9-Euro-Ticket

  • Alasam


    Das ist in der bisherigen Praxis doch problemlos. Der §265a StGB verlangt zum Einen eine vorsätzliche Handlung und zum Anderen einen Vermögensschaden. Bei Fällen wie "Ticket vorhanden, abstempeln vergessen" oder "Dauerticket zu Hause vergessen" ist der Tatbestand gerade nicht erfüllt. Auch ist bei einmaligen "erwischt werden" kaum von Vorsatz auszugehen bzw. wäre ein solcher vor Gericht sehr schwer zu beweisen. Auch deswegen wird häufig auf Strafanzeige verzichtet und nur das erhöhte Beförderungsentgelt erhoben. Anders sieht das bei notorischen Schwarzfahrern aus, gegen die man auf diese Weise eine Handhabe hat.

    Danke für deine Präzisierung!


    An meiner Haltung ändert es jedoch nichts.

    Man kann sich viele Fälle denken, in denen kein Vorsatz vorlag, ohne dass sich dies so leicht belegen lässt (Z.B. nicht personengebundenes Ticket vergessen/verloren, nicht daran gedacht, rechtzeitig eine neue Zeitkarte zu besorgen u.Ä.).

    Zudem ist man sehr von der Kulanz der Verkehrsunternehmen abhängig. Einige sind recht tolerant, andere gar nicht.

    Und selbst wenn es Absicht ist: In letzter Zeit habe ich öfter gelesen, dass die Leute, die es tatsächlich auf dieser Grundlage ins Gefängnis schaffen, meistens von Armut, Schicksalsschlägen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind, vgl. etwa hier:

    Doch oftmals, so führt der Kriminologische Dienst aus Nordrhein-Westfalen in einer Analyse aus, seien gerade die Menschen, die aufgrund von Fahren ohne Fahrschein verurteilt würden, bei Haftantritt schlicht "verarmt, krank, sozial ausgeschlossen und im strafrechtlichen Sinn nicht gefährlich" - viele von ihnen also nicht ohne weiteres zum Arbeiten in der Lage.

    steht dort im Zusammenhang, dass grundsätzlich alle Verurteilten die Möglichkeit haben, die Geldstrafe abzuarbeiten, wenn sie sie nicht bezahlen können.


    Auch der Verbund der Strafvollzugsbediensteten äußert sich kritisch: Da kämen Personen in Gefängnisse, die da nicht reingehörten, merkt der Vorsitzender René Müller an. Man sei ohnehin überlastet und könne in so kurzer Zeit keine Resozialisierung ermöglichen. Auch die Leiterin der JVA Frankenthal, Gundi Bäßler, kritisiert: "Wenn jemand eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzt, dann fällt draußen auch viel auseinander." Manche verlören ihren Job, ihre Wohnung, das soziale Umfeld.


    usw.

  • Ich bin jetzt durch Baden-Württemberg (Basel, Karlsruhe, Stuttgart) und Bayern (Augsburg, Füssen) gereist, hatte immer Platz und gute Gespräche.


    Ich fand es in der 2. Woche schön, mich treiben zu lassen (so kam ich nach Füssen, im Zug sprachen ein paar über kneippen und Lechfall in Füssen). Klar, wäre ich sonst nicht gefahren (ich hatte in dieser Zeit aber auch keine Zeit zum Autofahren), aber ich halte das 9-Euro-Ticket für sinnvoller als die Steuerermäßigung für das Benzin, das zumindest teilweise/großteils bei den Ölfirmen landet. Seltsam, dass es dazu hier keinen Thread gibt, der dies kritisiert. (Und ich muss hier auch erst einmal weg, die meisten Züge von meinem Bahnhof fahren in die Schweiz, zudem gibt es Baumaßnahmen mit Schienenersatzverkehr.)


    Ich plane jetzt auf jeden Fall längere Touren für die Sommerferien (7x umsteigen bis Flensburg) und das Auto bleibt weiterhin stehen. :D

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • ...Steuerermäßigung für das Benzin, das zumindest teilweise/großteils bei den Ölfirmen landet.

    Sind unsere politischen Entscheider wirklich zu blöd in das entsprechende Gesetz reinzuschreiben, dass diese Steuerermäßigung 1:1 an den Endkunden weiterzugeben ist?

    Abgesehen davon halte ich eine Politik, die Preise über Steuermittel stützt für asozial. Damit werden letztendlich spekulationsgewinne aus Steuermitteln bezahlt. Sinnvoller wäre es m.E. die Preise für Energieträger und Lebensmittelgrundstoffe zu deckeln. Das kostet den Steuerzahler nix und hilft allen.

    Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :_o_P


    8_o_)Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:

  • Eine Studie (Welche? Aber immerhin habe ich es im BR gehört) ist jetzt wohl zu dem Ergebnis gekommen, dass der Rabatt wohl tatsächlich zum größten Teil weitergegeben wurde.

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) calmac

  • Sind unsere politischen Entscheider wirklich zu blöd in das entsprechende Gesetz reinzuschreiben, dass diese Steuerermäßigung 1:1 an den Endkunden weiterzugeben ist?

    Ist die Frage ernst gemeint oder siehst du wirklich nicht, dass das keinen Unterschied machen würde. Selbst wenn man festschreiben würde, dass diese Steuerermäßigung 1:1 weiterzugeben ist, erfolgt die Preisbildung des Produkts selbst noch immer am Markt. Offenbar ist die Nachfrage ja auch bei hohen Preisen noch groß genug, um die verfügbaren Mengen auch abzusetzen.

    Abgesehen davon halte ich eine Politik, die Preise über Steuermittel stützt für asozial. Damit werden letztendlich spekulationsgewinne aus Steuermitteln bezahlt. Sinnvoller wäre es m.E. die Preise für Energieträger und Lebensmittelgrundstoffe zu deckeln. Das kostet den Steuerzahler nix und hilft allen.

    Was die Deckelung von Preisen bringt, hat man bei der Mietpreisbremse wunderbar sehen dürfen. Im Energie- und Lebensmittelsektor wäre bei Festsetzung von Maximalpreisen bei gleichzeitig steigenden Bezugskosten schnell mit einer Verknappung des Angebots zu rechnen, es sei denn der Staat springt hier dann doch mit massiven Subventionen ein, wie es z.B. in der DDR für den Grundbedarf gehandhabt wurde.

  • Sinnvoller wäre es m.E. die Preise für Energieträger und Lebensmittelgrundstoffe zu deckeln. Das kostet den Steuerzahler nix und hilft allen.

    Du meinst so wie bei dem Mietendeckel? Wohin der Mietendeckel langfristig führt, kann man hier sehr gut sehen:
    --> Vom Ausland lernen: Bloß kein Mietpreisdeckel


    Im Ergebnis lassen die Vermieter dann irgendwann die Wohnungen komplett verfallen, weil sich das Vermieten eh nicht mehr rechnet, da allein die laufenden Kosten höher sind als die Mieteinnahmen.


    Bei der Deckelung von Energie- und Lebensmittelpreisen sei nur an das Ende der DDR erinnert. Dort waren die Preise ja gedeckelt. Im Ergebnis war es am Ende der DDR für den einzelnen günstiger seine Nutztiere mit Brötchen zu füttern als mit Tierfutter, eben weil die Brötchen staatlich reglementiert seit 1953 stehts den gleichen Preis hatten und die Inflation diese preise zu "praktisch kostenlos" gedrückt hat. Hätte dort der Staat nicht mit massiven Steuermitteln eingegriffen, es hätte sich für keinen Bäcker mehr rentiert Brötchen zu backen und entsprechend wäre der "Markt" komplett zusammengebrochen, was dazu geführt hätte, daß eben niemand mehr Brötchen bekommen kann, weil keine mehr produziert werden.


    Bei der Energie ist es ähnlich. Klar kann man den Benzinpreis deckeln und den Mineralölfirmen vorschreiben einen bestimmten Verkaufspreis nicht zu übersteigen. Wenn dann aber durch die Inflation die Rohstoffpreise steigen, darf man es diesen Firmen auch nicht verübeln, wenn sie sich aus dem deutschen oder europäischen Markt zurückziehen.

  • plattyplus Ich stelle mir da eher eine Art Glättungsfunktion vor:

    Man setzt den Erzeugerpreis zum Endverbraucherpreis ins Verhältnis. Das macht man für z.B. die letzten 5 Jahre. Daraus bildet man den Durchschnitt sowie die Standardabweichung. Durchschnitt + Standardabweichung ergibt dann das maximale Verhältnis zwischen Erzeugerpreis und Endverbraucherpreis.

    Der Erzeugerpreis wäre jetzt z.B. der Gaspreis für den uns Russland sein Gas verkauft, der Endverbraucherpreis das, was ich dann für das gas bezahlen muss.

    Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :_o_P


    8_o_)Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:

  • Eine Studie (Welche? Aber immerhin habe ich es im BR gehört) ist jetzt wohl zu dem Ergebnis gekommen, dass der Rabatt wohl tatsächlich zum größten Teil weitergegeben wurde.

    Nach dem, was ich zuletzt gehört habe, werden wohl bei Benzin 2/3 (also ja, der größte Teil) des "Tankrabatts" weitergegeben, 1/3 streichen damit aber eben doch die Ölfirmen ein, die ihren Gewinn weiter maximieren auf unsere aller Kosten. Meines Erachtens klafft unegachtet dessen, dass es lediglich um Centbeträge geht, ab der Stelle eine zu große Lücke zwischen dem Bruttosteuererlass und dem netto an die Endkunden weitergegebenem Preis.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Die "Studie" war vom Münchner ifo-Institut und hat die Preise in Frankreich auf Deutschland "umgerechnet". An dieser Rechnung gab es von Anfang an viel Kritik, fast alle anderen sehen es anders.

    (Warum wundert mich das nicht? Ich sage nur mal Mindestlohn und Arbeitsplatzvernichtung oder e-Auto, 2 weitere Studien, die nicht stimmten.)

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  • Ich plane jetzt auf jeden Fall längere Touren für die Sommerferien (7x umsteigen bis Flensburg) und das Auto bleibt weiterhin stehen. :D

    Als ich im Ref und klamm bei Kasse war, bin ich mal mit dem Schöne-Wochenende-Ticket von Süd- nach Norddeutschland gereist. Fast 24 Stunden, ca. 10x Umsteigen, Kleinkind und Hund im Schlepptau inklusive Gepäck für eine Woche. Wir erzählen heute noch von diesem Trip. Da haben wir mehr erlebt als im ganzen Urlaub. 😄

  • Ich war letzte Woche mit SuS im Zug unterwegs. Nichts, aber auch gar nichts könnte mich aktuell dazu bringen, freiwillig Zug zu fahren. Morgens (im Pendlerverkehr) ging es sogar noch, aber die Rückreise (keine Pendleruhrzeit) war dermaßen chaotisch und widerlich, dass mir Zugfahren wieder für Monate reicht.

    Zug über 30min zu spät - spontaner Gleiswechsel am Bahnhof - überfüllt und 1/2 des Kurses stehend nach Hause - Klima defekt oder nicht ausreichend + laut Anzeige fielen mehrere Züge aus wg "Personalmangels"

  • Ich war letzte Woche mit SuS im Zug unterwegs. Nichts, aber auch gar nichts könnte mich aktuell dazu bringen, freiwillig Zug zu fahren. Morgens (im Pendlerverkehr) ging es sogar noch, aber die Rückreise (keine Pendleruhrzeit) war dermaßen chaotisch und widerlich, dass mir Zugfahren wieder für Monate reicht.

    Zug über 30min zu spät - spontaner Gleiswechsel am Bahnhof - überfüllt und 1/2 des Kurses stehend nach Hause - Klima defekt oder nicht ausreichend + laut Anzeige fielen mehrere Züge aus wg "Personalmangels"

    Das ist alles Teil des Events. 😁


    Im Ernst: Ich liebe es, Zug zu fahren, wenn ich Zeit hab. Aber im Alltag find ich den ÖPNV schon auch abartig nervig.

  • Wenn ich sehe wie die Deutsche Bundesbahn heute rumeiert, wundert es mich jedes Mal aufs Neue, wie sie es im zweiten Weltkrieg trotz täglichen Bombardements der Bahnhöfe und Strecken geschafft haben überhaupt zu fahren. Damals waren die Eisenbahner wohl echt von einem anderen Schlag als heute.


    Oder anders: Warum bleibt ein Personenzug wegen "Überfüllung" heute im Bahnhof stehen (selber mehrfach erlebt)? Indische Personenwagons halten es sogar aus, wenn noch hunderte Personen auf dem Dach mitfahren. Bei uns hat der Zugführer gleich die Hosen voll, wenn der Zug mal so voll ist, daß es nicht für alle Personen Sitzplätze gibt.


    Vielleicht sollten wir demnächst Wagons und Lokomotiven bei Tata kaufen, die taugen wenigstens was:
    --> https://www.watson.ch/spass/in…e-nur-in-indien-passieren


    Wahlweise könnte man auch bei Öl- und Gasknappheit und damit Verbundenem Abschalten der Öl- und Gaskraftwerke wieder die alten Dampfloks der Baureihe 52 wieder in Dienst stellen. Die haben haben schon im zweiten Weltkrieg gezeigt, daß sie auch bei +40°C und -30°C noch funktionieren, ganz im Gegensatz zu heutigen ICEs.

  • Oder anders: Warum bleibt ein Personenzug wegen "Überfüllung" heute im Bahnhof stehen (selber mehrfach erlebt)? Indische Personenwagons halten es sogar aus, wenn noch hunderte Personen auf dem Dach mitfahren. Bei uns hat der Zugführer gleich die Hosen voll, wenn der Zug mal so voll ist, daß es nicht für alle Personen Sitzplätze gibt.

    Wenn man sucht, dann findet man von Dir bestimmt einen Post, in dem Du Dich über einen zu hohen Klassenteiler beschwerst. Wie das die chinesischen Kollegen nur machen…

  • Wenn man sucht, dann findet man von Dir bestimmt einen Post, in dem Du Dich über einen zu hohen Klassenteiler beschwerst. Wie das die chinesischen Kollegen nur machen…

    Keine Sorge, ich hatte auch schon einmal eine Klasse mit 43 Schülern vor mir. Wenn die Schüler diszipliniert sind, geht das sogar besser als mit 20 ADHS-Schülern.

    Wenn Du fragen solltest, wie es zu so großen Klassen kommt: Die Betriebe können auch noch im Oktober und November Lehrverträge abschließen und dann kommen weit nach Schuljahresbeginn die Azubis zu uns und müssen beschult werden.

  • Flupp: hier ist ein solcher Beitrag. Wobei er dort nur schreibt "Ist halt ein bisschen blöd".

    Nimm doch gleich den hier: RE: Schule nach den Sommerferien (NRW)


    Zitat daraus: "Ich habe gerade mal nachgesehen. Wir haben an der Schule aktuelle drei Klassen mit 40-50 Schülern, zumindest wenn man den Excel-Tabellen glauben darf. Mal gucken, was da noch passiert."
    Es passierte damals genau gar nichts. Dank mangelnder Fachkollegen sind die Klassen in der Größe durchgelaufen.

  • Wahlweise könnte man auch bei Öl- und Gasknappheit und damit Verbundenem Abschalten der Öl- und Gaskraftwerke wieder die alten Dampfloks der Baureihe 52 wieder in Dienst stellen. Die haben haben schon im zweiten Weltkrieg gezeigt, daß sie auch bei +40°C und -30°C noch funktionieren, ganz im Gegensatz zu heutigen ICEs

    Blöd nur, dass die 52er fast alle auf Ölfeuerung umgebaut wurden.

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) calmac

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