Bullshit-Toleranz

  • Liebe Kolleg*innen, v. a. an Grund- und Förderschulen (Niveau etwa Klasse 2-3 Grundschule)

    folgendes Problem:

    Etwa 1/5 der SuS hat zuverlässig Zugang zu Videokonferenzmöglichkeiten. Ich habe daher freiwillige VK organisiert zum sozialen Austausch und mehrfach angeboten, - freiwillig- mit einzelnen VK durchzuführen, um helfen zu können. Bislang hat niemand das Angebot angenommen.


    Jetzt kam die mehr oder weniger höflich formulierte Anfrage, jeden morgen VK durchzuführen, weil das Kind nicht aufstehen wolle und es Kämpfe um die Aufgaben gebe.


    Wie seht ihr das, für ein Kind regelmäßige VK durchführen?

  • Das musst du doch wissen, was du dir antun willst.

    „Man darf jetzt nicht alles so schlechtreden, wie es wirklich war.“ – Yvonne Gebauer Fredi Bobic

  • Ich mache das 3 mal pro Woche. Hat aber den Hintergrund, dass inzwischen nur noch einer meiner SuS im Distanzunterricht ist, alle anderen sind in der Notbetreuung. Daher fahre ich mehrmals pro Woche in die Schule und mache Einzelförderung oder Kleingruppenarbeit mit meinen SuS und dazu eben 3 mal pro Woche eine individuelle VK mit dem Kind, das zuhause lernt.

    Es funktioniert sehr gut und bringt viel.

  • Ich hab leider nichts zum Thema zu sagen, möchte aber mal sagen, dass ich es toll finde, wie ihr euch um Menschen mit Förderbedarf bemüht! Danke dafür.

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

  • Was mich in diesem Fall ärgert, ist der Ton und die Anspruchshaltung. Die Aufgaben nicht machen und bei der Schule beschweren, dass die Aufgaben nicht gemacht wurden, weil die Schule nicht dafür sorgt, dass das Kind früh aufsteht. Für Familien, die nicht können, aber wollen, mache ich gerne so einiges möglich. Für welche, die immer nur fordern aber nichts liefern- eher nicht. Problem ist dann, wie sage ich sowas diplomatisch und klar, ohne mich selbst lange zu ärgern. Das ist ja das Doofe beim sich ärgern- man tut es selbst:hammer:

  • Problem ist dann, wie sage ich sowas diplomatisch und klar, ohne mich selbst lange zu ärgern. Das ist ja das Doofe beim sich ärgern- man tut es selbst:hammer:

    Vielen Dank für Ihre Mail.


    Es wurden Angebote gemacht, die leider nicht angenommen wurde. Frau Samu ist kein Weckservice für überforderte Eltern.


    MfG, Samu

  • Danke! state_of_Trance , würdest du sowas auch spontan am Telefon sagen oder im Elterngespräch? Nur so, für die künftige Ärger-Vermeidungs-Planung...

    Ich bin noch nicht sehr lange im Dienst, aber ja meine "Bullshit-Toleranz" nimmt jährlich ab. Gegen Anspruchshaltungen, ohne sich selbst zu bemühen (In meinem Fall betrifft es meine erwachsenen Schüler, nicht deren Eltern), reagiere ich allergisch.

  • Danke! state_of_Trance , würdest du sowas auch spontan am Telefon sagen oder im Elterngespräch? Nur so, für die künftige Ärger-Vermeidungs-Planung...

    Am Telefon würde ich das mit etwas Verständnis für die Herausforderungen der Eltern kombinieren, dann aber deutlich sagen, dass ich das auch aktuell nicht für meine SuS leisten kann, sondern die Kinder zu wecken klare Aufgabe des Elternhauses sei. Verweis dann auf die Termine der freiwilligen VKs, wo du dann ja noch einmal mit dem Kind über seine Aufgabenmoral sprechen kannst.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich würde das wohl einen Tag machen und dem Kind entsprechend sagen, dass man das gerne einmal die Woche macht (und dann evtl. noch mehr dazu kommen), aber sicher nicht täglich, weil die Klasse noch mehr Schüler hat!

  • Bei uns gab's mal den Fall, dass ein Kind sich morgens unter dem Tisch/der Eckbank versteckte, so dass die Eltern es nicht schafften, es rechtzeitig zur Schule zu schicken (kein Kind mit Förderbedarf...). Die Lehrerin sollte doch bitte vorbei kommen, dann würde sie schon sehen, wie schwierig das sei. Nach diversen Vorschlägen der Schule, u.a. Jugendamt/Familienhilfe einzuschalten, haben sie es dann doch "irgendwie" selbst hingekriegt. Sachen gibt's...

    „Man darf jetzt nicht alles so schlechtreden, wie es wirklich war.“ – Yvonne Gebauer Fredi Bobic

  • Ich würde ganz offen sagen, dass ich auch Kinder im vergleichbaren Alter habe und es ganz allein in deren und meiner Verantwortung liegt, dass die morgens aus den Federn kommen und am Unterricht teilnehmen. Außerdem gilt auch im Distanzunterricht Unterrichtspflicht. Und wenn morgens ganz normaler Präsenzunterricht ist, ist es schließlich auch nicht deine Aufgabe, den Schüler aufzuwecken.

  • Ich finde die Weckserviceformulierung auch den Eltern gegenüber völlig in Ordnung und angemessen. Bei derart dreisten Forderungen darf man meines Erachtens nach auch mit Klartext reagieren und Grenzen ziehen.


    Der Lehrer möge bitteschön das Kind aus dem Bett holen, unfassbar. Eigentlich kann man alternativ nur mit schallendem Gelächter reagieren 😄

  • Aus Muttersicht geschrieben: ich fänd es für mein eigenes Grundschulkind ganz schön, wenn es täglich morgens (kann ja auch 8.30 oder 9 Uhr sein) eine kurze Videokonferenz mit der Klassenlehrerin gäbe, in der kurz besprochenen würde, was für Aufgaben anstehen, evtl. eine Erklärung dafür, ein gemeinsames Lied oder Spiel oder Abfrage des Stoffes vom Vortag. Idealerweise wären mindestens zwei oder drei dieser morgendlichen Chats pro Woche für die Kinder obligatorisch, damit die Klassenleitung jedes Kind mal „sieht“. *Träum...*

  • Aus Muttersicht geschrieben: ich fänd es für mein eigenes Grundschulkind ganz schön, wenn es täglich morgens (kann ja auch 8.30 oder 9 Uhr sein) eine kurze Videokonferenz mit der Klassenlehrerin gäbe, in der kurz besprochenen würde, was für Aufgaben anstehen, evtl. eine Erklärung dafür, ein gemeinsames Lied oder Spiel oder Abfrage des Stoffes vom Vortag. Idealerweise wären mindestens zwei oder drei dieser morgendlichen Chats pro Woche für die Kinder obligatorisch, damit die Klassenleitung jedes Kind mal „sieht“. *Träum...*

    Hat eine Freundin mir heute geschrieben. dass es so in etwa bei ihrem Grundschulkind läuft aktuell: Jeden Morgen von 8:00- (-30 Uhr Videokonferenz mit der Klasse, wo die Aufgaben besprochen werden. Bei meinem Neffen (NRW) ist es ähnlich. Kommt halt auch darauf an, ob das realistisch umsetzbar ist an einer Schule, für die Schülerschaft geeignet ist bzw. diese überhaupt die technischen Endgeräte zur Verfügung haben und ausreichend zu bedienen wissen, um das ggf. auch ohne Elternhilfe machen zu können.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • wenn es täglich morgens (kann ja auch 8.30 oder 9 Uhr sein) eine kurze Videokonferenz mit der Klassenlehrerin gäbe, in der kurz besprochenen würde, was für Aufgaben anstehen, evtl. eine Erklärung dafür, ein gemeinsames Lied oder Spiel oder Abfrage des Stoffes vom Vortag.

    Wir machen das im dualen System so. Jeden morgen 07:15 Uhr ist einmal Anwesenheitskontrolle und Feedback/Fragerunde.
    Die Fachkollegen wechseln sich dazu ab.
    So kommen die Schüler (und vielleicht auch die Kollegen) in den Rhythmus und man hat direkt einen Einblick, wer zumindest gar nicht auftaucht oder nur selten. Dann kann man so auch direkt Rückmeldung an die Betriebe geben.


    Ich finde das eine gute Sache.


    Allerdings hatten wir uns dazu entschieden. Eine Forderung würde ich auch erst einmal entsprechend abweisen.

    Und dann ggf. wie wir auch versuchen das auf Schultern zu verteilen. Vielleicht kann man da ja auch Klassenübergreifend was machen.

    Morgendlicher Sitzkreis / Einstimmungsrunde was auch immer.

  • samu

    Hat den Titel des Themas von „Videokonferenzen individuell“ zu „Bullshit-Toleranz“ geändert.

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