Am Ende mit meiner Kraft

  • Du wirst da nicht ausgebildet, sondern benutzt. Ich schließe mich den anderen Beiträgen an, dass Du dagegen vorgehen musst. Das kostet vermutlich erst einmal mehr Kraft, aber hilft Dir letztendlich, da hoffentlich weg an eine andere Schule gehen zu können. (Und hilft auch zukünftigen Referendar*innen.)

    “The oppressed will always believe the worst about themselves.”
    Frantz Fanon

  • Ich hätte gerne damals auch die Schule gewechselt. Es hat einfach vieles nicht gepasst. Ich konnte allerdings im Gespräch mit dem Seminar nicht so offen sprechen und habe dies bis heute etwas bereut. Also erklär der Leitung deine Situation an der Schule und was dir helfen könnte. Ich sehe es auch so, dass man solche Dinge melden sollte, bzw. offen aussprechen sollte. Ansonsten ändert sich dort auch nichts.

    Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Beurteilung des Schulleiters ein ziemlich großes Gewicht hat - zumindest kenne ich es so.


    Und: Kann man denn einfach die Schule wechseln? So mittendrin?

    Etwas immer schon so gemacht zu haben ist kein Grund, allenfalls ein Hindernis.

  • Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Beurteilung des Schulleiters ein ziemlich großes Gewicht hat - zumindest kenne ich es so.


    Und: Kann man denn einfach die Schule wechseln? So mittendrin?

    Zu 1: Ja, aber das macht halt auch deutlich, welche Machtstrukturen vorhanden sind. Klar muss man abwägen, welche Auseinandersetzungen sinnvoll sind. Nichtsdestotrotz hat halt auch eine Schule Verpflichtungen als ausbildende Institution gegenüber Referendar:innen und offensichtlich werden sie dem in keiner Weise gerecht.


    Zu 2: Das weiß ich leider auch nicht, aber das Seminar bestimmt.

    “The oppressed will always believe the worst about themselves.”
    Frantz Fanon

  • "Einfach so" kann man die Ausbildungsschule natürlich nicht wechseln, bei Härtefällen machen die Seminare das aber durchaus und ein solcher scheint hier ja vorzuliegen. Die Schule ist dem Seminar ja auch bereits entsprechend bekannt- das sollte eine Umsetzung vereinfachen für den/die TE.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Beurteilung des Schulleiters ein ziemlich großes Gewicht hat - zumindest kenne ich es so.


    Und: Kann man denn einfach die Schule wechseln? So mittendrin


    Ein Schulwechsel ist im bestimmten Fällen möglich und auch notwendig. Persönlich habe ich auch eine Freundin, die ihre Schule gewechselt hat.

    Zur Beurteilung kann ich nicht viel sagen. Das wird sicherlich je nach Bundesland anders gewichtet. Darüber sollte man sich aber nicht auch noch Gedanken machen, wenn man kurz vor einem Wechsel/Abbruch steht.

  • in Baden-Württemberg durfte man zumindest vor 2 Jahren bei Abbruch im Referendariat, kein weiteres mehr machen (ich kenne jemanden), damit konnte man nicht mehr (richtiger) Lehrer werden (und am Gymnasium gibt es kaum Seiteneinsteiger)


    Daher empfehle ich Pause, Ruhe, evtl. Gespräche und Wechsel (aktuell vielleicht dank Ausnahmesituation leichter möglich, weil man nicht gleich in irgendwelche Schubladen gesteckt wird), auf keinen Fall Abbruch.


    (Unsere Schule gilt als gute Ausbildungsschule, unsere Referendare loben sehr, bringen meistens sehr gute Leistungen. Aber die neuen habe ich noch nie gesehen, obwohl ich täglich an der Schule bin. Die 2,5 Wochen vor den Osterferien waren grausam. Man sollte die Kleinen teilen, aber hatte zu wenige Kollegen. Da wurdest du bei dir eingesetzt und fühltest dich überfordert (ich übrigens auch, rannte zwischen zwei Räumen hin und her und sobald ich draußen war, wurde es laut und kein Abstand mehr gehalten). Ich hätte genau wie meine Kollegen gerne darauf verzichtet. Wir haben alle im Lehrerzimmer geklagt.


    Was ich ganz deutlich schreiben möchte, es ist nicht der Normalzustand, es sagt nichts über dich, aber auch nicht über deine Schule aus (du hast doch im Februar angefangen, bist nicht im 2. Jahr? ) Ich habe beim Lesen deines Beitrages überlegt, wie unsere neuen Referendare denken, wie es ihnen geht? Wir haben immer mehrere, ich hoffe sie geben einander Halt, finden Rückhalt. Aber das Kollegium, was die Referendare unterstützt, kennt sie noch nicht. Mentoren sind wichtig, aber eigentlich hilft immer die ganze Fachschaft. (Ich habe manchmal schon mehr als der eigentliche Mentor unterstützt, einfach weil es stundenplantechnisch passte, weil ich die interessantere Klasse hatte, weil der Referendar und ich auf der gleichen Wellenlänge lagen. Es kam auch umgekehrt schon vor. Bei uns erhalten daher die Kollegen, am ehesten die Entlastungstunde, die die meiste Zeit investieren, ist meistens der Mentor, aber nicht immer. Und das liegt nicht daran, dass sich der Mentor drückt, aber vielleicht liegt sein Unterricht hauptsächlich am Seminartag (das meine ich mit stundenplantechnisch).

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Meine Erfahrungen sind, dass ein Schulwechsel nicht einfach ist und man dafür als Referendar/-in doch etwas robuster veranlagt sein muss, da es ohne Konfrontation und Auseinandersetzung sowohl mit den Personen an der Ausbildungsschule als auch am Seminar hinausläuft.

    Man muss sich also gut überlegen oder besser: gut beraten sein, bevor man diesen Schritt geht. Falls es nämlich nicht klappt, hinterlässt das verbrannte Erde bei Schulleitung, Mentor, Seminar etc...
    Man hat leider auch leicht den Ruf eines Querulanten oder von jemanden, der eigenes Unvermögen anderen in die Schuhe schieben möchte.

    Als Referendar weiß man in der Regel nicht, wie der Hase zwischen Schule und Seminar läuft, wer wen kennt, wie man im offiziellen Schulumfeld richtig kommunziert ("Dienstweg") etc.. Man ist also - auch wenn die Sachlage klar zu sein scheint - strukturell und formal erheblich im Nachteil.

    Wenn man sowas erwägt, dann:
    Schritt 1: Sorgfältige Dokumentation aller relevanten Begebenheiten und Versäumnisse der Ausbildungsschule (Tag, Datum, Zeugen?)

    Schritt 2: Personalrat am Seminar einbeziehen
    Schritt 3: Seminarlehrkraft des Seminars einbeziehen

    Schritt 4: (Gewerkschaft, wenn Mitglied)

    Zwischendrin je nach Lage an der Schule würde ich erwarten, dass ein Problem mit dem Mentor/der Mentorin zunächst mit der Schulleitung z.B. im Rahmen der Schulkundesitzung besprochen wird. Wenn es ein Problem mit der Schulleitung gibt, dann natürlich zunächst mit dem Mentor/der Mentorin.

    Ich fühle mich nicht befähigt nur auf Grund Deiner Schilderung Dir jetzt zu irgendwas zu raten. Dafür ist das ganze - auch von den Folgen her - zu heikel.
    Und insbesondere: Die bisherige Zeit an der Schule ist viel zu kurz in einer absoluten Ausnahmesituation für die Schule.

    Viel Erfolg!

  • Meine Erfahrungen sind, dass ein Schulwechsel nicht einfach ist und man dafür als Referendar/-in doch etwas robuster veranlagt sein muss, da es ohne Konfrontation und Auseinandersetzung sowohl mit den Personen an der Ausbildungsschule als auch am Seminar hinausläuft.

    Man muss sich also gut überlegen oder besser: gut beraten sein, bevor man diesen Schritt geht. Falls es nämlich nicht klappt, hinterlässt das verbrannte Erde bei Schulleitung, Mentor, Seminar etc...
    Man hat leider auch leicht den Ruf eines Querulanten oder von jemanden, der eigenes Unvermögen anderen in die Schuhe schieben möchte.

    Das hängt aber auch sehr stark vom Seminar und der Seminarleitung ab. Bei mir Ref gab es auch ein paar Fällte, wo Referendare die Schule wechseln wollten, weil sie da nicht gut ausgebildet wurden. Die Seminarleitung hat immer deutlich gemacht, dass das nur im wirklichen Notfall passieren soll. Wenn sie gemerkt hat, dass es nötig war, hat sie dann aber auch dafür gesorgt das es klappt und zumindest auf Seiten des Seminars gab es danach keine Probleme.


    butterblume Gibt es bei euch ein Kernseminar? Bei uns war das ein bewertungsfreie Seminar, wo es in erster Linie um das Wohlbefinden der Referendare ging. Falls du sowas hat, würde ich mich mal an die Kernseminarleitung wenden. Das war bei mir im Ref in schwierigen Phasen eine große Hilfe.

  • Vielen Dank für die vielen hilfreichen Antworten.

    Danke BlackandGold für das Angebot. Sollte ich wieder dazukommen Unterrichtsentwürfe zu schreiben, dann komme ich darauf evtl zurück :) Danke:)


    Unterbrechen muss ich auf jeden Fall. Das seh ich ein. In meinem Zustand kann ich nicht an die Schule. Ich benötige professionelle Hilfe.


    Die GEW ist kontaktiert und ich hoffe zeitnah ein Beratungsgespräch zu erhalten.


    mc3330: Von einem Kernseminar habe ich bisher leider noch nichts gehört.

  • ist deine Seminarleitung nicht in der Lage dich zu unterstützen. Auch die Ausbildungskoordinatoren sollten auf seiner Seite sein. Wie auch immer die in BW genantn werden.

    Wenn du krank bist, solltest du nur telefonieren, wenn du dich gut genug fühlt. Wenn du glaubst, dass deien Kollegin dir helfen möchte, kannst du ihr auch von deinen Problemen erzählen. Wie geht es denn deinen Mitreferendaren?

  • PeterKa: Mit meinen Mitreferendaren an der Schule habe ich schon gesprochen. Denen scheint dies aber nicht so viel auszumachen wie mir (wies in deren Inneren aussieht, kann ich natürlich nicht sagen). Deshalb fühle ich mich mitunter auch noch unfähiger :(

  • Kernseminar ist das, was in NRW früher Hauptseminar heißt. Das müsste es auch in anderen Bundesländern geben, ich kenne die Namen aber nicht. In NRW hat man die beiden Fachseminare und halt das Kernseminar. Die Kernseminarleitung hat uns vor allem beraten, allgemeine Hilfestellungen zum Schulunterricht gegeben, bei (unserem) Bedarf bewertungsfreie UBs durchgeführt (wobei zwei obligatorisch sind) und am Schluss aufs Kolloquium vorbereitet. Meine ehemalige Kernseminarleitung organisiert u.a. auch Datenschutzfortbildungen für die Referendare.

  • Denen scheint dies aber nicht so viel auszumachen wie mir (wies in deren Inneren aussieht, kann ich natürlich nicht sagen).

    Da gäbe ich nicht zuviel drauf. Schön für die Kolleginnen, wenn sie robuster sind. Aber kriegen sie dadurch eine bessere Ausbildung?


    Letztendlich sind wir unterschiedlich stressresistent. Aber es gibt für jede eine Linie, bei der es sie erwischt. Deine ist halt da. Die Frage, ob deine Stressresistenz für den Alltagsbetrieb reichen wird, kann noch niemand beantworten.


    Du bist in einer Situation, in der du nicht sein solltest. Insofern musst du dieser auch nicht standhalten können.


    Stress kann auch Langzeitfolgen haben. Vielleicht ist es sogar besser, wenn dein Körper vorher aussteigt.


    Mag sein, dass du dir bei den Mitrefenrendaren ein paar Techniken abschauen kannst. Oder vergleichen, was die anders machen. Könnte das für dsich auch klappen. Aber zunächst mal musst die wieder gesund werden. Das Problem haben die Gesunden sowieso nicht.

    „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“

  • Liebe Butterblume,

    mich erinnern deine Beschreibung sehr stark daran, wie ich mich teilweise im Ref. gefühlt habe. Alle anderen Referendare schienen die Arbeit locker zu wuppen, nur ich saß heulend vor leeren Blättern.

    Ich möchte dir Mut machen, dass das überhaupt nichts darüber aussagt, wie gut du für den Beruf geeignet bist. Du befindest dich momentan in einer totalen Überlastungssituation und da musst du erstmal rauskommen.

    Ich habe damals mit einer Psychologin gesprochen und im Halbjahr darauf, lief alles plötzlich viel leichter.

    Aus der damaligen Situation habe ich die Erkenntnis für mich mitgenommen, dass ich Pausen für die Regeneration brauche. Wenn ich jetzt wieder das Gefühl habe bei der Arbeit nicht vorwärts zu kommen, dann lege ich eine Pause ein und mache Sport.

    Jetzt mit Corona ist sicherlich alles noch viel stressiger als bei mir damals und deine Schule klingt auch furchtbar.

    Nimm dir eine Auszeit, suche dir professionelle Hilfe und dann startest du mit neuer Kraft und neuem Mut wieder durch.


    Gute Besserung, liebe Grüße

    Seepferdchen

  • Wenn die Schule so furchtbar klingt, muss man aber dazu sagen, dass wir anderen wegen der Coronasituation auch alle völlig am Anschlag sind. Jedenfalls ist es bei uns so.

    Etwas immer schon so gemacht zu haben ist kein Grund, allenfalls ein Hindernis.

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