Klassendurchschnitt auf Klassenarbeit

  • Guten Abend zusammen,


    wir hatten heute eine Diskussion in der Schule. Ich schreibe auf meine Klassenarbeiten immer den Klassendurchschnitt.
    Die Lehrerin meines Neffens meinte, dass sie das nicht auch noch machen könne. :autsch:
    Wie seht Ihr das?
    Ist das in Baden-Württemberg vielleicht sogar Pflicht? Macht Ihr es?
    Oder macht Ihr sogar den Klassenspiegel drauf?


    Wäre nett, wenn Ihr mir Eure Meinungen schreiben würdet.


    Viele Grüße und vielen Dank schon im Voraus
    Super-Lion

  • Schau mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Klassenspiegel
    Ist zwar nicht ganz das, was du meinst, aber sicher vergleichbar.
    Im Moment finden sich nur Angaben zu Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz - aber vielleicht ist jemand mutig genug, weitere Bundesländer zu ergänzen.


    Am einfachsten zu realisieren ist die Bekanntgabe eine Klassendurchschnitts oder Notenspiegels vielleicht so:
    Auf dem Aufgabenblatt einer Arbeit oder eines Tests drucke ich dies immer bereits mit auf - da natürlich noch ohne Inhalt (das ist 1x copy & paste). Bei der Rückgabe der Arbeit / des Tests schreibe ich diese Informationen an die Tafel & fordere die Klasse auf, dies mit zu übernehmen (was auch in fast allen Fällen klappt). Falls da doch mal was leer bleibt, werden sich (interessierte...) Eltern sicher fragen, warum das so leer ist (die Lehrkraft wird das doch nicht ohne Grund mit auf das Aufgabenblatt aufgenommen haben)... und fragen entsprechend beim eigenen Kind, bei Freunden oder ggf. (bisher noch nie) bei mir nach...

  • Pflicht? Halte ich für einen Mythos. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich ihn auf die Arbeiten - das kostet mich 3-4 min. Lebenszeit. Hilft den Eltern, die Leistung des Kindes im Verhältnis einzuschätzen. Wenn er unerwartet ist, schreibe ich ihn auf jeden Fall hin. Keine Zeit: Sage ihn mündlich, die S schreiben ihn mit Bleistift auf die Arbeit, wenn sie wollen. Wenn die Eltern das nicht mitbekommen, könnten sie nachfragen. Hatte ich noch nie.
    Habe auch meist ein Feld im Kopf der KA dafür reserviert, mit Name, Klasse etc.
    Den Klassenspiegel? Das kenne ich nur aus meiner eigenen Schulzeit. Finde ich sinnfrei. Ich sage auch der Klasse nicht, was die schlechteste Note war, es sei denn, alle sind 3 oder besser, dann lobe ich alle.

  • Da ich im vergangenen Herbst meine Prüfung in Schulrecht abgelegt habe (BaWü), kann ich dir Auskunft geben. Die GLK beschließt, ob Notendurchschnitt und/oder Klassenspiegel unter den KA angegeben werden. Pflicht ist es nicht.

  • wir hatten heute eine Diskussion in der Schule. Ich schreibe auf meine Klassenarbeiten immer den Klassendurchschnitt.

    Meinst du das arithmetische Mittel der Noten? Das ergäbe nur Sinn, wenn es sich bei Noten um eine metrische Skala handelte. Aber auch dann hätte diese Zahl keinen sittlichen Nährwert.


    Ich verschwende meine Zeit mit so etwas nicht.


    JaT

  • Meinst du das arithmetische Mittel der Noten? Das ergäbe nur Sinn, wenn es sich bei Noten um eine metrische Skala handelte. Aber auch dann hätte diese Zahl keinen sittlichen Nährwert.


    Ich erkenne einzelne Wörter. Aber überhaupt keinen Sinnzusammenhang?
    Warum müsste das Notensystem dafür metrisch sein?? Was stellst du dir darunter vor???
    Und wieso sittlich??


    Ob es sinnvoll ist, den Schnitt öffentlich zu machen, hängt sicher auch vom Schülerklientl ab.
    Es mag ja Schüler geben, die gut sein wollen und gerne besser sind, als andere. Da mag sowas motivieren. Zumindest diejenigen (oder dreren Eltern) die nicht zu den strebsamen gehören.


    Wir haben solche Schüler nicht. Wir haben viele von der Sorte, wo eine 6 gefeiert wird. Wenn man da den Schnitt anschreibt (4,x) gibt es Gejohle und Geschrei. Oder halt Schuldzuweisungen an den Lehrer. Wenn die Arbeit sooo schlecht ausfällt, muss das ja am Lehrer liegen....

  • Auf dem Angabenblatt stehen die Bewertungseinheiten für jede Einzelaufgabe und die Gesamtsumme. Dazu schreibe ich dann die erzielten BE und die Note (plus entsprechende Kommentare).
    Punkte- und Notenverteilung oder auch Schnitt kommen an die Tafel, aber nicht auf jede einzelne Schülerarbeit.

  • Warum die Skala metrisch sein soll kann ich leider auch nicht nachvollziehen.
    Notenskalen sind oft nur Ordninalskalen. (Sprich: Die Noten können sortiert werden.)
    Notenskalen sind aber sehr oft keine Differenzskalen. (Sprich: Der Abstand zwischen einer 1 und 2 ist verschieden vom Abstand zwischen 3 und 4). Daher sind Mittelwerte (egal ob arithmetisch, geometrisch oder sonst was) i.d.R. vollkommener Unsinn.


    Ich gebe bei 0 Punkten eine 6.
    Bei allen Punkten eine 1 und bei der Hälfte der Punkte eine 4-.


    Beispiel:
    1. Test: 100 von 100 Punkten: Also eine 1.
    2. Test: 0 von 100 Punkten: Also eine 6.


    Der Schüler könnte jetzt sagen, dass er eine (1+6)/2=3,5 verdient hätte. Also zwischen 3 und 4 steht.


    Das sehe ich natürlich anders:
    Er hat mit 100 von 200 Punkten nur die Hälfte der Punkte erreicht. Also gerade mal eine 4- erreicht. (Genau so wie der Schüler, der beiden Tests jeweils 50 von 100 erreicht hat. Also insgesamt auch 100 von 200 Punkten und jeweils eine 4- erhalten hätte.)


    Es hat schon einen Grund, warum in NRW in der BASS ausdrücklich steht, dass Zeugnisnoten NICHT durch arithmetisches Rechnen bestimmt werden dürfen.

  • Zur Aussagekraft von "Durchschnittswerten gibt es ein anschauliches Beispiel:


    Man steckt die rechte Hand in Eiswasser und die linke in beinahe kochendes Wasser.
    Macht eigentlich nix. Im Schnitt ist das ja ganz angenehm... :D


    Auf Noten übertragen.
    Schreibt die gesamte Klasse exakt die Note 3,5, ergibt sich derselbe Notendurchschnitt, wie wenn die Hälfte der Klasse eine 1 und die andere Hälfte eine 6 geschrieben hätte.
    Was soll der Schnitt also aussagen?

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Das von alias angesprochene Problem könnte man bei Differenzskalen leicht lösen: Man gibt noch die Varianz an. Aber Notenskalen sind wie gesagt keine Differenzskalen. (Wobei es dann noch fraglich ist was besser ist: Ist es besser wenn alle Schüler etwa die Hälfte können oder ist es besser, wenn die Hälfte der Schüler alles können und die anderen nichts.)

  • Meinst du das arithmetische Mittel der Noten? Das ergäbe nur Sinn, wenn es sich bei Noten um eine metrische Skala handelte. Aber auch dann hätte diese Zahl keinen sittlichen Nährwert.
    Ich verschwende meine Zeit mit so etwas nicht.


    Wollte ich auch gerade schreiben. Der "Klassendurchschnitt" ((a*6+b*5+c*4+...f*1) geteilt durch die Gesamtzahl der Klausuren) ist bei dem statistisch unzureichenden Stichpunktumfang einer Klassenarbeit eine Zahl ohne jeden Aussagewert. Man kann das arithmetische Mittel nicht sinnvoll mit der Individualbewertung vergleichen.


    Ich hielte es bei der Bildungsvermittlung für sehr viel sinnvoller, und so handhabe ich es auch in meinem Unterricht, auch als Nicht-Mathematiklehrer den Schülern zu erklären, warum man keinen Klassendurchschnitt unter die Arbeit schreibt und ihnen die Folgen von Ausreißern oder ungleichmäßigen Verteilungen nahebringt. Schüler verstehen sowas und man tut damit etwas fächerübergreifend für das in der Allgemeinheit ohnehin unterentwickelte Verständnis von Statistik anstatt eine Vorstellung von Scheinobjektivität von Kommazahlen zu zementieren, indem man als Lehrer gedankenlos eine sinnlose Praxis fortführt.


    Wenn es tatsächlich um einen Überblick zur Einordnung einer Einzelleistung geht, ist ein Notenspiegel das einzig annähernd sinnvolle. "Keine Sechs, eine Fünf, fünf Vieren, zwei Dreien..."


    Nele

  • Man gibt noch die Varianz an.


    Vielleicht dann doch besser die Standardabweichung, dann passt die Dimension. Rechnest du übrigens bzgl. einer Stichprobe oder bzgl. der Grundgesamtheit? Und wer kann ein solchen Streuparameter vernünftig interpretieren?


    Wobei es dann noch fraglich ist was besser ist:


    Nö, es ist fraglich, ob man den Ausgang einer Klassenarbeit überhaupt nach "besser" und "schlechter" kategorisieren kann. Und ob man das tun sollte. Was hat denn ein Schüler davon, dass die Arbeit "insgesamt schlecht" ausgefallen ist, oder so'n Kram?


    Wenn schon "Statisktik", dann führe lieber eine Übersicht über die häufigsten Fehler, um mit den Schülern über die zu sprechen. Da haben dann die meisten etwas von, aber eben nicht alle.


    JaT

  • Ich bewerte nach dem IHK-Schlüssel (soll ich schon mal einen Eimer Steine hinstellen?) und gebe den Schnitt zwar bekannt, wenn die Schüler ihn hören wollen, aber nicht den Klassenspiegel. Ich hasse dieses Gerate: Wer hat die 6, wer hat die 6?? und finde das schlimm für die Betroffenen. Das habe ich damit eingedämmt.

  • Mein Argument für den Notenschnitt: Die Eltern und Schüler sind es gewohnt. Es kostet mich keine Zeit. Auf der Arbeit sind selbstverständlich die erreichbaren Punkte angegeben, den Schlüssel erläutere ich kurz und wer möchte, kann ihn einsehen.

  • Die erreichbaren Punkte sind sowieso auf der Arbeit angegeben.
    Notenspiegel schreibe ich an die Tafel und lasse ihn auch abschreiben, dann steht er gleich bei der Verbesserung der Arbeit dabei.
    Den Schnitt sage ich oder schreibe ihn auch dazu, je nachdem, wie die Schüler das wollen.
    Meine Zehntklässler vergleichen dann durchaus mit den Schnitten ihrer vorherigen Arbeiten- ehrlich gesagt, halte ich das jetzt nicht für ein weltbewegendes Problem.

    "Ein Mann, der noch keinen Fehler begangen hat, hat noch nie etwas getan."
    Sir Robert Baden-Powell, Earl of Gilwell

  • Den Notenspiegel zu veröffentlichen ist bei uns unüblich. Aus gutem Grund: Wie fühlt sich der Schüler mit der einzigen 5, wenn er (und alle anderen auch) das so vor Augen geführt bekommt?

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.


  • Nö, es ist fraglich, ob man den Ausgang einer Klassenarbeit überhaupt nach "besser" und "schlechter" kategorisieren kann. Und ob man das tun sollte. Was hat denn ein Schüler davon, dass die Arbeit "insgesamt schlecht" ausgefallen ist, oder so'n Kram?


    Einer von uns beiden hat wahrscheinlich nicht richtig gelesen. Ich sage doch genau das gleiche aus, oder?



    Vielleicht dann doch besser die Standardabweichung, dann passt die Dimension. Rechnest du übrigens bzgl. einer Stichprobe oder bzgl. der Grundgesamtheit? Und wer kann ein solchen Streuparameter vernünftig interpretieren?
    JaT


    zur Dimension:
    Welche Dimension bzw. Einheit hat den eine Note? Die Note basiert doch auf einer prozentualen Angabe und prozentuale Angaben sind dimensionslos.
    vgl http://de.wikipedia.org/wiki/Dimensionslose_Gr%C3%B6%C3%9Fe


    Aber ich gebe zu, dass eine Standartabweichung evtl. leichter zu verstehen ist als die Varianz. Es darf auch gerne die Standartabweichung benutzt werden. Letztendlich aber eh egal, da ich ja erklärt habe wie unsinnig es in diesem Fall ist.


    Zu Stichprobe und Gesamtheit:
    Überfordere mal die Leute nicht. Es reich erst einmal aus, wenn man die Klasse als Gesamtheit ansieht. Eine Stichprobe wird dafür gar nicht benötigt.
    Wenn die Lehrer jetzt noch die Klasse nur als Stichprobe ansehen sollen und sich noch Gedanken über die Gesamtheit machen sollen, dann können wahrscheinlich im Schnitt pro Schule maximal noch ein Lehrer die Rechnung durchführen. (Ich zähle gerade mal alle Schulformen).


    Zu vernünftig interpretieren:
    Ich sagte ja schon in meiner ersten Antwort, dass es Unsinnig ist.
    Natürlich ist es Unsinn. Da stimme ich voll zu.
    Meine schriftliche Arbeit für das erste Staatsexamen war eine empirisch Untersuchung, die selbstverständlich unter anderem eine schöne statistische Auswertung beinhaltet. War für mich, als Mathe und Physikstudent, kein Problem, habe ich ja oft genug in Mathe und Physik machen müssen. Obwohl ich es als selbstverständlich ansehe, dass man das als Mathe und Physikstudent kann, wurde meine Arbeit vom Professor ausdrücklich für die mathematische Präzision, Analyse und Auswertung gelobt und mit 1 benotet (ok. Es war eine 1,7; aber die Abzüge gab es nicht für den mathematischen Teil).
    Während meines zweiten Staatsexamens sollte ich ebenfalls eine empirische Untersuchung durchführen. So konnte ich 1 zu 1 teile meiner Staatsexamensarbeit vorstellen. Kommentar meiner Mathe-Fachseminarleitung: Das wäre falsch und könnte keiner verstehen. (Was falsch war konnte sie mir übrigens nicht sagen). Mehr als eine 5 könnte sie für die statistische Untersuchung nicht geben. (Als ich dann (später) merkte, dass die Frau noch nicht einmal ein Ereignis von einem Ergebnis unterscheiden kann (Thema war Wahrscheinlichkeit in Klasse 7) und mir gesagt wurde wie man Mathefachsimarleiter(in) werden kann, wurde mir so einiges klar.)

  • Nur mal kurz zu NRW:

  • ich rechnete den Notendurchschnitt immer aus, weil es in manchen BL üblich ist, ab einem bestimmten Durchschnitt die Arbeit beim SL genehmigen zu lassen.
    Als Nichtmathematikerin bin ich da völlig naiv rangegangen, habe brav meine Berechnung gemacht und die dann, wenn die Schüler danach fragten, an die Tafel geschrieben.
    Den Klassenspiegel finde ich schon recht interessant auch für die Schüler und Eltern. Doch auch der durfte in NDS jahrelang nicht genannt werden, weil es ja für die Schüler peinlich usw......
    Ich sehe das relativ undramatisch und muss gestehen, so einen Aufriss wie jetzt hier (zu dem ich zugebenermaßen mit diesem Post auch beitrage :D ) ist mir das ganze eigentlich gar nicht wert.
    bei all den Formalia, die wir bei Klassenarbeiten beachten müssen, würde ich allerdings weder Notenspiegel noch Durchschnitt auf das Angabenblatt oder unter die Korrektur setzen.

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