lust, jeden Tag extra früh zur Schule fahren zu müssen, um dort nach einem (vermutlich noch teuren) Parkplatz suchen zu müssen, und meine Freistunden mit dem Nachlösen von Parkscheinen zu verbringen.


    Andere wichtige Kriterien (wie tickt die Schulleitung, wie das Kollegium), lassen sich, wenn man keine Kontakte an die Schulen hat, leider erst im Nachhinein feststellen.

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • Andere wichtige Kriterien (wie tickt die Schulleitung, wie das Kollegium), lassen sich, wenn man keine Kontakte an die Schulen hat, leider erst im Nachhinein feststellen.

    Das finde ich spannend, empfindest du das wirklich so, ausnahmslos?


    Bei meiner aktuellen SL wusste ich nach einem ersten Telefonat von 20 min sehr genau, wie diese grundlegend tickt an für mich als Lehrkraft relevanten Punkten, aber auch darüber hinaus menschlich gesehen. Ich kenne meine SL inzwischen bedeutend besser, weiß auch vieles aus dem Privatleben meiner SL, darunter einige höchstpersönliche Dinge, weil wir ziemlich ungewöhnliche und offene Gespräche führen miteinander. Alles, was ich in den ersten 20min gespürt, gehört, wahrgenommen, interpretiert habe hat sich lediglich weiter vertieft, aber ausnahmslos bestätigt. Das könnte ich genauso auch für meine SL aus dem Ref sagen, den Stellvertreter meiner Refschule, sowie die eine oder andere SL, der ich darüber hinaus beruflich oder auch privat bedingt schon begegnet bin. :gruebel: Aber vielleicht hilft mir an der Stelle auch einfach, dass ich nicht mehr Mitte 20 war bei meinen Bewerbungen, sondern schon 40 mit entsprechender Berufs- und Lebenserfahrung. :weissnicht:

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Vieles wurde ja schon gesagt, ich persönlich bin aber auch ein großer Freund des Bauchgefühls.


    Ich hatte auch mehrere Zusagen und trotzdem habe ich eigentlich immer gleich direkt nach den Bewerbungsgesprächen gefühlt, dass es nicht die richtigen Schulen für mich sind, bis zu dem Gespräch an meiner jetzigen Schule. Da bin ich rausbekommen und wusste, daß passt, und so war es auch.


    Wenn es dir so schwer fällt eine Entscheidung zu treffen, war die richtige Schule vielleicht noch nicht dabei.

  • Vielen Dank für eure sehr ausführlichen Antworten.
    Da war tatsächlich der ein oder andere Denkanstoß mit dabei. Ich konnte für mich mittlerweile drei Schulen "aussortieren" und ich werde sicherlich auch noch eine einzelne Schule ausfindig machen, die es dann wird. Mein Problem ist hier tatsächlich vor allem, dass die zur Auswahl stehenden Schulen super unterschiedlich sind und ich bei allen noch verbliebenen Schulen wirkliche Vor- und Nachteile sehe, ich mir aber wirklich unsicher bin, wie ich das jeweils für mich wichten soll.
    Naja... irgendwie wird das schon!

    Vielen Dank nochmal an euch!!!

  • Du brauchst Kriterien, nach denen du entscheidest. Im Rückblick wählte ich andere als damals:


    • Wird das Lehrerinnenzimmer regelmäßig gelüftet?
    • Wird der Nichtraucherinnen-Schutz ernst genommen?
    • Gibt es einen guten Fahrradabstellplatz?

    Geh’ mal davon aus, das du vierzig Jahre dort verbringen wirst. Was ist dann wichtig?

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    • Wird das Lehrerinnenzimmer regelmäßig gelüftet?

    Hätte ich da mal drauf geachtet ... das ist bei uns immer ein Getue. Als ob man die Pest bekommt, wenn einen frische Luft berührt ... schlimmer als im Klassenzimmer mit den Kids und ihrem ewigen: können wir das Fenster jetzt wieder zumachen?

    • Wird der Nichtraucherinnen-Schutz ernst genommen?

    Persönliche Neugier, aber woran denkst du dabei genau? Darf bei euch noch innerhalb des Schulhauses bzw. auf dem Schulgelände geraucht werden? Falls ja, ist mir sofort klar, was als erste Maßnahmen zwingend geboten wäre bei euch, falls nein, wäre aber meine Frage, woran du als weiterführende Maßnahmen denken würdest?

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Hätte ich da mal drauf geachtet ... das ist bei uns immer ein Getue. Als ob man die Pest bekommt, wenn einen frische Luft berührt ... schlimmer als im Klassenzimmer mit den Kids und ihrem ewigen: können wir das Fenster jetzt wieder zumachen?

    Bei uns sind wir uns im Kollegium relativ einig, die Fenster sind in der Regel im Sommer auf, aber unsere Sekretärin, die im Raum gegenüber sitzt behauptet immer, bei ihr würde es zu kalt werden und ziehen (hm, kann es ja nur, wenn sie auch ein Fenster auf hat, dann soll sie das eben zu machen) und schließt regelmäßig die Fenster.

  • Darf bei euch noch innerhalb des Schulhauses bzw. auf dem Schulgelände geraucht werden

    Auf keinem Schulgelände in NRW darf geraucht werden. Die Rechtslage ist eindeutig. Die wird aber nicht überall durchgesetzt. Darauf achtete ich.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Auf keinem Schulgelände darf geraucht werden. Die Rechtslage ist eindeutig. Die wird aber nicht überall durchgesetzt. Darauf achtete ich.

    Stimmt. Ich erinnere mich an eine Schule, wo im Keller das "Raucherlehrerzimmer" eingerichtet wurde als das offiziell nicht mehr erlaubt war. Das hatte oft zur Folge, dass man da unten eigentlich gar nichts außer Dunst sehen konnte, weil eben auch keine wirkliche Belüftung da war.

  • Neben den schon genannten Dingen hab ich mir noch angeguckt, wie strukturiert die Aushänge im Lehrerzimmer aussehen und wie das Schulprogramm aussieht um einen Eindruck zu bekommen, ob grundsätzlich strukturiert gearbeitet wird.

    Des Weiteren war ich gegen Ende der Pause da und hab mir angeschaut, wie die Schüler miteinander umgehen, ob sie grüßen und ob der Schulhof nach der Pause eine Müllhalde ist oder nicht. Die Frage dabei war, gibt es eine Kultur des Hinschauens und Miteinanders oder nicht.

  • Auf keinem Schulgelände darf geraucht werden. Die Rechtslage ist eindeutig. Die wird aber nicht überall durchgesetzt. Darauf achtete ich.

    Ja, das ist definitiv ein Alarmzeichen, wenn eine Schulleitung noch nicht einmal die bestehende Rechtslage bereit ist umzusetzen, wenn es um den Gesundheitsschutz und damit die Fürsorgepflicht geht.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Außerdem habe ich nicht nur Zusagen von Gymnasien, sondern auch von einem BSZ (Berufliches Schulzentrum)

    Da würde ich ja hin gehen, aber ich bin da sicherlich Vorurteils behaftet ;). Ansonsten musst du das natürlich selbst entscheiden. Keiner weiß was dir wirklich wichtig ist und was vielleicht nicht so.


    Wenn du wenig Lust auf Eltern hast, bist du im beruflichen Bereich genau richtig aufgehoben.

  • Auf keinem Schulgelände darf geraucht werden. Die Rechtslage ist eindeutig. Die wird aber nicht überall durchgesetzt. Darauf achtete ich.

    Unser Schulgelände hat einen Raucherbereich. Da muss man ja nicht hingehen, wenn man nicht möchte.

  • Hätte ich da mal drauf geachtet ... das ist bei uns immer ein Getue. Als ob man die Pest bekommt, wenn einen frische Luft berührt ... schlimmer als im Klassenzimmer mit den Kids und ihrem ewigen: können wir das Fenster jetzt wieder zumachen?

    Wir haben zum Glück eine CO2 Ampel im Lehrerinnenzimmer, aber ich reiße sowieso immer alle Fenster auf, das stört niemanden. Bei uns steht tatsächlich Lehrerinnenzimmer an der Tür.

  • Weil es in NRW schlicht auf dem Schulgelände verboten ist. Wenn eine SL das nicht durchsetzt, dann achtet sie vermutlich in anderen Bereichen auch nicht auf den Arbeitsschutz.


    Darüber hinaus begegnet man ja im Schulalltag unweigerlich dann doch den nach Rauch stinkenden Kollegen. Ich finde das extrem unangenehm.

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