Vom Wert der Werte. Oder: Gehört die besinnliche Zeit abgeschafft?

  • Konfessionelle Friedhöfe sind meines Wissens eher seltene Ausnahmen. Ich weiß nicht, ob z.B. auf jüdischen Friedhöfen auch nicht-jüdische Verstorbene beerdigt werden dürfen, aber ich kann mir vorstellen, dass, wenn es jemandem wichtig genug sein sollte, später unbedingt auf einem konfessionellen Friedhof beerdigt zu werden, dass man dann auch bei der Partnersuche darauf achtet, dass ähnliche Glaubensvorstellungen vorhanden sind.

    Die meisten Friedhöfe sind zwar, so vermute ich zumindest, an Kirchen angegliedert, aber mir wäre es neu, dass nicht-christliche Verstorbene abgelehnt würden - Ausnahme, die nicht-christlichen Verstorbenen wollten selbst vor ihrem Tod nicht auf einem solchen Friedhof ihre letzte Ruhe finden.

    Ansonsten gibt es für naturverbundene Menschen Waldfriedhöfe oder, seit kurzem in Rheinland-Pfalz unter bestimmten Voraussetzungen, See- oder Gartenbestattungen.

  • Inzwischen kann man ja sogar sein Urnengrab neben dem seines Haustieres anmieten... Dafür muss auch niemand konvertieren.

    Wo geht das denn?

    In NRW (?) kann man inzwischen die Asche des Verstorbenen mitnehmen und hat keine Urnengrabzwang mehr. Ich hoffe, dass andere Bundesländer da bald nachziehen.

  • Man kann alles mögliche, wenn aber der Partner nach muslimischen Ritten bestattet werden möchte, (im Leichentuch ohne Sarg) dann geht das wohl, so habe ich mir sagen lassen, eben nicht überall und wenn dann der Partner ein gemeinsames Grab haben möchte, dann ist möglicherweise die Konvertierung die einfachste aller Lösungen.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Man kann alles mögliche, wenn aber der Partner nach muslimischen Ritten bestattet werden möchte, (im Leichentuch ohne Sarg) dann geht das wohl, so habe ich mir sagen lassen, eben nicht überall und wenn dann der Partner ein gemeinsames Grab haben möchte, dann ist möglicherweise die Konvertierung die einfachste aller Lösungen.

    Das Problem fängt doch schon mit der Ausrichtung der Gräber an. Auf christlichen Friedhöfen liegen die Verstorbenen in Ost-West-Richtung, wohingegen sie auf muslimischen Friedhöfen in Nord-Süd-Richtung liegen. Dabei werden die Verstorbenen auf der Seite liegend mit Blick Richtung Mekka beigesetzt.

    Allein schon dieses Ausrichtungsproblem sollte ganz praktisch nicht unterschätzt werden.

  • chilipaprika Mir ging es eher darum, dass die Friedhofsverwaltung ablehnt, wenn jemand sein Grab um 90° gedreht haben will, weil dann am Ende auf dem Friedhof gar nichts mehr paßt.

    Macht ihr euch auch Gedanken, wo und wie ihr beerdigt werden wollt? Sollte man ja idealerweise vorher klären...

    Das habe ich zwangsweise vor 3,5 Jahren schon gemacht. Ich wohne auf dem Lande und da gibt es noch die Tradition des Familiengrabs. Wir haben da ein 4er Grab und als meine Mutter gestorben ist, kam dann die Frage auf auf welchem der vier Grabplätze sie bestattet werden soll, damit dann später mein Papa neben ihr liegen kann. Außerdem sollen dann nicht beide in der Mitte liegen, damit, wenn ich soweit bin, der Platz neben mir noch für meine Angetraute frei ist. Also nicht das, sollte es ganz übel liegen, meine Eltern in der Mitte liegen, die Grabstellen noch nicht wieder belegt werden können, und ich dann ganz links außen und meine Frau ganz rechts außen liegen muß. Ganz nebenbei stellte sich natürlich die Frage wann die Großeltern gestorben sind und welche der vier Grabstellen überhaupt belegt werden durfte.

    Da wird die eigene Sterblichkeit dann schon verdammt real. :angst:

  • Macht ihr euch auch Gedanken, wo und wie ihr beerdigt werden wollt? Sollte man ja idealerweise vorher klären...

    Tatsächlich im letzten Jahr mehr (weil ein Ruheforst hier eröffnet hat, wir nicht religiös sind und wir durch den Verlust unseres Hundes das Bedürfnis hatten, an irgendwas zu glauben).

    ICH möchte das klären, weil ich glaube, der Überbleibende müsste nicht alleine damit stehen, habe aber gerade nicht die Kraft dafür und ich will nicht so tun, als hielte ich es für imminent.

    Ich mache mir eher viele Gedanken darüber, wie es bei meinen Eltern ist, die mir immer schon erzählt haben, dies geklärt zu haben, aber - letzter Kenntnisstand - es doch nicht getan hatten, weil "Willst du etwa, dass wir sterben, wir haben noch viel Zeit?".
    Jetzt ist es leider noch trickiger geworden, da ich keinen Kontakt mehr habe, ich mir trotzdem gut vorstellen kann, dass es etwas ist, was man regeln muss. aber total morbid: ich habe jetzt tatsächlich einen französischen Perso, mit welchem ich mich ausweisen kann, der auch im Einklang mit meinem deutschen Leben ist. Und tatsächlich war der zukünftige elterliche Tod und seine Konsequenzen der letzte Anstupser, dies zu tun.

  • Das Problem fängt doch schon mit der Ausrichtung der Gräber an. Auf christlichen Friedhöfen liegen die Verstorbenen in Ost-West-Richtung, wohingegen sie auf muslimischen Friedhöfen in Nord-Süd-Richtung liegen. Dabei werden die Verstorbenen auf der Seite liegend mit Blick Richtung Mekka beigesetzt.

    Allein schon dieses Ausrichtungsproblem sollte ganz praktisch nicht unterschätzt werden.

    Warum ist das ein Problem? Es gibt doch eine ganze Reihe Friedhöfe, wo verschiedene Grabfelder für unterschiedliche Religionen angelegt sind. Hier in der Stadt gibt es bspw. einen Friedhof, der u. a. Grabfelder für Menschen muslimischen und yezidischen Glaubens hat.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Macht ihr euch auch Gedanken, wo und wie ihr beerdigt werden wollt? Sollte man ja idealerweise vorher klären...

    Ja, wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir entweder eine Seebestattung oder in einem Ruheforst bestattet werden möchten. Auch meine Eltern und Großeltern und die meines Mannes hatten es schon frühzeitig geregelt, wie/wo sie beerdigt werden wollten.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • chilipaprika Mir ging es eher darum, dass die Friedhofsverwaltung ablehnt, wenn jemand sein Grab um 90° gedreht haben will, weil dann am Ende auf dem Friedhof gar nichts mehr paßt.

    Das habe ich zwangsweise vor 3,5 Jahren schon gemacht. Ich wohne auf dem Lande und da gibt es noch die Tradition des Familiengrabs. Wir haben da ein 4er Grab und als meine Mutter gestorben ist, kam dann die Frage auf auf welchem der vier Grabplätze sie bestattet werden soll, damit dann später mein Papa neben ihr liegen kann. Außerdem sollen dann nicht beide in der Mitte liegen, damit, wenn ich soweit bin, der Platz neben mir noch für meine Angetraute frei ist. Also nicht das, sollte es ganz übel liegen, meine Eltern in der Mitte liegen, die Grabstellen noch nicht wieder belegt werden können, und ich dann ganz links außen und meine Frau ganz rechts außen liegen muß. Ganz nebenbei stellte sich natürlich die Frage wann die Großeltern gestorben sind und welche der vier Grabstellen überhaupt belegt werden durfte.

    Da wird die eigene Sterblichkeit dann schon verdammt real. :angst:

    Möchte deine Frau das auch so? Ich würde lieber alleine sein, glaube ich.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Ja, wir haben uns schon vor Jahren entschieden, dass wir entweder eine Seebestattung oder in einem Ruheforst bestattet werden möchten. Auch meine Eltern und Großeltern und die meines Mannes hatten es schon frühzeitig geregelt, wie/wo sie beerdigt werden wollten.

    Ein guter Freund von mir hat sich in Eckernförde in der Förde seebestatten lassen. Er kam von dort und hatte viel Bezug zum Meer. Ich persönlich hätte mehr Bezug zum Wald und könnte mir eine Bestattung im Friedwald vorstellen. Das geht aber nur in einer Urne. Da ich nicht verbrannt werden möchte, gibt es nicht so viele Alternativen. Seebestattung wäre bei mir deswegen auch raus.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Warum ist das ein Problem? Es gibt doch eine ganze Reihe Friedhöfe, wo verschiedene Grabfelder für unterschiedliche Religionen angelegt sind.

    Das wird aber ein Problem, wenn die Eheleute auf einem Grab zusammen liegen wollen. Klar würde es vom Platz passen auf einer 4er Grabstelle einen Sarg in West-Ost-Richtung zu vergraben und einen Leichensack in Nord-Süd-Richtung. Aber der Leichensack würde dann ja alle vier Grabstellen tangieren und das ist das Problem. Je nach Bodenbeschaffenheit dürfen die Gräber erst nach zieg Jahren erneut belegt werden. Bei uns sind mindestens 25 Jahre einzuhalten.

    Die Familiengräber auf den Friedhöfen sind ja eh schon sehr eng vom Platz, wenn man bedenkt, dass im Fußende der "Erwachsenen" noch Platz für sehr früh verstorbene Kinder eingeplant ist.

    Bei komplett getrennten Grabfeldern, links vom Weg in Ost-West-Richtung und rechts vom Weg in Nord-Süd-Richtung, ist das alles natürlich kein Problem.

  • Auf christlichen Friedhöfen liegen die Verstorbenen in Ost-West-Richtung,

    Also wenn ich mich nicht komplett täusche, dann liegen meine Großeltern auf einem Friedhof wo die Gräber auch in unterschiedliche Richtungen schauen. (Katholisch)

    Seine Eltern (also meine Urgroßeltern) liegen nämlich auch dort und den Weg dahin habe ich gut vor Augen und die Ausrichtung ist um 90 Grad gedreht zum Grab meiner Großeltern.

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