Kirchensteuer (aus Meckerforum)

  • Es stimmt natürlich, dass der Eigenanteil der Kirchen an vielen Einrichtungen sehr gering ist. Ich finde trotzdem wichtig, dass sie bestehen bleiben, denn sie leisten oft gute Arbeit (gerade WEIL sie eigene Befugnisse haben) und übernehmen wichtige Funktionen. Konkret im Bildungsbereich an vielen Schulen z.B.: Selektion, die der Staat ja längst aufgegeben hat. Auch im Bereich Pflege hat mich das katholische Pflegeheim meiner Oma von allen Einrichtungen, die ich bisher betreten habe, mit Abstand am meisten überzeugt. Ich hab auch meine Vorbehalte gegenüber kirchlichem Kerngeschäft, aber deswegen ist nicht alles, was an Geldern in die Kirchen und den Betrieb ihrer Einrichtungen fließt, schlecht und fehlinvestiert.

  • Es ist wirklich überraschend für mich, wie viele (auch sehr gebildete) Menschen immernoch denken, die Kirchen und die Kirchensteuern würden Sozialdienste, Pflegeheime, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen und dergleichen finanzieren.

    Ich hab auch meine Vorbehalte gegenüber kirchlichem Kerngeschäft, aber deswegen ist nicht alles, was an Geldern in die Kirchen und den Betrieb ihrer Einrichtungen fließt, schlecht und fehlinvestiert.


    Daher ist es manches Mal einfacher, auszutreten und das Geld dann eben direkt an gute Institutionen zu spenden, damit eben nicht das Geld in Prunkbauten endet.


    (Ich war zum Glück nie in der Kirche, spende trotzdem auch an kirchliche Einrichtungen, wenn sie mir gefallen)

  • Ich war einige Zeit an einer Schule in Trägerschaft der evangelischen Kirche Rheinland. Der Anteil der Gelder welcher daher kam lag unter 15% des gesamten Schulhaushalts, der Rest kam vom Land. Trotzdem hatte die Kirche nahezu Entscheidungsfreiheit in allem außer dem Lehrplan inklusive Besetzung der Schulleitung etc.

    Das ist aber in alle Bundesländern ähnlich. Die Ersatzschulen werden bis zu 100% vom Land bezahlt.

  • Ganz konkret an Beispiel der Kita meiner Kinder bedeuten wegbrechende Kirchensteuereinnahmen, dass der Gemeinderat beschlossen hat, dass die Inklusionsarbeit nicht mehr bezuschusst werden kann.

    Da ich selber in einer kirchlichen Schule war, kann ich sagen, dass das was denn Schülern dort geboten wird an den wenigsten staatlichen Schulen geboten werden kann.

    Es stimmt natürlich, dass der Eigenanteil der Kirchen an vielen Einrichtungen sehr gering ist. Ich finde trotzdem wichtig, dass sie bestehen bleiben, denn sie leisten oft gute Arbeit (gerade WEIL sie eigene Befugnisse haben) und übernehmen wichtige Funktionen. Konkret im Bildungsbereich an vielen Schulen z.B.: Selektion, die der Staat ja längst aufgegeben hat. (..)

    Ich finde den Begriff Selektion in Bezug auf Menschen völlig unangebracht!

    Maylin85 Vielleicht muss man diesen Gedanken, sofern man ihn überhaupt für formulierungswürdig erachtet, sprachlich um einige Stufen bedachter ausdrücken?

  • Warum? Er ist zutreffend. Die kirchlichen Schulen, an denen ich gearbeitet habe, mussten keine Kinder ohne Gymnasialempfehlung aufnehmen und haben auch keine zieldifferente Inklusion betrieben. Und wer dort nicht in der Spur lief, musste irgendwann auch gehen. Das ist Selektion.

  • Du möchtest ernsthaft eine Diskussion darüber führen, warum sich der Begriff Selektion in Bezug auf Menschen verbietet?

    Der Begriff ist im schulischen Kontext absolut unproblematisch (hat keine objektiv negativen Konnotationen o.ä.) und etabliert:

    Die Selektion und Allokation nach Maßgabe der kognitiv-intellektuellen Leistungsfähigkeit, -bereitschaft und -demonstration der Schüler, ist eine der vier Hauptaufgaben von Schule (neben Enkulturation und Qualifikation) nach Helmut Fend (und sollte spätestens beim Wechsel zur weiterführenden Schule erfolgen), so u.a in seiner “[n]eue[n] Theorie der Schule” (2006) oder hier:

    Fend, Helmut (2011): Die sozialen und individuellen Funktionen von Bildungssystemen: Enkulturation, Qualifikation, Allokation und Integration. In: Hellekamps, S.; Plöger, W. & Wittenbruch, W. (2011): Handbuch der Erziehungswissenschaft. Bd. 3: Schule. Paderborn, S. 41–53.

    Oder:

    Es gehen “[...] beide Funktionen […] theoretisch eng mit der Qualifikationsfunktion einher: Schulen tragen dazu bei, die Heranwachsenden im Verlauf ihres Qualifikationsprozesses durch schulische Auswahlprozesse (Selektion) auf unterschiedliche soziale Positionen zu verteilen (Allokation). Die Selektionsfunktion von Schule findet in Deutschland ihren äußeren Ausdruck in der Mehrgliedrigkeit des Schulsystems, mit der eine frühe Entscheidung über die generelle Zulassung der Schülerinnen und Schüler zu einzelnen Bildungswegen und Institutionen verbunden ist […]. Die Selektion wird über die Bewertung und Benotung von individuellen Schülerleistungen vorgenommen. Lehrkräfte erteilen in Abhängigkeit von ihnen vorgegebenen Kriterien mit Zensuren und Zeugnissen symbolische Gratifikationen, die in Schullaufbahnen und Schulabschlüssen mit unterschiedlichem realem Wert einmünden” (https://link.springer.com/chapter/10.100…3-658-43348-2_6).

    Man muss sich nicht über deskriptive Begrifflichkeiten echauffieren, weil man hier mglw. (fehlsame) Verbindingen zu düsteren Zeiten zieht o.ä. :)

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

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