Was braucht man als Referendar*in?

  • Als ReferendarIn braucht man in erster Linie Stressresistenz, Durchhaltevermögen, ein dickes Panzerfell, Frustrationstoleranz und Klarheit darüber, dass der Lehrerberuf letztendlich nur ein Beruf ist.


    Der Rest gibt sich von alleine.

  • Hospitieren hat mir im Referendariat ziemlich wenig gebracht.

    Ganz oft saß ich in Stunden, in denen der Kollege Alltagsunterrich gemacht hat und danach zu mir sagte "mach das bloß nicht so in der Lehrprobe".

    Das hab ich als Referendar immer sehr genossen:


    Ich: "Du, könnte ich heute/morgen/demnächst mal bei dir hospitieren?"

    Kollege [nachdem ein deutlicher Schauer des Horrors über sein Gesicht gelaufen ist]: "Äh, ja, also prinzipiell immer gerne, weißt du ja, aber gerade heute/morgen/demnächst mache ich nur Wiederholung für die Klassenarbeit/gebe ich nur die Klassenarbeit raus und bespreche sie/schaue ich nur einen Film mit der Klasse/mache ich eigentlich gar keinen richtigen Unterricht, also so viel bringt dir das dann ja nicht."

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • Ich sage meinen ReferendarInnen ganz grundsätzlich, dass ich ihnen zwar sehr viel beibringen kann, was Pädagogik mit Erwachsenen, Unterrichtsinteraktion, Moderation über gesprochene oder Körpersprache oder Materialerstellung angeht, dass sie aber bittebittebitte niemals den Unterricht so strukturieren sollen, wie sie es bei mir sehen. Ich mache halt schon lange Dinge so, wie ich sie wohlüberlegt und gut begründet für richtig halte, die wenig mit dem zu tun haben, was man im Studienseminar macht, bei denen mir aber der regelmäßige Erfolg meiner SuS in den Abschlussprüfungen Recht gibt.


    Es hat schon interessante didaktische Gespräche mit HospitantInnen gegeben, wenn ich ihnen nach einer wirklich schön gelungenen Stunde dargelegt habe, dass und warum die in einer Lehrprobe ein "mangelhaft", wenn nicht gar "ungenügend" gewesen wäre.

    P.S. Hospitieren darf bei mir grundsätzlich jeder und seine Oma. Bis auf Fachleiter. Ich lasse keine Fachleiter in meinen Unterricht. Ganz unironisch ohne Witz.

  • Wenn Referndar*innen bei mir mitkommen wollen, dann können sie das jederzeit, aber ich zaubere nicht für sie (soll heißen: ich mache nicht unbedingt seminargerechten Stunden). Das sage ich auch ganz klar. Sie sehen bei mir alltäglichen Unterricht, der mal sehr gut vorbereitet ist und mal auch nicht, abhängig von anderen Sachen, die zu erledigen sind.

    Manchmal läuft der Unterricht spitze, manchmal denke ich am Ende "wenigstens hat keiner geheult". Manche meiner Stunden fänden vielleicht auch Fachleiter gut, bei anderen Stunde würden Fachleiter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

    Mir hat es aber im Nachhinein geholfen auch im Alltagsunterricht zu hospitieren, weil es mir gezeigt hat, dass nicht jede Stunde auf dem Level und mit dem Tamtam einer UPP durchgeführt werden muss. Die SuS lernen auch in anderen Stunden etwas (und vielleicht hin und wieder sogar mehr).

  • Ich hab im Ref bei einem Lehrer hospitiert, der die komplette Zeit einfach ohne irgendwas in den Klassenraum ist (Päda LK), sich auf einen Tisch setzte, ab und an was an die Tafel schrieb und fertig. Die Schüler hatten ein Buch.

    Das fand ich wirklich beeindruckend.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • ...ich wars nicht, aber so bin ich auch oft, yestoerty

    Was ich meinen Refis sage, wenn ich welche habe, ist eigentlich immer in etwa folgendes:

    - Ich kann euch meine Art zu unterrichten zeigen. Für michfunktioniert die gut. Das heißt weder, dass die für jeden funtioniert noch dass sie perfekt ist. Ich kann euch vielleicht Tipps geben, was ich denke, was euch liegen könnte.

    - Authenzität ist mMn ein gewaltig unterschätztes Kriterium. Lehrkräfte kommen mit ihrem "eigenen" Stil am weitesten, und was wem liegt - schaut euch verschiedenes an, und versucht euch hineinzuversetzen.

    - Sagt mir vorher, ob ihr direkt Kritik wollt, oder ob ihr die lieber anfordert. Jeder kann anders.

    - Ich habe auch nicht auf alles eine Antwort, aber ne ehrliche Meinung bekommt ihr.


    Ich bin schon ein paar Mal Mentorin gewesen... es gibt kein "Patentrezept", aber "alles nach Schema F" ist mMn grundfalsch.

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • ...Unterrichtsinteraktion, Moderation über gesprochene oder Körpersprache oder Materialerstellung angeht, ...


    wenn ich ihnen nach einer wirklich schön gelungenen Stunde dargelegt habe, dass und warum die in einer Lehrprobe ein "mangelhaft", wenn nicht gar "ungenügend" gewesen wäre.

    Da bin ich gespannt, was das für eine Stunde war. Schön gelungen, moderiert, interaktiv mit gutem Material und dann ein vermeintliches "ungenügend"? Was erwartet euer Studienseminar denn :gruebel:

  • Mir hat es aber im Nachhinein geholfen auch im Alltagsunterricht zu hospitieren, weil es mir gezeigt hat, dass nicht jede Stunde auf dem Level und mit dem Tamtam einer UPP durchgeführt werden muss. Die SuS lernen auch in anderen Stunden etwas (und vielleicht hin und wieder sogar mehr).


    Das hat mir im Ref auch geholfen. Klassische, einfache Stunden.

    Ein Kollege hat mir das auch genau so noch einmal im letzten Quartal gesagt. Konzentrier dich auf deine UPP-Klassen, beim Rest, Einstieg, Buch, fertig.

    Der Fokus liegt nun einmal auf der UPP (Examen) und dem Erlernen des dafür Nötigen.

    Auch jetzt widme ich mich nicht allen Unterrichtsreihen mit der gleichen Inbrunst. Eine Aufgabe nach der Anderen.

  • Da bin ich gespannt, was das für eine Stunde war. Schön gelungen, moderiert, interaktiv mit gutem Material und dann ein vermeintliches "ungenügend"? Was erwartet euer Studienseminar denn :gruebel:

    Hatte ich sogar mal im ref: laut Aussage der FL wäre die Stunde eine glatte 1 gewesen, aber in der UPP ein "durchgefallen", weil sie, je nach eigenem Geschmack, die falsche Platzierung in der gesamtreihe hatte. Die FL fand sie falsch platziert, mein Ausbildungslehrer und eine andere FL dagegen nicht :weissnicht:

  • Das hat mir im Ref auch geholfen. Klassische, einfache Stunden.

    Ein Kollege hat mir das auch genau so noch einmal im letzten Quartal gesagt. Konzentrier dich auf deine UPP-Klassen, beim Rest, Einstieg, Buch, fertig.

    Der Fokus liegt nun einmal auf der UPP (Examen) und dem Erlernen des dafür Nötigen.

    Auch jetzt widme ich mich nicht allen Unterrichtsreihen mit der gleichen Inbrunst. Eine Aufgabe nach der Anderen.

    Damit würde bei uns kein Referendar durchkommen. Jede normale Stunde sollte so sein, dass man sie auch als UB zeigen könnte. Freilich ohne die ganze Beschreibung schriftlich.

  • Damit würde bei uns kein Referendar durchkommen. Jede normale Stunde sollte so sein, dass man sie auch als UB zeigen könnte. Freilich ohne die ganze Beschreibung schriftlich.

    Wird das kontrolliert? Ist wirklich in jeder Stunde jemand dabei?

    Wenn nicht, dann mach auch mal einfache Stunden, das hält ja sonst niemand durch.

  • Das ist von der jeweiligen Schule abhängig. Und ja, da gibt es auch welche, die das ganze didaktische Feuerwerksprogramm von Referendaren fordern - Referendare haben ja auch sonst nix Besseres zu tun :traenen:.

  • Wird das kontrolliert? Ist wirklich in jeder Stunde jemand dabei?

    Wenn nicht, dann mach auch mal einfache Stunden, das hält ja sonst niemand durch.

    Nein, das wird natürlich nicht immer kontrolliert. Aber wir müssen ja eine sehr ausführliche Halbjahresplanung einreichen, wo schon ziemlich genau beschrieben werden muss, was gemacht wird. Wenn ich da für sämtliche Stunden eigens erstellte Arbeitsblätter reinschreibe, sollte ich die auch anfertigen. Meine einzelnen zu haltenden Stunden sind daher tatsächlich ziemlich aufwendig. Und "mit dem Buch arbeiten" dürfen wir im Fach Deutsch z.B. gar nicht.

  • Das ist von der jeweiligen Schule abhängig. Und ja, da gibt es auch welche, die das ganze didaktische Feuerwerksprogramm von Referendaren fordern - Referendare haben ja auch sonst nix Besseres zu tun :traenen:.

    Daher unterrichten wir ja auch höchstens 10 Stunden. Ohne die ganzen UBs und das Seminarprogramm würde man sonst vermuten, dass wir uns langweilen.

  • Das hat in meinem Ref niemanden interessiert. Hätte ich in meinen eigenen Klassen ein Jahr lang gar nichts gemacht, hätte das nur raus kommen können, wenn die Schüler was gesagt hätten. Hab in allen eigenen Lerngruppen nie irgendwas einreichen müssen. Nur am Ende Noten für die Zeugnisse. Wie komisch unterschiedlich die BL doch sind...

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Das hat in meinem Ref niemanden interessiert. Hätte ich in meinen eigenen Klassen ein Jahr lang gar nichts gemacht, hätte das nur raus kommen können, wenn die Schüler was gesagt hätten. Hab in allen eigenen Lerngruppen nie irgendwas einreichen müssen. Nur am Ende Noten für die Zeugnisse. Wie komisch unterschiedlich die BL doch sind...

    Geil. Wir müssen alles mit den Fachleitern absprechen vorher und dann die Pläne digital einstellen zusätzlich.

  • Das hat in meinem Ref niemanden interessiert. Hätte ich in meinen eigenen Klassen ein Jahr lang gar nichts gemacht, hätte das nur raus kommen können, wenn die Schüler was gesagt hätten. Hab in allen eigenen Lerngruppen nie irgendwas einreichen müssen. Nur am Ende Noten für die Zeugnisse. Wie komisch unterschiedlich die BL doch sind...

    War bei uns auch so und ist auch jetzt in SN noch so. M.E. werden unsere Reffis nicht überstrapaziert, was man auch daran merkt, dass sie sich z.B. bei Mentor*innen über den Unterricht der Fachleiter*innen auslassen, bei Kollegen über Mentoren beschweren, bei der Seminarleitung Fachleiter kritisieren oder (v.a. bei Quereinsteigern zu sehen) kundtun, dass das alles Mist ist und das Schulsystem doof und sie sich von niemandem was sagen lassen würden, weil sie ja schon Erwachsen sind/einen Beruf erworben haben.


    Ich will hier also keinen weiteren Meckerthread eröffnen, wie schwer und anstrengend das war/ist oder wie ungerecht einzelne behandelt wurden, sondern konkret Stichpunkte sammeln, was am Anfang schwer fiel und was half.


    Danke noch mal für die verschiedenen Hinweise, die bisher aus den verschiedenen Schularten kamen, es ist offenbar recht universell, was so wichtig und schwierig ist im Alltag, egal ob große oder kleine Schüler...

  • Wird das kontrolliert? Ist wirklich in jeder Stunde jemand dabei?

    Wenn nicht, dann mach auch mal einfache Stunden, das hält ja sonst niemand durch.

    So war das bei uns auch. Eigentlich sollten wir in jeder Stunde aufzaubern. Faktisch kann das keiner durchhalten. Wir haben dann halt unauffälliger "normale" Stunden gehalten und eben ab und zu und in der Prüfungsklasse Lehrprobenmäßigen Unterricht gemacht.



    Wirklich ätzend fand ich übrigens die total dämliche Planung. Wir wurden oftmals eingeplant, dass wir in Stunde x bei Kollegen y hospitieren sollten. Oft standen wir dann vor der Tür und der Kollege wusste von nichts und hat ne Schulaufgabe geschrieben. Das waren völlig verschwendete Termine. Sowas bringt wirklich niemandem was.

  • So war das bei uns auch. Eigentlich sollten wir in jeder Stunde aufzaubern. Faktisch kann das keiner durchhalten. Wir haben dann halt unauffälliger "normale" Stunden gehalten und eben ab und zu und in der Prüfungsklasse Lehrprobenmäßigen Unterricht gemacht.



    Wirklich ätzend fand ich übrigens die total dämliche Planung. Wir wurden oftmals eingeplant, dass wir in Stunde x bei Kollegen y hospitieren sollten. Oft standen wir dann vor der Tür und der Kollege wusste von nichts und hat ne Schulaufgabe geschrieben. Das waren völlig verschwendete Termine. Sowas bringt wirklich niemandem was.

    Was mir daher - insbesondere in Bezug auf die aufwendige Halbjahresplanung - wirklich helfen würde, wären digital verfügbare Unterrichtsreihen in verschiedenen Klassen, bzw. Schularten. Die existieren vermutlich auch deshalb nicht, weil ältere Kollegen sich über die Jahre schon ausreichend organisiert haben und keinen Bedarf haben. Und viele- auch jüngere - gar keine aufwendige Planung mehr machen. Das aber natürlich nicht so "bekannt" machen wollen. Das "Problem" tangiert also wahrscheinlich hauptsächlich Refs. Und hier sehe ich da zukünftig gerade die einzige Möglichkeit im Austausch mit anderen Referendaren. Noch war das schwierig. Aber ich hoffe, es wird in Zukunft deutlich besser. Bei uns sind viele Einzelkämpfer....("mein mühsam Erarbeitetes gebe ich doch nicht her...") leider.

  • In Bayern an der Realschule ist man das erste Jahr an der Seminarschule, im zweiten Jahr an der Einsatzschule.

    Die ersten zwei/drei Wochen hospitiert man bei den Seminarlehrern, dann übernimmt man langsam eigene Stunden und hospitiert bei den anderen Referendaren und den Seminarlehrern. Zum Halbjahr steigt die Anzahl an eigenen Unterrichtsstunden weiter.


    Im zweiten Jahr ist man ziemlich eigenverantwortlich unterwegs und wird von Mentoren betreut.


    Ich fand es damals ziemlich gut, dass man langsam ans Unterrichten heran geführt wird, Kollegen an MS und GS hatten diesen Luxus nicht.

    Andererseits ist man das ganze erste Jahr ziemlich unter Beobachtung, wie sich das auswirkt, hängt vom Seminar ab. Auch wurden bei uns auch "einfache" Übungs- und Buchstunden gefordert. Aufwändige Ausarbeitungen der einzelnen Stunden mussten wir Anfangs bei allen abgeben, später nicht mehr. Das hing vom Fachlehrer ab.


    Die Sonderrolle als Ref ist den Schülern auch voll bewusst, das kann in manchen Klassen evtl. zu Problemen führen. Zudem gibt es Klassen, die in jedem Jahr mindestens einen Referendar haben und manchmal vom Methodenzirkus genervt sind.

    Da hängt es von der Schulleitung/Stundenplaner ab, eine Balance zu finden.

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