Ich gucke mal was von deinen Ideen uns weiterhelfen kann:
mehr Rotation bei Ausflügen; Klassenfahrten; => Machen wir durchaus, bringt aber eigentlich nur eine Umverteilung der Aufgaben und keine Entlastung.
Schulfesten - oder deutliches Einschränken des Angebots: Ich hatte bereits geschrieben, dass wir nur sehr wenig machen. Wir könnten noch das eine Schulfest eine zwei Jahre streichen aber das Kollegium findet, dass das für die Atmosphäre an der Schule wichtig auch mal so etwas zu machen. Wenn wir das streichen, hätten wir natürlich eine kleine Entlastung alle zwei Jahre ...
Klare Einschränkung der Anwesenheit bei Elternsprechtagen und/oder Elternabende: Da wird es jetzt kompliziert. Wir haben Lehrkräfte, die kaum nachgefragt sind. Aber von 14 Lehrkräften haben 9 eine Klassenleitung an der Grundschule und dann wollen halt auch alle Eltern mit dir sprechen. Dazu hast du in der Grundschule auch durchaus mal kompliziertere Situationen und längere Gespräche. Ich kann natürlich hart sein und sagen wir sprechen nur 10 min und dann ist Schluss. Aber menschlich will das auch keiner. Das ist in der Sek 1 sicherlich anders. Aber wenn ich Eltern erklären muss, dass es mit ihrem Liebling in der Schule nicht läuft und es die Klasse wiederholen muss oder überprüft wird, dauert das echt lange. Dazu kommen die klassischen "Mein Kind wurde von Kind XY gehauen, beleidigt, was auch immer anrufe". Dann noch Kinder, die eine Schulbegleitung brauchen etc.. Da wird kaum eine Lehrkraft sagen, sorry es gibt nur 10 min. Der Dienstherr hat nicht mehr vorgesehen.
Rotation bei Klassenleitungen: 14 Lehrkräfte, davon 2 in der SL. 1 Lehrkraft für die Inklusion. Bleiben zur Zeit 11 Lehrkräfte für 9 Klassen. Wir haben momentan eine Lehrkraft in einer Wiedereingliederung, die nur begrenzt belastbar ist und auch nur 10 Stunden gibt. Diese hat keine Klasse. Dann habe ich noch eine Lehrkraft mit 8 h, die eigentlich schon pensioniert ist aber noch etwas dazu verdient. Daneben habe ich noch 3 Abordnungen, die mit 8-12 h bei uns abgeordnet sind, aber mit den restlichen Stunden an ihren Stammschulen sind. Und natürlich noch 1-2 Anwärter. Wie stellst Du dir eine Rotation vor? Die einzigen Personen, die noch eine Klasse übernehmen können, ist die Schulleitung.
Tandemmodelle zur Konferenzteilnahme; Haben wir versucht, wurde abgelehnt, hatte ich schon erklärt.
Berücksichtigung der Korrekturbelastung bei der Unterrichtsverteilung in Hinblick auf Fächer Ist glaube ich kein Grundschulthema. In der Regel unterrichten sowieso alle in ihren eigenen Klassen zwei Hauptfächer.
Lerngruppengrößen: Können wir nicht beeinfluss. Aber die Klassenzusammensetzung ist in Sachen Arbeitsbelastung ein großes Problem. Wir bekommen jedes Jahr mehr Kinder mit Förderbedarfen. Da noch nichts vorliegt, fangen wir bei 0 an. Kind kennen lernen, Diagnostik, Förderung planen und durchführen, Elterngespräche, Förderschullehrkraft + Profis hinzuholen, Gutachten schreiben, zwischendurch immer wieder Förderpläne evaluieren und neue schreiben, Förderkommission, Zwischendurch Hilfen anfordern und nicht bekommen etc.. Wir haben inzwischen in (fast) jeder Klasse 2-3 solcher Schüler. Die Arbeitsbelastung ist immens. Aber was sollen wir machen? Und dann bekommen wir jedes Jahr 2-3 DaZ-Schüler. Dann steht der Chef da und hat kein Kind, das kein Wort deutsch spricht, kein Material hat und ab sofort in der Schule ist. Das sind alles Zeitfresser. Nur was sollen wir machen? Die Kinder ablehnen? Ein Förderverfahren kostet mich deutlich mehr Arbeitszeit als alle anderen Tätigkeiten an der Schule.
Anzahl und Format der zu schreibenden Arbeiten: ergeben sich bei uns aus den Erlassen und bisher kam noch niemand auf die Idee, mehr als das Minimum zu machen.
Berücksichtigung bei Förderunterricht (oder eben gerade nicht); Haben wir keine Stunden für. Sind auch in Niedersachsen nur noch für DaZ und Sportförder vorgesehen (plus Sonderpädagogische Grundversorgung)
reduzierte (bis hin zu gar nicht erwartete) Mitarbeit in Arbeits- und Konzeptgruppen; Berücksichtigung bei der Verteilung von Extraaufgaben - insbesondere das Streichen von Zusatzaufgaben, die nicht systemisch relevant sind.
Habe ich auch schon was zu geschrieben. Wir machen möglichst wenig und die Mitarbeit ist fast immer freiwillig. An manchen Sachen kommen wir halt nicht vorbei, weil wir sie für unseren Alltag brauchen.
Ich sehe tatsächlich nichts in deiner Aufstellung, was mir als Schule eine signifikante Entlastung bringen würde. Letztlich hängt viel davon ab, was für eine Klasse du erwischt und wie die Eltern und Schüler sind. Wir versuchen das fair zu verteilen ist aber auch Glücksache. Der eine Jahrgang ist vielleicht ganz gut. Im anderen hast du von nur Fälle, die viel Zeit kosten. Aber auch da kannst Du es nur begrenzt ausgleichen.
Aus meiner Sicht ist die Arbeitsbelastung in der Schule die letzten Jahre massiv gestiegen. Du bist alleine mit Unterricht schon ausgelastet. Das mag an weiterführenden Schulen anders sein aber wir haben kaum große Sparpotentiale. Alles was man spart, macht einen auch wieder unglücklich, weil man den Job so nicht machen will. Also arbeitet man am Ende doch mehr als man muss. Wir als Schule akzeptieren das, weil wir dafür eine tolle Schule und ein gutes Arbeitsklima haben. Aber es natürlich nicht fair. (Fast) Alle arbeiten mehr als sie müssen.
Und dann bin wieder da, dass ich dir sage, dass das Problem nur eine Ebene höher gelöst werden kann. Ich glaube auch nicht, dass wir eine Ausnahme sind. Auch der Frosch oder andere Grundschulleute werden keine großen Möglichkeiten haben, Entlastungen anzubieten. Man versucht, was möglich ist und unterstützt Lehrkräfte, die Grenzen ziehen. Aber am Ende, wenn Frau A ein Elterngespräch will weil ihre Tochter irgendwelche Probleme hat, komme ich da auch nicht rum. Egal, ob ich meine Stunden voll habe oder nicht. Und wenn meine Klasse nicht läuft, weil ich 3 Förderkinder drin habe, dann werde ich mich auch um sie kümmern müssen und hinter eine Schulbegleitung hinterherrennen. Auch wenn es nicht meine Aufgabe ist und ich schon genug Stunden arbeite.