Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Gedankenexperiment, was würdest du machen, wenn es offiziell hieße, ab dem kommenden Schuljahr würde in der Grundschule eine durchschnittliche Unterrichtsvorbereitung von 5-10 Minuten (Das könnte bedeuten 5 Minuten Nebenfach und 10 Minuten Hauptfach.) angenommen werden?

    Ich würde die Diskussion verweigern, weil sie mit dem EU-Recht zur Arbeitszeiterfassung nicht vereinbar ist.

    Wie oft möchtest du das EU-Recht noch in Abrede stellen?

  • Dabei kann man das Gesetz aber nicht beliebig abwandeln, sondern muss sich an die Vorgaben halten.

    Der Versuch, Lehrkräfte vom Gesetz auszunehmen, ist gescheitert.

    Ebenso kann man keine Kontingente festlegen, zu erheben sind Anfang, Pausen und Ende.

  • Das verstehe ich, aber wie kommt man denn im Vorfeld auf eine Deputatszahl, wenn sowas wie Kontingente für die Unterrichtsvorbereitung keine Rolle spielen? Nach irgendwelchen Maßstäben muss man doch ermitteln, ob für eine Vollzeitstelle 15, 20 oder 25 Unterrichtsstunden erteilt werden müssen, oder?

  • Das verstehe ich, aber wie kommt man denn im Vorfeld auf eine Deputatszahl, wenn sowas wie Kontingente für die Unterrichtsvorbereitung keine Rolle spielen? Nach irgendwelchen Maßstäben muss man doch ermitteln, ob für eine Vollzeitstelle 15, 20 oder 25 Unterrichtsstunden erteilt werden müssen, oder?

    Das ist die spannende Frage. Wenn ich dieses Jahr Überzeit hätte bei meinem VZ-Deputat von 24 Stunden, dann müsste im Folgejahr dann der Unterricht auf 23 Stunden gekürzt und dann dann geschaut werden, ob es im Gesamtjahr passt. Oder es würden außerunterrichtliche Aufgaben gekürzt werden...

    Was dann halt nicht mehr geht: In VZ müssen xx Stunden unterrichtet werden, völlig egal, was in die Arbeitszeit reinpasst.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Das verstehe ich, aber wie kommt man denn im Vorfeld auf eine Deputatszahl, wenn sowas wie Kontingente für die Unterrichtsvorbereitung keine Rolle spielen? Nach irgendwelchen Maßstäben muss man doch ermitteln, ob für eine Vollzeitstelle 15, 20 oder 25 Unterrichtsstunden erteilt werden müssen, oder?

    Die Deputatszahlen sind die alte Regelung. Jetzt ist die Frage, wie (und ob) der Dienstherr die neuen Regelungen umsetzt. Spannendes Beispiel: Gymshark bereitet den Unterricht immer sehr gewissenhaft und ausführlich vor. Dadurch schafft man nur 14 Stunden pro Woche. Muss ich dann die anderen nicht mehr geben?

  • Ich habe eure beiden Antworten gelesen, danke dafür. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, wie es ohne eine Art Deputat gehen soll. Nehmen mir an, dass die Arbeitszeiterfassung gilt und zum nächsten Jahr fängt ein Kollege/eine Kollegin nach erfolgreicher Beendigung des Vorbereitungsdienstes die Tätigkeit als Lehrkraft in Vollzeit an: Wie viele Stunden soll er/sie unterrichten?

    Mit irgendeiner Anzahl an Lerngruppen muss er/sie das Schuljahr beginnen und diese Anzahl beruht doch auf zuvor getroffenen Durchschnittsannahmen.

  • Das Deputatmodell ist 150 Jahre alt, die Anzahl der Unterrichtsstunden hat sich kaum verändert, die Aufgaben in den Schulen durchaus.

    Nach dem BAG bezieht sich die Verpflichtung der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber darauf, ein „System“ einzuführen und zu verwenden, mit dem Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeiten einschließlich der Überstunden erfasst werden.

  • Eine bereits 3x gehaltene Stunde kann man sicherlich in 5-10 Minuten überfliegen und ist damit ausreichend vorbereitet.

    Bei einer "neuen" Stunde halte ich das für ziemlich utopisch.

    Klar, braucht man für Stunden einer neuen Reihe mal länger, als Anfänger sowieso. Aber für eine durchschnittliche Sek I Englischstunde brauche ich sicher nicht mehr als 10 Minuten. Das simple past oder die conditionals mache ich jedes Jahr, da brauche ich das Rad nicht neu erfinden.

    Da benötige ich länger, um den Versuch für die Stunde vorzubereiten, selbst wenn ich ihn bereits ein Dutzend Mal durchgeführt habe. Aber die Geräte hüpfen nicht allein aus dem Schrank, die Chemikalien mischen sich nicht selbst. Und was für eine Klassenarbeit ist in 10 Minuten vorbereitet? Vokabeltest? Mathematik Unterstufe teilweise? Auch KI will gefüttert sein. Was unterrichtest du?

    Wenn dir deine Fächer diese „Laufarbeit“ machen ist das dann… schade für dich?

    Ich bezog mich zwar eigentlich auf die Einzelkorrektur einer Klassenarbeit. Aber wenn ich drüber nachdenke, eine Englischarbeit erstelle ich dir auch in 10 Minuten. Dank KI ist der Aufgabenpool für Grammatik-, Wortschatz- und Schreibaufgaben quasi unbegrenzt und easy anzupassen. Lese- und Höraufgaben nimmt man aus dem Lehrerlehrwerk, dafür ist es da. Vokabeltests habe ich als Anfänger noch jede Woche selbst als Aufgabenzettelchen vorbereitet. Mittlerweile diktiere ich deutsche Wörter und lasse die Vokabeln auf mitgebrachte Zettel schreiben, da spare ich sogar die Zeit am Kopierer.

    Das war mal wieder ein typischen Saruman.

    Brauchst du ein Snickers?

  • Also Saruman Englischlehrer am Gymnasium unterrichten in Zukunft 30 Deputatatstunden, damit Chemielehrer nur noch 20 unterrichten müssen. Einverstanden.

    Du liest und korrigierst 16 Seiten Klausur in 10 Minuten?

    Wie einfach sind denn deine Arbeiten? Oder unterrichtest du nur Unterstufe und lässt nie länger als 30 Minuten schreiben?

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Englisch Sek I am Gymnasium ist vermutlich auch unschlagbar unaufwändig, weil einfach die Bücher durchgejallert werden und wenig bis gar nicht differenziert wird (hab ich seinerzeit jedenfalls nicht gemacht). Das geht notfalls auch mal in 3 Minuten oder auf der Türschwelle. "Hübsche" Stunden sind das dann allerdings meist nicht unbedingt.

    Ob das auf andere Fächer und Stufen so übertragbar ist, weiß ich nicht.

  • Was dann halt nicht mehr geht: In VZ müssen xx Stunden unterrichtet werden, völlig egal, was in die Arbeitszeit reinpasst.

    Richtig. Und es würden auch nicht ständig neue Aufgaben dazukommen, wenn keine anderen Aufgaben wegfallen.

    Dadurch schafft man nur 14 Stunden pro Woche. Muss ich dann die anderen nicht mehr geben?

    Nein, Du wirst trotzdem Deine Vorbereitung in einer vorgesehen Zeit erledigen müssen. So funktioniert das in anderen Jobs auch. Man erwartet von Akademikern, dass sie sich organisieren können. Der Dienstherr hat nur das Pech, dass er keine rauswerfen kann, die das eben überhaupt nicht schaffen.

    Ich gehe aber mit Bolzbold mit, dass sich mit einer AZ-Erfassung eher etwas zum Schlechten bewegen wird. Nach 16 Jahren im Schuldienst bin ich da ernüchtert.

  • Ich gehe aber mit Bolzbold mit, dass sich mit einer AZ-Erfassung eher etwas zum Schlechten bewegen wird. Nach 16 Jahren im Schuldienst bin ich da ernüchtert.

    Genau deswegen verstehe ich die Verfechtung der Zeiterfassung nicht wirklich. Du wirst für alles Zeitvorgaben bekommen, es wird sich schön gerechnet, dass das alles in die AZ rein passt und wieso dieses und jenes dann auch noch eben gemacht werden kann. Es wird zu einer zusätzlichen Aufgabe werden, die AZ zu erfassen. Das eingeführte System wird maximal unkomfortabel sein. Vielleicht geht die Zeiterfassung aus Datenschutzgründen auch nur in der Dienststelle vor Ort. Ich habe viel Fantasie, wie es damit nur nerviger werden kann.

  • Also Saruman Englischlehrer am Gymnasium unterrichten in Zukunft 30 Deputatatstunden, damit Chemielehrer nur noch 20 unterrichten müssen. Einverstanden.

    Du liest und korrigierst 16 Seiten Klausur in 10 Minuten?

    Wie einfach sind denn deine Arbeiten? Oder unterrichtest du nur Unterstufe und lässt nie länger als 30 Minuten schreiben?

    Gut, dann planen wir für dich dann aber 8 Zeitstunden extra ein, damit du die Sachen aus dem Schrank räumen kannst. Albern, oder?

    Aber den Unterschied zwischen Klassenarbeiten und Klausuren sollte auch ein Nebenfachlehrer kennen.

    Englisch Sek I am Gymnasium ist vermutlich auch unschlagbar unaufwändig, weil einfach die Bücher durchgejallert werden und wenig bis gar nicht differenziert wird (hab ich seinerzeit jedenfalls nicht gemacht). Das geht notfalls auch mal in 3 Minuten oder auf der Türschwelle. "Hübsche" Stunden sind das dann allerdings meist nicht unbedingt.

    Ob das auf andere Fächer und Stufen so übertragbar ist, weiß ich nicht.

    Wird die Stunde "hübscher", wenn ich das Material selbst erstellt aber dafür wenig geschlafen habe?

    Genau deswegen verstehe ich die Verfechtung der Zeiterfassung nicht wirklich. Du wirst für alles Zeitvorgaben bekommen, es wird sich schön gerechnet, dass das alles in die AZ rein passt und wieso dieses und jenes dann auch noch eben gemacht werden kann. Es wird zu einer zusätzlichen Aufgabe werden, die AZ zu erfassen. Das eingeführte System wird maximal unkomfortabel sein. Vielleicht geht die Zeiterfassung aus Datenschutzgründen auch nur in der Dienststelle vor Ort. Ich habe viel Fantasie, wie es damit nur nerviger werden kann.

    So würde es nämlich aussehen. Und die Lisa-Simpson-Kolleginnen würden sich freuen noch eine zusätzliche Hausaufgabe zu haben.

  • Aber den Unterschied zwischen Klassenarbeiten und Klausuren sollte auch ein Nebenfachlehrer kennen.

    Überbegriff sind Klassenarbeiten.

    Und unsere 10. schreiben auch 90 Minuten und das korrigierst du in 10 Minuten inkl. Eintragung der Noten?

    In Mathe könnte ich dann nur noch Endergebnisse abhaken, Schreibfehler? Pech gehabt.

    Aber zum Glück sieht es unser Arbeitgeber auch anders, sonst müsste der Englischlehrer in Sek. I 50 Stunden pro Woche unterrichten.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Genau deswegen verstehe ich die Verfechtung der Zeiterfassung nicht wirklich. Du wirst für alles Zeitvorgaben bekommen, es wird sich schön gerechnet, dass das alles in die AZ rein passt und wieso dieses und jenes dann auch noch eben gemacht werden kann. Es wird zu einer zusätzlichen Aufgabe werden, die AZ zu erfassen. Das eingeführte System wird maximal unkomfortabel sein. Vielleicht geht die Zeiterfassung aus Datenschutzgründen auch nur in der Dienststelle vor Ort. Ich habe viel Fantasie, wie es damit nur nerviger werden kann.

    Zeitvorgaben sind schön und gut, aber was passiert dir denn, wenn du bei allen Zeitvorgaben 10-20% drüber liegst?

    Und Zeiterfassung ist Arbeitszeit, also wenn sie unkomfortabel ist, geht damit noch mehr Arbeitszeit verloren.

    Ich wiederhole da gerne: Ich würde mit AZ - denke ich - weder mehr noch weniger arbeiten müssen als jetzt. Im Gesamtjahr passt es bei mir. Für TZler/innen wäre es aber sicherlich positiv.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

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